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19.12.2012

Editorial

Vor 50 Jahren, am 22. Januar 1963, unterzeichneten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle in Paris den Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit. Der Élysée-Vertrag markiert den offiziellen Beginn der deutsch-französischen Freundschaft, die seither Jahr für Jahr am Unterzeichnungstag feierlich bekräftigt wird. Zwar verkennt dies, dass es schon vor 1963 insbesondere auf zivilgesellschaftlicher Ebene zahlreiche freundschaftliche Annäherungen zwischen beiden Ländern gab, aber als "Erinnerungsort" bietet das Datum immer wieder Anlass innezuhalten und sich der Partnerschaft zu vergewissern.

Der Erfolg dieser Partnerschaft wird schon lange nicht mehr allein an den bilateralen Beziehungen gemessen, sondern vor allem auch daran, inwiefern Deutschland und Frankreich gemeinsam imstande sind, die europäische Integration als "Motor" voranzutreiben. Gerade in Krisenzeiten, in denen rasches, kohärentes Handeln auf europäischer Ebene gefragt ist, sind ein funktionierender Dialog und eine enge Abstimmung zwischen Paris und Berlin unerlässlich. Der Grat, den die jeweiligen Staatschefs dabei zu beschreiten haben, ist schmal: Gelingt es nicht, die anderen europäischen Partner "mitzunehmen", ist rasch von einem "deutsch-französischen Diktat" die Rede.

So berechtigt es ist, die überaus positive Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg zu würdigen, so wichtig ist es, die Freundschaft stets aufs Neue mit Leben zu füllen – etwa durch das Erlernen der jeweils anderen Sprache. Denn die Selbstverständlichkeit, die dem Bündnis zwischen Deutschland und Frankreich inzwischen anhaftet, birgt ebenso wie die symbolträchtige Überhöhung der einstigen "Erbfeinde" zu "Erbfreunden" die Gefahr, dass eine schleichende Entfremdung möglicherweise gar nicht mehr bemerkt würde.

Johannes Piepenbrink

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