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16.1.2013

Editorial

Deutschland altert. Im internationalen Vergleich gehört die deutsche Gesellschaft zu den ältesten. Das Durchschnittsalter lag 2010 bei 44 Jahren, weltweit dagegen bei 29 Jahren. Der Aussicht, 81 Jahre alt zu werden, steht weltweit eine durchschnittliche Lebenserwartung von 69 Jahren gegenüber. Schattenseiten dieser Befunde sind die hierzulande steigenden Zahlen von Pflegebedürftigen (gegenwärtig 2,34 Millionen Personen) sowie von Demenz betroffenen Menschen (1,2 Millionen).

Politisch besonders umstritten sind die Konsequenzen des Zusammenspiels einer alternden Gesellschaft und einer niedrigen Geburtenrate für den Arbeitsmarkt. Zu den Versuchen, das Erwerbspersonenpotenzial zu erhöhen, gehören Konzepte zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zur Steigerung der Erwerbsquote von Frauen oder auch zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Mit Blick auf ältere Menschen wird neben einer weiteren Erhöhung auch eine Flexibilisierung des gesetzlichen Rentenalters diskutiert. Letzteres knüpft an den Trend der zunehmend "jungen Alten" an, die das traditionelle Bild der "gebrechlichen, kranken Alten" infrage stellen.

Trotz der Aussichten auf ein im Durchschnitt längeres und aktiveres Leben dürfen Ältere, die in prekären Verhältnissen leben, nicht aus dem Blick geraten. Das Risiko der Altersarmut bleibt vor allem für Beschäftigte im Niedriglohnsektor hoch. Eine kommerzialisierte Gesellschaft, die auf Perfektion und Leistung programmiert ist, lässt zwangsläufig weniger Raum für diejenigen, die diesen Maßstäben nicht oder nicht mehr gerecht werden können. Fraglich ist daher, ob gesellschaftliche Einrichtungen sowie Pflege- und Altenheime auf die steigende Anzahl von Hochbetagten vorbereitet, das heißt alterns- und altersgerecht ausgestattet sind. Eine generationengerechte Gesellschaft bedarf beides: Möglichkeiten, in jedem Alter selbstbestimmt eigene Potenziale zu entfalten, sowie Solidarität und Sensibilität gegenüber den Bedürfnissen älterer Menschen.

Asiye Öztürk

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