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22.9.2014

Editorial

Im Oktober 2011 schrieb die US-amerikanische Außenministerin Hillary Clinton in einem programmatischen Artikel für die Zeitschrift "Foreign Policy": "The future of politics will be decided in Asia (…) and the United States will be right at the center of the action." Spätestens mit dieser offiziellen Hinwendung der USA nach Asien und der Ausrufung eines "pazifischen Jahrhunderts" rückte Südostasien verstärkt ins Blickfeld der Weltpolitik – droht hier doch ein langwieriger Konflikt zwischen den Großmächten USA und China um strategische Einflusszonen. In den wachsenden Militäretats der südostasiatischen Staaten finden die konkurrierenden Interessen bereits einen deutlichen Niederschlag: Im zurückliegenden Jahrzehnt stiegen die Rüstungsausgaben im maritimen Südostasien um 41 Prozent.

Südostasien indes als zusammenhängende Region zu beschreiben, ist kühn. Zwar lässt sie sich geografisch grob definieren – bestehend aus den Ländern östlich von Indien und südlich von China, die meisten davon Anrainer des Südchinesischen Meeres –, kulturell und politisch aber ist sie höchst uneinheitlich, was nicht zuletzt auch auf die koloniale Vergangenheit der meisten Länder zurückzuführen ist. Die Bandbreite der heute vertretenen politischen Systeme reicht von mehr oder weniger ausgebildeten Demokratien über autokratische Systeme bis zu Militärdiktaturen.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass eines der Prinzipien des Verbandes Südostasiatischer Nationen (ASEAN) das der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der anderen Staaten ist. Trotz der "Zahnlosigkeit" des Verbandes – Sanktionen bei Menschenrechtsverletzungen von Mitgliedsländern sind kaum denkbar – stellt er ein wichtiges Forum dar, das zur Verständigung und somit zur Sicherheit in der Region beiträgt. Als wichtige Exporteure von Rüstungsgütern tragen auch Deutschland und die Europäische Union Verantwortung dafür, nicht nur die Militarisierung der Region voranzutreiben, sondern sich auch für ihre Stabilität einzusetzen.

Johannes Piepenbrink

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