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24.7.2015

Editorial

Globalisierung, Klimawandel, Digitalisierung, neue Mobilität, demografischer Wandel, Urbanisierung – all dies sind Entwicklungen, die nicht nur die heutige Welt und unser Leben prägen, sondern bereits seit Längerem wirksam sind und voraussichtlich auch unsere Kinder und Kindeskinder noch beschäftigen werden. Es handelt sich um grundlegende und tief greifende Veränderungen, die zwar relativ langsam vor sich gehen, sich dafür aber über eine große Zeitspanne hinziehen und den Rahmen bilden für viele andere, davon beeinflusste Entwicklungen. Es ist deshalb häufig von "Megatrends" die Rede.

Der Begriff, den der US-amerikanische Politikwissenschaftler John Naisbitt Anfang der 1980er Jahre etablierte, ist Ausdruck des Bedürfnisses, die Welt zu ordnen, Komplexität zu reduzieren und Zukunft "berechenbarer" zu machen. Inzwischen ist er fester Bestandteil der Alltagssprache. Dies führt dazu, dass er bisweilen inflationär verwendet wird und nicht selten als Schlagwort dient, um die Aufmerksamkeit von Politik oder potenziellen Kundinnen und Kunden auf ein (vermeintliches) Problem oder bestimmte Produkte zur Lösung desselben zu lenken. Auf der anderen Seite sind Politik und Wirtschaft auf seriöse Prognoseforschung angewiesen, um wichtige Weichenstellungen informiert und verantwortungsvoll vornehmen zu können.

Es lässt sich also darüber streiten, ob der Begriff "Megatrend" hilfreich oder überflüssig ist. Selbst bei engerer Definition sehen die zahlreichen Megatrend-Rankings sehr unterschiedlich aus. So stellt auch die Themenauswahl in dieser Ausgabe keine "Kanonisierung" oder Priorisierung bestimmter Trends dar – durch sie werden lediglich ausgewählte Aspekte der oben genannten Entwicklungen, von denen jede für sich ein eigenes Heftthema sein könnte, schlaglichtartig in den Blick genommen. Ob sie tatsächlich dauerhaft relevant bleiben, wird die Zukunft zeigen.

Johannes Piepenbrink

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