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APuZ

Aus Politik und Zeitgeschichte



Was heißt "links" und was bedeutet "rechts" - im Jahr 1963?

Helmut Schmidt und Gerhard Stoltenberg in "Aus Politik und Zeitgeschichte" (4, 1963)

Darüber, was als politisch "links" oder "rechts" gilt, wird häufig gestritten. Parteien und Politiker grenzen sich und den politischen Gegner damit bewusst voneinander ab. Doch sind die Begriffe trennscharf? Darüber wird schon länger diskutiert, wie zwei Beiträge von Helmut Schmidt und Gerhard Stoltenberg in einer APuZ von 1963 zeigen.

Mit "links" oder "rechts" werden seit Anfang des 19. Jahrhunderts politische Lager und Strömungen bezeichnet. Galt es zunächst als eine rein räumliche Verortung von Abgeordneten im Plenarsaal, wurde daraus bald eine Richtungslehre sich gegenüberstehender politischer Ideen und Ideologien. Heute wird darüber gestritten, was unter "links" und "rechts" noch zu verstehen ist.

Doch das ist nicht neu: Schon 1963 debattierten der damalige Hamburger Innensenator und spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt und der damalige Bundestagsabgeordnete und spätere Ministerpräsident und Bundesminister Gerhard Stoltenberg darüber debattiert. In zwei Beiträgen in "Aus Politik und Zeitgeschichte" (4, 1963) setzen sie sich mit der Frage auseinander, was "links" und "rechts" im damaligen politischen System der Bundesrepublik bedeuten und ob diese Kategorien noch trennscharf sind.

Die APuZ 4, 1963 können Sie PDF-Icon hier als durchsuchbare PDF herunterladen (6,29 MB).

Was heißt heute eigentlich "links"?



Von Gerhard Stoltenberg

 Was heißt heute eigentlich "links"? Von Gerhard Stoltenberg, APuZ 4, 1963, Seite 3 Was heißt heute eigentlich "links"? Von Gerhard Stoltenberg, APuZ 4, 1963, Seite 4 Was heißt heute eigentlich "links"? Von Gerhard Stoltenberg, APuZ 4, 1963, Seite 5 Was heißt heute eigentlich "links"? Von Gerhard Stoltenberg, APuZ 4, 1963, Seite 6 Was heißt heute eigentlich "links"? Von Gerhard Stoltenberg, APuZ 4, 1963, Seite 7

Was heißt heute eigentlich "links"? (Auszug)

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In Deutschland scheinen seit 1945 die geistesgeschichtlichen und realpolitischen Voraussetzungen für neue, zeitgemäße Denk- und Organisatimisformen günstiger zu sein als jemals zuvor. Es gibt bei uns aber viele Menschen, die nach den Überspanntheiten einer totalitären Weltanschauung, eines verlogenen politischen Messianismus, tief enttäuscht sind und Politik jetzt nur noch vordergründig als nackten Macht- und Interessenkampf sehen wollen. Sie merken dabei nicht, wie sehr sie wieder einem falschen Vorurteil, diesmal unter den entgegengesetzten Vorzeichen der Verneinung oder Skepsis, verfallen.

Was bedeutet heute eigentlich "rechts"?



Von Helmut Schmidt

 Was bedeutet heute eigentlich "rechts"? Von Helmut Schmidt, APuZ 4, 1963, Seite 8 Was bedeutet heute eigentlich "rechts"? Von Helmut Schmidt, APuZ 4, 1963, Seite 9 Was bedeutet heute eigentlich "rechts"? Von Helmut Schmidt, APuZ 4, 1963, Seite 10 Was bedeutet heute eigentlich "rechts"? Von Helmut Schmidt, APuZ 4, 1963, Seite 11 Was bedeutet heute eigentlich "rechts"? Von Helmut Schmidt, APuZ 4, 1963, Seite 12

Was bedeutet heute eigentlich "rechts"? (Auszug)

[...]

Links und rechts sind relative Begriffe - ebenso wie groß und klein, laut oder leise, schnell und langsam. Der Maßstab ergibt sich immer nur aus der konkreten historischen Situation, er gilt auch nur für diese! Was heute vor 60 Jahren im 100-m-Lauf eine erstklassige, eine Weltklasse-Zeit gewesen ist, das erreichen heute viele Primaner. Was vor 50 Jahren eine technische Großtat war, ist heute alltäglich. Was 1914-1918 schrecklich war, ist durch Stalingrad, Auschwitz und Hiroshima weit überboten worden. Was 1891 Hauptbestandteil einer linken Politik war, parlamentarische Demokratie, Menschenrechte, Sozialversicherung, Rechtsstaatlichkeit: heute wird es von der Rechten genauso akzeptiert. Und wenn damals von der Rechten gewaltsamer Umsturz und Revolte als Mittel zum Fortschritt bekämpft wurden, so hat heute die Linke gleiche Einstellungen.

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