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29.1.2016

Editorial

Dresden ist in vielerlei Hinsicht ein besonderer Ort. Im Jahr 1206 wurde er erstmals urkundlich erwähnt. Besiedelt ist die Gegend jedoch schon deutlich länger: Um 600 ließen sich in diesem – damals noch hochwasserfreien – Teil des Elbtals Sorben nieder, die zur Namensgebung verhalfen: drezdzany steht im Sorbischen für "Ort der Sumpfwaldleute". Dieser hat seither eine erstaunliche Entwicklung genommen: Weitgehend verschont vom Dreißigjährigen Krieg wurde die kurfürstliche Residenzstadt nach und nach zum "Elbflorenz", dessen barockes Stadtbild und bedeutende Kunstsammlungen Einheimische und Besucher gleichermaßen begeistern. Zu DDR-Zeiten galt Dresden wegen des schlechten Empfangs des Westfernsehens als "Tal der Ahnungslosen", aber auch als Residuum einer Bürgerlichkeit, die im Realsozialismus anderswo zu verschwinden drohte.

Vielen Dresdnerinnen und Dresdnern wird ein charakteristischer "Eigen-Sinn" nachgesagt. Er drückt sich aus in einem besonderem Stolz auf die Stadt, bisweilen aber auch in einem Opferkult: Der Umgang mit dem Gedenken an das verheerende Bombardement der historischen Altstadt in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 steht beispielhaft dafür, wie ein Ereignis – wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz – überhöht und geradezu mystifiziert werden kann. In keiner anderen deutschen Stadt, die ähnlich hart vom Krieg getroffen wurde, ist das Gedenken derart umstritten und emotional aufgeladen.

Seit etwas über einem Jahr ist Dresden Schauplatz der polarisierenden Protestbewegung Pegida, die auf ihren "Abendspaziergängen" vor "Überfremdung" und "Islamisierung" warnt. Vielfach wird die Bewegung als "spezifisch Dresdnerisch" beschrieben. Andere werfen die Frage auf, ob Dresden besondere "Antennen" für gesellschaftliche Problemlagen habe. Dem Image der Stadt in In- und Ausland ist Pegida jedenfalls nicht förderlich.
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Johannes Piepenbrink

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