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14.9.2018

Behindert/Nicht behindert. Begrifflichkeiten, Konzepte und Modelle in der Disability History

Historiker und Historikerinnen, die sich in Deutschland mit der Geschichte sozialer Ungleichheit befasst haben, untersuchten lange Zeit vor allem die Ursachen und Folgen von Klassen-, Schicht-, Standes- oder Milieuzugehörigkeiten. Besonders die sich seit den 1960er Jahren in der Bundesrepublik etablierende deutsche Sozialgeschichte hat hier ihren Schwerpunkt gelegt.[1] In den 1980er Jahren avancierte Gender zu einer weiteren Achse der Ungleichheit, die intensiv erforscht wurde.[2] Und noch später kam die Ethnizität (in den USA würde man eher den Begriff race verwenden) als weitere Ungleichheitskategorie hinzu. Heutzutage ist das Forschungsfeld gegenüber den 1980er Jahren deutlich pluraler geworden: Sexuelle Orientierung, Alter oder Staatsangehörigkeit werden nun ebenfalls als soziale Ungleichheitskategorien analysiert und in ihrer Wirkmächtigkeit in Hinblick auf Lebenslagen, soziale Teilhabechancen, gesellschaftlich kursierende Stereotypisierungen und Diskriminierungs- sowie Privilegierungspraktiken untersucht. Auch Behinderung beziehungsweise Nichtbehinderung hat mittlerweile die Aufmerksamkeit einiger deutscher Geschichtswissenschaftlerinnen und Geschichtswissenschaftler auf sich gezogen.[3]

Definitorische Schwierigkeiten



Die Forscherinnen und Forscher der sogenannten Disability Studies, zu denen die Disability History zugeordnet wird, stehen allerdings vor einem definitorischen Problem: Wer ist eigentlich aus welchen Gründen der Gruppe der behinderten Menschen zuzuordnen, deren Geschichte es zu erforschen gilt? Es gibt zum einen die bürokratisch-medizinische Definition, die schon in der frühen Bundesrepublik Behinderung über die Befähigung zur Erwerbsarbeit bestimmte: Als behindert galt, wer wegen einer physischen, kognitiven oder psychischen "Minderbefähigung" nicht oder nur eingeschränkt über Erwerbsarbeit seinen Lebensunterhalt verdienen konnte und deshalb gegebenenfalls Anspruch auf Ausgleichszahlungen, Rehabilitationsmaßnahmen oder bevorzugte Einstellung hatte. Zum anderen aber entwickelte sich im Zeitverlauf ein Behinderungsbegriff, der sich nicht ausschließlich an der Erwerbsarbeit orientierte, sondern zusätzlich die sozialen Teilhabechancen als Gradmesser für Behinderung ansah und dadurch noch ganz andere Bevölkerungsgruppen umfasste als den (ursprünglich vornehmlich männlich gedachten) Arbeitnehmer.

Doch auch unabhängig von diesen administrativen definitorischen Versuchen der Festlegung, wer nun als behindert gelten sollte und wer nicht, haben Sozial- und Geisteswissenschaftler und damit das gesamte Feld der sogenannten Disability Studies intensiv über eigenständige definitorische Klärungen diskutiert.[4] Unter anderem wurde gefragt, ob nur Menschen mit körperlichen oder kognitiven/geistigen Beeinträchtigungen zur Gruppe der Menschen mit Behinderungen zu zählen seien oder auch psychisch erkrankte Menschen. Und damit eng verknüpft wurde debattiert, ob nur diejenigen als behindert betrachtet werden sollten, deren Andersartigkeit durch die Umwelt wahrnehmbar ist, weil sich an die sichtbaren Beeinträchtigungen in der Regel Diskriminierungspraktiken andocken. Sind, so wurde gefragt, also beispielsweise Menschen, die an Schädigungen der inneren Organe leiden, dementsprechend nicht behindert, weil diese Schädigungen nicht augenfällig sind? Und gehören dann Personen mit Auffälligkeiten, die von der ästhetischen Norm abweichen, wie etwa Menschen mit weit überdurchschnittlicher Gesichtsbehaarung (Hypertrichose), obwohl sie an keinerlei somatischer Beeinträchtigung leiden, zu der Gruppe der Behinderten, weil ihre Umwelt gegebenenfalls mit Stigmatisierung und Diskriminierung auf sie reagiert?[5]

Ebenso ist fraglich, wie man Krankheit von Behinderung abgrenzt. Über die zeitliche Dauer, wie vorgeschlagen wurde, gestaltet sich dies schwierig, denn es gibt durchaus Menschen, die nur über kürzere Phasen ihres Lebens einmalig oder wiederkehrend behindert sind, etwa Personen, die unter psychotischen Schüben leiden. Und es gibt lebenslang an Krankheiten leidende Personen, die aber, wie etwa Diabetiker, nicht als behindert gelten (zumindest nicht im allgemeinen Sprachgebrauch). Mithin wird von fließenden Übergängen und oft auch gegenseitiger Bedingtheit zwischen Krankheit und Behinderung auszugehen sein. Dies trifft auch auf das Verhältnis zwischen Behinderung und Alter zu: Ältere Menschen sind oft – wie viele Menschen mit Behinderungen ebenfalls – in ihren Aktionsradien eingeschränkt und haben aufgrund ihrer physischen oder auch kognitiven Disposition oft nur begrenzte soziale Teilhabemöglichkeiten, gelten aber dennoch nicht per se als behindert. Gehören mithin Forschungen über Menschen mit altersbedingten Beeinträchtigungen zum Themenfeld der Disability Studies? Denn schließlich hat bereits die Bioethikerin Rosemarie Garland Thomson betont: "After all, we will all become disabled if we live long enough."[6]

Ein Vorschlag zur definitorischen Klärung war, Behinderung und Normalität in Opposition zu setzen.[7] Wenn Menschen über ihre körperlichen Merkmale und/oder ihre Verhaltensweisen von dem abweichen, was als normal in einer Gesellschaft angesehen wird, und wenn sie aufgrund dieser Normabweichung mit diskriminierenden Reaktionen und Strukturen konfrontiert sind, dann seien sie der Gruppe der Behinderten zuzuordnen. Aber auch diese Definition hat ihre Tücken, denn das, was gesellschaftlich als normal angesehen wird, ist ebenso wenig definitorisch geklärt: Keinesfalls hat sich "die" Gesellschaft darauf verständigt, was als "normal" zu gelten hat und was nicht.

Bisher hat sich innerhalb der Disability Studies und damit auch der zu diesem Forschungsfeld zugeordneten Disability History noch keine allgemein akzeptierte Definition von Behinderung durchgesetzt. Bei zukünftigen Definitionsversuchen müssen sich die Forscherinnen und Forscher auch mit der Kritik auseinandersetzen, die von Aktivistinnen und Aktivisten der Behindertenbewegung an derlei Zuschreibungspraktiken geübt wird. So lehnen es beispielsweise einige taubstumme Menschen ab, als "behindert" kategorisiert zu werden, und reklamieren, als Taubstumme eine sprachliche Minderheit mit eigener Kultur zu sein (deaf culture).

Ähnliches gilt für die verwendete Terminologie: In der Forschung werden unterschiedliche Begriffe benutzt, um die zu untersuchende Gruppe zu benennen.[8] So gibt es noch einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die den Begriff "Behinderte" verwenden. Allerdings ist dieser Terminus dafür kritisiert worden, dass er die so bezeichneten Personen auf die eine Eigenschaft des Behindert-Seins reduziere. Um dies zu umgehen, verwenden viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Wortkombination "behinderte Menschen". Immer gebräuchlicher wurde auch "Menschen mit Behinderung", um zu betonen, dass die Tatsache der Behinderung den betroffenen Personen nicht inhärent ist. Viele Forscherinnen und Forscher verwenden dagegen eher "Menschen mit Behinderungen", um so herauszustreichen, dass es viele Formen von Behinderungen gibt, die das Leben der so Bezeichneten beeinflussen. Dass sich die Terminologie in Bezug auf die zu untersuchende Gruppe im Fluss befindet, liegt wiederum auch an aktuellen Debatten aus der Behindertenbewegung, die in die akademische Welt hineingetragen werden.


Modelle von Behinderung



Doch nicht nur hinsichtlich der zu verwendenden Begrifflichkeiten und deren inhaltlicher Füllung, sondern auch in Hinblick auf die Konzeptionierung des Untersuchungsgegenstandes Behinderung herrscht keine Einigkeit in der Forschung, vielmehr existieren hierfür unterschiedliche Modelle.[9] Älteren Datums, aber immer noch in vielen Studien präsent, ist das medizinische oder auch individuelle Modell, das Behinderung als einen individuellen Defekt definiert, den es durch Experten und Expertinnen wie etwa Mediziner, Orthopädinnen, Therapeuten und weiteren zu beheben oder zu lindern gelte. Hier wird Behinderung als im Individuum verortetes Defizit aufgefasst und pathologisiert. In kritischer Auseinandersetzung mit dieser Sichtweise wurde bereits in den späten 1970er Jahren das soziale Modell von Behinderung entwickelt, das betont, dass Behinderung erst durch gesellschaftliche diskriminierende Praktiken entstehe. Nach dem von der Behindertenbewegung verwendeten Motto "behindert ist man nicht, behindert wird man" unterscheidet man im sozialen Modell das impairment, also die körperliche, kognitive oder auch psychische Beeinträchtigung, auf der einen Seite von der disability, also der gesellschaftlich bedingten Behinderung, auf der anderen Seite. Forscherinnen und Forscher, die dieses Modell vertreten, untersuchen vor allem jene politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen, die die Lebenslagen von Menschen mit Behinderungen (negativ) beeinflussen. Doch auch dieses Modell wurde wiederum kritisiert, unter anderem, weil es den Körper als Träger des impairment als etwas Ahistorisches, Unveränderliches und Gegebenes fasse, was gerade neuere körpergeschichtliche Arbeiten mit guten Argumenten angezweifelt haben. Vertreterinnen und Vertreter eines dritten, des sogenannten kulturellen Modells von Behinderung haben diese Kritik aufgegriffen und gehen unter anderem der Frage nach, wie sich gesellschaftliche Stereotypisierungs- und Diskriminierungspraktiken an das Körperliche andocken und Behinderung erst durch Interpretationen, Repräsentationen und Inszenierungen konstruiert wird. Mittlerweile plädieren aber viele Stimmen dafür, dass sich zumindest das soziale und das kulturelle Modell durchaus miteinander vereinbaren lassen und dass es eher von der Fragestellung abhängt, mit welcher Perspektivierung man auf sein empirisches Material zugreift.

Die Perspektive der Disability History



Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Behinderung war lange Zeit stark gegenwarts- und teilweise anwendungsorientiert und damit von Disziplinen wie der Soziologie, den Rehabilitationswissenschaften oder der Sozialarbeitsforschung geprägt. Doch je intensiver sich auch Geschichtswissenschaftlerinnen und Geschichtswissenschaftler mit dem Phänomen Behinderung beschäftigt haben, desto stärker konnten sie die Historizität und damit die Variabilität von Zuschreibungspraktiken und gesellschaftlichen Umgangsformen mit behinderten Menschen sowie von deren Lebenslagen herausarbeiten. Dies beginnt bereits auf der begrifflichen Ebene: In früheren Gesellschaften kursierten sehr unterschiedliche Wörter, um Behinderung zu benennen beziehungsweise Menschen mit Behinderung als solche zu identifizieren. In der Moderne unterlagen Begriffe wie "Krüppel" oder "Idiot" zunächst einem fundamentalen Bedeutungswandel und verschwanden dann im Zeitverlauf, neue Begriffe kamen auf wie "Versehrte" oder "Beschädigte".[10] Anhand der Entwicklung der Benennungspraktiken lässt sich aufzeigen, wie sich gesellschaftliche Einstellungen gegenüber Menschen mit Behinderungen verändert haben.

Historiker und Historikerinnen haben außerdem betont, in welchem Maße frühere gesellschaftliche Stereotypisierungen von Menschen mit Behinderungen gegenüber heute üblichen Zuschreibungspraktiken variierten: In medialen Darstellungen der Frühen Neuzeit war beispielsweise eine sehr große Bandbreite von Einschätzungen und Repräsentationen von behinderten Menschen möglich, die von scharfer Ablehnung über deren Sentimentalisierung bis hin zu Bewunderung reichen konnten.[11] Einige Arbeiten zur Vormoderne betonen des Weiteren, dass Behinderung zwar durchaus als Strafe Gottes für begangene Sünden interpretiert werden konnte, aber ebenfalls als Wunderzeichen oder als besondere Gabe. Gerade Untersuchungen, die Menschen mit Behinderungen als Subjekte ihrer eigenen Geschichte analysieren, haben außerdem viel dazu beigetragen, das Bild von behinderten Menschen als Personen, die ihr Schicksal erleiden und lediglich Objekte des Handelns von Nichtbehinderten sind, zu korrigieren. Dies kann anhand des Beispiels von gesellschaftspolitischen Forderungen tauber Menschen im langen 19. Jahrhundert genauso nachgewiesen werden wie anhand der selbstadvokatorischen Behindertenorganisationen in der Bundesrepublik.[12] Somit konnten Historikerinnen und Historiker auch herausarbeiten, dass sich Handlungsspielräume und Selbstbestimmungsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen je nach Epoche und Umständen sehr unterschiedlich ausprägten.

Doch die Disability History vermag noch mehr, als lediglich auf die historische Wandelbarkeit begrifflicher Zuschreibungen und gesellschaftlicher Stereotypisierungen hinzuweisen. So kann sie belegen, dass auch die Zuweisung zur Gruppe der – im heutigen Sprachgebrauch – Menschen mit Behinderungen variieren konnte: Personen, die heute als behindert gelten, wären früher gegebenenfalls nicht als solche wahrgenommen worden. So galt beispielsweise jemand, der in der Frühen Neuzeit nach einer Beinamputation eine Prothese trug, nicht per se als beeinträchtigt und daher berechtigt, Armenunterstützung zu erhalten.[13] Auf der anderen Seite wurden früher Menschen als behindert angesehen, die dies in vielen Gesellschaften heutzutage nicht mehr sind, man denke beispielsweise an homosexuelle Menschen, die noch bis vor kurzem als psychisch deviant kategorisiert wurden.

Zudem haben neuere Studien verstärkt auf die Heterogenität der Personengruppen, die unter dem Oberbegriff "Menschen mit Behinderungen" zusammengefasst werden, hingewiesen und damit auch auf interne Hierarchisierungen. Arbeiten zur bundesrepublikanischen Behindertenpolitik unterstreichen beispielsweise, in welchem Maße Kriegsversehrte zunächst im Vergleich zu anderen Menschen mit Behinderungen sozialpolitisch privilegiert wurden.[14] Anhand des westdeutschen Behindertensports lässt sich wiederum zeigen, dass sich männliche Körperbehinderte von behinderten Frauen und insbesondere von Menschen mit geistigen Behinderungen abzusetzen versuchten und auf einer privilegierten Position beharrten, also ihrerseits zu diskriminierenden Praktiken griffen.[15] Je mehr historische Studien erschienen, desto stärker wurde deutlich, dass es "die" Geschichte "der" Menschen mit Behinderungen nicht gibt, sondern stark differenziert werden muss.

Vor allem aber konnten Historikerinnen und Historiker feststellen, dass der gesellschaftliche Umgang mit Menschen mit Behinderungen im Zeitverlauf sehr stark variierte:[16] Eine mediävistische Studie weist beispielsweise nach, in welchem Maße behinderte Familienmitglieder im Mittelalter in Entscheidungsprozesse in Hinblick auf Versorgung, Unterhalt und Pflege einbezogen waren.[17] In mittelalterlichen Quellen finden sich zudem Hinweise darauf, dass man in früheren Zeiten gegebenenfalls weniger defizitorientiert handelte und eher die vorhandenen Fähigkeiten von beeinträchtigten Menschen betonte, und dass eine Behinderung daher auch nicht per se zu gesellschaftlichem Abstieg und Exklusion führte.[18] Zugleich haben Untersuchungen zur Sterilisation von behinderten Menschen oder auch zur Euthanasie gezeigt, wie und in welchem Maße in einigen Phasen der deutschen Geschichte (eliminatorische) Gewalt den gesellschaftlichen Umgang mit behinderten Menschen prägte[19] und dass diese Gewaltförmigkeit des Verhaltens gegenüber den Betroffenen keinesfalls bereits 1945 endete.[20] Somit gelingt es Historikerinnen und Historikern auch, die Annahme zu hinterfragen, Menschen mit Behinderungen seien im Verlauf der Entwicklung der Moderne zunehmend gesellschaftlich integriert worden und ihre Lebenslagen hätten sich kontinuierlich verbessert.

Kurzum: Die Disability History kann anhand vieler Beispiele die Zeit- und Kontextgebundenheit der Lebenslagen von Menschen mit Behinderungen ebenso herausarbeiten wie den Wandel und auch die situative Bedingtheit der gesellschaftlichen Zuschreibungspraktiken und des gesellschaftlichen Umgangs mit ihnen. Damit ist sie auch für die gegenwartsorientierten Disability Studies ein zentraler Bestandteil und speist in dieses Forschungsfeld wichtige Perspektiven und Erkenntnisse ein. Und doch steht die Subdisziplin erst am Anfang ihrer Entwicklung, bestehen doch noch viele Forschungslücken. So wissen wir noch wenig über die Lebenslagen von behinderten Menschen im 19. Jahrhundert oder auch der Menschen mit Behinderungen in der DDR.[21] Ebenso existieren noch kaum intersektionale geschichtswissenschaftliche Analysen von Behinderung und damit kaum Studien zu den Interdependenzen zwischen dieser Achse der Ungleichheit mit anderen wie etwa der des Geschlechts, der Ethnizität, des Alters, der Religion oder der Staatsangehörigkeit. Es bleibt daher zu hoffen, dass auch in Zukunft die Disability History nicht nur die Disability Studies, sondern auch die "allgemeine" Geschichtswissenschaft durch weitere Forschungsarbeiten bereichern wird.
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Autor: Gabriele Lingelbach für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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Fußnoten

1.
Vgl. Bettina Hitzer/Thomas Welskopp, Die Bielefelder Sozialgeschichte. Klassische Texte zu einem geschichtswissenschaftlichen Programm und seinen Kontroversen, Bielefeld 2010.
2.
Vgl. Gunilla Budde, Geschlechtergeschichte, in: Christoph Cornelißen (Hrsg.), Geschichtswissenschaften. Eine Einführung, Frankfurt/M. 2000, S. 282–294.
3.
Vgl. Elsbeth Bösl/Anne Klein/Anne Waldschmidt (Hrsg.), Disability History. Konstruktionen von Behinderung in der Geschichte. Eine Einführung, Bielefeld 2010; Sebastian Barsch/Anne Klein/Pieter Verstraete (Hrsg.), The Imperfect Historian: Disability Histories in Europe, Frankfurt/M. 2013; Gabriele Lingelbach/Anne Waldschmidt (Hrsg.), Kontinuitäten, Zäsuren, Brüche? Lebenslagen von Menschen mit Behinderungen in der deutschen Zeitgeschichte, Frankfurt/M. 2016. Eine Überblicksdarstellung älteren Datums ist Walter Fandrey, Krüppel, Idioten, Irre. Zur Sozialgeschichte behinderter Menschen in Deutschland, Stuttgart 1990. Neueren Datums ist Carol Poore, Disability in Twentieth-Century German Culture, Ann Arbor 2007. Einführend in die Disability History und zu Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet Elsbeth Bösl, Was ist und wozu brauchen wir die Dis/ability History?, in: Hans-Werner Schmuhl/Ulrike Winkler (Hrsg.), Welt in der Welt. Heime für Menschen mit geistiger Behinderung in der Perspektive der Disability History, Stuttgart 2013, S. 21–41; Gabriele Lingelbach/Sebastian Schlund, Disability History, 8.7.2014, http://docupedia.de/zg/Disability_History«; Monica Baar, De-Pathologizing Disability: Politics, Culture and Identity, in: Neue Politische Literatur 2017, S. 281–303.
4.
Zu den Disability Studies siehe beispielsweise Gary L. Albrecht/Katherine D. Seelman/Michael Bury (Hrsg.), Handbook of Disability Studies, Thousand Oaks 2000; Markus Dederich, Körper, Kultur und Behinderung. Eine Einführung in die Disability Studies, Bielefeld 2007. Zur Genese der Disability Studies im deutschsprachigen Raum siehe Lisa Pfahl/Justin J.W. Powell, Subversive Status: Disability Studies in Germany, Austria, and Switzerland, in: Disability Studies Quarterly 2/2014, http://dsq-sds.org/article/view/4256/3596«.
5.
Vgl. Sharon N. Barnartt, Disability as a Fluid State. Introduction, in: Research in Social Science and Disability 5/2010, S. 1–22.
6.
Rosemarie Garland Thomson, Seeing the Disabled. Visual Rhetorics of Disability in Popular Photography, in: Paul K. Longmore/Lori Umanski (Hrsg.), The New Disability History. American Perspectives, New York 2001, S. 335–375, hier S. 337.
7.
Vgl. Anne Waldschmidt, Normalität – ein Grundbegriff in der Soziologie der Behinderung, in: Rudolf Forster (Hrsg.), Soziologie im Kontext von Behinderung. Theoriebildung, Theorieansätze und singuläre Phänomene, Bad Heilbrunn 2004, S. 142–157.
8.
Vgl. Kai Felkendorff, Ausweitung der Behinderungszone. Neuere Behinderungsbegriffe und ihre Folgen, in: Günther Cloerkes (Hrsg.), Wie man behindert wird. Texte zur Konstruktion einer sozialen Rolle und zur Lebenssituation betroffener Menschen, Heidelberg 2003, S. 25–52.
9.
Vgl. Elsbeth Bösl, Dis/ability History: Grundlagen und Forschungsstand, 7.7.2009, http://www.hsozkult.de/literaturereview/id/forschungsberichte-1113«; Anne Waldschmidt, Warum und wozu brauchen die Disability Studies die Disability History? Programmatische Überlegungen, in: Bösl/Klein/Waldschmidt (Anm. 3), S. 13–27.
10.
Vgl. Hans-Walter Schmuhl, Exklusion und Inklusion durch Sprache. Zur Geschichte des Begriffs Behinderung, Berlin 2010.
11.
Vgl. Patrick Schmidt, Bettler, Kriegsinvaliden, Körpersensationen. Beeinträchtigte Menschen in printmedialen Diskursen des 17. und 18. Jahrhunderts, Frankfurt/M. 2017.
12.
Vgl. Ylva Söderfeldt, From Pathology to Public Sphere. The German Deaf Movement 1848–1914, Bielefeld 2013; Jan Stoll, Behinderte Anerkennung? Interessenorganisationen von Menschen mit Behinderungen in Westdeutschland seit 1945, Frankfurt/M. 2017; Gabriele Lingelbach/Jan Stoll, Die 1970er Jahre als Umbruchsphase der bundesdeutschen Disability History. Eine Mikrostudie zu Selbstadvokation und Anstaltskritik Jugendlicher mit Behinderung, in: Moving the Social 50/2013, S. 25–52.
13.
So Mareike Heide, deren Dissertation zu Prothesen in der Frühen Neuzeit 2019 erscheint.
14.
Vgl. Wilfried Rudloff, Überlegungen zur Geschichte der bundesdeutschen Behindertenpolitik, in: Zeitschrift für Sozialreform 49/2003, S. 863–886.
15.
Vgl. Sebastian Schlund, "Behinderung" überwinden? Organisierter Behindertensport in der Bundesrepublik Deutschland (1950–1990), Frankfurt/M. 2017.
16.
Vgl. Klaus-Peter Horn/Bianca Frohne, On the Fluidity of ‚Disability‘ in Medieval and Early Modern Societies. Opportunities and Strategies in a New Field of Research, in: Barsch/Klein/Verstraete (Anm. 3), S. 17–40; Angela Schattner, Disabled to Work? Impairment, the In/ability to Work and Perceptions of Dis/ability in Late Medieval and Early Modern Germany, in: Disability Studies Quarterly 4/2017, http://dsq-sds.org/article/view/6105/4825«. Einen Überblick über neuere Ergebnisse der mediävistischen Forschung bietet Jan Ulrich Büttner/Bianca Frohne/Ivette Nuckel, Ausgegrenzt und abgeschoben? Das Leben körperlich und geistig beeinträchtigter Menschen im Mittelalter, in: Jahrbuch für historische Bildungsforschung 16/2010, S. 141–168.
17.
Vgl. Bianca Frohne, Leben mit "kranckhait". Der gebrechliche Körper in der häuslichen Überlieferung des 15. und 16. Jahrhunderts. Überlegungen zu einer Disability History der Vormoderne, Affalterbach 2014.
18.
So das Argument in einem Aufsatz von Cordula Nolte, der demnächst in der Zeitschrift "Geschichte in Wissenschaft und Unterricht" erscheint.
19.
Zur Zwangssterilisation siehe u.a. Gisela Bock, Zwangssterilisation im Nationalsozialismus. Studien zur Rassenpolitik und Frauenpolitik, Opladen 1986; zur "Euthanasie" und ihrer Vorgeschichte siehe das Standardwerk von Hans-Walter Schmuhl, Rassenhygiene, Nationalsozialismus, Euthanasie. Von der Verhütung zur Vernichtung "lebensunwerten Lebens". 1890–1945, Göttingen 1992; zudem Michael Burleigh, Tod und Erlösung. Euthanasie in Deutschland 1900–1945, München 2002; Dieter Kuntz (Hrsg.), Deadly Medicine. Creating the Master Race, Washington D.C. 2004.
20.
Vgl. Hans-Walter Schmuhl/Ulrike Winkler, Gewalt in der Körperbehindertenhilfe. Das Johanna-Helenen-Heim in Volmarstein von 1947 bis 1967, Bielefeld 2010; dies. (Anm. 3).
21.
Allerdings startet gerade ein Kooperationsprojekt zwischen der Universität Kiel und der Bundeswehruniversität München, die sich der Disability History Ostdeutschlands annimmt.

Gabriele Lingelbach

Zur Person

Gabriele Lingelbach

ist Professorin für Geschichte der Neuzeit an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. lingelbach@histosem.uni-kiel.de


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