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12.5.2006

Editorial

Bilder, Icons, Gesten, Flaggen – wir leben in einer Welt voller Symbole. Sie prägen unbemerkt unsere Wahrnehmung und spiegeln unser Bild der Wirklichkeit.

Symbole bestimmen in vielfältiger Weise unseren Alltag. Abzeichen und Embleme stehen exemplarisch für eine bestimmte Gesinnung; Denkmäler erinnern symbolisch an die Vergangenheit; Flaggen und Hymnen sollen gar ein ganzes Land repräsentieren. Symbole prägen unsere Wahrnehmung - ohne dass wir uns dessen immer bewusst sind. Denn nicht nur die Zeichen, die wir als Symbole erkennen, haben eine sinnbildliche Funktion. Auch die Wörter, die wir verwenden, stehen symbolisch für konkrete Gegenstände und Sachverhalte. Unsere Mimik und Gestik symbolisieren Gemütszustände. Geschichtsbilder, Religionen, Wissenschaften, Kunst und Politik lassen sich als komplexe Symbolsysteme verstehen, in denen sich die menschliche Wahrnehmung der Wirklichkeit spiegelt.

Der deutsche Philosoph Ernst Cassirer hat diese Symbolsysteme auf eine theoretische Basis gestellt. In seiner "Philosophie der symbolischen Formen" (1923 - 1929) beschrieb er den Menschen als ein Lebewesen, das permanent Symbole gebraucht, um sich in seiner Umwelt zu orientieren. Ohne Symbole könnten wir weder uns selbst noch die Welt, die uns umgibt, verstehen oder darstellen. Cassirers Theorie gilt als einer der wichtigsten Grundsteine der modernen Kulturphilosophie.

In unserer aktuellen politischen Kultur finden sich zahlreiche Beispiele für die "Macht der Symbole", die mitunter verheerende Folgen haben kann. Ein paar Strichzeichnungen waren vor kurzem der Anlass für den so genannten "Karikaturenstreit". Dabei waren es nicht die Mohammed-Karikaturen, die den Konflikt entfachten, sondern es war die Instrumentalisierung ihrer symbolischen Bedeutung.

Kötzing, Andreas

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