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26.10.2009

Institutionalisierte Sackgassen für Mädchen

In der Berufsberatung, der dualen Berufsausbildung und im beruflichen Schulwesen werden Barrieren aufgezeigt, welche die Berufschancen von Mädchen einschränken.

Einleitung



Der Titel mag verwundern, gelten doch Mädchen gemeinhin als Gewinnerinnen der Bildungsexpansion. Heute werden eher die Jungen als Problemgruppe angesehen. Die These, nach der Jungen zu Schulversagern werden, wenn unter den Lehrkräften der Grundschule kaum Männer sind, ist jedoch keineswegs belegt. Dennoch werden landauf, landab Jungenprojekte eingerichtet. Derartige Projekte, so der Erziehungswissenschaftler und Männerforscher Jürgen Budde im "Tagesspiegel", seien nicht nur pädagogisch fragwürdig, sondern die Debatte trage auch "antifeministische Züge".[1]




Die Hype um die "Jungenkatastrophe" (so ein Buchtitel) bewirkt vor allem, von der Bildungsbenachteiligung von Mädchen abzulenken. Zwar erreichen Mädchen öfter als Jungen höhere Schulabschlüsse, aber spätestens nach der Pflichtschulzeit beschreiten die Geschlechter unterschiedliche Wege, wobei die der Mädchen häufig abschüssig sind. Initiativen, die Mädchen chancenreiche Jungenberufe erschließen wollten, hatten bislang nur dürftige Erfolge. Eine der Ursachen ist, dass die Gründe der geschlechtsspezifischen Berufswahl vorrangig in den Motiven und Orientierungen von Mädchen gesucht wurden, kaum aber in den Strukturen des Bildungswesens oder den politischen Prozessen. Auch die Maßnahmen selbst wurden selten in Frage gestellt.

In diesem Beitrag stehen die Strukturen im Mittelpunkt. Im ersten Abschnitt gehe ich auf die Rolle der öffentlichen Berufsberatung ein. Dabei greife ich auf eine eigene politikwissenschaftlich-institutionalistische Untersuchung zurück. Sie verdeutlicht, dass bestimmte Vorstellungen von der Rolle der Geschlechter in Organisationsstrukturen, Routinen und Wissensbeständen eingelassen sind. Im zweiten Abschnitt werde ich die Situation von Mädchen im dualen Berufsbildungssystem aufzeigen. Anschließend stehen die Berufsfachschulen (BFS), Fachoberschulen (FOS) und Berufsoberschulen (BOS) im Mittelpunkt. Diese Schulformen eröffnen zwar Chancen, gleichzeitig sind in ihnen jedoch Barrieren eingebaut, die ein berufliches Weiterkommen speziell von Mädchen erschweren. Zum Schluss werde ich der Frage nachgehen, wie es dazu kommt, dass im Bildungswesen Mädchen benachteiligende Strukturen errichtet werden konnten.

Berufsberatung



Die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat immensen Einfluss. Gestützt auf ein Kooperationsabkommen mit der Kultusministerkonferenz (KMK) erreicht sie durch Schulbesuche alle Jugendlichen. Ihre Informationsmaterialien sind den meisten Jugendlichen bekannt und werden häufig von schulischen Lehrkräften benutzt. In meiner Studie[2] habe ich mich auf Untersuchungen zur Berufswahl von Mädchen gestützt, gleichwohl einen gänzlich anderen Ansatz gewählt: Im Zentrum stand die Berufsberatung der BA als politische Institution, die, wie andere politische Institutionen auch, Aufgaben der Orientierung und Sozialisation "des Volkes" wahrnimmt. Meine Fragestellungen waren, a) ob und inwieweit die Berufsberatung der Geschlechtersegmentation entgegenwirkt und b) warum die einzelnen Agenturen Mädchen in unterschiedlichem Ausmaß für eine geschlechtsuntypische Ausbildung gewinnen. Unter anderem wurden Interviews mit den Abteilungsleitungen von zwölf Berufsberatungen durchgeführt und die dortigen Beratungsfachkräfte mit einem Fragebogen interviewt.

Vergleicht man die Vermittlungsstatistik der BA mit der Statistik der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge, so wird schnell deutlich, dass die BA die Verbreiterung des Berufswahlspektrums für Mädchen hemmt: Unter den Auszubildenden des dualen Systems befinden sich anteilig mehr Mädchen in geschlechtsuntypischen Berufen, als die BA hierfür vorgesehen hat. Im Laufe der 1990er Jahre versuchte sie sogar, immer mehr Mädchen in mädchentypische Ausbildungen zu vermitteln. Die meisten Beratungsfachkräfte teilen indes das Ziel der Erschließung zukunftsträchtiger Berufe für Mädchen; das Ergebnis ihres Handelns ist aber entgegengesetzt dazu. Die Ursachen der Geschlechtersegregation fand ich in Organisationsregeln, in Routinen und im handlungsleitenden Wissen und Nicht-Wissen der Agierenden. Im Folgenden fasse ich die wesentlichen Ergebnisse stichwortartig zusammen.
    1. Politische Steuerung bedarf eines Resonanzbodens. Mädchen befinden sich ausgerechnet in der Phase, in der sie sich für einen Beruf entscheiden müssen, in der Adoleszenz, in einer "Labilisierungsfalle zwischen Geschlechtsidentität und Interessen-/Kompetenzeinschätzungen"[3]. Die Entscheidung für einen "Frauenberuf" eignet sich dabei "von vornherein für die Konstruktion und Darstellung einer weiblichen Identität".[4] Die BA bedient diesen Resonanzboden, indem sie in ihren Informationsmaterialien bei Frauenberufen feminin und bei Männerberufen maskulin konnotierte Aspekte betont. Zu anderen Merkmalen, die den Mädchen gleichermaßen wichtig sind, wie Arbeitsplatzsicherheit, Einkommen, Karriere- und Wiedereinstiegsmöglichkeiten, hält die Berufsberatung dagegen keine Informationen bereit.

    2. Einzelberatungen finden routinemäßig zu Beginn des letzten Schuljahres statt. Prinzipiell sind zwar Mehrfachberatungen möglich, und die Beratungsfachkraft könnte auch ein Praktikum arrangieren. Damit aber bestünde die Gefahr, dass das Mädchen den Bewerbungstermin verpasst. Eine Gelegenheit, das Nachdenken über Alternativen anzustoßen und den Prozess des Abwägens anschließend zu begleiten, besteht faktisch nicht.

    3. Die Wissensproduktion findet ausschließlich hausintern statt. Die Beratungsfachkräfte werden an einer hauseigenen Hochschule ausgebildet und Fortbildungen von hausinternen Kräften durchgeführt. Auch lesen sie nahezu ausschließlich wissenschaftliche Literatur, die vom hausinternen Forschungsinstitut (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung/IAB) erarbeitet wurde. Da das IAB in den vergangenen Jahrzehnten kaum Berufsforschung betrieben hat und die Forschung zur Berufswahl von Mädchen nur am Rande vorkam,[5] haben die Beratungsfachkräfte diesbezüglich erhebliche Wissensdefizite.

    4. Durchbrochen wurde das von der Nürnberger Zentrale generierte Wissen bis vor wenigen Jahren durch Erfahrungswissen, das die Beratenden bei Betriebsbesuchen gewannen. Hier kommt die informelle Seite von Organisationen ins Spiel: In Agenturen, die überdurchschnittlich viele Mädchen in gewerblich-technische Berufe vermittelten, suchten die Beratenden häufiger als anderswo Ausbildungsbetriebe auf und gaben ihre jeweiligen Erfahrungen öfter an die Kolleginnen und Kollegen weiter.[6]

    5. Die Berufsberatung der BA ist eine verselbständigte Organisation, sie unterliegt keiner demokratisch legitimierten Kontrolle. In den aus Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften und öffentlichen Körperschaften zusammengesetzten, die einzelnen Agenturen kontrollierenden Verwaltungsausschüssen[7] sind vornehmlich Arbeitsmarktexpertinnen und -experten vertreten. Nicht zuletzt geht es den entsendenden Organisationen darum, möglichst viele Mittel der aktiven Arbeitsförderung in die Region zu holen. Die Aufgabe der Berufsberatung ist aber vornehmlich eine pädagogische: Sie hat sicherzustellen, "dass Einzelpersonen ihre Bildungs- und Laufbahnentscheidungen auf einer fundierten Grundlage treffen können und dass sie bei der Entwicklung der Fähigkeit, ihren Bildungs- und Berufswerdegang effizient selbst in die Hand zu nehmen, unterstützt werden".[8] Für eine Beurteilung dessen sind die Mitglieder der Verwaltungsausschüsse in der Regel kaum qualifiziert und meist auch nicht sonderlich daran interessiert. Hinzu kommt, dass das zuständige Bundesarbeitsministerium seit Jahrzehnten keine externe Evaluation der Berufsberatung hat durchführen lassen.
Mittlerweile hat die BA sich einer Organisationsreform unterzogen - nicht unbedingt zum Vorteil der Qualität beruflicher Beratung. Während die Vorschläge der Hartz-Kommission noch auf eine Erhöhung der Effektivität zielten, "ist die Organisationsreform faktisch auf eine betriebswirtschaftliche Wirkungsreform hinausgelaufen".[9] Die ehedem selbstständige Abteilung "Berufsberatung" wurde aufgelöst und das Personal in drei unterschiedliche Abteilungen ("Teams") der Arbeitsvermittlung integriert, was den Austausch unter ihnen erschwert. Auch haben Berufsberatende heute kaum mehr persönliche Kontakte zu Betrieben. Schon 2004 äußerte ein Mitarbeiter des Vorstands, Berufsberatung werde zum "Luxus", den sich die BA "nicht mehr leisten könne".[10] Er brachte damit auf den Punkt, dass Berufsberatung dem "Betrieb BA" Kosten verursacht, aber keine Gewinne einbringt. Entsprechend verneinte der Vorstandsvorsitzende Frank J. Weise, dass die BA einen sozialpolitischen Auftrag habe.[11] Im Konzept der Hartz-Kommission dagegen sollte die Berufsberatung als solche erhalten bleiben und dem "internen Dienst" zugeordnet werden.[12]

Meine Studie belegt, dass eine Untersuchung politischer Institutionen als Organisationen im Politikfeld Bildung lohnend ist. Daneben darf auch das Umfeld - die Zivilgesellschaft - nicht unberücksichtigt bleiben. Beide Arbeitsagenturen, die in meiner Untersuchung besonders viele Mädchen in geschlechtsuntypische Berufe vermittelten, waren an Orten angesiedelt, wo einzelne Betriebe in der lokalen policy community die Führerschaft innehatten und gleichzeitig explizit um Mädchen warben. Es geht also nicht nur um das "Wer", sondern auch um die Interaktion von Person, Organisation und Umfeld. Zu den allermeisten Bereichen des Politikfeldes "Bildung" fehlen derartige Untersuchungen.

Duales System der Berufsausbildung



Schon einige grobe Zahlen verdeutlichen, dass die geschlechtsspezifische Benachteiligung auch im dualen System der Berufsausbildung keineswegs vergangenen Zeiten angehört: Frauen verdienen fast ein Viertel weniger als Männer, und sie sind seltener in Aufstiegspositionen zu finden. Die Statistiken der BA sprechen Bände. So müssen Frauen häufiger als Männer ergänzendes Arbeitslosengeld II beantragen, weil ihr Erwerbseinkommen nicht zum Leben reicht, und in Berufsbereichen, in denen besonders viele Frauen eine Ausbildung vorweisen können, sind die Arbeitslosenquoten exorbitant.

An der geschlechtsspezifischen Segmentierung hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten kaum etwas verändert. Im dualen Berufsbildungssystem, das fast zwei Drittel aller Jugendlichen durchläuft, lernen Mädchen nach wie vor hauptsächlich "adjunct-control-Berufe",[13] also solche, in denen sie ihren männlichen Chefs dabei helfen, die Kunden bzw. Klientinnen zu kontrollieren oder zu sozialisieren (vgl. Tabelle 1 in der PDF-Version). Noch vor wenigen Jahren führten viele dieser Berufe die Bezeichnung "-helferin"; in kaufmännischen Berufen wurde generell eine "Kaufmannsgehilfenprüfung" abgelegt. Die Ausrichtung der Tätigkeit auf eine assistierende Funktion bedeutet gleichzeitig, dass ein beruflicher Aufstieg nicht vorgesehen ist. In vielen Männerberufen dagegen existieren Tätigkeiten auf der mittleren Führungsebene und darauf abgestimmte Fortbildungen.

Die Norm der 1950er Jahre, wonach Frauen mit der Eheschließung oder spätestens der Geburt des ersten Kindes aus dem Erwerbsleben ausscheiden, hat sich im Berufsbildungssystem verfestigt. Heute wird diese Norm nur noch selten explizit vertreten, faktisch aber finden Frauen oftmals spätestens nach einer Erwerbsunterbrechung keinen Arbeitsplatz in ihrem Beruf. Maßgeblich ist die Nicht-Verwertbarkeit der Qualifikationen. So stellte die Bremer Lebensverlaufsstudie fest, dass "nicht die Zahl der Kinder oder der Unterbrechungen, der regionale Kontext oder (...) die Lohnhöhen der Partner (entscheidend sind), sondern die Erwerbsverläufe von Frauen differieren in Korrespondenz zum jeweiligen erlernten Erstberuf".[14] Neuere Untersuchungen stützen diesen Befund: Sollen Frauen den sich abzeichnenden Fachkräftemangel künftig ausgleichen, sind Umschulungen in großer Zahl nötig.[15]

Übersicht 1 (siehe PDF-Version) zeigt den Anteil von Mädchen an den Auszubildenden in metall- und elektrotechnischen Berufen mit einer Ausbildungsdauer von mindestens drei Jahren, in denen Mädchen 1977 weniger als fünf Prozent innehatten. Diese Marge ist bis heute nur in wenigen Berufen und meist auch nur geringfügig überschritten. Anstiege sind fast ausschließlich bei industriellen Berufen auszumachen.[16]

Im Kurvenverlauf spiegeln sich politische Aktivitäten und deren Fehlen: Ende der 1970er Jahre initiierte der Bund Modellversuche. Diese fanden breite öffentliche Resonanz, und in der Folge stieg die Zahl der Mädchen in geschlechtsuntypischen Berufen. Die Modellversuche liefen 1985 aus, und der Bund und einige Länder starteten Implementationsprojekte. Der Mädchenanteil an den Auszubildenden stieg weiterhin, wenngleich immer noch um nur 0,2 Prozentpunkte jährlich. In den 1990er Jahren stagnierte die Entwicklung. Die Ursache ist, dass es kaum noch Initiativen gab. Erst seit dem Jahr 2003 werden die (geringen) Steigerungsraten der 1980er Jahre wieder erreicht.

Kleinere Betriebe waren auch in den 1980er Jahren kaum bereit, Mädchen auszubilden; größere dagegen beklagten schon damals den Mangel an Bewerberinnen.[17] Es käme somit darauf an, mehr Mädchen für diese Berufe zu gewinnen. Entsprechende Policies sind mit Ausnahme des alljährlichen Girls' Day auch gegenwärtig kaum auszumachen. Der Girls' Day jedoch ist ein klassisches Beispiel für symbolische Politik: Die Einbettung in schulische Curricula und die zielgerichtete Mitarbeit der Berufsberatung der BA sind nicht gewährleistet, und - last but not least - zur Teilnahme fordern regelmäßig die jeweiligen weiblichen Regierungsmitglieder auf, manchmal sogar die Bundeskanzlerin, nie aber der für das Politikfeld "Berufsberatung" verantwortliche Bundesarbeitsminister.

Zusammenfassend lassen sich folgende Barrieren ausmachen:
    1. die Überausbildung in typischen Mädchenberufen;
    2. die sich aus dem Berufs- und Tätigkeitszuschnitt ergebenden, fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten;
    3. mangelnde politische Aktivitäten. Folgenreich sind ebenfalls im schulischen Berufsbildungssystem eingelassene Weichenstellungen, wobei für Mädchen geschaffene Bildungswege oftmals als Sackgassen konstruiert sind.


Berufliches Schulwesen



Das berufliche Schulwesen ist äußerst vielfältig und je nach Bundesland verschieden. Neben der obligatorischen Berufsschule für diejenigen, die eine duale Berufsausbildung durchlaufen, finden sich Angebote für unterschiedliche Zielgruppen. Im Folgenden werde ich mich auf die Berufsfachschule, die Fachoberschule und die Berufsoberschule konzentrieren.

Berufsfachschulen (BFS) sollten Mädchen auf ihren "natürlichen Beruf" als Hausfrau und Mutter vorbereiten, meinte im Jahr 1902 Georg Kerschensteiner, ein Begründer der Berufspädagogik.[18] Viele Bildungsgänge zielen noch heute eher auf eine Zukunft als Hausfrau denn als Berufstätige. Bezeichnenderweise fallen berufliche Schulen - im Gegensatz zur dualen Berufsausbildung - in die Kultuskompetenz der Länder. In der Bildungsforschung werden die BFS weitgehend "übersehen", obwohl sie ein quantitativ bedeutsames Segment darstellen. Im Schuljahr 2007/08 betrug die Zahl der Schülerinnen und Schüler, außerhalb des Gesundheitswesens und der Erzieher/innenfachschulen, 530.272; davon waren 59 Prozent weiblich.

Die BFS haben verschiedene Funktionen. Sie fangen demographisch und konjunkturell bedingte Übernachfragen auf, und sie sollen die Durchlässigkeit des Schulsystems verbessern. In den Zeiten der Bildungsexpansion in den 1960er Jahren kam ihnen die Rolle zu, Volksschulabsolventinnen und -absolventen die Chance auf einen mittleren Bildungsabschluss zu eröffnen. Heute jedoch bringt mehr als die Hälfte der Mädchen und Jungen einen solchen bereits mit. Ein Fachabitur aber erhalten nur 14 Prozent der Mädchen und 22 Prozent der Jungen. Offensichtlich besteht die Möglichkeit dazu eher in von Jungen als von Mädchen besuchten Schulzweigen.

Mit der anhaltenden Ausbildungskrise gewannen Berufsfachschulen zunehmende Bedeutung. Zwei Fünftel der Schülerinnen und drei Fünftel der Schüler wollen die Chancen auf eine duale Berufsausbildung verbessern oder überbrücken Wartezeiten, die anderen streben einen Abschluss in einem schulischen Assistenten/innenberuf an. Diese Ausbildungen nach Landesregelungen sind deutlich kürzer als die dualen. Die Berufe tragen zwar oft phantasievolle Namen wie "Industrietechnologe/in" oder "Europawirtschaftsassistent/in", dies besagt aber nicht, dass die Qualifikationen auch gefragt sind. Einer Untersuchung von Gisela Feller[19] zufolge sind ein Jahr nach dem Ausbildungsabschluss lediglich 55 Prozent der Frauen und 35 Prozent der Männer erwerbstätig. Von den Männern ist ein erheblicher Teil im Wehr- oder Zivildienst (18 %), noch mehr jedoch (20 %) haben ein Studium aufgenommen. Von den Frauen studieren deutlich weniger (6 %); die größte Gruppe (16 %) geht weiterhin zur Schule. Um welche Art von Schule es sich dabei handelt, bleibt unklar. Bemerkenswert ist an Fellers Befund vor allem, dass 13 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer eine duale Berufsausbildung aufnehmen: Die Nichtverwertbarkeit des erlernten Schulberufs führte offenbar dazu, dass sie sich um eine neuerliche Ausbildung bemühten.

BFS-Abschlüsse eröffnen für etliche die Chance, in einer Ausbildung mit hohen Anspruchsvoraussetzungen unterzukommen: 61 Prozent der Ausbildungsanfängerinnen und -anfänger des dualen Systems mit vorangegangenem BFS-Abschluss befinden sich in Berufsgruppen, die eine überdurchschnittliche Abiturientenquote aufweisen.[20] Es handelt sich vor allem um die Gruppe "Büroberufe/Kaufmännische Angestellte", in der allein 35 Prozent aller Auszubildenden mit BFS-Abschluss zu finden sind. Es zeigen sich allerdings deutliche Verwerfungen: Die Curricula der BFS orientieren sich augenscheinlich an der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung im Privaten. Steuererklärungen fertigen, Bankgeschäfte, Briefe an Behörden schreiben, Technik und Naturwissenschaft sind meist Männersache.[21] Dies spiegelt sich in der Liste der Berufe, in denen es viele Auszubildende mit Abitur, aber kaum mit BFS-Abschluss gibt: Steuerfachangestellte, Bankkaufleute, Büroberufe des Öffentlichen Dienstes, Helfer/innenberufe in der Rechtsberatung, Mediengestalter/in Bild und Ton, Biologie- und Chemielaborant/in, Augenoptiker/in und Zahntechniker/in. Dies sind fast ausnahmslos Berufe mit hohem Mädchenanteil. Doch auch wenn der Aufstieg in einen Abiturienten/innen-Beruf geschafft ist, ist dies eine Karriere mit dead end: Im Gegensatz zu den Kolleginnen und Kollegen mit Gymnasialabschluss können die Absolventinnen und Absolventen der BFS nach der Ausbildung zumeist kein Hochschulstudium aufnehmen.

Der Besuch einer Fachoberschule wäre jedoch auch nicht unbedingt eine Alternative. Im Schuljahr 2007/08 besuchten 129.802 Schülerinnen und Schüler Fachoberschulen (FOS), davon waren 52,8 Prozent weiblich. Die meisten Plätze bot "Wirtschaft und Verwaltung" (45.743 Plätze), gefolgt von Sozialwesen und Sozialpädagogik (35.906) und Technik (28.601). Wie in anderen Bereichen auch, haben Mädchen hohe Anteile im Sozialwesen (80 %), einen ausgeglichenen bei Wirtschaft und Verwaltung (51 %) und einen geringen bei Technik (11 %). Diese Konzentration hat zur Folge, dass Mädchen seltener als Jungen einen Platz an einer Fachhochschule finden. Übersicht 2 (siehe PDF-Version) zeigt die erhebliche Lücke zwischen dem Mädchenanteil an den FOS und den Fachhochschulen (FH).

In Übersicht 3 (siehe PDF-Version) wird der Anteil der Plätze in Fachbereichen der FOS an der Gesamtzahl der Plätze im Vergleich zu den Fachhochschulen dargestellt.[22] Auffällig ist die Diskrepanz bei den Sozialwissenschaften. Während an den FOS 28 Prozent aller Plätze auf den Fachbereich "Sozialwesen und Sozialpädagogik" entfallen, sind es in den Fachhochschulen nur 11 Prozent. Selbst wenn berücksichtigt wird, dass einige Psychologie, Erziehungswissenschaften oder Sozialpädagogik, d.h. Kulturwissenschaften studieren, sinkt die Relation (wie in Übersicht 3 dargestellt, vgl. PDF-Version) lediglich auf 26:11.[23] Da vier Fünftel der Schülerschaft weiblich sind, geht der Mangel an Studienplätzen bzw. das Überangebot an Schulplätzen vor allem zu Lasten von Frauen.

Bei den Berufsoberschulen (BOS) sind ähnliche strukturelle Ausgrenzungen zu entdecken. BOS könnten vor allem für junge Frauen interessant sein, deren Berufe kein Weiterkommen vorsehen; dennoch ist der Frauenanteil unterproportional. Die BOS sind eine vergleichsweise neue Schulform. Bislang gibt es sie in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein (Schuljahr 2007/08). Der Besuch setzt eine einschlägige Berufsausbildung voraus, die als elftes Schuljahr angerechnet wird. Nach einem Jahr kann die Prüfung zum Fachabitur abgelegt werden, nach einem weiteren Jahr folgt der Abschluss der fachgebundenen oder - bei hinreichenden Kenntnissen einer zweiten Fremdsprache - allgemeinen Hochschulreife.

Im Schuljahr 2007/2008 besuchten 19.252 Schülerinnen und Schüler eine BOS, davon befanden sich 2.964 in Vorklassen, d.h. sie hatten zwar eine abgeschlossene Berufsausbildung, aber noch keinen oder keinen hinreichenden mittleren Bildungsabschluss. Der Frauenanteil betrug 42 Prozent. Die Unterrepräsentanz von Frauen erklärt sich durch die Dominanz der Fachrichtung "Technik". Darauf entfallen allein ein Drittel der Plätze, aber nur jeder zehnte wird von einer Frau eingenommen. Frauen finden sich mit einem Anteil von 52 Prozent in der Fachrichtung "Wirtschaft/Kaufmännisch" (40 % der Plätze) und dominieren in den Fachrichtungen Ernährung, Hauswirtschaft, Sozialwesen und Sozialpflege, wo es relativ wenige Plätze gibt (vgl. Übersicht 4 in der PDF-Version). Im Vergleich zu den Ausbildungsberufen, die häufig von Mädchen erlernt werden, fällt auf, dass ein medizinischer Schwerpunkt ausschließlich in Berlin existiert (167 Plätze; 84 % Frauenanteil) und es bundesweit keine einzige BOS der Fachrichtung "Recht" gibt.

Bei der Entwicklung der Berufsoberschulen wurden die Mädchen anscheinend kaum mitgedacht. So ist in der Rahmenvereinbarung der KMK festgelegt, dass es die Ausbildungsrichtungen "Technik, Wirtschaft, Agrarwirtschaft, Ernährung und Hauswirtschaft, Sozialwesen sowie Gestaltung" geben soll,[24] wobei Ausdifferenzierungen zugelassen sind. Durch diese Schwerpunktsetzung ist es für viele junge Frauen mühevoll, aus der Helferinnenposition herauszukommen. Rechtsanwaltsgehilfinnen, die Jura studieren möchten, werden in den Schwerpunkt Wirtschaft verwiesen; Arzthelferinnen, die Ärztin werden wollen, können zwischen Sozialwesen und Wirtschaft wählen. Friseurinnen steht zusätzlich die BOS Agrarwirtschaft offen. Dort treffen sie dann nicht nur auf Revierjägerinnen und Forstwirtinnen, sondern auch auf Hotel- und Restaurantfachkräfte.[25]

Mittlerweile scheint zumindest partiell Nachdenken eingekehrt zu sein. Den Berliner Absolventinnen und Absolventen des Schwerpunkts "Gesundheit" wird auch mit "nur" fachgebundener Hochschulreife zugestanden, Medizin und verwandte Fächer zu studieren. Seltsamerweise wird dies auch den mehrheitlich männlichen Absolventen/innen der BOS "Technik" gewährt, nicht aber den Absolventinnen und Absolventen anderer Schwerpunkte. Bayerische Absolventinnen der BOS Agrarwirtschaft, Sozialwesen und Technik wiederum dürfen spezifische Ausrichtungen der Medizin, z.B. Biomedizin, studieren, allgemeine Medizin aber nicht. Auch wenn die Entwicklungen gegenwärtig im Fluss zu sein scheinen, bleibt festzuhalten, dass die fachlichen Ausrichtungen der BOS die Partizipation von Frauen erschweren. Darüber hinaus wird einem fachgebundenen Abitur in männlich-dominierten Bereichen mehr Wert beigemessen als in weiblich-dominierten. Es wäre spannend zu erfahren, wie derartige Entscheidungen zu Stande kommen.

Fazit



Gemeinsam ist den weiterführenden beruflichen Schulen, dass sie Mädchen nicht nur auf frauentypische Berufsfelder festlegen, sondern eine "gläserne Decke" einziehen. In Mädchen-Fachrichtungen an den BFS ist der Abschluss des Fachabiturs seltener möglich als in den von Jungen besuchten, und sofern Mädchen das Fachabitur erreicht haben, müssen sie entdecken, dass es in ihren Fächern einen Mangel an Studienplätzen gibt. In den BOS schließlich fehlen Fachrichtungen, die an typische Mädchenberufe anknüpfen.

Die Bildungsforschung weiß "wenig bis nichts über den Akteur Schulverwaltung und die Art seines Handelns", schreiben Thomas Büsemeister und Martina Newiadomsky.[26] Diese Feststellung gilt auch für andere Bereiche. Die Beharrungstendenzen im Berufsfachschulsystem lassen sich möglicherweise mit der These einer "Pfadabhängigkeit" erklären; denkbar ist aber auch, dass Interessen von Schulleitungen und Lehrkräften eine erhebliche Rolle spielen. Schulleiterinnen und -leiter sind am Bestand und an der Größe ihrer Schule interessiert, Lehrkräfte daran, dass sie weder an einen anderen Ort versetzt noch sich eine neue Fachkunde erarbeiten müssen. Führt der berufsstrukturelle Wandel zum Schrumpfen der Zahl von Teilzeitberufsschülerinnen und -schülern, kann dies leicht dazu verleiten, berufsfachschulische Assistentenausbildungen in der Fachrichtung einzurichten. Besonders interessant ist die (neue) BOS: Hier scheint eine durchschlagskräftige Lobby der Agrarwirtschaft gewirkt zu haben. Auch behindert der Föderalismus die Einrichtung spezialisierter Fachrichtungen etwa in "Recht" oder "Medizin", denn kein Land dürfte willens sein, Schulplätze für die "Kinder" anderer Bundesländer bereitzustellen. Das Missverhältnis zwischen den Schwerpunkten von FOS und FH deutet auf fehlende Abstimmung zwischen den Bildungs- und Wissenschaftsverwaltungen hin.

Bezogen auf die Geschlechterthematik bleibt festzuhalten, dass wir in einer gespaltenen Gesellschaft leben: Die Hälfte der Bevölkerung ist der Meinung, die primäre Aufgabe von Frauen (nicht von Männern) sei die Haus- und Familienarbeit; die andere Hälfte meint eher, Frauen sollten gleich den Männern erwerbstätig sein.[27] Welche Meinungen bei den Konstrukteurinnen und Konstrukteuren des Bildungssystems vorherrschen - darüber wissen wir nichts. Auch wäre es wichtig, mehr über die Prozesse der Konstruktion von Bildungsgängen zu wissen, wobei die Strukturen der Organisationen und deren Verknüpfung untereinander und mit zivilgesellschaftlichen Gruppen eine Rolle spielen dürften. Denn derartige Prozesse und Strukturen können Geschlechtergerechtigkeit erheblich befördern, aber auch verhindern.

Fußnoten

1.
Anja Kühne, Die Jungenfalle, in: Der Tagesspiegel vom 3.6. 2009, S. 21.
2.
Vgl. Helga Ostendorf, Steuerung des Geschlechterverhältnisses durch eine politische Institution. Die Mädchenpolitik der Berufsberatung, Opladen 2005. Weitere Veröffentlichungen zu dieser Untersuchung online: http://helgaostendorf.homepage.t-online.de/veroeffentlichungen.html. Angeknüpft habe ich an Theorien und Forschungsheuristiken des politikwissenschaftlichen Neuen Institutionalismus; vgl. etwa Arbeiten von Gerhard Göhler, Helga Krüger, James J. March, Renate Mayntz, Frank Nullmeier, Johan P. Olsen, Fritz W. Scharpf, Paul A. Sabatier und Günther Schmid.
3.
Helga Krüger, Vorberufliche Sozialisation, in: Gertraude Krell/Margit Osterloh (Hrsg.), Was kann die Personalforschung von der Frauenforschung lernen? München-Mehring 19932, S. 334.
4.
Carol Hagemann-White, Berufsfindung und Lebensperspektive in der weiblichen Adoleszenz, in: Karin Flaake/Vera King (Hrsg.), Weibliche Adoleszenz. Zur Sozialisation junger Frauen, Frankfurt/M.-New York 1992, S. 73.
5.
Der Wissenschaftsrat stellte dem IAB Ende 2007 ein insgesamt hervorragendes Zeugnis aus. Defizite entdeckte er im Themenfeld "Jugend und Beruf", in der Berufs- und Geschlechterforschung sowie hinsichtlich von Migration/Integration - Themen, die für Berufsberater/innen besonders wichtig sind. Vgl. Wissenschaftsrat, Stellungnahme zum Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Nürnberg, Drs. 8175 - 07, 2007, S. 56, S. 61; online: www.wissenschafts rat.de/Veroffentlichungen/veroffentlich.htm (19.9. 2009).
6.
Die Beratungsfachkräfte betreuten jeweils begrenzte Gebiete. Da sich etwa die Wirtschaftsstruktur der Innenstadt von der des Stadtrandes unterscheidet, hatten sie jeweils nur Einblicke in unterschiedliche Branchen und Berufe. Die von mir untersuchten Agenturen hatten daher gesonderte Termine für den Informationsaustausch vorgesehen.
7.
Zur Selbstverwaltung der BA vgl. Tanja Klenk, Die korporatistische Arbeitsverwaltung, in: APuZ, (2009) 27, S. 34 - 39.
8.
Europäischer Rat, Entschließung des Rates und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten über den Ausbau der Politiken, Systeme und Praktiken auf dem Gebiet der lebensbegleitenden Beratung in Europa (Mai 2004), online: www.bildungs server.de/db/fachlist.html?fach=5013¤t= 2&sec ond=1 (27.9. 2009).
9.
Volker Hielscher/Peter Ochs, Arbeitslose als Kunden? Beratungsgespräche in der Arbeitsvermittlung zwischen Druck und Dialog, Berlin 2009, S. 19; Hervorhebung im Original.
10.
Der Gegenwind erreicht Orkanstärke, in: dvb Regionalinfo Nord, 3.12. 2004, S. 2.
11.
Dokumentiert in der Fernsehreportage von Thomas Leif, Baustelle Arbeitsagentur - Die Mammutbehörde von innen, SWR, Erstsendung 8.11. 2006.
12.
Kommission Moderne Dienstleitungen am Arbeitsmarkt, Vorschläge der Kommission zum Abbau der Arbeitslosigkeit und zur Umstrukturierung der Bundesanstalt für Arbeit, Berlin 2002, S. 193f.
13.
Peta Tancred-Sheriff, Gender, Sexuality and the Labor Process, in: Jeff Hearn/Deborah L. Sheppard u.a. (eds.), The Sexuality of Organisations, London-Newbury Park-New Delhi 1989, S. 45 - 55.
14.
Helga Krüger, Geschlechtersensible Chancenforschung, in: WSI Mitteilungen, 51 (1998) 2, S. 146.
15.
Vgl. Stefan Stuht/Marina Henzig/Jutta Allmendinger, Die Bedeutung des Berufs für die Dauer von Erwerbsunterbrechungen, Berlin 2009 (WZB Discussion Paper P 2009 - 001); Helga Ostendorf, Perspektive Wiedereinstieg. Restriktionen und Lösungsmöglichkeiten, Berlin (i.E.).
16.
In den Berufsbildungsberichten der Bundesregierung tauchen regelmäßig deutlich höhere Zahlen von um die 10 % für die alten und 20 % für die ostdeutschen Länder auf. In den dortigen Berechnungen sind alle Berufe einbezogen, die 1977 einen Mädchenanteil von maximal 20 % aufwiesen, u.a. Schriftsetzerin/Mediengestalterin, Kellnerin/Restaurantfachfrau, Köchin, Konditorin - Berufe, in denen der Mädchenanteil schon lange deutlich höher liegt. Zudem werden alle Berufe, die 1977 noch nicht existierten, hinzugezählt, und zwar unabhängig davon, mit welchem Mädchenanteil sie starteten.
17.
Vgl. Adelheid Bonnemann-Böhner/Ingeborg Welpe (Hrsg.), Berufe haben (k)ein Geschlecht: Chancen und Hindernisse in der gewerblich-technischen Berufsausbildung junger Frauen, München-Mehring 1994; Angelika Heine/Claudia Scherbaum, Praxisforschungsprojekt "Frauenoffensive - Junge Frauen in gewerblich-technische Berufe", Kassel (Magistrat der Stadt) 1991.
18.
Vgl. Christine Mayer, "... und daß die staatsbürgerliche Erziehung des Mädchens mit der Erziehung zum Weibe zusammenfällt", in: Zeitschrift für Pädagogik, 28 (2002) 5, S. 773.
19.
Vgl. Gisela Feller, Berufsfachschulen - Joker auf dem Weg zum Beruf?, in: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 29 (2000) 2, S. 17 - 23.
20.
Die Zahl bezieht sich auf die Ausbildungsbeginner/innen 2006. Ab dem Jahr 2007 wird der BFS-Abschluss in der Berufsbildungsstatistik nicht mehr gesondert ausgewiesen. Durchschnittlich hatten im Jahr 2006 15,9 % der Auszubildenden die Hochschulreife, 35,5 % einen mittleren und 29,6 % höchstens einen Hauptschulabschluss; 10,3 % hatten einen Berufsfachschulabschluss.
21.
Vgl. Carsten Wippermann u.a., Wege zur Gleichstellung heute und morgen. Sozialwissenschaftliche Untersuchung vor dem Hintergrund der Sinus-Millieus 2007, Berlin (BMFSFJ) 2008, S. 48.
22.
Hier musste methodisch zu einer Hilfskonstruktion gegriffen werden, weil die veröffentlichten Statistiken sehr lückenhaft sind. Verglichen werden die Plätze in den Fachoberschulen im Schuljahr 2007/08 mit den erfolgreichen Prüfungsabsolventen/innen im Studienjahr 2007. Die Verteilungen dürften sich über die Jahre nicht wesentlich verändert haben.
23.
Der Fachbereich "Sozialwesen und Sozialpädagogik" lässt sich nicht eindeutig zuordnen. Sozialpädagogisches findet seine Entsprechung in den "Sprach- und Kulturwissenschaften", während das Pendant von "Sozialwesen" die "Sozialwissenschaften" sind. Ich habe die Verteilung bei den Studienabsolventen/innen zum Maßstab genommen und 5 % dieser Schüler/innen den "Kulturwissenschaften" zugeordnet.
24.
Vgl. KMK, Rahmenvereinbarung über die Berufsfachschule. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 25. 11. 1976 i.d.F. vom 1.2. 2007, § 3.
25.
Bestimmungen für Ostbayern: www.mb-ost.de/Berufe/berufe.htm.
26.
Thomas Büsemeister/Martina Newiadomsky, Schulverwaltung - ein unbekannter Akteur?, in: Roman Langer (Hrsg.), "Warum tun die das?" Governanceanalysen zum Steuerungshandeln in der Schulentwicklung, Wiesbaden 2008, S. 73.
27.
C. Wippermann u.a. (Anm. 21), S. 45, sprechen in diesem Zusammenhang von einem "kulturellen Spagat".

Helga Ostendorf

Zur Person

Helga Ostendorf

PD Dr. rer. pol., geb. 1950; lehrt Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin.
E-Mail: ostendor@zedat.fu-berlin.de


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