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18.5.2006

Glossar

Hier finden Sie das Glossar zum Dossier "Kontraste - Auf den Spuren einer Diktatur".

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Waldheim

Im Zuge der Entnazifizierung der jungen DDR-Führung fanden zwischen April und Juli 1950 in der sächsischen Kleinstadt Waldheim 3.432 Gerichtsprozesse statt. Die Angeklagten, denen vorgeworfen wurde, Kriegs- und nationalsozialistische Verbrechen begangen zu haben, stammten aus den drei sowjetischen Internierungslagern Buchenwald, Bautzen und Sachsenhausen. Von insgesamt 3.392 Verurteilten erhielten 1.829 Freiheitsstrafen zwischen 15 und 20 Jahren, 146 lebenslängliche Zuchthausstrafen. 32 wurden zum Tode verurteilt.

Mit den Waldheimer Prozessen wollte sich die DDR als antifaschistischer Staat etablieren, der konsequent Kriegs- und NS-Verbrecher verfolgte und mit ihnen strafrechtlich abrechnete. Zudem wollte die DDR-Führung ein deutliches Signal für den beginnenden Wiederaufbau setzen. Die in großer Eile verhandelten Prozesse wurden permanent von der SED-Führung überwacht und fanden mehrheitlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. In zehn Fällen wurden öffentliche Schauprozesse durchgeführt. Die Angeklagten besaßen häufig weder Verteidiger, noch hatten sie ausreichende Kenntnisse der Anklageschrift. Bereits Ende der 50er Jahre wurde daher ein Großteil der Verurteilten begnadigt und aus der Haft entlassen. Nach dem Untergang der DDR wurden alle Angeklagten rehabilitiert. Gegen einige Waldheimer Richter und Staatsanwälte gab es nach der Wiedervereinigung Strafverfahren unter dem Vorwurf der Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung.



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