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counter 30.4.2015

Endphase und Kriegsende

Im Winter 1944/45 kam es zum letzten größeren, verzweifelten Versuch der Wehrmacht, den Vormarsch der Alliierten im Westen doch noch zu stoppen. Die "Ardennen-Offensive" scheiterte aber und verzögerte den Angriff der Westalliierten auf Deutschland nur um sechs Wochen.

Hitler verlässt zum letzten Mal Berlin: Besuch im Hauptquartier des 101. Armeekorps an der Oderfront am 3. März 1945. (© Bundesarchiv)


Radikalisierung der Kriegsführung



Vorbereitung auf den "Endkampf": Unteroffiziere des Heeres bilden Männer des Volkssturms am Karabiner G 98 aus, Oktober 1944. (© Bundesarchiv)

Die sich abzeichnende Niederlage machte die Regime in Japan und Deutschland in der zweiten Jahreshälfte 1944 noch fanatischer. Beide Länder griffen auch zu neuen Methoden der Kriegsführung. Mit begrenztem Erfolg setzte Japan ab Herbst 1944 Kampfflieger ("Kamikaze") und Kleinst-U-Boote ("Kaiten") für Selbstmordangriffe gegen alliierte Kriegsschiffe ein. So weit ging das NS-Regime nicht; es mobilisierte aber mit allen Mitteln die letzten Kräfte für den Krieg. Seine Propaganda verbreitete Angst und Schrecken vor dem Gegner und peitschte der Bevölkerung den "Glauben an den Endsieg" ein. Joseph Goebbels presste als "Generalbevollmächtigter für den totalen Kriegseinsatz" ab Juli 1944 Massen neuer Wehrpflichtiger aus der deutschen Bevölkerung heraus.

Japanische Kamikaze-Piloten melden sich zum Einsatz ab, 1944. (© Bildarchiv preußischer Kulturbesitz)

Auch die Partei schaltete sich immer häufiger ein. Die Gauleiter der NSDAP wurden für Aufstellung und Einsatz von Einheiten des "Deutschen Volkssturms" zuständig, den Hitler am 28. September 1944 ins Leben gerufen hatte. Dieses letzte Aufgebot aus meist älteren Männern war schlecht ausgebildet und bewaffnet, blieb militärisch weitgehend wertlos und erlitt hohe Verluste. Radikaler noch war das Konzept einer Guerilla-Kriegsführung hinter den gegnerischen Linien, das auf den "Reichsführer SS" Heinrich Himmler zurückging. Seine hierfür im September 1944 gegründete "Werwolf"-Organisation verübte bei Kriegsende vereinzelt Mordanschläge auf deutsche NS-Gegner, blieb aber militärisch wirkungslos, wenngleich allein ihre Existenz erhebliche Nervosität unter den alliierten Streitkräften verursachte.

Hitlers Erlass über die Bildung des "Deutschen Volkssturms" vom 25.09.1944

"Nach fünfjährigem schwersten Kampf steht infolge des Versagens aller unserer europäischen Verbündeten der Feind an einigen Fronten in der Nähe

Vorzeitige deutsche Niederlagen im Luft- und Seekrieg



Während sich die alliierten Heere aus Ost und West den deutschen Grenzen näherten, legten alliierte Bomberflotten von bis zu 1.000 Flugzeugen die deutschen Großstädte in Schutt und Asche. Seit Anfang 1943 erhielt das britische Bomber Command Unterstützung durch eine US-Luftflotte in Großbritannien, ab Ende 1943 durch eine weitere in Süditalien. Arbeitsteilig unternahmen die Briten ihre Einsätze nachts, die Amerikaner bei Tag. Auch in ihrer Zielsetzung unterschieden sich beide. Die britische Strategie versuchte, durch Terrorangriffe die Moral der Bevölkerung zu erschüttern ("moral bombing").

Bombenkrieg gegen deutsche Städte: britischer Bomber vom Typ Handley Page "Halifax" beim Luftangriff auf Wanne-Eickel, 1944/45. (© Bildarchiv preußischer Kulturbesitz)

Gemessen an ihrem Ziel, dadurch den baldigen (moralischen) Zusammenbruch der deutschen Bevölkerung zu erreichen, blieb sie letztlich erfolglos, obwohl der alliierte Luftkrieg in Deutschland fast eine halbe Million Menschen tötete und ein Fünftel aller Wohnungen zerstörte. Dagegen konzentrierten sich die Amerikaner auf die Zerstörung der deutschen Rüstungsindustrie. Mit gezielten Angriffen gegen die deutsche Flugzeugindustrie sicherten sich die Alliierten im Sommer 1944 die Luftherrschaft über Deutschland. Danach legten ihre Bomberflotten die deutsche Kriegsführung nach und nach lahm, indem sie Schlüsselindustrien zerstörten. Sie trugen damit wesentlich zur Beendigung des Krieges bei. Die deutsche Luftverteidigung schoss insgesamt über 15.000 Bomber mit 100.000 Mann Besatzung ab, konnte aber gegen die wachsende Überzahl der Alliierten nichts ausrichten. Auch technisch geriet sie ins Hintertreffen. Ihre Radarsysteme wurden vom Gegner bald wirkungsvoll gestört. Ab Frühjahr 1944 schützten leistungsstarke Begleitjäger die US-Bomberflotten, was deren anfänglich hohen Verluste durch deutsche Jagdflugzeuge deutlich verringerte. Hingegen war die schwache deutsche Bomberwaffe zu echten Gegenschlägen nicht mehr in der Lage, wie eine letzte kleine Luftoffensive gegen Großbritannien im Frühjahr 1944 zeigte. Nun setzte die NS-Führung auf Angriffe mit "Vergeltungswaffen" wie der V1 und V2, die zwar viele Menschenleben kosteten und große Schäden verursachten, den Kriegsverlauf aber nicht mehr änderten.

Karten und Grafiken: "Kriegsende"
 Karte: Ardennenoffensive 1944 Karte: Asiatisch-Pazifischer Raum 1943-1945 Der Bombenkrieg 1940-1945. V1-Abschußbasen 1944 und 1945 Reichweiten der alliierten Bomber Frontverlauf zwischen Dezember 1944 und Mai 1945 Jagdflugzeug- und Treibstoffproduktion 1943/44 Die Lage in der Ostsee im Frühjahr 1945 Die Lage an der Westfront und der alliierte Vormarsch im Mai 1945 Karte: Luftschlachten des britischen Bomber Command Grafik: Der Seekrieg 1939-1945. Die sowjetische Berliner Operation vom 16. April bis 8. Mai 1945.


Auch den Seekrieg verlor Deutschland vorzeitig. Dies galt zunächst für den Seekrieg über Wasser. Seine noch im Aufbau befindliche Überwasserflotte konnte sich mit der britischen Seemacht nicht annähernd messen. Umso härter trafen sie frühe Verluste wie die des Panzerschiffs "Admiral Graf Spee" 1939 und des Schlachtschiffs "Bismarck" 1941 oder gar der Verlust der halben Einsatzflotte während des Unternehmens "Weserübung" 1940. Mehr als schmerzhafte Nadelstiche konnten die deutschen Schiffe ihren Gegnern nie zufügen, und selbst das gelang in der zweiten Kriegshälfte immer weniger. Anders die deutschen U-Boote. Im Handelskrieg bald sehr erfolgreich und schon zur kriegsentscheidenden Waffe stilisiert, erlitten sie im Frühjahr 1943 schwere Rückschläge. Verbesserte Abwehrmaßnahmen der Alliierten und die Entschlüsselung des deutschen Funkverkehrs durch die Briten ("Ultra"), ließen die Erfolge der U-Boote einbrechen und ihre eigenen Verluste dramatisch ansteigen. Selbst ein überzeugter Nationalsozialist wie ihr neuer Oberbefehlshaber, Großadmiral Karl Dönitz, sah sich deshalb im Mai 1943 gezwungen, die U-Boote aus ihrem Hauptkriegsgebiet Nordatlantik zurückziehen. Sehr spät war erst unter ihm die Marinerüstung auf den U-Boot-Krieg konzentriert worden. Die wachsende alliierte Übermacht zur See beschränkte den Einsatz der Kriegsmarine fortan im Wesentlichen auf das Küstenvorfeld. Kurz vor Kriegsende erhielt sie eine wichtige Aufgabe bei der Evakuierung von Truppen und Zivilbevölkerung über die Ostsee.

Letzte deutsche Offensiven und alliierter Sturm auf die "Festung Deutschland"



Im Winter 1944/45 sorgte Hitlers Willen für den letzten größeren, fast schon verzweifelten Versuch der Wehrmacht, den Vormarsch der Alliierten im Westen doch noch zu stoppen. Unter großer Geheimhaltung vorbereitet, überrannte am 16. Dezember

Deutsche Soldaten während der Ardennen-Offensive bei der Bergung eines Verwundeten. (© Bildarchiv preußischer Kulturbesitz)

1944 eine Offensive der Heeresgruppe B mit drei Armeen die relativ schwachen amerikanischen Linien im Grenzland zwischen Eifel und Ardennen (Unternehmen "Wacht am Rhein"). Ihr Ziel war das 200 km entfernte Antwerpen, seit kurzem wichtigster Nachschubhafen der Alliierten auf dem Kontinent. Zudem hoffte man, die britisch-kanadische Heeresgruppe unter Feldmarschall Montgomery in den Niederlanden abzuschneiden. Wachsender Widerstand des Gegners und eigene Nachschubprobleme brachten den Angriff am 24. Dezember zum Stehen, nachdem er 80 km tief in die Ardennen vorgedrungen war. Das alliierte Oberkommando unter General Eisenhower erholte sich von der Überraschung schnell, brachte alle verfügbaren Reserven zum Einsatz und warf die Angreifer bis Ende Januar 1945 auf ihre Ausgangspositionen zurück. Auch ein Masseneinsatz von 900 deutschen Flugzeugen am 1. Januar änderte daran nichts; er führte nur zum endgültigen Ruin der Luftwaffe. Die deutsche Ardennen-Offensive kostete beide Seiten noch in letzter Minute hohe Verluste. Für die Amerikaner wurde sie zur blutigsten Schlacht des ganzen Krieges. Sie konnten jedoch ihre Verluste leicht ersetzen, während diese auf deutscher Seite an der Substanz zehrten. Wegen der Ermordung amerikanischer Kriegsgefangener während der Kämpfe mussten sich später zahlreiche SS-Soldaten vor einem US-Militärgericht verantworten.

Mit der Ardennen-Offensive

Sowjet-Marschall Georgi K. Schukow in seinem Befehlsstand an der Oderfront im Frühjahr 1945. (© Bundesarchiv)

hatte Hitler noch einmal alles auf eine Karte gesetzt, aber letztlich nur den Angriff der Westalliierten auf Deutschland um sechs Wochen verzögert. Hierfür waren die besten Divisionen des Heeres verschlissen, Hunderte Panzer und Flugzeuge sowie unersetzliche Mengen an Munitions- und Treibstoffreserven vergeudet worden. Sie fehlten im Osten, als dort die Rote Armee ab dem 12. Januar 1945 mit neuer Kraft zum lange erwarteten Großangriff über Narew und Weichsel antrat. Die deutsche Front brach schnell zusammen. Schon Ende des Monats war die nördliche Heeresgruppe im Raum Königsberg eingekesselt, wo sie erst vom Kriegsende erlöst wurde. Der sowjetische Hauptstoß ging geradewegs nach Westen, befreite dabei am 27. Januar das Vernichtungslager Auschwitz und erreichte am 31. Januar die Oder beiderseits von Frankfurt. Nur noch 80 km vom Zentrum Berlins entfernt, bildete hier die 1. Weißrussische Front unter Marschall Georgi K. Schukow sofort erste Brückenköpfe, musste sich dann aber sammeln und auffrischen, während die benachbarten Fronten in Pommern und Schlesien nachzogen. Die Atempause ermöglichte es den zerschlagenen deutschen Truppen, sich im Rahmen der hastig gebildeten Heeresgruppe Weichsel entlang von Oder und Neiße neu zur Verteidigung zu formieren. Zu ihrem Oberbefehlshaber bestellte Hitler, erbost über das "Versagen" seiner Generale, im Januar 1945 den "Reichsführer SS" Heinrich Himmler, löste ihn aber schon im März wegen Unfähigkeit wieder ab. Gleichzeitig ging Himmlers Polizeiapparat brutal gegen jeden Deutschen vor, der keinen Kampfwillen mehr zeigte. Aus demselben Grund fällten ab Februar 1945 neuartige Standgerichte von Wehrmacht und SS Tausende Todesurteile gegen deutsche Soldaten und Zivilisten.

Dass die Ostfront so schnell zusammenbrach, lag auch an Hitler selbst, der die letzten Panzer-Reserven aus dem Westen lieber der Heeresgruppe Süd in Ungarn zukommen ließ. Dort war die Rote Armee im Januar 1945 vor Budapest aufgehalten worden und durch kleinere deutsche Gegenschläge teilweise sogar in die Defensive geraten. Hitler sah die Chance zum großen Gegenschlag, auch um die letzten großen deutschen Ölreserven in Westungarn zu sichern. Für den Entsatz von Budapest war es bald zu spät; die Stadt fiel nach siebenwöchiger Belagerung am 13. Februar 1945. Der Kampf hatte die Rote Armee über 300.000 Tote und Verwundete gekostet, die deutsch-ungarischen Verteidiger einiges weniger. Dessen ungeachtet ging die frisch verstärkte Heeresgruppe Süd Anfang März zwischen Budapest und Plattensee überstürzt und bei schlechtem Wetter zum Angriff über und scheiterte bereits im Ansatz (Unternehmen "Frühlingserwachen"). Einer sofortigen Gegenoffensive der Roten Armee hielt sie nicht stand. Halte-Befehle Hitlers änderten daran nichts. Anfang April räumte sie, weiter unterstützt von ungarischen Truppen, die südlich Slowakei und das Burgenland. Die nachdrängende Rote Armee nahm bis zum 12. April fast kampflos Wien ein, wobei sie vom Widerstand der Wehrmacht und der Einwohner gegen die NS-Herrschaft profitierte. Danach gingen die Kämpfe in Österreich allmählich zu Ende. Die sowjetischen Kräfte konzentrierten sich auf die Einschließung der letzten intakten deutschen Heeresgruppe in Böhmen, die schließlich am 11. Mai 1945 kapitulierte. Die langwierigen Kämpfe in Ungarn hatten zur Folge, dass Süddeutschland ein sowjetischer Einmarsch erspart blieb.

Ähnlich schwer taten sich im Frühjahr

Nach der deutschen Ardennen-Offensive: US-Soldaten passieren beim Vorrücken die Befestigungsanlagen des deutschen "Westwalls", Januar 1945. (© akg-images)

1945 zunächst die Alliierten an der deutschen Westgrenze. Die unerwartet heftige deutsche Gegenwehr im Hürtgenwald, in den Ardennen und zuletzt im Januar 1945 im Elsass ließ sie vorsichtig werden. Ihr Respekt galt nicht zuletzt der grenznahen deutschen "Siegfried-Linie" – bis sich herausstellte, dass sie kein Hindernis war. Auch die deutsche Führung überschätzte den Wert dieser Verteidigungslinie, die sich auf die Bunker des "Westwalls" zwischen Kleve und Lörrach stützte. Verstärkt um ihre letzten strategischen Reserven, gingen die Alliierten am 8. Februar 1945 zwischen Mosel und Waal in die Offensive, um den Mittel- und Niederrhein als Basis für den weiteren Vorstoß in das Ruhrgebiet und die Mitte Deutschlands zu gewinnen. Behindert durch schlechtes Wetter und unwegsames Gelände, erreichten sie erst nach einem Monat den Rhein, wo ihnen am 7. März die unzerstörte Brücke von Remagen in die Hände fiel. Bald gelang es ihnen an weiteren Stellen, Brückenköpfe rechts des Rheins zu bilden. Die deutschen Linien waren danach schnell durchbrochen, und die Alliierten stießen zügig in das Innere Deutschlands vor. Unter dem Druck ihrer Angriffe ging der Zusammenhang der deutschen Verteidigung zusehends verloren; sie ließ sich von Berlin aus immer schlechter koordinieren und kontrollieren. Größeren Widerstand leisteten die im Ruhrgebiet eingekesselte Heeresgruppe B sowie die "Festung Harz", die am 16./17. April bzw. am 20. April kapitulierten. Bereits am 28. März hatte General Eisenhower das alliierte Vorgehen neu ausgerichtet. Demnach blieb der britisch-kanadischen Heeresgruppe weiterhin die Eroberung von Norddeutschland überlassen. In den Kampf um Berlin wollte er dagegen nicht mehr eingreifen. Die Rote Armee hatte ihn schon zu ihrer Sache gemacht.

Die "Großen Drei": Winston Churchill (links), Franklin D. Roosevelt (Mitte) und Josef Stalin (rechts) beschließen während der Konferenz von Jalta (4.-11. Februar 1945) u. a. die Aufteilung Deutschlands in alliierte Besatzungszonen. (© Bildarchiv preußischer Kulturbesitz)

Zudem befürchtete Eisenhower zu hohe eigene Verluste. Daher endete der amerikanischen Vorstoß durch die Mitte Deutschlands an der Elbe, wo sich am 25. April 1945 erstmals amerikanische und sowjetische Truppen trafen. Aus Mitteldeutschland mussten sich die US-Truppen bald zurückziehen, weil es nach den Beschlüssen der Konferenz von Jalta (4.-11. Februar 1945) Teil der sowjetischen Besatzungszone wurde. Zuvor fielen den Amerikanern die dorthin ausgelagerten Kunst- und Goldschätze des "Dritten Reichs" und die Elite der deutschen Rüstungsforschung in die Hände. Die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar am 15. April konfrontierte sie mit dem Grauen des "Dritten Reichs". Eisenhower verschaffte sich persönlich einen Eindruck davon, während seine Aufmerksamkeit als Oberbefehlshaber Süddeutschland galt. Die Nachricht vom angeblichen Rückzug des NS-Regimes und der Wehrmacht in eine "Alpenfestung" hatten ihn bewogen, mit starken Kräften dorthin einzuschwenken, zumal die ihm unterstehende französische Armee bereits eigenmächtig in den deutschen Südwesten vorgedrungen war. Die "Alpenfestung" erwies sich jedoch schon bald als Hirngespinst aus deutschen Wunschvorstellungen und Fehlschlüssen alliierter Geheimdienste. Auf ihrem Weg nach Süden eroberte die US-Armee Mitte/Ende April 1945 die nationalsozialistischen Vorzeigestädte Nürnberg ("Stadt der Reichsparteitage") und München ("Stadt der Bewegung"). Am 5. Mai stellte sie auf dem Brenner-Pass die Verbindung mit den aus Italien vorstoßenden amerikanischen Truppen her. Die Westalliierten hatten ihren Beitrag zur Befreiung Deutschlands von der NS-Herrschaft geleistet.

Endkampf um Berlin und Untergang des "Dritten Reichs"



Ein eigenes Drama vollzog sich während der letzten Kriegswochen im Kampf um die

Abschrift einer Botschaft von Hermann Göring an Hitler vom 23. April 1945: Die Bitte um Hitlers Einverständnis zur Machtübernahme durch Göring endete mit seiner Verhaftung. (© Bundesarchiv)

Reichshauptstadt Berlin, die damals noch etwa zweieinhalb Millionen Einwohner zählte. Erst durch ihre Eroberung war der Untergang des "Dritten Reichs" zu erwarten, weil Hitlers Anwesenheit sie zur Schaltzentrale der deutschen Kriegsführung machte. Der Diktator hatte sich entschlossen, in der Hauptstadt zu bleiben und ihr Schicksal mit dem seinen zu verbinden. Schon länger war er der Überzeugung, dass Deutschland und "das deutsche Volk" mit ihm siegen oder untergehen würden. Diese Haltung des "Alles oder Nichts" bestimmte nun erst recht Hitlers politisch-militärisches Handeln. Am 19. März 1945 erließ er den so genannten Nero-Befehl, der allen militärischen und zivilen Stellen gebot, beim Rückzug in Deutschland nur "verbrannte Erde" zu hinterlassen. Auf die Zukunft der Deutschen, die sich in seinen Augen als zu schwach und deshalb "lebensunwert" erwiesen hatten, wollte er bewusst keine Rücksicht mehr nehmen. Das Ende seiner Herrschaft stand ihm selbst klar vor Augen, als die Rote Armee Ende Januar 1945 die Oder erreicht hatte und den Sturm auf Berlin vorbereitete. Ende Februar bezog er mit seinem engsten Stab wegen der häufigen Luftangriffe den "Führerbunker" unter der Reichskanzlei. Hier hielt er die Fäden in der Hand, auch wenn ihn sein fortschreitender körperlicher und geistiger Verfall für die Realität zunehmend unempfänglich machte. Bis fast zuletzt erhielten Regierungsmitglieder und Vertreter der militärischen Zentralen aus dem Berliner Umland ihre Anweisungen durch ihn persönlich. Am Ende in Berlin abgeschnitten, genügten ihm die noch funktionierenden Nachrichtenverbindungen. Das bekam sogar sein "Kronprinz“ Hermann Göring zu spüren. Als der am 23. April 1945 von Berchtesgaden aus ultimativ die Nachfolge des "Führers" anzutreten versuchte, ließ dieser ihn von Berlin aus wegen Hochverrats verhaften.

Hitlers Befehl zu Zerstörungsmaßnahmen im Reichsgebiet vom 19. März 1945 ("Nero-Befehl")

"Der Kampf um die Existenz unseres Volkes zwingt auch innerhalb des Reichsgebietes zur Ausnutzung aller Mittel, die die Kampfkraft unseres Feindes schwächen

Sowjetische Truppen während des Kampfes um Berlin, Ende April 1945. (© Bildarchiv preußischer Kulturbesitz)

Den Endkampf um Berlin eröffneten am 16. April 1945 zwei sowjetische Fronten mit Angriffen aus ihren Brückenköpfen an Oder und Neiße gegen die letzten deutschen Verteidigungslinien im Osten. Hieraus entwickelte sich die größte Schlacht des Krieges auf deutschem Boden. Die sowjetischen Befehlshaber standen dabei unter Zeitdruck aus Moskau, wo man den schnellen Vorstoß der westlichen Verbündeten nach Osten misstrauisch verfolgte. Die Hauptlast des Angriffs trugen die 1. Weißrussische Front und ihre fast eine Million Soldaten unter Marschall Georgi K. Schukow. Erst nach drei Tagen und unter großen Verlusten durchbrach ihr Frontalangriff mit siebenfacher Überlegenheit die starken Stellungen der deutschen 9. Armee auf den Seelower Höhen nördlich von Frankfurt/Oder. Danach war sie nicht mehr aufzuhalten. Im Verein mit der 1. Ukrainischen Front schloss sie Berlin bis zum 25. April ein. In völliger Verkennung der Verhältnisse hoffte Hitler auf Befreiung der Truppen von außen (Entsatz) durch die Armee von General Walther Wenck, die westlich von Berlin gerade erst aufgestellt wurde. Ihr Angriff Ende April verhalf immerhin Teilen der inzwischen abgeschnittenen 9. Armee zum Aus- und Durchbruch nach Westen. Gemeinsam retten sich auf diese Weise 90.000 deutsche Soldaten und zivile Flüchtlinge vor der Roten Armee in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Dieses Ziel hatten damals fast überall an der zerfallenden deutschen Ostfront nicht nur die gewöhnlichen Soldaten, sondern auch die militärischen

Ein Fährprahm der Kriegsmarine, beladen mit Soldaten und zivilen Flüchtlingen, legt im Hafen von Pillau (heute Baltijsk, Russland) zur Fahrt über die Ostsee nach Dänemark ab, Ende April/Anfang Mai 1945. (© Bildarchiv preußischer Kulturbesitz)

Führer. Die sowjetischen Truppen zogen derweil ihren Einschließungsring um Berlin immer enger. Im verlustreichen Häuser- und Straßenkampf gegen die knapp 100.000 Verteidiger aus Wehrmacht, SS, Volkssturm und Hitlerjugend drangen sie zur Stadtmitte vor und erreichten am 30. April 1945 das Regierungsviertel. Als er das erfuhr, begingen Hitler und seine frisch angetraute Ehefrau Eva Braun Selbstmord; tags darauf tötete auch Goebbels, dessen Propaganda bis zuletzt den Glauben an den Endsieg verbreitete, sich selbst und seine Familie. Am 2. Mai kapitulierte der Stadtkommandant, General Helmuth Weidling. Der Kampf in und um Berlin war beendet. Er hatte die Rote Armee 350.000 Tote und Verwundete gekostet, die deutsche Seite kaum weniger; wieder gingen Zehntausende deutsche Soldaten in Gefangenschaft. In dem Inferno waren auch Tausende Berliner Einwohner umgekommen, viele durch Mordkommandos des eigenen Regimes, die jeden mit dem Tod bedrohten, der sich kriegsmüde oder gar kapitulationswillig zeigte.

Das "Dritte Reich" überdauerte den Diktator und den Untergang der

Verhaftung der Regierung Dönitz in Flensburg durch die Briten am 23. Mai 1945: In der Bildmitte Großadmiral Karl Dönitz, links hinter ihm der ehemalige Rüstungsminister Albert Speer und Generaloberst Alfred Jodl. (© Bundesarchiv)

Reichshauptstadt nur kurz. Noch am Vortag seines Selbstmords hatte Hitler Großadmiral Karl Dönitz zu seinem Nachfolger bestimmt. Der war mit anderen hochrangigen Militärs und NS-Größen, darunter Heinrich Himmler, in das noch weitgehend unbesetzte Schleswig-Holstein ausgewichen. Am 3. Mai 1945 bildet er in Flensburg eine "geschäftsführende Reichsregierung", die den Krieg zunächst fortsetzte. Kriegs- und Handelsmarine evakuierten bis zuletzt über zwei Millionen deutsche Soldaten und Zivilisten aus dem Osten und retteten sie damit vor dem sowjetischen Zugriff. Ebenfalls von Flensburg aus hielt das Oberkommando der Wehrmacht die Verbindung mit seiner abgeschnittenen Südgruppe im bayerisch-österreichischen Alpenraum sowie nach Böhmen und Mähren, Holland, Dänemark , Norwegen und Kurland, zu den Kanalinseln und einigen französischen Atlantikhäfen, wo immer noch deutsche Besatzungen aushielten. Die kurze Herrschaft von Dönitz war einerseits vom Geist des alten NS-Regimes geprägt. So hielten Militärgerichte weiter gnadenlos die Disziplin aufrecht und ließen bis zuletzt Soldaten für relativ geringe Vergehen hinrichten. Andererseits sah sich Dönitz der selbstzerstörerischen Untergangspolitik Hitlers nicht verpflichtet. Vielmehr beugte sich sein Regime, nach kurzem Sträuben, der Forderung nach bedingungsloser Kapitulation und wurde zu ihrem Sachwalter in mehreren Schritten. Ohnmächtig

Sowjetische und amerikanische Truppen treffen am 26. April 1945 im sächsischen Torgau aufeinander. (© sz-photo)

musste es zunächst die eigenmächtige Kapitulation der deutschen Truppen in Italien anerkennen. Aktiv vereinbarte es am 5. Mai mit der britischen Seite die Kapitulation des deutschen Nordraumes einschließlich Holland und Dänemark. Schließlich erklärte Generaloberst Jodel im Auftrag von Dönitz am 7. Mai 1945 in Eisenhowers Hauptquartier in Reims die Gesamtkapitulation aller deutschen Streitkräfte. Sie trat am folgenden Tag in Kraft und beendete den Zweiten Weltkrieg in Europa. Auf sowjetischen Wunsch wurde der Akt durch Generalfeldmarschall Keitel am 8. Mai im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst wiederholt. Am selben Tag stellten in Flensburg britische Soldaten die Regierung Dönitz unter ihre Aufsicht, bevor deren Mitglieder schließlich am 23. Mai 1945 verhaftet wurden. Die Alliierten machten damit dem "Dritten Reich" auch politisch ein Ende und übernahmen selbst die Regierungsgewalt auf dem Territorium des Deutschen Reichs.

Die Kapitulationsurkunden von Reims und Berlin-Karlshorst.
 Die englische Ausfertigung der Kapitulationserklärung von Reims am 7.5.1945, für das Oberkommando der Wehrmacht unterschrieben von Generaloberst Alfred Jodl. Als Generaloberst Alfred Jodl für das Oberkommando der Wehrmacht um 02:41 Uhr das Dokument unterschrieb, hatte Deutschland bedingungslos kapituliert. Generaloberst Jodl bei der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 7. Mai 1945 im französischen Reims. Deutsche Ausfertigung der Kapitulationserklärung von Berlin-Karlshorst: In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai wiederholte sich hier die offizielle Kapitulation gegenüber der russischen Armee. In Berlin unterschrieben um 0.16 Uhr für die deutschen Streitkräfte Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel (Oberkommando der Wehrmacht), Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg (Kriegsmarine) und Generaloberst Hans-Jürgen Stumpff (Luftwaffe). Bereits seit Mitternacht galt der in Reims vereinbarte Waffenstillstand an allen Fronten. Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel unterzeichnet gegenüber Georgi Schukow, dem Generalstabschef der Roten Armee, in Berlin-Karlshorst erneut die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in der Nacht auf den 9. Mai 1945.

KAPITULATIONSERKLAERUNG

"1. Wir, die hier Unterzeichneten, handelnd in Vollmacht fuer und im Namen des Oberkommandos der Deutschen Wehrmacht, erklaeren hiermit die bedingungslose Kapitulation aller am gegenwaertigen Zeitpunkt unter deutschem Befehl stehenden oder von Deutschland beherrschten Streitkräfte

Kriegsende in Fernost



Unbeeindruckt vom Niedergang des deutschen Verbündeten und vom Kriegsende in Europa, führte Japan seinen Krieg im Frühjahr 1945 fort, obwohl die eigene militärische Lage bereits verzweifelt war. Im Pazifik hatten die Alliierten die japanischen Streitkräfte auf das Vorfeld des Mutterlandes zurückgedrängt;

Der britische Premierminister Winston Churchill (links), US-Präsident Harry S. Truman (Mitte) und der sowjetische Staats- und Parteichef Josef Stalin während der Konferenz von Potsdam: Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945. berieten und beschlossen die "Großen Drei" u.a. über die politische und geografische Neuordnung Deutschlands. (© Public Domain)

letzteres war seit dem Herbst 1944 immer heftigeren amerikanischen Luftangriffen ausgesetzt. Dennoch konnten sich friedenswillige Kreise innerhalb der japanischen Regierung gegen die unnachgiebige Militärführung nicht durchsetzen. Diese hegte trotz gegenteiliger Signale aus Moskau Illusionen, sich mit der Sowjetunion verständigen, zumindest aber deren Neutralität erhalten zu können. Vor allem glaubte man, dass der bekannte fanatische Widerstand japanischer Soldaten die Alliierten von einer Invasion Japans abschrecken würde. Tatsächlich hatten die Alliierten im März und im April 1945 trotz eines erdrückenden Material- und Waffeneinsatzes nur unter großen Verlusten die ersten japanischen Inseln Iwo Jima bzw. Okinawa erobern können. Die US-Streitkräfte rechneten deshalb bei einer Besetzung der Hauptinseln mit mehreren 100.000 Toten und Verwundeten.

Die japanische Stadt Hiroshima nach dem Abwurf der ersten amerikanischen Atombombe am 6. August 1945. (© akg-images)

Dennoch hielten die Vereinigten Staaten die Forderung nach der bedingungslosen Kapitulation Japans aufrecht, zumal sich dort die Militärpartei weiterhin unbeugsam zeigte. Die Haltung des neuen US-Präsidenten Harry S. Truman – sein Vorgänger Roosevelt war am 12. April gestorben – verhärtete sich sogar. Am 16. Juli 1945 erfuhr er vom ersten erfolgreichen Test einer amerikanischen Atombombe in der Wüste von New Mexico. Truman verfügte nun über eine Waffe, mit der sich die Kapitulation Japans relativ mühelos erzwingen ließ. Die Westalliierten erneuerten deshalb am 26. Juli auf der Konferenz von Potsdam ihre entsprechende Forderung. Da die japanische Regierung weiterhin taktierte und wohl auch, um der sowjetischen Kriegserklärung an Japan zuvorzukommen, befahl Truman seiner Luftwaffe den Einsatz der Atombombe. Ihre beiden Abwürfe zerstörten am 6. bzw. 9. August 1945 die Großstädte Hiroshima und Nagasaki und töteten insgesamt 100.000 Menschen sofort. Auf andere Weise schwer getroffen wurde Japan am 8. August durch die Kriegserklärung

Kriegsende in Fernost: Generalstabschef Yoshigiro Umezo unterzeichnet am 2. September 1945 die japanische Kapitulationserklärung in Anwesenheit des alliierten Oberbefehlshabers Douglas McArthur (links vorne) an Bord des US-Schlachtschiffes "Missouri" in der Bucht von Tokio. (© akg-images)

der Sowjetunion, die damit den bestehenden Neutralitätspakt brach. Innerhalb kurzer Zeit eroberte die übermächtige Rote Armee die japanischen Vasallenstaaten in China, die japanische Kolonie Korea sowie japanisches Territorium auf Sachalin und den Kurilen. Trotz dieser Schläge rangen sich Regierung und Militärführung in Tokio erst am 15. August zur bedingungslosen Kapitulation durch, nachdem der japanische Kaiser nachdrücklich dafür gesprochen hatte. Am 2. September 1945 unterzeichneten Außenminister und Generalstabschef entsprechende Urkunden auf einem in der Bucht von Tokio liegenden amerikanischen Schlachtschiff in Anwesenheit des US-Oberkommandierenden Douglas Mac Arthur und anderer alliierter Repräsentanten. Fast auf den Tag genau sechs Jahre nach seinem Ausbruch in Europa hatte der Zweite Weltkrieg in Fernost sein Ende gefunden.


Weiterführende Literatur:

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Dr. Thomas Vogel

Dr. Thomas Vogel

Oberstleutnant Dr. Thomas Vogel, geboren 1959, ist Projektbereichsleiter am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw), vormals Militärgeschichtliches Forschungsamt (MGFA), in Potsdam. Sein Interesse gilt schon länger der Militäropposition im ‚Dritten Reich‘ und dem Widerstand von Soldaten gegen den Nationalsozialismus. Seit einigen Jahren befasst er sich intensiver mit verschiedenen Aspekten der Kriegführung im Zeitalter der Weltkriege, jüngst vor allem mit der Koalitionskriegführung. Er hat u. a. veröffentlicht: "Aufstand des Gewissens. Militärischer Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime, 5. Aufl., Hamburg u.a. 2000 (Hrsg. und Autor); Wilm Hosenfeld: "Ich versuche jeden zu retten." Das Leben eines deutschen Offiziers in Briefen und Tagebüchern, München 2004 (Hrsg. und Autor); Tobruk 1941: Rommel’s Failure and Hitler’s Success on the Strategic Sidelines of the ‚Third Reich‘, in: Tobruk in the Second World War. Struggle and Remembrance, hrsg. v. G. Jasiński und J. Zuziak, Warschau 2012, S. 143-160; "Ein Obstmesser zum Holzhacken." Die Schlacht um Stalingrad und das Scheitern der deutschen Verbündeten an Don und Wolga 1942/43, in: Stalingrad. Eine Ausstellung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr, hrsg. v. G. Piecken, M. Rogg, J. Wehner, Dresden 2012, S. 128-141; A War Coalition Fails in Coalition Warfare: The Axis Powers and Operation Herkules in the Spring of 1942, in: Coalition Warfare: An Anthology of Scholarly Presentations at the Conference on Coalition Warfare at the Royal Danish Defence College, 2011, hrsg. v. N. B. Poulsen, K. H. Galster, S. Nørby, Newcastle upon Tyne 2013, S. 160-176; Der Erste Weltkrieg 1914-1918. Der deutsche Aufmarsch in ein kriegerisches Jahrhundert, München 2014 (Co-Hrsg. und Autor).


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