Dossier

Geheimsache Ghettofilm

Filmische Spurensuche im Warschauer Ghetto

Im Mai 1942 dreht ein NS-Filmteam im Warschauer Ghetto – wenige Wochen bevor dort die Deportationen und der Massenmord an der jüdischen Bevölkerung beginnen. Das Filmmaterial scheint das Leben im Ghetto abzubilden. Doch die Szenen sind gestellt, die Bilder Propaganda. Die israelische Regisseurin Yael Hersonski hat die Aufnahmen aus dem Warschauer Ghetto zum Gegenstand ihres Films "Geheimsache Ghettofilm" gemacht. Darin erzählt sie von den Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung im Ghetto und den propagandistischen Zielen des NS-Regimes. Nicht zuletzt berührt sie auch die Frage nach der Authentizität der Bilder der Täter: Wie sollte NS-Filmmaterial heute genutzt werden?

Die bpb veröffentlicht den Film ergänzt um Informationen zu seiner Entstehung und zur Geschichte des Warschauer Ghettos - darunter Kommentare und Analysen von Historikern, Filmexperten und Archivaren sowie Bildergalerien und Zeitzeugenberichte. Außerdem finden Lehrkräfte didaktisches Material für die Schule, in dem zentrale Aspekte des Films aufgegriffen und für den Unterricht aufbereitet werden.

(© 2013 Belfilms LTD. / bpb)

FSK ab 12 freigegeben. Die bpb empfiehlt den Film erst ab einem Alter von 14 Jahren.

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Geschichte des Warschauer Ghettos in Film und Bild

Film: Geschichte des Warschauer Ghettos1940 gründete Emanuel Ringelblum das geheime Archiv "Oneg Schabbat" – "Freude am Sabbat" im Warschauer Ghetto. Der 40-jährige Historiker und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter wollten den Alltag im Ghetto festhalten, später sammelten sie auch Informationen über die Massenmorde an den Juden. Das Foto zeigt Ringelblum mit seiner Frau Yehudit und ihrem Sohn Uri. Sie wurden von den deutschen Besatzern ermordet. (© Yad Vashem, 122GO5)Ringelblum und seine Mitkämpfer riskierten ihre Leben für die Arbeit am Archiv. Heimlich sammelten sie Tagebücher, Gedichte, Fotos, Dokumente und vieles mehr. Auch Ringelblum führte Tagebuch – über das Leben im Ghetto und über das polnische Judentum. Das Foto zeigt einen seiner Tagebucheinträge, verfasst am 18. März 1941. (© Jüdisches Historisches Institut, Warschau, ARG I 446)Ringelblum wollte, dass unterschiedlichste Menschen im Ghetto ihre Erlebnisse festhalten. So schrieb Perez Opocynski über den Schmuggel im Ghetto. Auch über die verschiedenen Schmuggelwege, und weiter: „"Wer weiß, ob es nicht irgendwann einmal ein Denkmal in Erinnerung an den Schmuggler geben wird, der sein Leben riskierte – denn rückblickend wird deutlich werden, dass er viele Warschauer Juden vor dem Hungertod bewahrte."Gesammelt wurden auch Briefe, Zeichnungen und Dokumente der deutschen Besatzer. Im Bild eine „Meldekarte für Juden“. Sie gehörte dem Rabbiner Shimon Huberband, ein wichtiges Mitglied der Archivgruppe. Er wurde im August 1942 nach Treblinka deportiert und ermordet. (© Jüdisches Historisches Institut, Warschau, ARG II 491)Auch Zeitungen wurden gesammelt. Diese wurden heimlich im Warschauer Ghetto veröffentlicht – vor allem auf Jiddisch und Polnisch.Im Juli 1942 begannen die sogenannten großen Deportationen im Warschauer Ghetto. Die deutschen Besatzer sprachen von „Umsiedlung“ oder auch „Aussiedlung“: Innerhalb weniger Wochen brachten sie schätzungsweise 280.000 Männer, Frauen und Kinder in das Vernichtungslager Treblinka und ermordeten sie dort. Mit dem "Aufruf", siehe Foto, wurde den Menschen Brot und Marmelade versprochen, wenn sie sich freiwillig zur „Abreise“ meldeten. (© Jüdisches Historisches Institut, Warschau, ARG II 68)Noch bevor das Warschauer Ghetto im November 1940 abgeriegelt wurde, entstand dieses Dokument (zu sehen ist eine Seite davon) über die Sterblichkeit in Warschau insgesamt, von November 1939 bis Februar 1940. Erstellt wurde es vom Judenrat im Juni 1940 – mit Daten der Statistischen Abteilung der Stadt Warschau. Detailliert sind die verschiedenen Todesursachen aufgelistet, wie Typhus, Tuberkulose und so weiter. Auch solche Dokumente wurden vom Geheimen Archiv gesammelt und aufbewahrt.Dieses Dokument gehört zu einer Sammlung von Dokumenten, die von den Mitgliedern des Geheimen Archivs erstellt wurden. Teils ist unklar, wann die Dokumente entstanden sind. Manche Angaben stützen sich auf Umfragen unter der jüdischen Bevölkerung, um überhaupt Informationen sammeln zu können. Auch dieses Dokument sollte die Zahl der Toten festhalten.Zu der Sammlung gehört auch dieses Dokument. Bis heute arbeiten Historiker und Historikerinnen an der Auswertung der Dokumente des Geheimen Archivs, wie zum Beispiel am Jüdischen Historischen Institut in Warschau. Dort lagern die geretteten Dokumente.Nach dem Beginn der Deportationen fürchteten auch die Mitglieder des "Oneg Schabbat" ihre Verhaftung und ihren Tod. Sie fingen an, Teile des Archivs zu verstecken -– in der Hoffnung, spätere Generationen würden die Dokumente finden. Dafür packten sie das Material auch in Metallkästen und Milchkannen und vergruben diese in einem Keller in einem Gebäude im Ghetto. Das Bild zeigt die Originalbehälter. (© Yad Vashem 1605/17)Nur mit Glück wurden nach dem Zweiten Weltkrieg, in den Jahren 1946 und 1950, Teile des Archivs wiederentdeckt. Das Warschauer Ghetto war von der SS fast vollständig zerstört worden. Ringelblum und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern war es jedoch gelungen, die Schicksale vieler Menschen im Ghetto festzuhalten und ihre Worte in die Zeit nach dem Holocaust zu retten. (© Yad Vashem 1605/1031)
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