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13.4.2005

"Wir waren ja keine Menschen für die SS."

Die Eltern von Elisabeth gehören beide der KPD an, und auch Elisabeth ist politisch aktiv. Bei den Pionieren klebt sie Flugblätter und nimmt an Kundgebungen teil. Sie bringt zwei Kinder zur Welt, doch 1940 wird die 21-Jährige mitten in der Nacht abgeholt. Es folgen Verhöre und Haft, bevor sie 1941 nach Ravensbrück kommt.

Elisabeth Kunesch (© privat)

Elisabeth Kunesch


Geboren am 29. November 1919, in Sprossen



Ich bin in Sprossen, heute Sachsen, geboren. Meinen Vater habe ich nie kennen gelernt – er starb 1918 im ersten Weltkrieg. Als ich geboren wurde, war meine Mutter nicht verheiratet, so dass ich den Nachnamen meines Großvaters erhielt: "Kunesch." Als meine Mutter heiratet, komme ich zu ihr und meinem Stiefvater. Meine Eltern waren beide in der KPD und ich war bei den Pionieren – wir nannten uns "Rote Jungpioniere". Unsere Gruppe war klein: Vier Jungs und drei Mädchen. Von 1925 bis 1933 gehe ich zur Schule. Während dieser Zeit klebe ich als Pionier Flugblätter, verteile sie und fahre zu Demonstrationen mit.

Mein Vater ist im Roten Frontkämpferbund, einem Wehrverband der KPD, und meine Mutter in der Roten Hilfe, einer KPD nahen Solidaritätsorganisation. 1932 wird mein Vater zum ersten Mal verhaftet und bleibt sechs Monate im Gefängnis. 1933 wird er zum zweiten Mal verhaftet, aber kommt wieder frei. Meine Eltern verloren ihre Arbeit, weil sie Kommunisten waren. 1936 bekommt mein Vater wieder Arbeit, und wir ziehen von Schmölln nach Schleiz um.

Ich lernen einen Mann kennen und wir haben zwei Kinder. Doch ich darf den Vater meiner Kinder, einen Deutschen, nicht heiraten, da mein Großvater aus Böhmen stammte und ich aus diesem Grund einen tschechischen Pass hatte. Meine Tochter ist zwei Jahre und mein Sohn gerade erst auf die Welt gekommen, als 1940 mitten in der Nacht um drei Uhr die Polizei kommt, an die Tür klopft und mich rausholt. 1941 bekomme ich die Nachricht ins KZ, dass der Vater meiner Kinder gefallen ist.

Elisabeth Kunesch (© privat)

Ich komme von Schleiz nach Gera ins Gefängnis und dann weiter nach Weimar in das Gestapo-Gefängnis. Dort werde ich zum ersten Mal verhört - unten im Keller bei Scheinwerferlicht. "Und Tschechin bist du auch noch? Und einen Deutschen hast du auch gehabt?" Sie haben mich unter anderem auch nach Namen gefragt. Ich habe eine Gegenaussage gemacht, obwohl ich geschlagen wurde. Von Juni 1940 bis März 1941 bin ich in Haft in Weimar. In der Zeit im Gestapo-Gefängnis muss ich ohne Entgelt arbeiten. Am 1. März 1941 werde ich in Ravensbrück eingeliefert.

Am 26. Juli 1943 werde ich "versuchsweise" aus dem KZ entlassen. Ich muss unterschreiben, dass ich nicht sprechen darf, dass ich nicht sagen darf, wo ich herkomme und was passiert ist. Ich komme zu einem Bauern und muss Zwangsarbeit leisten – ohne Entgelt, bloß für das Essen. Ich stehe unter Polizeiaufsicht und muss mich jeden dritten Werktag bei der Polizei melden. Zwischendurch werde ich kontrolliert, wenn ich auf dem Feld arbeite – ich soll mit niemandem in Berührung kommen.

Meinen Sohn hatte ich kaum kennen gelernt



Als der Krieg 1945 zu Ende ist, pflegt mich meine Mutter gesund: Ich habe ja gezittert, wie ein altes Weib. Meine Eltern haben so viel für mich getan, sie hatten die ganze Zeit auf meine Kinder aufgepasst. Meine Tochter war mittlerweile sieben und meinen Sohn hatte ich kaum kennen gelernt: Der hat lange gebraucht, bis er mich als Mutter anerkannt hat.

1945 habe ich einen Melker kennengelernt, mit dem ich noch ein Baby bekam, doch er ging in den Westen. Wir sind dann ins Erzgebirge gezogen. In Groß Stöbnitz war ich die erste, die in die KPD eingetreten ist, gemeinsam mit meiner Mutter: Wir waren alle wieder in der KPD. 1960 habe ich angefangen, in Schulen zu reden und wurde mit der DDR-Verdienstmedaille ausgezeichnet.

Für mich ist es wichtig, dass sich das nicht noch einmal wiederholen darf, was wir in Ravensbrück erlebt haben und dass die Menschheit immer daran erinnert wird, was passiert ist und geschützt wird vor solchen Faschisten, die das zustande gebracht haben.

Aus einem Interview mit Ebba Rohweder, 2002
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