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14.4.2005

"Dann wurdest du kahl geschoren."

Edith wächst in Liberec auf. Mit 14 Jahren wird sie Mitglied der Kommunistischen Jugend. 1941 schließt Edith ihre Friseurlehre ab, doch noch im selben Jahr werden sie und ihre Mutter von der Gestapo verhaftet. Edith wird nach Ravensbrück überstellt: Sie gilt als "Politische" und bekommt die Häftlingsnummer "8291".

Edith Sparmann (© privat)

Edith Sparmann


Geboren am 28. Oktober 1922, in Liberec (Tschechische Republik)



Am 28. Oktober 1922 werde ich als Tochter des Tischlers Max Jahn und seiner Frau Adele im tschechoslowakischen Liberec, Reichenberg, geboren. Meine Eltern gehörten 1921 zu den Gründungsmitgliedern der deutschen Sektion der Kommunistischen Partei der CSR, der Tschechoslowakischen Republik. Von 1928 bis 1936 besuche ich die Volks- und Bürgerschule in Chrastava, Kratzau. Ich gehöre der Pionierorganisation an und werde Ende 1936 aktives Mitglied der Kommunistischen Jugend der CSR. Die hohe Arbeitslosigkeit und fehlende Lehrstellen zwingen mich, jede Arbeit anzunehmen: Ich arbeite unter anderem als Aushilfskraft in einer Druckerei für 75 Kronen die Woche. Erst 1938 kann ich eine Friseurlehre beginnen, die ich 1941 als Gesellin abschließe.

1938 wird mein Vater verhaftet und nach Dachau deportiert. Danach kommt er nach Buchenwald, wo er als Tischler in den Deutschen Ausrüstungswerken (DAW) arbeitet. Bei einem Bombenangriff auf die Gustloff-Werke 1944 wird er schwer verletzt, aber er erlebt die Befreiung im April 1945 mit verheilten Verbrennungen.

Häftlingsnummer "8291"



1941 werde ich gemeinsam mit meiner Mutter in Chrastava von der Gestapo verhaftet. Unsere Unterstützung für die Rote Hilfe kann uns zwar nicht nachgewiesen werden – doch allein der Verdacht reicht aus. Etwa sieben Wochen nach meiner Mutter komme ich am ersten November 1941 nach Ravensbrück. So lange meine Mutter in Ravensbrück war, sie wurde später nach Velten verlegt, konnten wir uns manchmal noch sehen. Eingestuft als "Politische" mit der Häftlingsnummer "8291" arbeite ich zunächst als "Verfügbare", dann im Stubendienst und danach in der Effektenkammer. Zwischen 1942 und 1943 wird in Ravensbrück eine Frisierstube für die Aufseherinnen und Frauen der SS-Führer eröffnet, wo ich bis zum Ende des Lageralltags arbeite.

Am 28. April 1945 verlasse ich mit einer kleinen Gruppe von Häftlingen wohl als eine der Letzten Ravensbrück. Ziel des Todesmarsch ist Mirow, aber kurz vor Wesenberg nutze ich wie viele aus der Gruppe die Dunkelheit zur Flucht. In Wesenberg erlebe ich dann die Kapitulation Deutschlands und kann endlich wieder als freier Mensch leben.

Anfang Juni 1945, auf dem Weg in die Heimat, lerne ich meinen späteren Mann Otto Sparmann kennen, der als Auschwitz-Überlebender ebenfalls auf dem Weg nach Hause ist. Wir heiraten im gleichen Jahr und leben in Dresden. 1949 eröffne ich in Dresden ein Friseurgeschäft und bereite mich intensiv auf die Meisterprüfung vor. 1976 wird unsere Ehe geschieden.

1982 erreiche ich das Rentenalter und gebe mein Friseurgeschäft auf. Ebenfalls beende ich meine Funktion als Sekretärin der Wohnpartei-Organisation, WPO, für die ich 18 Jahre tätig war. Ich intensiviere meine Arbeit für die Dresdener Angehörigen der "Lager-Arbeitsgemeinschaft Ravensbrück" und werde stellvertretende Vorsitzende. Von 1987 bis 2002 bin ich Generalsekretärin des "Internationalen Ravensbrück-Komitees" und bis heute Mitglied des Internationalen Beirats der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

Edith Sparmann, Juni 2004
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