Schicksalsjahr 1938


Zeitzeugnisse der deutsch-jüdischen Diaspora

Ausgrenzung und Verfolgung



2018 jähren sich die einschneidenden Ereignisse des Jahres 1938 zum 80. Mal. Wie kaum ein anderes Jahr markiert dieses eine Zäsur in der deutsch-jüdischen Geschichte. Binnen weniger Monate ändert sich die Situation deutschsprachiger Juden schlagartig und endgültig. Die Entrechtung, Diskriminierung und Verfolgung verschärft sich massiv, die Gewalt eskaliert. Am 9. November 1938 gipfelt der staatliche Antisemitismus in deutschlandweiten Pogromen gegen Juden. Synagogen brennen, jüdische Geschäfte werden geplündert und brutale Übergriffe finden auf offener Straße statt. Das Jahr 1938 zeigt exemplarisch, welche verheerenden Folgen Diffamierung, Ausgrenzung und Entrechtung von Minderheiten haben können. Angesichts zunehmend populistischer und extremistischer Tendenzen auf nationaler und internationaler Ebene ist das Thema hochaktuell. Daher zeigt die bpb in Kooperation mit dem Leo Baeck Institut New York I Berlin in diesem Dossier einzelne Schicksale der deutsch-jüdischen Diaspora: Schilderungen der Ereignisse des Jahres 1938 in Form von Briefen, Tagebüchern, offiziellen Dokumenten und Fotos. Die Erinnerung jener, die das Glück hatten zu entkommen und auszuwandern, kehren zurück.

Geschichten aus dem Archiv

Das Fotoalbum des Kinderheims

Widmung des Kinderheims Ahawah Berlin/Haifa an Heinrich Stahl anlässlich seines 70. Geburtstags am 13. April 1938."Die 'Ahawah' in Bildern - Purim 1938""Unsere Kleinen - Purim 1938""Unser Umzug - Purim 1938""Purim 1938""Purim 1938""Unsere Großen beim Essen.""Gruppenabend""Mädchenheim beim Nähen.""Allijahlager beim Lernen""Beim Seder". Die Kinder lesen am ersten Abend von Pessach aus der Haggadah, einer Erzählung vom Auszug aus Ägypten. Auf dem Tisch steht der Sederteller."Chanukah 1937 - Chor""Chanuka - Die Lichter brennen.""Chanukah - Werkarbeiten unserer Kinder.""Chanukah - Die Kinder bestaunen ihre Geschenke.""Chanukah - Die Jungen spielen mit der Eisenbahn""Chanukah - Die Puppenwagen werden bewundert.""Chanukah - Unsere Großen spielen Theater""Lustige Sommer-ferien""In den Ferien beim Spielen.""Beim Spielen - Beim Plauschen""Die 'Ahawah' in Palästina""Im Vordergrund zwei Chaluzin, dahinter die palästinänsische 'Ahawah'.""Gruppenzimmer in der palästinänsischen 'Ahawah'''

Postkarten an die Kinder nach England

Faksimile 1. Postkarte vom 14. Dezember 1938Faksimile 1. Postkarte (Rückseite) vom 14. Dezember 1938Faksimile 2. Postkarte vom 15.12.1938Faksimile 2. Postkarte (Rückseite) vom 15.12.1938Faksimile 1. Postkarte vom 14. Dezember 1938Faksimile 1. Postkarte (Rückseite) vom 14. Dezember 1938Faksimile 2. Postkarte vom 15.12.1938Faksimile 1. Postkarte (Rückseite) vom 14. Dezember 1938

i

"Schicksalsjahr" 1938? - Ein ambivalenter Begriff

Das Jahr 1938 wird häufig als "Schicksalsjahr" bezeichnet. Diesen Begriff verwendeten die Nationalsozialisten in einem Expose vom Auswärtigen Amt über die Judenfrage, das als Runderlass an alle konsularischen und diplomatischen Vertretungen ging. Aber auch die Reichsvertretung der Juden verwendete den Begriff in einem Arbeitsbericht für das Jahr 1938. Dort heißt es wörtlich: „Das Jahr 1938, über das die Reichsvertretung der Juden in Deutschland im folgenden ihren Tätigkeitsbericht erstattet, bedeutet im Schicksal der Juden einen historischen Wendepunkt“. Heute bezieht sich der Begriff vor allem auf die Texte Avraham Barkais, die seit den 1980ern mit der Formulierung in Anführungszeichen agierten.

siehe z.B. „Schicksalsjahr 1938“. Kontinuität und Verschärfung der wirtschaftlichen Ausplünderung der deutschen Juden, in: Ursula Büttner (Hrsg.), Das Unrechtsregime: Internationale Forschung über den Nationalsozialismus Band 2: Verfolgung - Exil - Belasteter Neubeginn. Festschrift für Werner Jochmann zum 65. Geburtstag, Hamburg 1986, S. 45-68.

Zitat

»Und dieses Jahr wird ein hartes werden, das Rad läuft immer schneller. Es wird ein gewaltiger Anspruch an die Nerven und an die Ruhe des Denkens.«
Leo Baeck, Vorsitzender der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, an einen emigrierten Freund im April 1938 [1]

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln