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20.4.2005

Hans und Sophie Scholl im Verhör

"In meinem Übermut oder meiner Dummheit habe ich den Fehler begangen, etwa 80 bis 100 solcher Flugblätter vom 2. Stockwerk der Universität in den Lichthof herunterzuwerfen, wodurch mein Bruder und ich entdeckt wurden", erklärte Sophie Scholl am 18. Februar 1943 dem Gestapo-Beamten Robert Mohr, der sie vormittags in der Universität verhaftet hatte und danach verhörte. Als Sophie Scholl diese Aussage machte, hatte sie bereits ihre Beteiligung an den Flugblatt-Aktionen zugegeben und versuchte nun – wie ihr Bruder in Zimmer nebenan – möglichst viel Schuld auf sich zu laden, um so ihre Freunde zu schützen.

"Nieder mit Hitler"



Erst Ende Januar 1943, nachdem die "Weiße Rose" nachts in der Münchner Innenstadt das fünfte Flugblatt verteilt hatte, begann die Gestapo, gezielt nach den Urheberinnen und Urhebern dieser Schriften zu fahnden. Dann tauchten Parolen wie "Freiheit!" oder "Nieder mit Hitler!" an öffentlichen Gebäuden auf, unter anderem auch an der Universität. Vom 9. Februar 1943 an wurde die Hochschule ständig bewacht. Mit der Verhaftung der Geschwister Scholl am 18. Februar 1943 kam für die Gestapo der Stein ins Rollen: Am Abend des gleichen Tages wurde Willi Graf verhaftet, zwei Tage darauf Christoph Probst, wenig später auch Alexander Schmorell und in der Folge noch viele Freunde und Bekannte aus dem Umfeld der "Weißen Rose".

Vernehmungsprotokolle



Die Vernehmungsprotokolle von Hans und Sophie Scholl sind beeindruckende Dokumente, die viel über den Ablauf der Ereignisse sowie über Motive und Ziele der "Weißen Rose" vermitteln. Die Geschwister leugneten auch nach ihren Geständnissen ihre Taten nicht, sondern erklärten vielmehr, warum sie auch weiterhin von der Richtigkeit ihres Handelns überzeugt seien. In den Protokollen erscheinen sie trotz ihrer ausweglosen Situation als beherrscht und charakterstark. Als Niederschriften aus Hand der Täter, also der Gestapo, müssen die überlieferten Verhörprotokolle jedoch kritisch gelesen und mit aller Vorsicht ausgewertet werden.

Kirsten Schulz

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