Dossier

(Post)kolonialismus und Globalgeschichte



Die Geschichte des Kolonialismus und seiner Folgen wird immer wieder neu ausgehandelt. Seit den 1990er-Jahren rücken Sichtweisen der ehemaligen Kolonialherren in den Hintergrund und die Perspektiven der Menschen, die in den Kolonien lebten, in den Vordergrund. Zu den Zielen der neueren Kolonialgeschichte gehört es nicht nur, Gewalt, Zwangsarbeit und Rassismus in den ehemaligen Kolonien aufzuarbeiten, sondern auch das Wirken derer, die sich Kolonialherrschaft entgegenstellten. Die Postkoloniale Theorie verschärfte zudem den Blick für ihre Langzeitfolgen. Welche Gegenerzählungen zur westlichen Kolonialgeschichte gibt es, die im Kampf um "historische Wahrheiten" häufig an den Rand gedrängt wurden? Was kennzeichnet die Grundbegriffe "Kolonialismus" und "Postkolonialismus"? Wie wirkt das koloniale Zeitalter in ehemaligen Kolonialstaaten und anderen Gesellschaften nach?

Film "Concerning Violence (OmdtU) von Göran Hugo Olsson (© 2014 Filmsboutique.com)

ReMIX. Africa in Translation: IntroReMIX. Africa in Translation: TogoReMIX. Africa in Translation: KamerunReMIX. Africa in Translation: TansaniaReMIX. Africa in Translation: Namibia
Frankreichs Handel mit Deutschland und ausgewählten Staaten in Afrika* 1962Frankreichs Handel mit Deutschland und ausgewählten Staaten in Afrika* 2014Handelsvolumen zwischen Frankreich und ausgewählten Staaten in Afrika* 1962Handelsvolumen zwischen Frankreich und ausgewählten Staaten in Afrika* 2014Transatlantischer Sklavenhandel 1501–1866Transatlantischer Dreieckshandel 17. - 19. JahrhundertInternationale Organisationen, deren Mitgliedschaft zu weiten Teilen auf ehemaligen
Kolonialbeziehungen beruhtAusgewählte Herrschaftsgebiete und koloniale Beziehungen im Jahr 1914

Bilderstrecke "Kolonialismus"

Die Ansichtskarte zeigt das Hotel Glöditzsch im heutigen Namibia in den 1910er-Jahren. Das Hotel war 1904 beim Herero-Aufstand von Herero erobert und besetzt worden.Eine Kaffeemühlen-Marke wirbt nach Ende des Herero-Aufstande auf einem Sammelkärtchen mit der Darstellung Gefangener der Herero-Volksgruppe in "Deutsch-Südwest-Afrika". Im Januar 1904 begannen die Herero sich mit Angriffen auf koloniale Einrichtungen gegen die Unterdrückung zu wehren. Der Aufstand wurde - so lange die offizielle Einordnung Deutschlands - "brutal niedergeschlagen". Erstmals im Mai 2016 hat auch die deutsche Regierung den Krieg gegen die Herero als "Völkermord" bezeichnet.Auch in den Kinosälen waren die deutschen Kolonien präsent. Wie hier ein Werbeplakat für den Film "Die Reiter von Deutsch-Ostafrika" aus dem Jahr 1934 zeigt.Dem Völkermord der deutschen Kolonialtruppen an aufständischen Gruppen in Südwestafrika fielen Zehntausende zum Opfer. Heute geht man allein von etwa 65.000 ermoderten Herero aus. Dieses Foto zeigt die Beisetzung gefallener deutscher Soldaten.Erster Weltkrieg in den Kolonien: Deutsche Truppen brechen aus dem Gebiet um Windhoek im heutigen Namibia zu den Kämpfen in Ostafrika auf. Zuvor hatten die kaiserlichen "Schutztruppen" vor den südafrikanischen Soldaten der Briten kapituliert. Es ist das Ende der Kolonie "Deutsch-Südwestafrika".Heinrich Albert Schnee - hier in seinem Arbeitszimmer -  war von 1912-1919 der letzte Gouverneur von Deutsch-Ostafrika. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Friedensvertrag von Versailles gingen die deutschen Kolonien in Afrika an Frankreich und Großbritannien.Heinrich Göring (rechts), Vater des späteren NSDAP-Politikers Hermann Göring, war von 1885-1891 erster Reichskommissar in "Deutsch-Südwestafrika". Das Foto zeigt ihn ca. 1885 mit Offizieren und seiner Familie.1885 wird die Kolonie "Deutsch-Ost-Afrika" errichtet - Carl Peters (sitzend der Zweite v.l.) gilt als Gründer der deutschen Kolonie auf dem Gebiet des heutigen Tansania."Ein Platz an der Sonne": Von November 1884 bis Februar 1885 berieten Vertreter 13 europäischer Staaten, sowie der USA und des Osmanischen Reiches auf Einladung Otto von Bismarcks über die Gebietsverteilung auf dem afrikanischen Kontinent. So ging es bei der Westafrika-Konferenz - auch 'Kongo-Konferenz' genannt - etwa um die völkerrechtliche Anerkennung des Kolonialbesitzes.Mit diesen Unterschriften gründeten 1884 zahlreiche Kolonialdeutsche um Carl Peters die "Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft".Propaganda für den Krieg in den Kolonien: Diese Postkarte von Beginn des Ersten Weltkriegs zeigt Kaiser Wilhelm II. mit zwei Kolonialsoldaten. Nach Ende des Krieges gingen mit dem Versailler Vertrag die deutschen Kolonien an Frankreich und Großbritannien.Des Kaisers neue Kleider: Diese Karikatur steckt Wilhelm II. in eine Robe, die an die Kleider chinesischer Kaiser erinnert. Sie thematisiert damit die deutsche "Quasi"-Kolonie Kiautschou in China. Deutschland hatte China 1897 zu einem Pachtvertrag gedrängt. Die kleine Kolonie Kiautschou ist ein Paradebeispiel für die informelle Durchdringung Chinas durch Kolonialmächte.Selbtstilisierung mit Cowboyhut: Die Soldaten der sogenannten "Schutztruppen" in den deutschen Kolonien Afrikas prägten ein neues Soldatenbild.Die sozialdemokratische Satirezeitschrift "Der wahre Jacob" karikierte in ihrer Ausgabe vom 10. Oktober 1904 die Vernichtungspolitik der deutschen "Schutztruppen" in Südwest-Afrika. Dem befehlshabenden General von Trotha legten sie in den Mund: "Die Schlacht am Waterberg habe ich ja gewonnen, aber wo die Hereros stecken, die ich besiegt habe, das mögen die Götter wissen." Mehr als 65.000 Angehörige der Herero-Volksgruppe waren bei dem Krieg ermordet worden.1907 titelte "Der wahre Jacob" mit einer Karikatur zur deutschen Kolonialpolitik. Mit dem Zusatz "Die Weihnachtsfeier des kleinen Bernhard" wird der damalige Staatssekretär des Reichskolonialamtes Bernhard Dernburg zum kleinen Jungen stilisiert. Sein Spielfeld: Der afrikanische Kontinent.Kolonial-Kitsch fürs Wohnzimmer. Diese Standuhr aus dem Jahr 1905 zeigte nicht nur die Uhrzeit an, sondern warb auch gleichzeitig für koloniale Expansion - und das weltweit: Der Slogan "Kein Sonnenuntergang in unserem Reich" war Programm.1858 eroberten französische Truppen die Stadt Da Nang im Kaiserreich Annam im heutigen Vietnam. Es ist der Startschuss zum Aufbau ihrer Kolonie Cochinchina, ein Teil Französisch-Indochinas.General Charles de Gaulles, späterer französischer Staatspräsident, eröffnet 1944 in Brazzaville im Kongo eine Kolonialkonferenz. Wie sollte das Verhältnis zwischen dem europäischen Mutterland und den französischen Kolonien aussehen? Die Konferenz legte den Grundstein für die französische Union nach Vorbild des britischen Commonwealth."La Gloire" - der 'ruhmvolle' Sieg der Franzosen bei ihren Angriffen auf Madagaskar zwischen 1883 und 1895 ist der Anfang der französischen Kolonie auf der afrikanischen Insel. Diese zeitgenössische Karikatur weiß den 'Ruhm' bildstark in Szene zu setzen: Viele Soldaten starben auf Madagaskar an Malaria und anderen Krankheiten.Die Kolonien als Rekrutierungsgebiete: Im Ersten Weltkrieg muss auch die Bevölkerung der Kolonien auf Seite der Kriegsparteien kämpfen. Dieses Foto zeigt den Aufbruch algerischer Soldaten zur Unterstützung Frankreichs 1914.Ende des Krieges und Beginn der Dekolonisierung: 1954 endete der erste sogenannte Indochinakrieg zwischen der Liga für die Unabhängigkeit Vietnams und Frankreich. Das Foto zeigt eine Militärparade am 11. Mai 1954, kurz nach Frankreichs Niederlage bei Dien Bien Phu. Auf einer internationalen Konferenz in Genf wurde Vietnam schließlich entlang des 17. Breitengrades geteilt.Inszenierung der Brutalität: 1894 erobern französische Koloniaktruppen gegen den erbitterten Widerstand der Tuareg das malische Timbuktu. Das französische Zeitungscover stilisiert die Militäraktion zu einem beinahe mystischen Motiv.Bei der Kolonialgeschichte werden oft nur die europäischen Akteure beachtet. Doch auch Japan etwa hatte mehrere Kolonien in Süd-Ost-Asien. Während des Zweiten Weltkriegs, im März 1942, besetzten die Japaner die niederländische Kolonie in Indonesien. Von der heimischen Bevölkerung wurden die japanischen Truppen anfangs wie Befreier gefeiert.Schauplätze des Zweiten Weltkriegs: Ebenso wie Indonesien eroberte Japan 1942 auch die britische Kolonie Singapur.1898 markiert das Ende einer 387 Jahre anhaltenden Besatzung - so lange hatte Spaniens Kolonie auf Kuba Bestand. Die kubanischen Unabhängigkeitskriege im ausgehenden 19. Jahrhundert brachten schließlich das Ende der Kolonie. Auf diesem Foto ist die Kommission zu sehen, die sich um die Evakuierung der knapp 160.000 spanischen Soldaten kümmern sollte.

Can the Subaltern Speak?

Netzfundstück: Mit ihrem Werk "Can the Subaltern Speak? Postkolonialität und subalterne Artikulation" problematisiert die indische Literaturwissenschaftlerin Gayatri Spivak, dass an den gesellschaftlichen Rand gedrängte Gruppen meist ungehört bleiben, wenn sie ihre Interessen äußern. Diese englischsprachige Animation erklärt ihre Theorie verständlich.

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Bilderstrecke "Spuren des Kolonialismus"

König Felipe von Spanien posiert 2015 in Madrid neben einem Bild der Ausstellung "Bernardo de Galvez und die Präsenz Spaniens in Mexiko und den Vereinigten Staaten". Bernardo de Galvez war als spanischer Militär und Kolonialverwalter im 18. Jahrhundert Gouverneur von Louisiana und Kuba und wurde später Vizekönig von Neuspanien.Diese Kruzifixinstallation ist Teil der Ausstellung "Opferung des Lichts" an der Katholischen Universität in Santiago de Chile, April 2015. Sie umfasst 30 Kruzifixdarstellungen aus verschiendenen Regionen Mittel- und Südamerikas. Der Großteil der Ausstellungsstücke stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert und zeigt den religiösen Aspekt des spanischen Kolonialismus in Amerika.Dieses Monument für den spanischen Conquistadoren Vasco Núñez de Balboa in Panama City wirkt heute deplaziert inmitten der Wolkenkratzer von Panama City. Núñez de Balboa soll der erste Europäer gewesen sein, der den Pazifik von Amerika aus erreichte.Anhängerinnen des philippinischen Nationalhelden José Rizal gedenken am 30. Dezember 2012 dem 116. Jahrestag seiner Exekution durch spanische Kolonialtruppen. Er war 1896 wegen seiner Rolle in der Rebellion gegen die spanische Herrschaft hingerichtet worden.2009 begehen die Präsidenten von Bolivien und Venezuela, Evo Morales (rechts) und Hugo Chávez, den 200. Jahrestag des bolivianischen Unabhängigkeitskrieges gegen die spanische Kolonialmacht.Sie wurden während der japanischen Kolonialherrschaft zur Prostitution gezwungen: die sogenannten "Trostfrauen" in Korea. Zum Jahrestag der Unabhängigkeitsbewegung von 1919 säubern südkoreanische Studierende am 29. Februar 2016 die Büsten der Frauen, die zwischen 1910 und 1945 von der japanischen Armee gefangen genommen waren.Deutsche Kolonialszenerie als exotisches Touristenziel: die ehemalige Residenz des deutschen Gouverneurs im chinesischen Qingdao. Qingdao war die einzige deutsche Kolonie in Fernost. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 fiel die Stadt zunächst an Japan.Das Bistro Zum Kaiser in der namibischen Stadt Swapokmund: Zeugnis der deutschen Kolonialvergangenheit in "Deutsch-Südwest-Afrika", die im Juli 1915 mit der Kapitulation vor den Truppen der südafrikanischen Union endete.Im Jahr 1900 wurde am Ortsrand von Apia die deutsche Flagge gehisst. Ein Gedenkstein zeugt noch heute von der deutschen Herrschaft auf der Inselkolonie Samoa im Südpazifik.Heute noch erinnert ein Denkmal der im Kampf 1904/1905 gegen die aufständischen Hereros gestorbenen deutschen Marineinfanteristen, die am Genozid an den Herero und Nama beteiligt waren. Die Stadt Swakopmund in Namibia wurde am 12. September 1892 vom damaligen deutschen Reichskommissar und Befehlshaber der sogenannten Schutztruppen, Curt von François, gegründet.Das ehemalige "Zollerhaus" im Zentrum von Swakopmund, Namibia.Deutsche Kolonialvergangenheit im namibischen Sand: die evangelisch-lutherische Felsenkirche in Lüderitz.Stadtansicht von Lüderitz im Süden von Namibia. Die ehemalige Kegelbahn und der "Kapps Konzert- und Ballsaal": Überbleibsel deutscher Kolonialzeit in einer Stadt, die nach einem Bremer Tabakhändler benannt ist.Noch heute werden deutschsprachige Menschen adressiert: Ein Schild mit zweisprachiger Aufschrift fordert Autofahrer zum Langsamfahren wegen Wildwechsels auf, aufgenommen auf der Farm Ameib in der Nähe von Usakos, Namibia.In der namibischen Stadt Swakopmund weist noch heute Vieles auf die deutsche Kolonialzeit: 1905 im typisch deutschen Kolonialstil erbaut, befindet sich in dieser ehemaligen Kaserne 100 Jahre später eine Jugendherberge.Fassadenansicht aus dem namibischen Windhoek, 2010: Ein deutsches Apothekenschild.Kolonialismus light? Der Apotheker Hermann Blumenau gründete Ende des 19. Jahrhunderts zusammen mit weiteren deutschen Immigranten die Stadt Blumenau in Brasilien. Noch heute ist das Stadtbild bestimmt von Bauten in deutschem Architekturstil.Alphons Maharero, ehemaliger Führer der Herero in Namibia, spricht während der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Magdeburg 2004.  Alphons Maharero ist Kopf der Tjamuaha/Maharero Königsfamilie und spricht sich für eine Versöhnung zwischen Hereros und Deutschen aus. Während des Vernichtungskriegs deutscher Kolonialtruppen zu Beginn des 20. Jahrhunderts starben nach Schätzungen 65.000 der 80.000 Herero im damaligen Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia.Die damalige deutsche Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul, trifft 2004 den namibischen Präsidenten Sam Nujoma in Windhoek, Namibia. Wieczorek-Zeul sprach zudem im Rahmen einer Zeremonie am Waterberg, wo General Lothar von Trotha 1904 mit seinen Truppen den Aufstand der Herero gegen die deutsche Kolonialherrschaft brutal niederschlagen ließ: Er befahl die vollständige Vernichtung der gesammten Bevölkerungsgruppe. Mittlerweile erkennt die deutsche Regierung diesen Akt als Genozid an. Von 1904 bis 1907 wurden 65.000 Herero von deutschen Truppen getötet.Deutsche Kolonialverwaltungsarchitektur aus dem späten 19. Jahrhundert: das alte Bezirksamt in Bagamoyo (Tansania), erbaut 1893.Eine Reiterstatue in Windhoek, Namibia, die die deutschen Kolonialherren errichtet hatten, um ihren unter anderem beim Völkermord an den Herero und Nama getöteten Soldaten ein Denkmal zu schaffen.Aufnahme vom Bau des deutschen Dampfers "Goetzen" in Kigoma (Tansania) am Tanganjikasee, 1914.Das ehemalige Schiff "Graf Goetzen", das heute in Tansania unter dem Namen "Liemba" über den Tanganjika-See bis nach Zambia fährt. Die Strecke gehört zu dem, was geblieben ist von drei Jahrzehnten deutscher Kolonialzeit.

Köpfe der Unabhängigkeitsbewegungen

Manuela Beltrán war eine Anführerin der patriotischen Bürgerbewegung im heutigen Kolumbien gegen die spanische Kolonialmacht. Über ihr Leben ist wenig bekannt – aber gesichert ist, dass sie in schon fortgeschrittenem Alter im Jahr 1781 eine Revolte gegen die spanische Krone anzettelte. Nachdem das neue Steuersystem in einer Verordnung am 16. März 1781 auf einem Plakat in der Stadt El Socorro veröffentlicht wurde, informierte sie die Menschen darüber und riss das Plakat ab. Damit war sie die erste Person in Kolumbien, von der überliefert ist, dass sie ein Symbol der spanischen Herrschaft zerstörte. In Kürze versammelten sich mehr als zweitausend Menschen auf den Marktplatz vor der Residenz des Bürgermeisters und folgten ihrem Schlachtruf "Lang lebe der König – ein Ende der schlechten Regierung". Der Aufstand verbreitete sich wie ein Lauffeuer im nordöstlichen Teil des damaligen Reiches und mündete in der "Revolución Comunera", die aber von den spanischen Herrschern rasch aufgelöst wurde.Sukarno war der erste Präsident Indonesiens. Als Anführer des Widerstandskampfes in Niederländisch-Ostindien verbrachte er über zehn Jahre in niederländischer Haft. Aus dieser entlassen wurde er, als die Japaner 1942 das Land eroberten, mit denen er in der Folge kollaborierte. Am 17. August 1945 erklärte er sein Land für unabhängig (siehe Foto). Als Präsident unterdrückte er das parlamentarische System zugunsten einer autoritären "Gelenkten Demokratie".Emilio Aguinaldo (1869-1964) kämpfte als Kopf der Widerstandsbewegung „Katipunan“ gegen die Spanier und die USA für die Unabhängigkeit der Philippinen. Das Bild aus dem Jahr 1901 zeigt die Gefangennahme Aguinaldos durch den US-amerikanischen General Frederick Funston während des Philippinisch-Amerikanischen Kriegs.Ho Chi Minh wurde 1890 als Nguyan That Tan geboren. Für über 30 Jahre führte er die nationalistische Bewegung an und kämpfte erst gegen die japanische, dann die französische Kolonialmacht und dann gegen die von den USA unterstützten Südvietnamesen. Er war Präsident Nordvietnams von 1954 bis zu seinem Tod 1969.Rhee Syng-man (1875-1965) trat 1896 dem Independence Club bei, der für die koreanische Unabhängigkeit gegenüber Japan eintrat. Der Club wurde 1896 aufgelöst und Rhee Syng-man bis 1904 inhaftiert. Nach seiner Freilassung emigrierte er in die USA. Nach einem kurzen Aufenthalt in Korea verließ er das Land wieder und versuchte die nächsten 30 Jahre vergeblich internationale Unterstützung für die Unabhängigkeit zu gewinnen. Seit 1919 war er Oberhaupt der neugegründeten Provisorischen Regierung der Republik Korea, welche er aus dem Exil leitete. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er mit Unterstützung der US-Amerikaner nach Korea zurück, wo er 1948 zum ersten Präsidenten der Republik Korea (Südkorea) gewählt wurde. Als Präsident übte er eine diktatorische Herrschaft aus. Auf dem Foto ist er zusammen mit US-General Edward Craig zu sehen. Das Bild ist während des Koreakrieges (1950-53) entstandenMohandas Karamchand Gandhi (1869 bis 1948) war einer der politischen und ideologischen Führer Indiens während der Unabhängigkeitsbewegung gegen die britische Kolonialherrschaft.Muhammad Ali Jinnah (1876 bis 1948) war Anwalt, Politiker und gilt als Gründer Pakistans. Von 1913 an war er der Anführer der Muslimliga in Britisch-Indien. Er setzte sich für die Teilung von Britisch-Indien in Indien und Pakistan ein, womit er die Rechte der indischen Moslems schützen wollte. Zur Formierung des Staates Pakistans kam es schließlich am 14. August 1947. Bis zu seinem Tod war Jinnah der erste Generalgouverneur des neuen Staates.Habib Bourguiba (1903-2000) führte Tunesiens Unabhängigkeitskampf gegen die französische Kolonialmacht von Frankreich aus. Er begründete 1934 die Neo-Destur-Partei und war in den Jahren 1934-1954 mehrfach wegen Volksverhetzung in französischer Haft. 1957 wurde er Präsident des nordafrikanischen Staates, als dieser die volle Unabhängigkeit erlangte.Samuel Maharero (1856 - 1923, Oberhäuptling der Herero) hat in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika – nach anfänglicher Zusammenarbeit mit den Deutschen – als Anführer den Widerstand der Herero gegen die Kolonialherren angeführt. In dem Kolonialkrieg, den das Deutsche Reich zwischen 1904-1908 gegen die Herero und Nama führte, verlor Maharero die entscheidende Schlacht auf dem Plateau des Waterbergs (1904) gegen die deutsche Armee. Der Vernichtungskrieg gegen die Herero wird heute als Genozid eingestuft.Patrice Lumumba (Mitte) wird am 2. Dezember 1960 von Mobutu-Truppen verhaftet und der Presse vorgeführt. Der Mitbegründer des "Mouvement National Congolais" wurde im Juni 1960 erster Ministerpräsident von Zaire (heute Demokratische Republik Kongo). Staatspräsident Kasawubu setzte ihn jedoch am 5. September 1960 ab. Nach einem Militärputsch übernahm Mobutu Sese Seko die Macht und ließ Lumumba verhaften. Er ist am 17. Januar 1961 unter ungeklärten Umständen ermordet worden. 1966 erklärte man ihn zum Nationalhelden.Julius Nyerere (1922-1999) gründete 1954 die Tanganyika African National Union (TANU), die versuchte, sich aus der britischen Kolonialherrschaft zu befreien. Ziel war es, die Stämme aus Tanganyika (Festland) und Sansibar (Inseln) zu vereinen. Nachdem er zunächst 1961 Tanganyika in die Unabhängigkeit führte und Präsident des neu errichteten Staates wurde, konnte er im Jahr 1964 beide Stämme vereinen und daraus einen gemeinsamen Staat namens Tansania bilden – mit Nyerere als ersten Präsidenten. Bekannt wurde Nyerere auch für seine Ideen eines 'afrikanischen Sozialismus' (Ujamaa), die aber nur teilweise erfolgreich sein sollten. 1985 trat er als Staatspräsident zurück.Kenneth Kaunda (geboren 1924) führte Sambia 1964 in die Unabhängigkeit. Er war erst Mitglied des African National Congress (ANC), der ersten größeren antikolonialen Organisation im britischen Protektorat Nordrhodesien. Später wurde er der Präsident von dessen Nachfolgeorganisation, Zambia African National Congress. Als solcher verfolgte er eine Strategie des zivilen Ungehorsams und stellte sich gegen die britischen Pläne, die drei zentralafrikanischen Kolonien Süd- und Nordrhodesien sowie Nyasaland zu vereinen. Dies führte zur Inhaftierung von Kaunda und weiteren Widerstandskämpfern durch die Briten. In der Öffentlichkeit wuchs die Unterstützung für die Bewegung. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis 1960 wurde Kaunda zum Präsidenten der kurz zuvor entstandenen United National Independence Party (UNIP) gewählt, die aus den ersten größeren Wahlen 1962 als Sieger hervorging. Die britische Regierung entschied sich, die Dekolonialisierung zuzulassen und gewährte Sambia 1964 schließlich die Unabhängigkeit.Toussaint Louverture (1743-1803), geboren als Sklave in der französischen Kolonie Saint-Domingue (heute Haiti), ging als Anführer der ersten erfolgreichen Revolution gegen Europas Kolonialherrschaft in die Geschichte ein. Zwischen 1794 und 1801 brachte er in mehreren Kämpfen die gesamte Insel, also auch die heutige Dominikanische Republik, unter seine Kontrolle. Kurz darauf erließ er eine Verfassung für die gesamte Insel. 1802 aber entriss ihm eine aus Frankreich entsandte Armee wieder die Macht. 1803 starb Louverture in einem Gefängnis in Frankreich. 1804 war Haiti dann endgültig unabhängig.Hidalgo Costilla (1753- 1811), mexikanischer Priester und Revolutionsführer, strebte eine Republik ähnlich den Vereinigten Staaten von Amerika an. Am 16. September 1810 – heute der mexikanische Unabhängigkeitstag – rief er zum Kampf gegen die spanische Kolonialmacht auf. Zunächst schlossen sich ihm rund 600 Menschen an, auf dem Weg in die Hauptstadt Mexiko-Stadt wuchs die Anzahl seines Gefolges bis Mitte Oktober auf rund 80.000 an. Nach mehreren Gefechten wurde er Anfang 1811 geschlagen und später hingerichtet. Die Fortsetzung des Kampfes – mit Hidalgo als Symbol der Unabhängigkeitsbewegung – mündete 1821 schließlich in der Unabhängigkeit Mexikos.Simón Bolívar (1783-1830) führte die südamerikanische Unabhängigkeitsbewegung gegen die spanische Kolonialherrschaft in den heutigen Staaten Venezuela, Kolumbien, Panama, Ecuador, Peru und Bolivien an. Der als "El Libertador" (Der Befreier) gefeierte Bolívar war entscheidend an der Unabhängigkeit Venezuelas 1811 beteiligt. 1819 wurde er Präsident von Groß-Kolumbien, das Venezuela und Kolumbien vereinte, 1822 befreite er auch Ecuador und gliederte es dem neuen Staatenverbund an, und 1823 folgte die Befreiung Perus, das sich 1827 auch Groß-Kolumbien anschloss. Eine Konföderation aller amerikanischen Staaten konnte Bolívar nie verwirklichen –  Groß-Kolumbien zerfiel 1830.José de San Martín (1778-1850), im heutigen Argentinien geboren, führte Chile in die Unabhängigkeit und befreite Peru von der spanischen Kolonialmacht. Zunächst Mitglied der spanischen Armee, schloss er sich 1812 einer Widerstandsbewegung in Argentinien an. Von dort führte er 1817 seine Armee über die Anden nach Chile und überraschte die spanischen Truppen. Binnen eines Jahres konnte er ganz Chile befreien und setzte daraufhin eine nationale Regierung ein, verzichtete aber auf das Amt des Präsidenten. Stattdessen plante er Invasion in Peru......Mitte 1820 rückte San Martín mit seiner Armee nach Peru vor, wo er innerhalb eines Jahres das Land einnehmen konnte und am 28. Juli 1821 die Unabhängigkeit Perus ausrief. Da aber die spanischen Truppen ihren Widerstand fortsetzten, bat San Martín um die Mithilfe Simón Bolívars, der kurz zuvor erst Venezuela, Kolumbien und Ecuador befreit hatte. Bei dem Treffen zwischen den beiden in der Nacht von 26. auf den 27. Juli 1822 soll es zu Uneinigkeiten gekommen sein. Vermutet wird, dass San Martín eine konstitutionelle Monarchie für Peru vorsah, während Bolívar eine Demokratie nach amerikanischem Vorbild vorschwebte. In der Folge trat San Martín zugunsten Bolívars zurück, der das Land schließlich endgültig befreien konnte. San Martín zog sich nach Nordfrankreich zurück und starb dort 1850.Fidel Castro und Ernesto "Che" Guevara (rechts im Bild): Guevara (1928-1967), argentinischer Arzt und Revolutionär, wurde in der Rebellenarmee als zweiter Mann hinter Castro in der Kubanischen Revolution (1953-1959) zur Symbolfigur. Später schloß sich Guevara dem bewaffneten Kampf in Bolivien an und wurde 1967 vom bolivianischen Militär gefangen genommen und erschossen.Gamal Abdel Nasser (1918-1970) war ein ägyptischer Diktator. Er gründete die konspirative Organisation der „Freien Offiziere“. Ihr Ziel war es, die Briten und das ägyptische Königshaus aus Ägypten zu vertreiben. Er war 1952 am Sturz von König Faruk I. beteiligt. Zunächst wurde Nasser Oberbefehlshaber der ägyptischen Streitkräfte. Von 1954 an leitete er als Minister- und Staatspräsident die Geschicke seines Landes und begründete eine Diktatur. Auf dem Foto zu sehen ist Nasser am 22. Februar 1958: Nachdem er zum ersten Präsidenten der Vereinigten Arabische Republik (Union Ägyptens und Syriens von 1958 bis 61) gewählt wurde, richtet er sich an die versammelte Menge in Kairo.Jomo Kenyatta (ca. 1894-1978) war ein afrikanischer Staatsmann und Nationalist, der erste Premierminister (1963-64) und erste Präsident (1964-78) nach Kenias Unabhängigkeit. 1947 wurde Kenyatta zunächst Präsident der neu entstandenen Kenyan African Union, die sich für die Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft einsetzte. Er wurde 1952 verhaftet, weil man ihn für einen der Anführer der rebellischen Mau Mau Society hielt, und zu sieben Jahren Haft verurteilt. Die britische Kolonialregierung bezeichnete die um 1950 entstandenen Geheimbünde des Stammes der Kikuyu als Mau-Mau Rebellen. Ihr Aufstand (1952-1956) wurde von den Briten niedergeschlagen. Nach seiner Entlassung verhandelte Kenyatta die Bedingungen für die Unabhängigkeit in London 1962. Als Kenia 1963 die Unabhängigkeit erlangte, wurde er zum ersten Premierminister des Landes.Der ghanaische Politiker Kwame Nkrumah (1909-1972) führte die Unabhängigkeitsbestrebungen der britischen Kolonie Goldküste an. Er gehörte 1945 zu den Organisatoren des 5. Panafrikanischen Kongresses und wurde Leiter des Westafrikanischen Nationalsekretariats. 1947 kehrte er an die Goldküste zurück und wurde 1951 erster Ministerpräsident der Goldküste (ab 1957 des unabhängigen Ghana). 1960 wurde er Staatspräsident der Republik Ghana. Nkrumah war geistiger Führer des Panafrikanismus und des afrikanischen Sozialismus. 1964 führte er das Einparteiensystem ein, schaltete oppositionelle Politiker aus und förderte den Kult um seine Person. Er wurde 1966 durch einen Armeeputsch gestürzt.
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