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1.8.2018

Menschen, Mäuse und Maschinen

Was zeichnet den Unterschied zwischen Pflanzen und Maschinen aus? Spielerisch eröffnete Wolfgang Buschlinger mit dieser Frage die KLASSE DENKEN Veranstaltung "Menschen, Mäuse und Maschinen".

Was zeichnet den Unterschied zwischen Pflanzen und Maschinen aus? Spielerisch eröffnete Wolfgang Buschlinger mit dieser Frage die KLASSE DENKEN Veranstaltung "Menschen, Mäuse und Maschinen“. Die Kinder einer vierten Klasse waren aufgefordert, die Unterschiede zwischen einer Schnittrose und einer Plastikpflanze zu benennen, die angetrieben durch ein kleines Solarpanel ihren Kopf hin und her bewegte. Die vielseitigen Antworten der Kinder reichten von der Feststellung, dass die eine lebendig und die andere künstlich sei, über Verweise auf Photosynthese oder Umweltschädlichkeit, bis hin zu Bemerkungen über das Wachsen oder die Bewegung. Die Kinder befanden sich dabei in einem Dialog auf Augenhöhe mit Buschlinger, der ihre Antworten hinterfragte und so zum Nachdenken anregte. Abschließend stellte er fest, dass die Künstlichkeit der Plastikblume (sie sei eben "nicht echt“) und die Natürlichkeit der Schnittblume (sie "kommt aus der Natur“) die am meisten genannten Unterscheidungen waren. Mit einem Schnitt in die Rose hob er hervor, dass wir es wirklich mit einer "natürlichen“ Blume zu tun hatten, machte aber gleichzeitig deutlich, dass dieser Anschein auch trügen könnte – schließlich könnte sie nur dem Aussehen nach einer solchen Blume ähneln.

Der nächste Teil der Veranstaltung widmete sich nun der Frage, was der prinzipielle Unterschied zwischen Mensch und Maschine sei. Dafür fragte er die Kinder zunächst, ob sie schon einmal einen Roboter gesehen hätten. Zwar nannten die Kinder Beispiele, allerdings bestand dabei nie eine echte Ähnlichkeit zum Menschen. Nun war die Klasse aufgefordert auf die Bühne zu kommen, um sich dort mit denen von Buschlinger mitgebrachten (und selbst gebauten) Robotern vertraut zu machen. In gemeinsamer Diskussion benannten sie die Bestandteile, die man für einen funktionierenden Roboter benötigt: Zahnräder, Batterien, Sensoren u.v.m. Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern stellte Buschlinger bezüglich der Sensoren heraus, dass deren Hauptaufgabe in der Erfassung von Informationen aus der Umwelt liege (in diesem Sinne seien Sensoren auch für uns Menschen notwendig). Dabei gebe es natürlich unterschiedliche Ausprägungen und Formen der Informationen, wie etwa die Wärmesensitivität von Schlangen belege. Ergänzend benötigten sie allerdings auch eine zentrale Steuereinheit; diese Funktion würde beim Menschen das Gehirn übernehmen. Als nächstes folgte eine spielerische Einheit. Buschlinger erklärte zunächst, dass er die 'Gehirne' der kleinen Roboter so programmiert habe, dass sie sich so ähnlich wie Mäuse verhielten (die Kinder ließen sich dadurch allerdings nicht überzeugen, dass es sich um echte Mäuse handeln könnte). Ferner reagierten sie auf Licht. So konnten sie beispielsweise mit einer Taschenlampe angelockt werden. Ausgerüstet mit einigen dieser kleinen "Elektro-Kreaturen“ (deren Namen etwa "Wow EE“ oder "Timmy“ lauteten und von einer anderen Schülergruppe gewählt worden waren) und Taschenlampen begannen die Kinder deren Funktionsweise auszuprobieren, wobei die Programmierungen (Verhaltensweisen der Roboter) stark changierten.

Abschließend zeigte er den Kindern noch einen Roboter, der mit Wärmesensoren ausgestattet war. Bewegte man sich barfüßig folgte er, ähnlich einem Hund. Nun stellte sich die Frage, was der Unterschied sei. Dabei äußerte Buschlinger den Verdacht, dass die Zerstörung eines 'herrenlosen' Roboters keine große Empörung hervorrufen würde, während sich dies in Bezug auf ein Lebewesen doch anders verhielte. Doch könnte es irgendwann einmal möglich sein, dass sich dies ändere? Kann eine Situation gedacht werden, wo das Abstellen eines Roboters als empörenswert gilt? Müsste man dann über Roboterrechte sprechen? Recht einstimmig verneinten die Kinder dies. Dabei wiesen sie auf das Schmerzempfinden oder die Nicht-Programmierbarkeit von Lebewesen hin. Buschlinger entgegnete, dass auch der Mensch täglich auf 'Programme' vertraue und nicht immer alles eine bewusste Entscheidung sei. Diese Programme könnten möglicherweise aus unserer biologischen Herkunft stammen, d.h. sich im Rahmen der Evolution durchgesetzt haben. Ob eine Verwischung der Grenzen von Mensch und Maschine irgendwann prinzipiell möglich sein könnte, lasse sich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht abschließend beantworten.

von Simon Clemens
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