Bilder des Artikels: Partizipation durch Kultur


Mit kultureller Bildung erfolgreich: Schüler/-innen des Hamburger "Step by step"-Tanzprojekts (© Heike Günther, www.heikeguenther.de, für BürgerStiftung Hamburg)


Politische Bildung verfolgt das Ziel, Menschen zu autonomen und mündigen Staatsbürgern zu erziehen, indem Kenntnisse über das demokratische System vermittelt und Kompetenzen für demokratisches Handeln gestärkt werden – es geht also darum, Demokratie zu lernen.

Vor diesem Hintergrund befasst sich der folgende Beitrag mit der Programmatik der Stadtteil- und Soziokultur, weil diese junge Kultursparte vor rund 30 Jahren unter dem Motto "Kultur für alle" antrat, eine "Demokratisierung durch Kultur" bzw. "Demokratisierung der Kultur" voranzutreiben. Durch Strategien und Methoden der Kultur sowie durch die Eröffnung der Teilhabechancen an der Kultur sollte eine Demokratisierung der Gesellschaft insgesamt angestoßen werden.


In Stadt(teil)entwicklungsprozessen wird dies besonders deutlich: Trotz aller Bemühungen von Seiten der Stadtentwickler und -planer gelingt es nur äußerst selten, Menschen mit Migrationshintergrund und jüngere Menschen in die Beteiligungsprozesse erfolgreich einzubinden. Kulturprojekte, die es sich zum Ziel setzen, Impulse für Stadt(teil)entwicklungsprozesse einzubringen, erreichen mit ihren kulturellen Bildungsangeboten, Projekten und Aktionen diese Zielgruppen sehr viel besser – und wirken so mit an einem Demokratisierungsprozess, bei dem Stadtteilbewohner als mündige Bürger und zum Wohle aller ihr Lebensumfeld aktiv (mit)gestalten.

Heutzutage scheint es in Anbetracht der Herausforderungen der globalisierten Gesellschaft und der damit verbundenen Migrationsprozesse um eine "Demokratisierung der Bildung" zu gehen: Demokratie lernen heißt auch, das Lernen zu demokratisieren, d.h. Bildungskonzepte so weiterzuentwickeln, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund oder aus bildungsfernen Familien nicht mehr benachteiligt werden. Das Konzept der Bildung als Selbstbildung wie sie in der Kunst und Kultur weit verbreitet sind, bieten hier wertvolle Anknüpfungspunkte. In Erweiterung des Konzeptes der Bildung zur Selbstbildung verknüpft die Performance als offener Produktions- und Lernprozess das individuelle Lernen und Gestalten mit dem einer Gruppe oder dem gesamtgesellschaftlichen Lernprozess.

"Demokratisierung der Kultur" durch Stadtteilkultur



Unter dem Motto "Kultur für alle" begann vor mehr als 30 Jahren der Prozess der Demokratisierung der Kultur bzw. einer Demokratisierung durch Kultur in Stadtteil- und Soziokulturzentren. Ihre Programmatik erweiterte den traditionellen Kulturbegriff und öffnete nicht nur die Programme der Staatstheater, sondern brachte auch ein breites Spektrum neuartiger Kunst- und Kulturformen jenseits des bildungsbürgerlichen Kanons hervor: Die Kultur verließ ihre Tempel und ging auf die Straße, plötzlich war "jeder ein Künstler" (Joseph Beuys) – Alltagskultur und -geschichte erhielten eine neue gesellschaftliche Bewertung.

Seit 30 Jahren erprobt auch die kulturelle Bildung Strategien und künstlerische Methoden der Aneignung und Produktion von Kunst und Kultur. Dabei weist sie mittlerweile ein sehr großes Potenzial zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen in Form einer "Partizipation durch Kultur" bzw. einer nicht nur kulturellen, sondern zugleich politischen Bildung auf. Indem z.B. Jugendliche bei Projekten wie der "HipHop Academy" oder "Step by Step" sich künstlerisch-kreative Kompetenzen aneignen, diese bei der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragestellungen nutzen und gemeinsam auf die Bühne bringen, nehmen sie aktiv teil an einem gesellschaftlichen Veränderungsprozess, wechseln sie hinein in die Rolle des mündigen Bürgers, der Gesellschaft mitgestaltet.

Die Teilhabe an den gesellschaftlichen Werten, die sich in Kunst und Kultur manifestieren und verdichten, wird durch kulturelle Bildung zu einer Teilhabe an der demokratischen Gesellschaft insgesamt. Durch eine Beteiligung an einem Kulturprojekt, das sich mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzt, werden z.B. Stadtteilbewohner aktiv an der (Mit-)Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse beteiligt.




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