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10.3.2011

Sechs Fragen an das Deutsche Hygiene-Museum Dresden

Gesellschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Themen werden im Hygiene-Museum lebendig und alltagsnah vermittelt. Im Rahmen des Projekts "Begegnungen" zur Ausstellung "Kraftwerk Religion" führen Jugendliche mit Migrationshintergrund durch die Ausstellung und regen Diskussionen über Themen an, die sie selbst betreffen und bewegen.

Museum zum Anfassen und Erleben. (© Deutsches Hygiene-Museum Dresden, Oliver Killig)


1. Ist Ihr Publikum multikulturell zusammengesetzt? Warum/Warum nicht?

Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden erreicht mit seinen Ausstellungen und Angeboten ein sehr breites und ein sehr junges Publikum. Mehr als die Hälfte der Besucherinnen und Besucher sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Das Besucherprofil des Museums orientiert sich an seiner Umgebung. In Sachsen leben im Vergleich zu anderen Bundesländern wenige Ausländerinnen und Ausländer: Ihr Anteil betrug im Jahr 2007 nur knapp 3%. Die größte Gruppe ausländischer Menschen stellen mit knapp 11% die Vietnamesen. (Quelle: Sächsische Staatskanzlei). Auch wenn das Einzugsgebiet des Museums sehr viel weiter reicht, ändert sich das Besucherprofil dadurch nicht grundsätzlich.

Durch die grenznahe Lage Dresdens ist eine wichtige Zielgruppe die der Schülerinnen und Schüler aus dem tschechischen Grenzgebiet. Hier gibt es spezifische Angebote in Form von tschechischsprachigen Broschüren und Führungsangeboten. Im Jahr 2010 besuchten 7351 Schülerinnen und Schüler aus Tschechien das Museum.

2. Was bedeutet interkulturelle Bildung für Sie, und wie versuchen Sie diese in Ihrer Institution umzusetzen?

Das Deutsche Hygiene-Museum ist ein Diskussionsforum für alle, die an den kulturellen, sozialen und wissenschaftlichen Fragen unserer Gesellschaft am Beginn des 21. Jahrhunderts interessiert sind. Gesellschaftliche Fragestellungen stehen daher im Mittelpunkt der Ausstellungsprojekte und Bildungsangebote – und interkulturelle Fragestellungen ergeben sich daher zwangsläufig durch die Setzung der jeweiligen Ausstellungsthemen. Fragen unterschiedlicher kultureller Perspektiven und globaler Zusammenhänge werden in nahezu jeder Ausstellung thematisiert. Bietet es das Ausstellungsthema an, werden diese Fragestellungen in den Angeboten vertieft.

3. Wie sieht die Verbindung von kultureller und interkultureller Bildung bei Ihrem Projekt "Begegnungen" genau aus? Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Das Projekt Begegnungen findet im Begleitprogramm zur Sonderausstellung "Kraftwerk Religion. Über Gott und die Menschen" statt. Ein wichtiger Aspekt dieses Ausstellungsprojekts ist die Vermittlung von grundlegenden Kenntnissen über Religionen – auf diskursive und informative Weise. Dabei stehen in einem Teil der Ausstellung gerade die aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen, die sich an Glaubensinhalten der Religionsgemeinschaften entzünden können im Mittelpunkt. Die Diskussion über diese Fragen (z.B. Minarettbau oder Kopftuchstreit) sind Kernelemente der Vermittlungsangebote.

Um die Sichtweisen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund besser vermitteln zu können, wurde eine Zusammenarbeit mit dem START-Stipendienprogramm, einem Projekt der gemeinnützigen Hertie Stiftung, initiiert. Die Jugendlichen werden von Mitarbeitern des Deutschen Hygiene-Museums geschult, Führungen in der Ausstellung durchzuführen, bei denen sie je nach ihrem eigenen kulturellen Hintergrund bzw. ihrer religiösen Überzeugung individuelle Schwerpunkte setzen können. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Führung im Rahmen des Projekts "Begegnungen" lernen so authentische Sichtweisen kennen und kommen mit den Jugendlichen ins Gespräch.

4. Welche Chancen bietet aus Ihrer Sicht die Arbeit eines Museums mit (natur)wissen-schaftlichem Schwerpunkt für die interkulturelle Bildung?

Museen und Ausstellungen können besonders intensive Lehr- und Lernsituationen bieten. Dies gilt auch für Fragen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Da sich diese immer stärker in einem globalen Kontext stellen, tritt diese Perspektive auch immer mehr in das Zentrum der Vermittlungsangebote.

5. Wo sehen Sie in Ihrer Institution im Hinblick auf die Ansprache eines kulturell heterogenen Publikums noch Verbesserungsbedarf?

Auch wenn es grundsätzlich möglich ist, ein sehr ausdifferenziertes Angebot für unterschiedliche Zielgruppe zu konzipieren und anzubieten, um ein kulturell heterogenes Publikum anzusprechen, stellt sich oft das Problem der personellen Ressourcen.

6. Was möchten Sie in diesem Zusammenhang anderen Kulturinstitutionen mit auf den Weg geben?

Diesen Punkt möchten wir gerne offen lassen.
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