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29.5.2019

Presseschau vom 29.5.

Kontroverse Konversation



Der Erfolg der Grünen bei der Europawahl führt auch zu irreführenden Inhalten bezüglich ihrer politischen Positionen. Till Eckert vom Recherchezentrum Correctiv hat im Netz kursierende Angaben überprüft und kommt zu folgendem Schluss: "Drei der Behauptungen sind falsch, eine teilweise richtig und eine richtig."

correctiv.org
Nach EU-Wahl: Falsche Behauptungen über Partei-Positionen der Grünen im Umlauf

An den Tagen nach der Europawahl verbreitet sich ein Bild mit mehreren Behauptungen über die Grünen auf Facebook. CORRECTIV hat sie überprüft.


Bei der EU DisinfoLab Conference waren gestern Vertreter der Plattformen eingeladen, doch Facebook war verhindert. Der Vertreter von Google skizzierte etwa den Umgang von YouTube mit Videos, die einen verschwörungstheoretischen Inhalt haben, aber nicht entfernt werden:

Tweet von Martin Mycielski (© Screenshot: twitter.com)




In vielen kritischen Fällen verweist Facebook als Lösungsansatz auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Das dies etwa bei der Identifikation und Eindämmung problematischer Inhalte auf Grenzen stösst, ist auch Gegenstand der aktuellen Ausgabe des WDR-Podcasts COSMO Tech:

WDR
COSMO Tech - Der Podcast für die digitale Welt

Wann übernehmen die Roboter die Weltherrschaft? Wann entwickeln Alexa und Siri ein echtes Bewusstsein? Und wann, verdammt noch mal, geht dieser Hype um künstliche Intelligenz endlich vorbei? Eine Ausgabe zum Runterkommen: Jörg Schieb und Dennis Horn erklären, was KI heute wirklich kann - und was nicht.


Im US-Magazin The Atlantic formuliert Ian Bogost in der Debatte um das manipulierte Video der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses eine wichtige Einsicht aus der Perspektive der Plattformen: "The purpose of content is not to be true or false, wrong or right, virtuous or wicked, ugly or beautiful. No, content’s purpose is to exist, and in so doing, to inspire 'conversation' - that is, ever more content. This is the truth, and perhaps the only truth, of the internet in general and Facebook in particular."

The Atlantic
There's No Such Thing as a Fake Video

Facebook won't take down a recording of Nancy Pelosi slowed down to make her sound drunk. That's because the social network sees "fakes" as content. Every time another "fake video" makes the round, its menace gets rehashed without those discussing it establishing what fakeness means in the first place.


Eine Zusammenfassung relevanter Aspekte, die über das Video und seine Verbreitung bekannt sind, sowie über die diesbezügliche Diskussion, liefert der US-Journalist Judd Legum in seinem Newsletter Popular Information. Er weist gestern unter anderem auf folgende Details hin: "Over 200,000 views of the videos have come in the last two days, when Facebook said it was 'dramatically' reducing its distribution. 566,047 views came from a doctored video published to an unofficial Ivanka Trump page. The administrators of that page are located in Pakistan and Portugal."

Popular
10 million fake views

Welcome to the free weekly edition of Popular Information. Today's newsletter is an in-depth look at one of the most profoundly irresponsible political acts in recent memory: the decision by Facebook and Twitter to allow doctored and deceptively edited videos of Nancy Pelosi on their platforms.


Lina Rausch beschäftigt sich im Tagesspiegel unter anderem mit der Frage der Regulierung von Plattformen auf EU-Ebene. Sie hat dazu auch die Antwort eines Vertreters der Initiative "European Digital Rights" eingeholt: "'Wer erfolgreich gegen Hassrede, extremistische Inhalte und Desinformation vorgehen will, muss an die dominanten werbe- und überwachungsgetriebenen Geschäftsmodelle heran', sagt Penfrat. Wenn die Europäische Kommission diesen Weg wählt, wäre das eine Abkehr von den bisher auf Kooperation der Internetgiganten aufbauenden Maßnahmen – gegen beispielsweise Desinformation oder politische Werbung."

Tagesspiegel
Wie die EU die Digitalisierung meistern kann

Künstliche Intelligenz (KI) könnte eines Tages selbst komplexeste Aufgaben übernehmen. Deshalb ist „KI made in Europe" eine der drängendsten Aufgabenfelder für die neue EU-Kommission, die voraussichtlich im Herbst die Arbeit aufnehmen wird. In den kommenden Monaten und Jahren stehen richtungsweisende Entscheidungen an, damit die Digitalisierung in Europa ein Erfolg wird.


In der Diskussion im Anschluss an das Rezo-Video hat sich ein Mitglied der Bundesregierung (Dorothee Bär), gegenüber der Presse abweichend von den Vorstellungen der CDU-Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer geäußert: "'YouTube-Videos stellen keine Bedrohung dar, wenn dann Fake News oder gezielte Manipulation aus dem Ausland', sagte die CSU-Politikerin der 'Neuen Osnabrücker Zeitung'. 'Wir müssen aber aufpassen, dass wir aus Erstaunen darüber, welche Wucht Diskussionen im Netz entfalten, nicht meinen, übersteuern zu müssen. Die Meinungsfreiheit ist auch im Netz ein hohes Gut."'

presseportal.de
NOZ: Digital-Staatsministerin Bär: "YouTuber sind keine Bedrohung"

Neue Osnabrücker Zeitung Osnabrück (ots) Digital-Staatsministerin Bär: "YouTuber sind keine Bedrohung" CSU-Politikerin kritisiert AKK: "Entwicklung annehmen statt blocken zu wollen" - "Meinungsfreiheit ist auch im Netz ein hohes Gut" Osnabrück. Digital-Staatsministerin Dorothee Bär hat scharfe Kritik am Ruf von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer nach "Regeln" für YouTuber geäußert.


Einen Faktencheck zu Fragen, die sich aus den Aussagen von Kramp-Karrenbauer ergeben, unternimmt Johannes Schneider bei Zeit Online. Ein Aspekt: "Hat Rezo wirklich zur 'Zerstörung' der CDU aufgerufen? Nein, er hat sein Video Die Zerstörung der CDU genannt. Dadurch hat er zugleich gesagt, was er in diesem Kontext mit 'Zerstörung' meint: keinen Brandanschlag auf das Konrad-Adenauer-Haus, sondern eine harsche inhaltliche Auseinandersetzung, um der Partei erklärtermaßen politisch zu schaden."

Zeit Online
YouTube: Worüber spricht Annegret Kramp-Karrenbauer?

Die CDU-Vorsitzende ist unsicher, welche Rolle YouTuber im öffentlichen Diskurs einnehmen. Das ist verständlich. Ein paar Fragen gilt es dennoch zu klären. Alle Fragen im Überblick: Schwer zu sagen, und es hinge wohl auch immer von der öffentlichen Stimmung, den jeweiligen Themen und den beteiligten Medien ab.


Virulent bleibt die Problematik, dass Nutzer bei Twitter unter Bezugnahme auf eine "Richtlinie zur Integrität von Wahlen" von der Plattform gesperrt wurden. Darauf macht der Verlag Kiepenheuer & Witsch in einem Thread aufmerksam:

Tweet von Kiepenheuer & Witsch (© Screenshot: twitter.com)




Ein Hinweis auf eine aktuelle Publikation in der Zeitschrift Communicatio Socialis kommt aus dem BMBF-Projekt "Erkennung, Nachweis und Bekämpfung verdeckter Propaganda-Angriffe über Online-Medien": "Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der strategischen Verbreitung von Des- information in digitalen Öffentlichkeiten, auch Information Warfare genannt. Neben einem Überblick über die aktuelle Forschung stellt dieser Beitrag anhand einer Feldstudie dar, wie eine solche Kampagne aussehen und wie damit erfolgreich umgegangen werden kann."

Tweet von Tim Schatto-Eckrodt (© Screenshot: twitter.com)


Erik Meyer

Erik Meyer

ist Politikwissenschaftler und arbeitet als freier Journalist und Dozent zur Digitalisierung in Politik, Pop und Erinnerungskultur. Er ist Autor von „Zwischen Partizipation und Plattformisierung: Politische Kommunikation in der digitalen Gesellschaft“ (2019)


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