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28.8.2017

Fernsehen als professionelle Organisation in Ost und West

Am Set zum Film "Buddenbrooks" von Heinrich Breloer (© Bavaria Film GmbH ­Colonia Media GmbH - Pirol Film Production GmbH / Stefan Falke)


Fernsehen ist ein Medium, das sich seit seinen Anfängen technologisch und in seiner Produktionsweise mehrfach grundlegend verändert hat. Das Herstellen von Fernsehsendungen ist – noch stärker als beim Film – ein hochgradig arbeitsteiliger und technischer Vorgang. Die Produktion erfordert einen aufwändigen technischen Apparat und eine gesellschaftliche Organisation des Mediums. Zwar ist es im Zuge der Digitalisierung einfacher geworden, Fernsehsendungen zu produzieren. Fernsehamateure können z. B. Offene Kanäle und Bürgerfernsehen nutzen, um eigene Beiträge auszustrahlen. Im Unterschied zu öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern gibt es im "Rundfunk der Dritten Art" keine Redaktion sowie keine inhaltlichen und formalen Vorgaben. So macht nicht der Offene Kanal das Programm sondern jeder einzelne Filmemacher. Als Massenmedium, das jeden Tag 24 Stunden ein redaktionell konzipiertes Programm sendet, war und ist Fernsehen nur als institutionalisiertes Medium denkbar. 

Arbeitsteilung und Spezialisierung im Fernsehen 

Die Fernsehproduktion ist als institutionalisierter Vorgang und damit als arbeitsteiliger Prozess zu verstehen. Drei zentrale Berufsbereiche arbeiten dabei zusammen: technische, künstlerisch-gestaltende und redaktionell-planende, die sich in unterschiedliche Berufe mit zum Teil festen Ausbildungsgängen ausdifferenziert haben. Diese hoch entwickelte Arbeitsteilung zeigt, dass es sich beim Fernsehen um ein Medium handelt, das selbst Ergebnis der industriellen Entwicklung ist. 

In der Anfangszeit der 1950er Jahre machten viele Mitarbeiter fast alles, es wurde improvisiert, erprobt und erkundet. Diese "Pionierzeit" wird heute in den Erinnerungen sowohl im Westen als auch im Osten vielfach verklärt. Denn auch in den Anfangsjahren gab es bereits eine Arbeitsteilung, weil vor allem für Kamera, Bildmischung und Tonaufnahme Spezialisten gebraucht wurden. Mit dem Ausbau des Mediums haben sich diese Tätigkeiten ausdifferenziert, ist das spezialisierte Produktionswissen gewachsen. Selbstverständlich wird auch heute bei Fernsehproduktionen improvisiert und es ist Flexibilität gefordert. Doch es gibt mehr Arbeitsfelder – vor allem im technischen Bereich –, die eine hohe Professionalität und Spezialisierung erfordern. Die Zahl dieser Arbeitsfelder nimmt zu und umfasst heute organisatorische und inhaltlich gestaltende Bereiche. 

Technische und ökonomische Voraussetzungen in Ost und West

Das hohe technische Niveau hat zur Folge, dass die Geschichte der Fernsehproduktion auch deren technische Voraussetzungen beschreiben muss. Die technischen Möglichkeiten prägen im positiven und im negativen Sinne entscheidend die Geschichte der Fernsehproduktion. Außerdem ist jede Fernsehproduktion ökonomisch bestimmt, doch war die zunehmende Ausrichtung der Fernsehproduktion auf ein Kosten-Nutzen-Denken und die damit verbundene Ökonomisierung auch inhaltlicher und gestalterisch-darstellender Aspekte nicht von Anfang an prägend. Sie hat vor allem seit Mitte der 1980er Jahre mit dem Aufkommen privatwirtschaftlicher Fernsehanbieter zugenommen. 

Die Fernsehproduktionsabläufe sind von ihren Prinzipien her im West- wie im Ostfernsehen ähnlich gewesen, wobei einerseits die Herstellungs- und Verbreitungstechnik und andererseits der Programmcharakter des Fernsehens die Rahmenbedingungen für die Gestaltung der Produktionsabläufe vorgegeben haben. 

Produktion und Distribution 

Dass heute ausdrücklich von Fernsehproduktion – und nur von ihr – gesprochen wird, ist als Zeichen für die historischen Veränderungen zu sehen, die seit den 1950er Jahren stattgefunden haben. Bis in die 1960er Jahre war es selbstverständlich, dass Fernsehen immer Produktion und Distribution zugleich war. Zwar wurden von Anfang an auch fremd produzierte Sendungen gesendet, aber diese galten nur als Ersatz und Bewältigung von Notfällen. Fernsehen war immer ein selbst produziertes, elektronisch hergestelltes und anfangs live gesendetes Fernsehen. Erst in den 1960er Jahren, mit dem Aufkommen von Auftragsproduktionen für das Fernsehen, bewegten sich Produktion und Distribution weiter auseinander.
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