zurück 
1.10.2011

Krieg in den Medien

Was sind Bilder vom Krieg für uns? Dokument, Beweis, Information, Unterhaltung oder zielgerichtete Propaganda? Wer Kriegsdarstellungen wahrnimmt – unabhängig davon, ob es sich dabei um Bilder aus Nachrichtensendungen, Spielfilmen oder Computerspielen handelt –, muss sie verstehen, interpretieren und einordnen. Dasselbe Bild, dieselbe Sequenz, gesehen in einem anderen Kontext, mit anderem Vorwissen oder in eine andere Dramaturgie eingebunden, kann informieren, beunruhigen oder verharmlosen, aber auch manipulieren.

Lange Jahre musste in unserem Land zum Glück kaum jemand einen Krieg am eigenen Leib erfahren. Wenn Kinder und Jugendliche also eine Vorstellung von Krieg entwickelt haben, dann durch die immer seltener werdenden Erlebnisberichte der älteren Generation, die noch Kriege erlebt hat, durch den Geschichtsunterricht oder durch die Medien.

Mit den friedenserhaltenden und -sichernden Einsätzen der Bundeswehr im Ausland seit Anfang der Neunzigerjahre, der Aufnahme von Flüchtlingen insbesondere aus den Kriegsgebieten im ehemaligen Jugoslawien Mitte der Neunzigerjahre und der Ende der Neunzigerjahre einsetzenden Beteiligung der Bundeswehr an Kampfeinsätzen im ehemaligen Jugoslawien und später in Afghanistan hat das Thema "Krieg" eine neue Relevanz bekommen: Erstmals gab es wieder seit dem Zweiten Weltkrieg Berichte und Bilder von toten deutschen Soldaten.

In diesem Zusammenhang sind die Medien zwangsläufig nicht nur Berichterstatter, sondern auch Akteure. Denn die Politik braucht Medien, um die Öffentlichkeit zu einer Akzeptanz für ihre Vorhaben zu bewegen. Die Bereitschaft, einer militärischen Beteiligung des eigenen Landes zuzustimmen, ist in demokratischen Gesellschaften meist nicht sehr groß. Die Regierenden müssen also deutlich machen können, dass der Gegner unmenschlich, böse und auch für unsere Gesellschaft gefährlich ist. Dazu werden die Medien benötigt.

Allerdings sind auch die Medien auf die Politik und die Militärs angewiesen, denn von ihnen erhalten sie wichtige Informationen. Manche Ereignisse werden eigens für die Medien produziert. Auch terroristische Anschläge würden an Wirkung verlieren, wenn die Medien darüber nicht berichteten. Insgesamt entsteht so eine Mischung aus seriöser Berichterstattung, Propaganda und gezielter Inszenierung von Ereignissen, die der Zuschauer nicht ohne Weiteres auseinanderhalten kann. Er versucht, sich aus all den Bildern und veröffentlichten Nachrichten ein Bild zu konstruieren, das er mit bereits bestehenden Vorstellungen kombiniert. Diese Vorstellungen resultieren nicht zuletzt auch aus Kriegsfilmen, Antikriegsfilmen und Computerkriegsspielen.
Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln