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4.7.2012

Google Inc.

Umsatz 2011: $ 37,905 Mrd. (€ 27,231 Mrd.)

Google Inc.konnte aufgrund von kontextbezogenener Web-Werbung in wenigen Jahren in die Liga der weltweit umsatzstärksten Konzerne der Branchen Medien und Online-Technologie aufsteigen. Heute generiert Google 96 Prozent seines Umsatzes mit Werbung.

Google-MitarbeiterInnen in San Francisco (© AP, Marcio Jose Sanchez)


Überblick



Sergey Brin und Larry Page entwickelten als Studenten die schnellste Suchmaschine der Welt. Innerhalb von Sekundenbruchteilen liefert Google relevante Ergebnisse. Dank der weiteren Erfindung der Google-Gründer, der kontextbezogenen Web-Werbung, konnte Google Inc. in wenigen Jahren in die Liga der weltweit umsatzstärksten Konzerne der Branchen Medien und Online-Technologie aufsteigen. Mit seinen inzwischen riesigen Pool an Informationen der User wandelt der Konzern auf einem schmalen Grad zwischen Benutzerfreundlichkeit und Ausspähung und Verarbeitung privater Daten. Heute generiert Google 96 Prozent seines Umsatzes mit Werbung.

Basisdaten



Hauptsitz:

Google Inc. 1600 Amphitheatre Parkway, Mountain View, CA 94043 Telefon: 001-650-253-0000 Telefax: 001- 650-253-0001 Internet: www.google.com

Rechtsform: Aktiengesellschaft (seit 1972)
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: September 1998 durch Larry Page und Sergey Brin

Geschäftsführung / Vorstand:
Management:
Board of Directors:


Geschichte und Profil



Nach offizieller Überlieferung von Google waren sich die beiden Konzerngründer Larry Page und Sergey Brin 1995 bei ihrer ersten Begegnung als Studenten der Computerwissenschaften auf dem Campus der Stanford Universität alles andere als sympathisch. Page war ein 24-jähriger Absolvent der Universität von Michigan, der nur über das Wochenende in Stanford war: Brin, 23, war einer der Studenten, der beauftragt wurde, Page das Universitätsgelände zu zeigen. Schnell zeigte sich, dass beide über jede Sachfrage, die in ihren Diskussionen zur Sprache kam, keine gemeinsame Meinung hatten. Ihre unterschiedlichen Standpunkte und Philosophien fanden nur einen gemeinsamen Resonanzboden in Bezug auf eine der größten Herausforderungen der Computerwelt: die Auslese relevanter Informationen aus einem exponentiell wachsenden Online-Datenschatz.

Anfang des Jahres 1996 begannen Brin und Page zusammenzuarbeiten. Sie entwickelten die Suchmaschine „BackRub“, die ihren Namen aufgrund der einzigartigen Fähigkeit erhielt, Rückverweise („back links“) einer beliebigen Website zu analysieren. Technikgenie Page, der einst einen Drucker aus Lego-Steinen konstruiert hatte, übernahm hierbei die Aufgabe, ein neuartiges Serverumfeld zu generieren, das aus veralteten Rechnern, anstatt aus teuren high-end-Maschinen bestand. Die für Studenten ihres Alters typische chronische Geldknappheit veranlasste sie dazu, die Onlineumgebung ihrer Fakultät nach neuen Rechnern zu durchforsten, die sie an ihr Netzwerk anschließen konnten, um die Serverkapazitäten zu erhöhen. Ein Jahr später bescherte dieser einmalige Ansatz der Link-Analyse Page und Brin ein wachsendes Maß an Ansehen innerhalb der relativ jungen Internet-Community. Die Begeisterung für die neue Suchtechnologie griff immer weiter um sich und ging weit über den Campus hinaus. Page und Brin wurden nicht müde, die Technologie ihrer Suchmaschine weiter zu perfektionieren. Sie schlugen einen Weg ein, der später einer der Schlüssel für die Lieferung hervorragender Suchergebnisse sein würde. Sie kauften einen Terabyte an Festplatten zum Discountpreis und legten in Pages Zimmer des Studentenwohnheims ein Computerlager an, das zu Googles erstem Datencenter wurde. Währenddessen eröffnete Brin ein Geschäftsbüro und fragte bei potentiellen Partnern an, ob sie nicht eine Suchmaschine lizenzieren wollten, die überdurchschnittlich bessere Ergebnisse lieferte, als alle vergleichbaren Technologien. Im Gegensatz zu dem in dieser Zeit grassierenden „dot-com-Fieber“, zeigten die beiden Erfinder zunächst wenig Interesse, einen Konzern auf Basis ihrer Errungenschaften aufzubauen.

Unter den Leuten, die Brin von seinem Büro aus anrief, war unter anderem auch David Filo, der Co-Erfinder der Suchmaschine Yahoo!. Filo bestätigte, dass ihre Technologie ausgereift sei, aber er ermutigte die beiden dennoch dazu, ihren Service weiter auszubauen und eine eigene Suchmaschinenfirma zu gründen. Viele CEO’s von Webportal-Konzernen erkannten damals das große Potential des Produkts nicht. Sie unterschätzten die Vorteile der Suchfunktionen, die Brin und Page entwickelt hatten. Da sie keinen Erfolg dabei hatten, führende Portalanbieter für ihre Idee zu gewinnen, entschieden sich Brin und Page, es auf eigene Faust zu probieren. Was sie dafür brauchten, war das Startkapital für neue Räume und Finanzen, um ihre Rechnungen und Schulden zu bezahlen. Die Jungerfinder hatten ihre Kreditkarten zum Erwerb des Terabyte-Speichers bereits über Gebühr strapaziert. Ein Geschäftsplan wurde erstellt, und die Pläne, einen Universitätsabschluss zu erwerben, wurden vorerst auf Eis gelegt. Brin und Page begaben sich auf die Suche nach einem Investor. Ihr erster Besuch galt einem Freund eines Fakultätsmitglieds.

Andy Bechtolsheim, einer der Mitgründer von Sun Microsystems, war dafür bekannt, langfristig zu denken. Ein Blick auf die Demoversion genügte ihm, um zu wissen, dass Google ein enormes Potential aufwies. Bechtolsheim verlor weder viele Worte noch Zeit, er stellte kurzerhand einen Scheck aus. Der Adressat war Google, Inc., und der Scheck belief sich auf 100.000 $.

Bechtolsheims Investition sorgte für ein Dilemma. Da es keine juristische Einheit namens Google, Inc. gab, war es unmöglich, den Scheck bei der Bank einzureichen. Der Scheck lag also erst einmal mehrere Wochen in der Schublade von Pages Schreibtisch, während er und Brin sich in Akkordarbeit daran machten, einen Konzern aufzubauen und unter Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten weitere Geldgeber zu rekrutieren. Ein Startkapital von circa einer Million Dollar kam zusammen, und Mitte 1998 öffnete Google, Inc. seine Pforten in Menlo Park Nord, Kalifornien. Die Tür wurde per Fernbedienung geöffnet, da sie Teil einer Garage war, die ein Freund dem inzwischen dreiköpfigen Konzern untervermietet hatte. Obwohl das Büro klein war, bot es einige Besonderheiten, darunter eine Waschmaschine und einen Whirlpool. Außerdem stellte das „Firmengelände“ einen Parkplatz für den ersten eingestellten Mitarbeiter zur Verfügung: Craig Silverstein, dem heutigen Geschäftsführer der technischen Abteilung.

Schon zu diesem Zeitpunkt bearbeitete Google.com, noch immer in der Beta-Test-Version, bis zu 10.000 Suchanfragen pro Tag. Schnell begann die internationale Presse auf die Suchmaschine mit den relevanten Ergebnissen aufmerksam zu werden, und Artikel über Google erschienen in USA Today und Le Monde. Die Fachzeitschrift PC Magazine nahm Google in seine Rangfolge „Top 100 Websites and Search Engines“ auf. Google eroberte die Welt im Sturm. Open Source-Riese Red Hat war das erste Unternehmen, das als kommerzieller Kunde die Suchdienste von Google in Anspruch nahm.

Am 7. Juni 1999 verkündete Google, dass die Finanzierung von insgesamt 25 Millionen Dollar von den führenden Risikokapital-Firmen aus Silicon Valley, Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers, zugesichert worden seien. Beide Firmen, ansonsten gnadenlose Konkurrenten, investierten erstaunlicherweise zu gleichen Teilen in Google und erhielten die gleiche Anzahl von Sitzen im Aufsichtsrat. Mike Moritz von Sequoia und John Doerr von Kleiner Perkins setzten sich mit einem dritten Investor, Ram Shriram, CEO von Junglee, an die Tischtennisplatte, die als Möbelstück des Google-Quartiers fungierte, und planten ihre Kooperation.

In der darauf folgenden Zeit wurden Schlüsselpositionen bei Google zunehmend mit hochkarätigen Fachkräften aus anderen Unternehmen besetzt. So wurde Omid Kordestani von Netscape zum Vizepräsidenten der Geschäftsführung ernannt. Urs Hölzle, Computerwissenschaftler von der University of California, Santa Barbara, übernahm den Posten des Vizepräsidenten der technischen Abteilung.

Der drohende Kollaps durch das zu klein gewordene Büro wurde durch den Umzug in das „Googleplex“ in Mountain View verhindert, das bis zum heutigen Tag als Zentrale fungiert. Das Interesse an Google war ungebrochen. AOL/Netscape wählte 1999 Google als Suchmaschine für deren Seite aus. Die Zahl der Suchanfragen stieg in der Zeit täglich um drei Millionen User. Offensichtlich hatte Google sich weiterentwickelt. Was als Universitätsprojekt begonnen hatte, war nun ein etablierter Betrieb, der eine Dienstleistung anbot, deren Nachfrage lebhaft wuchs. Im September 1999 wurde schließlich das „beta“-Zeichen von der Homepage entfernt, die Testversion hatte sich bewährt. Der nächste Schritt war folgerichtig die internationale Expansion. Sowohl das italienische Portal Virgilio als auch das britische Pendant Virgin Net (heute Virgin Media) wurden Klienten von Google. Das Time Magazine nahm Google in seine Cybertech-Top-Ten auf.

Im Googleplex kristallisierte sich indes eine einzigartige Unternehmenskultur heraus. Um die Flexibilität im Arbeitsbereich zu erhöhen, wurden große Gymnastikbälle zu mobilen Bürostühlen umfunktioniert. Die Büros blieben frei von Trennwänden, was eine offene Arbeitsumgebung schaffte. Während die Rechner der Mitarbeiter mit State-of-the-art-Funktionen ausgestattet waren, bestanden die Schreibtische teilweise aus alten Holztüren, die man provisorisch auf Sägeböcken platziert hatte. Überall sprossen Lava-Lampen wie Pilze aus dem Bode und zahlreiche Hunde durchstreiften die Korridore. Als Chefkoch für die Kantine engagierte man Charlie Ayers, der eine gesundheitsbewusste Speisekarte mit Gerichten kreierte, die er schon als Tourkoch der Band „Grateful Dead“ serviert hatte. Regelmäßig wurde der Parkplatz vor dem Gebäude für Rollhockey-Turniere geräumt. Jeden Freitag kam es zu den berühmten T.G.I.F-,(„Thank God It’s Friday“-)Meetings, die von den Vorständen inmitten der Schreibtische der Mitarbeiter zwecks Wochenresümee abgehalten wurden. Offensichtlich wirkte sich diese ungewöhnliche Atmosphäre positiv auf die Produktivität und Kreativität der Mitarbeiter aus. Möglicherweise optimierten Mitarbeiter auch dank der guten Stimmung im Googleplex die Effektivität der Suchmaschine Google weiter. Ergänzungen wurden geschaffen, darunter das Google Directory oder die Möglichkeit, drahtlos zu suchen. Bei Google Inc. wurde zunehmend global gedacht. Folge dessen war, dass Google-Versionen in immer mehr Landessprachen angeboten wurden. Die vielen Charakteristika und Leistungen der Suchmaschine zogen immer mehr User auf die Google-Seiten. Im Juni 2000 wurde Google offiziell zur größten Suchmaschine des WWW, es hatte damals ein Verzeichnis von einer Milliarde Seiten.

Da die Ressourcen des Unternehmens sorgfältig verwaltet wurden, bestand kein Bedarf für den weiteren Bezug von Fremdkapital. Die Gründe für die finanzielle Beständigkeit waren die sich steigernden Nutzerzahlen, darunter viele Klienten, die die Google-Suchmaschine auf ihre Homepages integrierten und die Entwicklung eines Stichwort-basierten Anzeigenprogrammes. Dank wachsender Einnahmen durch Bannerverkäufe begann der Konzern, schwarze Zahlen zu schreiben.

Mitte 2000 verkündeten die Google-Chefs und die Vertreter des Hauptkonkurrenten Yahoo den Beginn einer strategischen Partnerschaft, die die Reputation von Google weiter stärkte – nicht nur in technologischer, sondern vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht, da jetzt täglich achtzehn Millionen Sucheinfragen eingingen. Der weltweite Siegeszug wurde fortgesetzt, als der chinesische Portal-Marktführer NetEase sowie der japanische Dienst Bigglobe Google ihren Seiten hinzufügten. Ende 2000 wurden durch Google bereits um die 100 Millionen Suchanfragen pro Tag bearbeitet. Der Ehrgeiz von Brin und Page, gemäß ihrer Firmenphilosophie, rund um die Uhr möglichst viele Menschen mit möglichst vielen Informationen zu versorgen, war ungebrochen. In einer Art Rückbesinnung auf die akademischen Wurzeln bot Google Studenten, Dozenten und Forschern weltweit kostenfrei spezielle Suchservices für Universitäten, Schulen und Forschungsinstituten an. Die verantwortlichen Marktforscher und Produktentwickler bei Google bemerkten bald, dass die User nicht immer vor ihrem Desktop saßen, wenn Fragen in ihren Köpfen auftauchten. Also intensivierte Google seine Aktivitäten insbesondere in Bezug auf drahtlose Suchoptionen. Bald konnte man dank diverser Partnerschaften mit Telekommunikationsunternehmen, darunter i-mode, Sprint, PCS, Cingular oder AT&T, auch Handy-Benutzern die Möglichkeit geben, zu „googlen“.

Durch die Übernahme von Deja.com im Jahr 2001 integrierte Google die über 500 Millionen Beiträge von Diskussionsforen und Message-Boards in Usenet-Archiven in seine Suchmaschine. Damals erfand man auch Google Zeitgeist, eine Art Seismographen, der kollektive Internetpräferenzen messen sollte. Google Zeitgeist fungiert seitdem als Schnappschuss, der ständig dokumentiert, welche Suchwörter und Trends im Internet besonders beliebt, bzw. aus dem kollektiven Gedächtnis ebenso schnell wieder verschwunden sind.

Um die wirtschaftliche Prosperität weiter voranzutreiben, wurde 2001 Dr. Eric Schmidt, der zuvor unternehmerische Erfahrungen bei Novell, Inc. und Sun Microsystems gesammelt hatte, als CEO eingestellt. Google reagierte auch auf die wachsende Bedeutung des Internets außerhalb der USA und Europa. Durch Kooperationen mit Lycos Korea und dem brasilianischen Provider Universo Online wurde Google Anfang des neuen Jahrtausends auch bald die führende Suchmaschine in Asien und Lateinamerika. Um das wachsende internationale Interesse für Werbemöglichkeiten auf den Google-Seiten zu befriedigen, wurden Büros in Tokyo und Hamburg eröffnet. Unterdessen wurde die Suchmaschine weiter punktuell verbessert. Die Entwicklung von File Type Search, Google Image Search, Google Catalog Search und später Google News ermöglichte es dem User, nun auch nach Dokumenten in besonderem Format, Bildern, Shoppingkatalogen und Nachrichtenmeldungen zu suchen. Insgesamt wurden die durch Google durchsuchbaren Seiten auf drei Milliarden erhöht. Einen weiteren Meilenstein in der Geschichte Googles stellte Google in a Box dar. Mittels einer plug-and-play-Funktion als Tool zur internen Recherche gelangte Google in die Intranets großer Firmen, in Universitäts-Netzwerke und auf eCommerce-Seiten. AdWords, Googles selbst zu bedienendes Anzeigensystem, wurde einer grundlegenden Erneuerung unterzogen. Insbesondere das dem System zu Grunde liegende CPC-Preismodell („cost-per-click“) machte die Suchmaschinenwerbung für große Firmen und Kleinbetriebe kostenprofitabel. Beliebt bei Werbekunden war auch bereits früh Googles stichwortbasierte Anzeigenauflistung, die unaufdringlich und effizient ist. Den Benutzern werden hierbei nur Informationen zu den Inhalten bzw. Produkten, nach denen sie eben gegooglet haben, angezeigt. Den Anzeigenkunden bringt sie genau die User, die aktuell in deren Umfeld suchen, also auch an deren Links interessiert sein könnten. Mitte 2002 wurde die Partnerschaft von Google und AOL weiter vertieft. AOL übernahm Googles Anzeigensystem und ließ seine 34 Millionen Benutzer von den Google-Suchergebnissen profitieren.

Googles basisdemokratische Führungsphilosophie und der akademische Hintergrund der Mitarbeiter spiegelte sich auch beim Start von Google Labs wieder. Hier wurden ständig die neuesten, sich noch in der Entwicklung befindenden Prototypen von Tools und Programmen aus dem Versuchslabor der Google-Ingenieure einer interessierten Öffentlichkeit zum Ausprobieren bereitgestellt. So etablierte sich ein ständiger Austausch zwischen Usern und Technikabteilung, die der Weiterentwicklung der Projekte diente. Später wurde dem Google-Universum Google Groups hinzugefügt. Die Universitäten Stanford, Michigan und Oxford sowie die New York Public Library erklärten sich hierbei bereit, ihren Bestand teilweise zu digitalisieren und den Google-Benutzern für die Recherche bereit zu stellen. Das Ziel, insbesondere klassische Literatur einer möglichst großen Masse an Menschen in elektronischer Form zugänglich zu machen, verfolgt auch Google Books. Später wurden zudem U.S.-Patente und –Regierungsdokumente abrufbar gemacht.

Um auf die Euphorie zu reagieren, die das neue Medium der Blogs entfacht hatte, akquirierte Google 2003 die Pionierfirma Pyra Labs, die mit „Blogger“ die bekannteste Plattform auf diesem Gebiet geschaffen hatte. Googles Webindex vergrößerte sich weiterhin wöchentlich. Anfang 2004 standen fünfeinhalb Milliarden Seiten zur Durchforstung bereit. Um weitere Ordnung in die Masse von Websites, Items und Bildern zu bringen, launchte man Google Local (später Google Maps), das den Usern den schnellsten Weg zu Anbietern in ihrer unmittelbaren Nähe aufzeigte. Selbst Erkundungstouren des Mondes und des Mars sind mittlerweile mit Google Maps möglich.

Im weiteren Verlauf von 2004 kündigte der Konzern an, einen kostenlosen Web-basierten Mail-Dienst auf den Markt bringen zu wollen. Gmail bot den Nutzern gratis fast drei Gigabyte an Speicherplatz für den Emailverkehr und integrierte das Anzeigensystem in die Mails, so konnten Werbebotschaften mit Emails gekoppelt werden. Nachdem die Programme Google Desktop Search, Google SMS sowie Google Earth, ein bahnbrechendes, auf Satellitenfotos basiertes Programm zur Erkundung des Erdballs das Google-Angebot ergänzt hatten, verdoppelten sich die Einnahmen des Unternehmens. Für das Geschäftsjahr 2004 verzeichnete Google Inc. knapp 800 Millionen Dollar an Einnahmen.

In Dublin wurde die neue Europazentrale, ein Paradebeispiel für die Globalisierung der Wirtschaft, eingerichtet. Hier kommunizieren 150 Mitarbeiter aus 35 Ländern in siebzehn Sprachen miteinander. Als Chef holte man Nikesh Arora ins Boot, der zuvor unter anderem bei T-Mobile aktiv gewesen ist. Eröffnungen von Büros in Sao Paolo und Mexiko-City folgten, mit dem Ziel das Engagement in Süd- und Mittelamerika zu forcieren. 2005 wurde Google China mit Kai Fu-Lee an der Spitze gegründet. Letzterer arbeitete zuvor in leitender Position bei Microsoft. Als Fu-Lee seinen Job in der Zentrale in Peking begann, wurden er und sein neuer Arbeitgeber vom Softwareriesen verklagt, angeblich weil Fu-Lee einen Vertrag unterzeichnet hatte, der es ihm untersagte, einen neuen Job bei einem Konkurrenten anzutreten. Microsoft war mit der Klage erfolgreich und erstritt eine einstweilige Verfügung, die regelte, dass Fu-Lee zunächst nicht für Google arbeiten durfte. Wenig später wurde das Urteil abgemildert. Doch wurde es dem neuen Präsidenten der China-Abteilung für ein Jahr untersagt, technische Projekte zu initiieren. Einen weiteren namhaften Zugang verzeichnete Google mit der Ernennung von Vint Cerf zum Vizepräsidenten und „Chef Internet Evangelisten“. Diese Rekrutierung mit symbolischem Wert wurde als Hommage an die Kinderjahre des Internets gewertet, in denen sich Cerf als einer der „Väter“ des World Wide Webs besonders hervorgetan hatte.

2005 wurde ein erneutes Abkommen mit AOL abgeschlossen. Der Vertrag weitete die Werbepartnerschaft aus, und Google investierte eine Milliarde Dollar in AOL. Ein ähnlicher Vertrag wurde auch mit dem Internetauktionshaus Ebay umgesetzt.

Die wohl bedeutendste Expansion Googles war jedoch der Kauf der Videoplattform YouTube. Der weltweit populäre Entertainmentdienst, der Bewegtbildkonsumenten vom Fernseher weg und ins Internet sog, wurde im Oktober für 1,65 Milliarden Dollar von Google Inc. erstanden. Der Deal machte die drei YouTube-Gründer, ehemalige Mitarbeiter von Paypal, Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim zu ebenso solchen Jungstars wie einst Brin und Page. Der Erwerb war aus Sicht von Google dadurch notwendig, da das eigene Videoportal Google Video mit circa sieben Prozent Markanteil kein Erfolg war.

Ein milliardenschweres Angebot von Microsoft, Yahoo zu übernehmen, sorgte bei Google Anfang 2008 für Unruhe. Google forderte, die Fusion müsse kartellrechtlich geprüft werden. Google und Microsoft beschäftigen in Washington Heere an Lobbyisten, die sich für die eigenen Belange einsetzen und die Aktivitäten der Konkurrenz unter die Lupe nehmen sollen. In seinem Blog bezeichnete David Drummond, „Chief Legal Officer“ von Google, die Offerte von Microsoft als feindliche Übernahme, die die Offenheit und die Freiheit des Internets bedrohe. Außerdem warnte er vor Microsoft. Der Konzern sei auf dem besten Weg, ein ähnliche Monopolstellung im Internet zu erreichen, wie er sie bereits in Bezug auf Computer-Betriebssysteme etabliert hätte. Insbesondere die Kombination der Instant Messaging-Software beider Firmen, Yahoo Messenger und MSN Messenger, würde in diesem Sektor zu einer marktbeherrschenden Stellung führen. Im Verlauf der Übernahmeverhandlungen wurde bekannt, dass Eric Schmidt den Yahoo-CEO Jerry Yang anrief und seine Hilfe anbot. Eine Kooperation mit Yahoo bei der Online-Werbung scheiterte jedoch im November 2008 aus kartellrechtlichen Bedenken.

Management



Larry Page Google-Mitgründer Larry Page kehrte im April 2011 wieder als CEO zurück und ersetzte damit Eric Schmidt an der Firmenspitze. Als Hintergrund für den Wechsel, der in der Branche für großen Wirbel sorgte, wurden Zwistigkeiten zwischen dem Triumvirat Schmidt, Page und Brin vermutet, besonders in Folge des unfreiwilligen Rückzugs aus China.

Sergey Brin Der Sohn russisch-jüdischer Emigranten ist der stillere der beiden Google-Gründer. Brin ist mit Anne Wojcicki verheiratet, die das Start-Up Unternehmen 23andMe ins Leben gerufen hat, in das auch Google investiert hat. Privatpersonen können via 23andMe ihre persönlichen Gen-Details entschlüsseln lassen, indem sie in einen Plastikbehälter spucken und ihren Speichel für 400 US-Dollar genetisch analysieren lassen. Die Ergebnisse, etwa die Anfälligkeit für eine bestimmte Krankheit, können anschließend auf einer Art Social Networking-Seite mit anderen Leuten geteilt und verglichen werden. Sowohl Brin als auch Page haben sich in Folge eines im April 2012 verkündeten Aktien-Splits mit der Mehrheit der stimmberechtigten Aktien auf langfristige Sicht ihre Entscheidungsmacht gesichert.

Eric Schmidt Von 2001 bis 2011 war Eric E. Schmidt CEO von Google. Zusammen mit den Gründern Sergey Brin und Larry Page war er für das Tagesgeschäft des Konzerns zuständig. Schmidt, zuvor beim Hardwareanbieter Sun Microsystems und dem Softwarehersteller Novell tätig, gilt als der Mann, der Ordnung in die anarchischen Strukturen des Unternehmens gebracht hat. Die FAZ nannte ihn in einem Artikel den „Schluß jetzt-Sager bei Google“. Der Spitzname stammt aus dem Jahr 2005. Brin und Page kauften eine Boeing 767 und funktionierten diese zum Firmenjet um, in der jeder der drei Google-Manager ein eigenes Zimmer erhielt. Als Brin darauf bestand, ein „King Size“-Bett in seinen Raum einzubauen, kam es zum Streit mit seinem Kollegen Page. Erst die Intervention von Schmidt („Jeder kann in seinem Zimmer das Bett haben, das er möchte.“) beendete die Diskussion. Schmidt pflegt zudem ein sehr gutes Verhältnis zur Obama-Administration. Er und weitere hochrangige Google-Manager spendeten für Obamas erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampf mehr als 800,000 US-Dollar. Von den Mitarbeitern großer Firmen spendeten nur die Angestellten der Bank Goldman Sachs sowie Googles Konkurrent Microsoft mehr Geld.

Geschäftsbereiche



Kernkompetenz und wichtigstes Produkt von Google Inc. ist die Suchmaschine Google, um die sich diverse weitere Geschäftsfelder ranken. Zu diesen gehören unter anderem

AdWords Anzeigenprogramm für Werbung, die an Google-Suchanfragen gekoppelt wird. Googles Haupteinnahmequelle. Oberste Priorität hierbei hat die strikte und sichtbare Trennung von Suchergebnissen und Anzeigen. Pro Klick verdienen sowohl der Inserent also auch Google anteilig am Werbebanner. Kein Unternehmen kann hohe Platzierungen bei Suchanfragen kaufen. Die Platzierungen der Suchergebnisse, laut Google, basieren allein auf Linkpopularität. Für besondere Suchbegriffe versteigert Google das Einblenden gesponserter Links. Auf diese Weise wird Werbung angezeigt, die inhaltlich zur Suchanfrage passt und somit den Werbenden mit der Benutzerklientel zusammenbringt, die mit höherer Wahrscheinlichkeit an seinen Produkten interessiert ist.

AdSense Anzeigenprogramm für Websiteinhaber. Es ermöglicht Betreibern von Homepages, kontextabhängige Werbung auf ihre Homepage zu stellen. Die Zahl der Klicks bestimmt dann den Preis, den der Werbende zu bezahlen hat. Das Programm wird mittlerweil von über zwei Millionen Kunden genutzt.

Google Analytics Statistisches Instrument, das kombiniert mit AdWords, zur Messung der Häufigkeit von Suchanfragen dient.

DoubleClick Mit der Übernahme des Online-Werbe-Marktführers DoubleClick im April 2007 für 3,1 Mrd US-Dollar, tätigte Google den größten Kauf seiner Geschichte. Erst knapp ein Jahr später erklärten die US-amerikanische Regulierungsbehörde FTC und das EU-Kartellamt die Akquirierung für rechtens. DoubleClick platziert auf Webseiten Anzeigen und ermöglicht User-passgenaue Werbung. Das DoubleClick von Geschäftsmodell besteht darin, Lösungen für RichMedia-, Banner- und Suchmaschinenwerbung bereitzustellen. In der Vergangenheit wurde DoubleClick kritisiert, da das Unternehmen Userdaten wie Adressen, Namen und Einkaufsgewohnheiten speichert. Google ist seit dieser Übernahme der weltweit führende Vertreiber von graphischer Internetwerbung.

Google Earth Auf Satellitenfotos basiertes Programm zur Erkundung der Erde. Mit den Add-Ons Google Ocean und Google Mars kann man seit 2009 auch die Tiefen der Weltmeere sowie die Oberfläche des roten Planeten erkunden.

Google Maps Weltweiter Kartographie-Service. Teil von Google Maps ist Google Street View, das die dreidimensionale Darstellung von häufig frequentierten Straßenzügen ermöglicht. Mit Kameras ausgestatte Minivans fahren dazu im Auftrag von Google durch die betreffenden Straßen und schießen von diesen Fotos. Ein im April 2012 erschienener Report der amerikanischen Regulierungsbehörde FCC fand heraus, dass die Google-Fahrzeuge außerdem sämtliche persönlichen Daten und Verbindungen von Laptop-Benutzern in ihrer Nähe systematisch sammelten.

Gmail/Google Mail Googles Webmail-Dienst Gmail (in Deutschland: Google Mail) hat eine gigantische kostenfreie Speicherkapazität von bis zu 7,3 Gigabyte. Das bedeutet, dass User ihre Emails nicht löschen müssen, um Platz für neue zu schaffen. Diese Emails sind Google-intern abrufbar und selbst gelöschte Emails bleiben für unbestimmte Zeit auf den Google-Servern gespeichert. Problematisch ist dies, da der Inhalt der Emails auf bestimmte Stichwörter gescannt und mit entsprechenden Werbeanzeigen versehen werden kann. Werbung in Mails belästigte dann nicht nur User von Gmail, sondern auch Nutzer anderer Email-Dienste, die Emails an Gmail-User schickten, die die Nutzungsbedingungen für Gmail nie gelesen, bzw. akzeptiert hätten. Auch bestünde die Möglichkeit, mit den persönlichen Informationen, die Google anhand von Email-Scans sammelt, ganze Datenbanken von Email-Adressen zu erstellen, die an bestimmte Stichwörter gekoppelt wären. Datenschützer befürchten, dass solche Datenbanken für Werbung missbraucht oder zwecks Strafverfolgung an Regierungsbehörden weitergegeben werden könnten. Im April 2004 starteten 31 Datenschutz- und Bürgerrechtsorganisationen in den USA einen Appell an Google, Gmail zu modifizieren und die Privatsphäre ihrer Kunden mehr zu respektieren.

Google News Mehrsprachiger, automatischer Aggregator für Nachrichten sowie Suchmaschine für Nachrichten. Die von Medienmanagern und Verlagshäusern ständig geäußerte Kritik an Google News, der Nachrichtendienst würde das Überleben der Zeitung auf eine harte Probe stellen, konterte CEO Eric Schmidt in einem im Oktober 2009 erschienenen Interview. Darin präsentierte er sich als Zeitungsfreund und betonte, Google habe eine moralische Verantwortung für das Fortbestehen von gedrucktem und online veröffentlichten, professionalisierten Journalismus. Mit Betonung auf die inzwischen zahlreichen Abkommen zwischen Google und US-Zeitungshäusern sagte Schmidt, sein Konzern könne Zeitungen helfen, im digitalen Zeitalter relevant zu bleiben und sei alles andere als ein Feind der Zeitungsindustrie. Ein erstes Beispiel für eine eventuell erfolgreiche Kooperation zwischen Presse und Google ist Google Fast Flip, ein Tool, das es interessierten Lesern ermöglicht, sich in Sekundenschnelle durch den US-Blätterwald zu klicken.

Google News in regelmäßigen Abständen für das US-Zeitungssterben verantwortlich gemacht. News Corp.-Chef Rupert Murdoch bezeichnete Google etwa als "Content-Kleptomanen", der auf Kosten der Online-Angebote der News Corp.-Zeitungen Profite einstreiche. Eric Schmidt sah sich daraufhin gezwungen, zu Murdochs Plänen und anderen Angriffen aus dem Mediensektor Stellung zu nehmen. In seiner Kolumne im Wall Street Journal wies er unter anderem darauf hin, dass Google News den Onlineauftritten von US-Zeitungen jeden Monat eine Milliarde Klicks sowie drei Milliarden zusätzliche Besuche über die Google-Suchmaschine beschere. Außerdem stellte er erneut klar, dass die meisten Meldungen und Artikel auf Google News nur in einem Vorschau-Modus zu sehen seien und die Internetnutzer zum Lesen des gesamten Artikels auf die jeweilige Homepage gehen müssten. Zudem betonte er, jedes Medienhaus könne seine Internetseiten ohne Aufwand aus der Google-Suche entfernen. Bislang haben von dieser Maßnahme nur wenige Verlage Gebrauch gemacht.

In dem im Herbst 2009 erschienenen Buch über Google (siehe weiterführende Literatur), behauptet Autor Ken Auletta, Schmidt und die Gründer Page und Brin hätten ernsthaft darüber nachgedacht, in den Mediensektor einzusteigen. So soll im obersten Management lange darüber nachgedacht worden sein, die defizitäre New York Times zu kaufen. Letztendlich überwogen jedoch die Bedenken, das ein Engagement bei der New Yorker Zeitung die Identität von Google als neutrale Suchmaschine zerstören würde.

Google Health Neue Technologie für persönliche Krankendaten. Ziel ist es, dass der Patient seine Gesundheitsdaten problemlos jeder Zeit abrufen kann und an andere Krankenhäuser weiterleiten kann. Auf diese Weise können Patientendaten leichter zwischen verschiedenen Krankenhäusern kommuniziert werden.

Google Chrome Google startete September 2008 mit der Veröffentlichung der Browser-Software Google Chrome einen Angriff auf Marktführer Microsoft (Internet Explorer). Die Beta-Testversion wurde in 100 Ländern zum kostenlosen Download angeboten, begleitet von einem Comic des Autors Scott McCloud, der die Funktionen des neuen Browsers erläuterte.

Google Android Zusammen mit der Open Handset Alliance, einem Konglomerat von mehr als 34 Mobiltelefonherstellern und Mobilfunkanbietern (unter anderem HTC, Motorola und T-Mobile) entwickelte Google das Handy-Betriebssystem Android. Mittels eines sogenannten „software development kit“ kann jeder Hobby-Programmierer Anwendungen für Android-Handys entwerfen. Heute ist Android Marktführer auf dem Markt für mobile Betriebssysteme.

Picasa Tool zur Archivierung und Editierung von Fotos. In Kombination mit Picasa Web Albums können die Fotoalben verschickt und in Blogs im Internet veröffentlicht werden.

Orkut Social Community, die fast ausschließlich in Brasilien genutzt wird.

YouTube 2006 für 1,65 Milliarden US-Dollar erworbene Videoplattform. Die Gründer Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim, die zuvor am Aufbau des Intenet-Bezahlservice PayPal mitgewirkt hatten, kamen auf die Idee für YouTube, als sie im Jahr 2004 feststellten, wie schwierig es war, sich online gegenseitig kleinere Filme zu senden. Nach der Unternehmensgründung im Februar 2005 und der Start-Up-Finanzspritze der Investoren von Sequoia Capital, die auch bereits Page und Brin früh unterstützt hatten, wurde YouTube im Dezember 2005 offiziell gestartet. Aufgrund von exklusiven Partnerschaften von Inhalteproduzenten wie etwa dem Nachrichtenkanal Al Jazeera Englisch, der US-Basketball-Liga NBA oder dem Filmstudio Lions Gate hat sich YouTube in den letzten Jahren in eine Art globaler Fernsehsender verwandelt, dessen Popularität im Zuge der Verbreitung von internetfähigen Fernsehgeräten ansteigen wird.

Google+ 2011 gestartetes soziales Netzwerk, mit dem Google Konkurrent Facebook Marktanteile streitig machen will. Ende 2011 meldeten sich pro Tag weltweit mehr als 600.000 User bei Google+ an; Ende 2012 könnten bereits mehr 400 Millionen Mitglieder angemeldet sein. Frommer's 2012 übernommener Reiseführer-Anbieter.

Zagat Restaurantführer, 1979 vom Ehepaar Tim und Nina Zagat gegründet und 2011 für 151 Millionen US-Dollar übernommen. Zagat lässt Kunden Restaurants, Hotels sowie andere öffentliche Einrichtungen bewerten. Erhältlich online, als Apps und in Buchform.

Engagement in Deutschland



Deutschland In Deutschland ist Google seit 2001 mit einem Standort in Hamburg vertreten. Derzeit existieren auch Büros in Düsseldorf, Frankfurt am Main und Berlin. Deutschland-Chef von Google ist Country Sales Director Stefan Tweraser. Europäische Forschungs- und Entwicklungszentren unterhält das Unternehmen in München, Aarhus (Dänemark), Dublin (Irland), Krakau (Polen), London (Großbritannien), Lulea (Schweden), Moskau und St. Petersburg (Russland), Trondheim (Norwegen) und Zürich (Schweiz). In München-Marienhof eröffnete Google im Herbst 2007 ein Forschungs- und Entwicklungszentrum. Hier will Google die Bedürfnisse deutscher User analysieren, um sie für Produktentwicklungen zu nutzen. 2011 wurde in Kooperation mit der Humboldt-Universität das Berliner Forschungsinstitut für Internet und Gesellschaft ins Leben gerufen. Deutsche Chef-Lobbyistin für Google ist seit 2008 Annette Kroeber-Riel. Als "European Policy Counsel" verteidigt sie das Unternehmen in Politik, Branchenverbänden und gegenüber Verbraucherschützern.

Die Digitalisierung von Büchern, die Google so online zugänglich machen will, stoßen bei vielen deutschen Verlagen auf Unmut. Anfang 2007 verkündete die Bayerische Staatsbibliothek überraschend, sich dem Google Buch-Projekt anzuschließen. Andere Bibliotheken halten sich in Bezug auf eine Kooperation aber bedeckt. Beschränkt wurde die Zusammenarbeit von Google und der bayrischen Staatsbibliothek allerdings auf rund eine Million Werke der Bibliothek, deren Urheberrechtsschutz abgelaufen ist. Diese Werke werden nun kostenfrei von dem US-Privatkonzern digitalisiert und in die Google Buch-Suche integriert.

Gegenüber der Musikverwertungsgesellschaft GEMA musste Google im April 2012 eine Niederlage hinnehmen. In Folge eines jahrelangen Rechtsstreites entschied das Hamburger Landesgericht, dass YouTube künftig eine sog. "Störerhaftung" wahrnehmen müsse, die es dazu verpflichtet, sämtliche Userbeiträge auf Urheberrechstverletzungen zu überprüfen. Ziel der GEMA ist es, dass YouTube für jeden Klick eines Videos in dem GEMA-geschützte Musik enthalten ist eine festgelegte Gebühr entrichten soll.



Kritik



Die Kritik an den Geschäftspraktiken Googles hat das Unternehmen seit seiner Gründung begleitet. Google, so die Kritiker, sei ein so bedeutendes und einflussreiches Unternehmen, dass es verstaatlicht oder gemeinnützig betrieben werden müsste. Die Kritiker an Google konzentrieren sich u. a. auf folgende Punkte:

1. Verletzung der Privatsphäre durch Datenspeicherung (via Cookies, Gmail) 2. Urheberrechtsverletzung (Textdateien, YouTube) 3. Digitalisierung von Printbeständen (teils Urheberrechtsverletzungen, teils durch Kooperationen) 4. Angeblicher Kooperationen mit US-Behörden: NSA, CIA 5. Aktivitäten in China

1. Verletzung der Privatsphäre

Eines der berühmtesten, aus dem Kontext gerissenen Zitate von Google-Chef Eric Schmidt lautet: „We are moving to a Google that knows more about you”. Schmidt wollte damit eigentlich die Benutzerfreundlichkeit der Google-Seiten hervorheben. Jeder Google-Benutzer erhält beim Besuch der Suchmaschine einen so genannten „Cookie“, der auf der Festplatte des Rechners abgespeichert wird. Ein Cookie ist ein kurzer Eintrag in einer meist kleinen Datenbank, bzw. in einem speziellen Dateiverzeichnis auf einem Computer und dient dem Austausch von Informationen zwischen Computerprogrammen oder der zeitlich beschränkten Archivierung von Informationen. Durch den Cookie erhält jeder Google-User eine individuelle ID-Nummer. Kritiker behaupten, die ID-Nummer würde von Google dazu missbraucht, jegliche Suchanfragen eines Benutzers abzuspeichern. Mit diesen Informationen könne Google dann ein individuelles Profil hinsichtlich der Präferenzen eines Benutzers erstellen und dieses an Werbefirmen oder Regierungsstellen weiterleiten. Experten weisen darauf hin, dass der Google-Cookie erst im Jahr 2038 abläuft.


2. Urheberrechtsverletzung (Textdateien, YouTube)

Googles Unternehmensmission, gratis möglichst viel Wissen (also Bücher, Nachrichten, Filme und Fernsehprogramme) zugänglich zu machen wird zunehmend aufgrund angeblicher Urheberrechtsverletzungen kritisiert. Im März 2007 verklagte das Kabelnetzwerk Viacom das Google-Video-Portal YouTube auf eine Milliarde Dollar Schadensersatz aufgrund der Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Inhalte. Das zuständige Gericht entschied Anfang Juli 2008, die YouTube-Daten sollen an Viacom weitergegeben werden, so dass der Konzern nachvollziehen könne, welcher YouTube-Nutzer, welche Ausschnitte von Viacom-eigenen TV-Sendungen und welche MTV-Videos eingestellt hat. Google will jedoch die Nutzerdaten bloß anonymisiert weiterleiten. Die Viacom-Kritik an Google lautet, dass YouTube auf dem Rücken von Fremdlieferanten Erfolge feiere.

3. Digitalisierung von Printbeständen: Google Buch-Projekt

Die Kritik an am Digitalisierungsvorhaben kommt aus verschiedenen Richtungen: Buchverlage bemängeln es, dass Google Teile urheberrechtlich geschützten Materials digitalisiert. Zwar würden bei Werken mit Copyright nur Buchtitel, Autorenname sowie kurze Textpassagen angezeigt. Wer aber nicht wolle, dass sein Werk in Google Booksearch integriert werde, müsse Google darüber in Eigeninitiative informieren, gemäß der juristischen „Beweislastumkehr“. Schweigen werte Google also als Zustimmung. Desweiteren mangle es dem Digitalisierungsprojekt an Transparenz. Kritisiert wird, dass die am Projekt beteiligten Bibliotheken nicht direkt am Prozess des Einscannens beteiligt sind. Eine andere Form der Kritik erfolgt aus kultur-soziologischer Perspektive. Das Digitalisierungsprojekt fördere eine kulturelle Homogenität, so die These. An vorderster Front dieser Gegenbewegung steht Jean-Noël Jeanneney, Direktor der französischen Staatsbibliothek. Er behauptet, Google Booksearch befördere eine angelsächsisch dominierte Wissenschaftskultur, einen „Sprach-Imperialismus“, der andere Sprachen, etwa Deutsch, Französisch oder Russisch abwerte. Für ein Ende an der Kritik an Googles Digitalisierungsstrategie konnte auch nicht eine 2008 mit Verlagen und Autoren beschlossene kontroverse Vereinbarung sorgen.

4. Kooperationen mit US-Behörden: NSA, CIA

Ende 2006 berichtete der ehemalige CIA-Mitarbeiter Robert Steele in einer amerikanischen Radiosendung, der Google-Konzern sei „im Bett mit der CIA“. Allerdings beließ er es bei diesem wagen Statement und konkretisierte die Vorwürfe nicht. Es gibt bis heute keine Beweise für eine Zusammenarbeit von Google und US-Geheimdiensten. Unbestritten ist jedoch, dass Geheimdienste versuchten, Kontakte mit Google herzustellen. Das dementierte auch Google-Mitbegründer Sergey Brin in einem Gespräch mit Spiegel Online im Jahr 2005 nicht. Google habe sich aber gegen solche Avancen gewehrt. Nichtsdestotrotz kaufte der Konzern 2004 das Unternehmen Keyhole, Inc., eine Softwarefirma, die man für die Realisierung von Google Earth und Google Maps benötigte. Keyhole Inc. wurde von In-Q-Tel mit Kapital ausgestattet, einer Venture-Capital-Firma des CIA, die in Softwareunternehmen investiert, um den Geheimdienst mit den neuesten technischen Errungenschaften aufzurüsten.

5. Aktivitäten in China

Wie bei allen Suchmaschinen-Anbietern stellte sich auch bei Google lange Zeit die Zensurfrage. Google verwies in der Vergangenheit immer wieder darauf, die Rechtssprechungen der einzelnen Länder zu respektieren und nur Suchergebnisse aufzulisten, die nicht auf illegalen Inhalt hinweisen. Im Fall des chinesischen Ablegers google.cn ging Googles Seitensperrung lange Zeit über die bloße Befolgung von Gesetzen hinaus. So sollen Suchanfragen nach „Platz des himmlischen Friedens“ manipuliert worden sein, um den Aufruf bestimmter regierungskritischer Seiten zu verhindern. Google war ein wichtiger Partner des „Golden Shield Projects“ der chinesischen Regierung, das sich die umfassende Internetzensur zum Ziel gesetzt hat. Im Februar 2006 machte Google Zugeständnisse an die Regierung, um im Gegenzug die Genehmigung zu erhalten, technisches Equipment auf chinesischem Boden zu installieren.

Als Mitte Dezember 2009 Unbekannte den Email-Verkehr von chinesischen Menschenrechtlern, die Gmail benutzen, mittels eines Hacker-Angriffes ausspionierten, verkündete der Konzern überraschend, sein gesamtes Engagement in China zu überdenken. Chefjurist David Drummond stellte in diesem Zusammenhang klar, dass Google keine weiteren Zensurauflagen der chinesischen Regierung mehr akzeptieren werde. Im März 2010 schließlich entschloss sich das Google-Management den chinesischen, zensierten Ableger google.cn einzustellen und die Google-Nutzer stattdessen auf den unzensierten Ableger google.com.hk aus Hongkong weiterzuleiten. Damit ging Google auf Konfrontation mit der chinesischen Regierung, die sich empört über die Maßnahme zeigte.

Aktuelle Entwicklungen



Trotz entgegenlautender Beteuerungen hat Google seine Transformation von einem Such- zu einem onlinebasierten Medienkonzern längst abgeschlossen. Der Algorithmus der Google-Suche wurde mittlerweile so angepasst, dass er Benutzer auf qualitativ hochwertigen medialen Content leitet anstatt auf Content-Farmen. YouTube, das einst auschließlich Amateurfilmchen beherbergte ist zu einem globalen Quasi-Kabelkanal geworden, der seine professionell hergestellten Inhalte Dritter nach Themen sortiert anbietet. Exklusive Sport-Clips, hochwertige Nachrichtenangebote und komplette Filme sind längst gratis oder gegen Bezahlung bei YouTube erhältlich. Damit bewegt sich Google auf dem klassischen Betätigungsfeld traditioneller Medienkonzerne: Bereitstellung von Inhalten für Benutzer, die durch Verkauf von Werbung monetarisiert wird.

Hunderte Millionen US-Dollar wird YouTube in den kommenden Jahren in die Entwicklung eigener Inhalte investieren. Dazu wurden diverse Künstler, Drehbuchautoren und Produzenten wie etwa der ehemalige VH1-Chef Michael Hirschhorn oder NBC-Programmchef Ben Silverman engagiert. Mit dem Online-Videospielmagazin Machinima befindet man sich in Gesprächen zwecks einer möglichen Übernahme. In den nächsten Jahren sollen mindestens einhundert neue "Premium"-Kanäle entstehen, die dem traditionellen Fernsehen Konkurrenz machen.

Mit der Europäischen Kommission scheint das Unternehmen in dem seit 2010 bestehenden Konflikt um die Anordnung der Suchergebnisse kurz vor einer Einigung zu stehen. Der amerikanischen Unterhaltungsindustrie kam das Unternehmen im Sommer 2012 entgegen: künftig werden Webseiten mit urheberrechtsverletzenden Inhalt bei den Suchergebnissen weiter hinten platziert.

Weiterführende Literatur



  • Auletta, Ken 2009: Googled: The End of the World as We Know It. London: Penguin Press.
  • Girard, Bernard 2009: The Google Way: How One Company Is Revolutionizing Management As We Know it. San Francisco: No Starch Press.
  • Jarvis, Jeff 2009: What Would Google Do?. New York: HarperBusiness.
  • Vaidhyanathan, Siva 2011: The Googlization of Everything (And Why We Should Worry). Princeton: University of California Press.
  • Vise, David A. 2008: The Google Story: Inside the Hottest Business, Media and Technology Success of Our Time. Surrey: Delta Publishing.
  • Links

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