Von Mossul nach Bad Mergentheim

Wie Flüchtlinge im Lokalteil ankommen
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Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in einem Flüchtlingslager. (© picture-alliance, NurPhoto)


Rund eine Million Menschen sind 2015 nach Deutschland geflohen. Hunderttausende von ihnen wurden als Flüchtlinge anerkannt. Erst ging es um Essen und Kleidung, jetzt geht es um das tatsächliche Ankommen in der Gesellschaft. Die Lokalzeitungen sind in dieser kritischen Annäherung in besonderem Maße gefordert.

Die schwierige Aufgabe der Integration stellt die Gesellschaft und damit auch die Medien vor ein Spannungsfeld von Fragen:
Wie verändern sich die Zuwanderer durch Deutschland? Wie verändert sich das Land durch die Menschen aus Syrien, Eritrea, dem Iran und dem Sudan? Wie kann mit den verschiedenen Sprachen, Kulturen und Geschichten ein gesellschaftliches Wir entstehen und wo werden aus falsch verstandener Toleranz westliche Werte verwässert?

"Jede Migration schafft Konflikte", schrieb Hans Magnus Enzensberger 1992 in seinem Essay "Die große Wanderung", "Gruppenegoismus und Fremdenhass sind anthropologische Konstanten". Das Konfliktpotenzial ist im Lokalen greifbar, es muss analysiert, dargelegt und auf breiter Basis diskutiert werden.

Die Redaktionskonferenz holt Wissenschaftler, Journalisten, Politiker, Geflüchtete und Ehrenamtliche aufs Podium, um auszuloten, wie es im Mai 2018 um das neue Wir bestellt ist, wo es gelingt und wo es scheitert. Denn Konflikte entstehen, wenn geduldete Afghanen keinen Zugang zum Ausbildungsmarkt bekommen und jahrelang für 120 Euro im Monat in Gemeinschaftsunterkünften sitzen. Wenn Grundschulklassen zu 80 Prozent aus Kindern mit Migrationshintergrund bestehen. Wenn Ausländerbehörden ihren Ermessensspielraum nicht nutzen, um eine Familie zusammenzuführen. Wenn eine Kleinstadt mit billigem Wohnraum in einem Jahr 1000 neue Einwohner mit syrischen Wurzeln bekommt. Wenn sich deutsche Frauen vor Belästigung und Übergriffen fürchten.

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck sagte einmal: "Wir brauchen mehr Begegnungen in den Debattenbereichen, an diesen Reibungsflächen zwischen den alten und den neuen Deutschen." Der Lokalteil ist genau der richtige Ort, um diese Reibungsflächen darzustellen.
Im Seminar erarbeiten wir dafür das nötige Rüstzeug – vom Leitfaden durch den Bürokratiedschungel der Asylpolitik, über Konzepte für die Berichterstattung zur Diskussion über die Haltung jedes einzelnen Journalisten in Zeiten gesellschaftlicher Herausforderungen.

Nach dem Seminar haben die Teilnehmenden einen trennscharfen Blick auf die aktuellen Probleme und Herausforderungen der Asylpolitik in Deutschland, fertige Konzepte für Geschichten und Serien und ein Wörterbuch zur Unterscheidung der wichtigsten Begriffe in der Tasche und können damit das Thema Asyl und Integration im Redaktionsalltag neu angehen, lesernah, spannend und multimedial aufbereiten.

Christina Knorz
Berthold L. Flöper

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02.05.2018 bis 04.05.2018

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82327 Tutzing
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Fax +49 (0)8158 256-51
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