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15.3.2005

Aussiedler

Russisch ist zu einer der am meisten gesprochenen Fremdsprachen in Deutschland geworden. Dies liegt größtenteils an der Zuwanderung von Aussiedlern in den letzten 15-20 Jahren. Aber: Was genau sind eigentlich "Aussiedler"? Wieviele kommen nach Deutschland und warum? Und was ist der Unterschied zwischen "Aussiedlern", "Russlanddeutschen" und Spätaussiedlern"? Der Text gibt dazu erste Informationen.

Familie Jututsda aus Kasachstan vor dem Aussiedlerheim in Nohra (Thüringen), 1993. (© Bundesregierung, B 145 Bild-00019100, Julia Fassbender)

Seit 1950 sind über fünf Millionen Aussiedlerinnen und Aussiedler einschließlich ihrer Familienangehörigen in die Bundesrepublik eingewandert. Neben Zuwanderern aus den früheren Anwerbestaaten (insbesondere der Türkei) bilden sie die größte Gruppe innerhalb der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Das ist weniger auf die aktuelle Zuwanderung von Spätaussiedlern zurückzuführen, als vielmehr auf die hohen Zuzugszahlen während der 1990er-Jahre. 1991 bis 1995 lagen diese jeweils bei über 200.000 Zuzügen pro Jahr. Inzwischen kommen jährlich nur noch wenige tausend Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler nach Deutschland.

Die Spätaussiedlermigration wurzelt in der Geschichte der jungen Bundesrepublik. Noch 1950 - nach dem Ende der Flucht- und Vertreibungsmigration als Folge des Zweiten Weltkriegs - lebten rund vier Millionen Deutsche außerhalb der alten Reichsgrenzen von 1937 im Osten Europas, viele von ihnen in der Sowjetunion, Rumänien, Polen und der Tschechoslowakei. Das Grundgesetz der Bundesrepublik bezeichnet diese Menschen und ihre Nachkommen als "deutsche Volkszugehörige". Unter bestimmten Voraussetzungen sind sie berechtigt, als Aussiedler (seit einer Gesetzesänderung 1993 "Spätaussiedler") nach Deutschland einzureisen. Sie erhalten die deutsche Staatsbürgerschaft und können verschiedene Integrationshilfen in Anspruch zu nehmen.

Für viele Aussiedlerinnen und Aussiedler ergeben sich ganz ähnliche Sprach- und Integrationsprobleme wie für ausländische Zuwanderer. Bis in die 1990er-Jahre hatten die meisten Aussiedlerinnen und Aussiedler bei ihrer Einreise relativ gute Deutschkenntnisse und konnten großzügige staatliche Eingliederungshilfen wahrnehmen. Doch viele der jüngeren Einwanderer haben nur wenig Bindung zur deutschen Sprache und Kultur. Sie sind mit vielfältigen Integrationsproblemen und mangelnder Akzeptanz in der deutschen Gesellschaft konfrontiert. Dies trifft insbesondere auf die bei weitem größte Gruppe zu: Die Spätaussiedler aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, die im allgemeinen Sprachgebrauch auch oft "Russlanddeutsche" genannt werden.

Welche Integrationsprobleme sind dies im Einzelnen? Wie gestaltet sich überhaupt die Integration von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern in der Bundesrepublik? Was für eine Aussiedlerpolitik vertritt die Bundesregierung? Um die gegenwärtige Situation von Aussiedlern und Aussiedlerinnen zu verstehen, muss man ihre Geschichte kennen. Seit wann gibt es die Spätaussiedlermigration in Deutschland? Wie ist sie entstanden? Wie passt die Geschichte der Deutschen in den Hauptherkunftsländern Polen und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion dazu? Die Hintergründe und Statistiken, aussiedlerpolitischen Entscheidungen und rechtlichen Grundlagen werden in den folgenden Beiträgen näher betrachtet.

Jan Schneider

Zur Person

Jan Schneider

Dr. Jan Schneider leitet den Forschungsbereich beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Er ist Research Fellow am Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) und Redaktionsmitglied des Newsletters "Migration und Bevölkerung".


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