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1.6.2009

Ökonomische Wanderungsfaktoren

Sehr oft haben Migrationsentscheidungen auch wirtschaftliche Gründe. Aber es ist schwierig, ökonomische von nicht-ökonomischen Wanderungsfaktoren zu unterscheiden. Oft wirken sie zusammen. Einerseits spricht man von "Wirtschaftsflüchtlingen", andererseits von der Anwerbung von Arbeitsmigranten.

Demokratische Republik Kongo: Binnenflüchtlinge (© EC/ECHO/François Goemans)

Ökonomische Faktoren sind zweifellos die wichtigste Wanderungsursache; demographische, ökologische, ethnisch-kulturelle und politische Wanderungsmotive werden häufig erst im Zusammenspiel mit wirtschaftlichen Motiven wirksam. Selbst Flüchtlinge können wirtschaftliche Gründe für ihre Flucht haben, wenn nämlich die Machthaber aus politischen Gründen ihre wirtschaftlichen Lebensgrundlagen zerstört haben.

Die Schwierigkeit, ökonomische von nicht-ökonomischen Wanderungsfaktoren zu unterscheiden, zeigt sich nicht zuletzt in der Debatte um "Wirtschaftsflüchtlinge", das heißt, um Flüchtlinge, denen unterstellt wird, politische Gründe für wirtschaftlich motivierte Wanderungen vorzugeben.

Nicht zuletzt wegen dieser Verflechtung mit anderen Wanderungsformen lässt sich der Einfluss von wirtschaftlichen Faktoren auf Wanderungsentscheidungen oft nur schwer bestimmen. So fällt auch die Prognose schwer, welche Einkommens- und Kaufkraftunterschiede zwischen Ländern oder Regionen Wanderungen hervorrufen.

Ähnlich schwierig sind aus der Perspektive der Aufnahmeländer Prognosen des Arbeitskräftebedarfs. Hier sind sowohl kurzfristige konjunkturelle Entwicklungen, mittelfristige Änderungen der Produktionsorganisation und Wirtschaftsstruktur als auch langfristige strukturelle Gegebenheiten der Volkswirtschaften wirksam.

In einigen Industrieländern, die qualifizierte Arbeitskräfte anwerben wollen, wird unter anderem wegen dieser Prognoseschwierigkeiten überlegt, ob die Aufnahmeverfahren nicht eher an den individuellen Qualifikationen der Arbeitsmigranten als an momentan freien Stellen in einem bestimmten Wirtschaftsbereich ansetzen müssten. Mit entsprechenden Verfahren, beispielsweise Punktesystemen, könnten Zuwanderer angeworben werden, bei denen es auf Grund ihrer persönlichen Eigenschaften zu erwarten wäre, dass sie auch mit strukturellen Veränderungen der Arbeitsmärkte zurecht kämen.

Dr. Steffen Angenendt

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