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Diasporagruppen in Deutschland: Leben im Spannungsfeld von Aufnahme- und Herkunftsland

Der Diaspora-Begriff hat einen Bedeutungswandel erlebt. Bezog er sich ursprünglich vor allem auf Menschen jüdischen Glaubens, so wird er heute für eine Vielzahl von Migrantengruppen verwendet. Der Beitrag skizziert die Begriffsgeschichte und stellt exemplarisch vier Diaspora-Gruppen vor, die (auch) in Deutschland zu finden sind.

Der Syrer Ibrahim Ghazal aus Damaskus schnitzt am 19.07.2017 in Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt) am Pavillon der Fachhochschule Salzburg eine Steele mit Gesichtern. Die Gesichtsausdrücke sind die flüchtender Menschen, die er auf seinem Weg nach Europa getroffen hatte. (© picture-alliance/dpa, Zentralbild)

Im aktuellen Diskurs fällt der Begriff "Diaspora" durch seine vielfache Verwendung für sehr verschiedenartige Minderheitengruppen und damit vor allem durch seine Unschärfe auf. Bis in die 1960er Jahre hin beschreibt das aus dem Griechischen stammende Wort (διασπορά, in etwa: Verstreutheit) ausschließlich die leidvollen Vertreibungen und die weltweite, unfreiwillige Neuansiedlung von Menschen jüdischen Glaubens.[1] Eine Diaspora zeichnet sich in diesem Verständnis durch die Zugehörigkeit zu einer imaginierten Gemeinschaft [2] und damit Nation aus, die sich auf eine verlorene Heimat bezieht. Aus dieser Zugehörigkeit folgen der bleibende Wunsch nach einer Rückkehr und die politische Einflussnahme auf das Heimatland. Dabei kann die Zugehörigkeit zu einer Nation auch ohne staatliche Entsprechung bestehen, etwa im Falle der jüdischen Diaspora vor der Staatsgründung Israels.[3]

In den vergangenen sechs Jahrzehnten wurde insbesondere im Rahmen angelsächsischer Migrationsforschung der Begriff "Diaspora" sowohl von Seiten der Forschung als auch betroffener Gruppen geöffnet. Zunächst wurde der Begriff auf die Armenier mit ihrer Erfahrung von Massenmord und Vertreibung ausgeweitet. Etwas später ging man dazu über, auch die Nachkommen der afrikanischen Sklaven auf den amerikanischen Kontinenten als Diaspora zu bezeichnen. Darauf folgte die Genese der "irischen Diaspora", die durch die sogenannte Große Hungersnot 1847 und die damit verbundene Auswanderung aus Irland entstanden ist. Als verbindendes Element dieser Gruppen gilt die Vertreibung aufgrund eines traumatischen Ereignisses aus den jeweiligen Heimatländern an unterschiedliche Orte.

Das Kriterium des empfundenen Heimatlandverlustes aufgrund einer traumatischen und leidvollen Erfahrung als ausschlaggebendes Element für die Einordnung von Migrantengruppen als "Diaspora" hat an Bedeutung verloren. Vielmehr wird heute der Begriff "Diaspora" sowohl in der öffentlichen Debatte als auch in wissenschaftlichen Abhandlungen als Synonym für nationale, religiöse oder ethnische Minderheiten verwendet und eine Vielzahl verschiedener Gruppen unter dem Begriff subsummiert. So findet man neben der Bezeichnung der o.g. Gruppen als Diasporen auch beispielsweise die vietnamesische oder die kurdische Diaspora. Diasporagruppen werden nun durch eine Verbindung zu einem (teilweise imaginierten) Heimatland beschrieben.[4]

In Deutschland gibt es eine Vielzahl verschiedener Gruppen, die das Label "Diaspora" tragen, sei es durch Fremd- oder durch Selbstzuschreibung. Der folgende Beitrag wird exemplarisch vier Gruppen vorstellen, die entlang der skizzierten Entwicklung des Diasporabegriffs beschrieben werden. Dabei wird auf Gruppenmerkmale, Sichtbarkeit und (politisches) Handeln der jeweiligen Gruppe, auch im Kontext deutscher Außen- und Innenpolitik, eingegangen.

Die jüdische Diaspora



Die jüdische Diaspora gilt als die klassische Diaspora. Die Vertreibung von Menschen jüdischen Glaubens wird mit der Zerstörung des salomonischen Tempels 586 v. Chr. historisch verbunden, was zu einer weltweit zerstreuten Neuansiedlung geführt habe.[5] Menschen jüdischen Glaubens wanderten schon zu Zeiten des Römischen Reiches, im Mittelalter und in der Neuzeit immer wieder in das Gebiet ein, das heute der Bundesrepublik Deutschland entspricht. Mit der Bezugnahme auf eine Vertreibung aus dem Königreich Juda entstand gleichzeitig die Idee, wieder in die bis dahin fiktive gemeinsame Heimat, Palästina, zurückzukehren.

Jüdisches Leben in Deutschland war vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs immer wieder durch Unterdrückung und Vertreibung gekennzeichnet. Trotzdem strebte in Deutschland in dieser Zeit trotz wachsendem Antisemitismus zunächst nur eine Minderheit die Auswanderung nach Palästina an, während die große Mehrheit der deutschen Jüdinnen und Juden vom Selbstverständnis nach deutsch war und zumindest politisch nicht als Diaspora agierte. Mit der brutalen Verfolgung und Ermordung der jüdischen Gemeinschaft nach der Machtübernahme Hitlers veränderte sich das Selbstverständnis der in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden hin zu dem Wunsch, einen sogenannten "Judenstaat" zu gründen und trug erheblich zur Staatsgründung Israels 1948 bei.[6]

Kurz vor Beginn der staatlichen Verfolgung von Jüdinnen und Juden während des ›Dritten Reichs‹ wird der Umfang der jüdischen Bevölkerung in Deutschland auf circa 500.000 Personen geschätzt, was etwa 0,8 Prozent der deutschen Bevölkerung [7] entspricht. Heute leben circa 90.000 bis 100.000 Jüdinnen und Juden in der Bundesrepublik, was eine Verdreifachung der jüdischen Bevölkerung seit den 1990er Jahren bedeutet.[8] Dieser Anstieg lässt sich zurückführen auf die große Zahl an jüdischen Kontingentflüchtlingen aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion.[9] Obwohl die jüdische Diaspora in Deutschland zahlenmäßig klein ist, ist sie auch aufgrund der jüdischen Geschichte Deutschlands deutlich sichtbar und steht unter besonderem staatlichen Schutz. Ihr hoher Organisationsgrad zeigt sich u.a. im öffentlichen Auftreten des Zentralrats der Juden in Deutschland, der sich in aktuelle Diskussionen einschaltet, zu relevanten Themen wie etwa Video-Icon Antisemitismus oder Israelpolitik Stellung nimmt und enge Bindungen zu Israel unterhält. Der fördernde Umgang des deutschen Staates mit der jüdischen Diaspora wird durch die historisch bedingte Verbundenheit und Verpflichtung gegenüber Menschen jüdischen Glaubens unterstützt.

Die kurdische Diaspora, eine Diaspora-Gruppe ohne Staat



Wie viele andere Diaspora-Gruppen zeichnen sich KurdInnen durch eine große Heterogenität in Bezug auf ihre gelebte Religion, Identität, politische Aktivität und Autonomie aus. Allerdings verfügen KurdInnen über kein eigenes Staatsgebiet, sondern leben oder stammen aus dem Grenzgebiet der Staaten Türkei, Iran, Irak und Syrien, wo vornehmlich Variationen des Kurdischen [10] gesprochen werden. Somit ist es schwierig, KurdInnen eindeutig als solche zu identifizieren, es kommt schlussendlich auf deren eigenes Selbstverständnis als KurdInnen an. Schätzungen von 1994 gehen von 34 bis 40 Mio. KurdInnen weltweit aus[11].

Viele KurdInnen aus der Türkei wanderten im Rahmen der Anwerbung von Arbeitskräften in den 1960er Jahren nach Deutschland ein.[12] Ein weiterer großer Teil der in Deutschland lebenden KurdInnen beantragte aufgrund wachsender Verfolgung in der Türkei politisches Asyl.[13] 2002 leben in Deutschland Schätzungen zufolge 800.000 KurdInnen, die größtenteils aus der Türkei eingewandert sind.[14] Vor dem Hintergrund der umfangreichen Fluchtzuwanderung aus Syrien, insbesondere im Jahr 2015, sollte die Zahl von in Deutschland lebenden KurdInnen weiter gestiegen sein. Schätzungen sind schwierig, da KurdInnen in keinem statistischen Verzeichnis auftauchen. Sie gehen aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit als TürkInnen, IrakerInnen, IranerInnen, SyrerInnen oder – falls eingebürgert – als Deutsche in die Statistik ein und werden auch darum in der Öffentlichkeit nur punktuell wahrgenommen.[15]

Die heutige kurdische Diaspora in Deutschland ist insbesondere vor dem Hintergrund der Konflikte in der Türkei zu verstehen: Als Folge des ausgeprägten türkischen Nationalismus unter Kemal Atatürk wurde die kurdische Kultur in der Türkei unterdrückt, etwa indem die Nutzung der kurdischen Sprache oder das Singen kurdischer Lieder in der Öffentlichkeit verboten wurde.[16] Über die Jahre wuchsen die Spannungen zwischen kurdischer und türkischer Bevölkerung und führten schließlich zu einer Eskalation des Konflikts in den 1990er Jahren in der Türkei.[17] Auch in Deutschland wurden durch die sich radikalisierende kurdische Arbeiterpartei PKK [18] politische Aktionen und Anschläge verübt. Diese waren sowohl gegen die Türkei gerichtet, um mehr Autonomie zu gewinnen, als auch gegen den deutschen Staat mit dem Vorwurf, Deutschland verschärfe den Konflikt in der Türkei durch Waffenlieferungen. 2003 wurde die PKK in Deutschland verboten. Die in Deutschland lebende kurdische Diaspora ist in sich stark zersplittert, wird jedoch von außen durch den Konflikt in der Türkei überlagert und dadurch deutlich stärker als Einheit begriffen als dies tatsächlich zutrifft. Nur eine Minderheit der in Deutschland lebenden KurdInnen unterstützt den Konflikt der PKK nach mehr Autonomie in der Türkei. Die große Mehrheit wünscht sich eine freiheitliche Ausübung ihrer Kultur.[19] Das Verhältnis der KurdInnen zum Deutschen Staat ist bis heute durch politische Spannungen geprägt.

KurdInnen gelten weltweit als das größte "Volk" ohne eigenes Staatsgebiet.[20] Damit zeichnet sich die kurdische Diaspora durch den Bezug auf eine Nation ohne staatliche Entsprechung aus. Der Begriff der Nation als Ausdruck der Zugehörigkeit zu einer imaginierten Gemeinschaft wurde vor allem durch den Politikwissenschaftler Benedict Anderson geprägt.[21] Die Zugehörigkeit zu einer Nation ist demnach durch gemeinsame Vorstellungen und eine angenomme Geschichte und Kultur bestimmt und mobilisiert eine hohe Solidarität unter den Mitgliedern. Kurdische Autonomiebestrebungen wie etwa im Irak oder Syrien wollen der kurdischen Nation auch staatlich Ausdruck verleihen.[22] Diese Entwicklungen werden von Seiten der Türkei als starke Bedrohung wahrgenommen, da damit die Angst wächst, dass auch in der Türkei KurdInnen nun wieder verstärkt eine Abspaltung von der Türkei verfolgen könnten.[23]

Die ghanaische Diaspora als Beispiel für afrikanische Diaspora-Gruppen



Mit der Nutzung des Begriffs Diaspora für politisch gut organisierte nationale Minderheitengruppen, die transnational agieren, erfolgt eine weitere Öffnung des Begriffs im öffentlichen Diskurs. Darunter fallen in Deutschland etwa verschiedene afrikanische Gruppen. Es wird exemplarisch die ghanaische Diaspora betrachtet, die bereits seit mehreren Jahren in Deutschland aktiv ist und zu den etablierten Diasporagruppen gezählt wird.[24]

Unter allen in Deutschland lebenden AusländerInnen stellten EinwanderInnen aus Afrika 2016 mit fünf Prozent (etwa 500.000 Personen) eine Minderheit dar. Auf Basis des Mikrozensus, der zusätzlich Eingebürgerte und deren Nachkommen in die Schätzung mit einbezieht, leben etwa 750.000 Personen mit einem afrikanischen Migrationshintergrund in Deutschland, davon stammen vermutlich 6,4 Prozent aus Ghana.[25] 2015 wurde die Zahl von Personen mit ghanaischem Migrationshintergrund in Deutschland auf 70.000 bis 80.000 geschätzt.[26] Im Zuge anhaltender wirtschaftlicher Probleme in Ghana und der zeitgleichen Ausweisung hunderttausender Ghanaer aus Nigeria in den 1980er Jahren kam es zu einer verstärkten Auswanderung in angrenzende Nachbarstaaten, aber auch nach Amerika und Europa. Nach Deutschland wanderten die meisten Ghanaer als Arbeitskräfte ein, weitere kamen als Asylsuchende ins Land.[27]

Trotz ihrer zahlenmäßig geringen Größe wird die ghanaische Diaspora in Deutschland als besonders bedeutsam angesehen.[28] Dies liegt nicht zuletzt an der über lange Jahre gewachsenen Vereinskultur und dem zivilgesellschaftlichen Engagement von GhanaerInnen seit etwa 2002.[29] Von Seiten des ghanaischen Staats werden vor allem finanzielle Zuwendungen durch die ghanaische Diaspora positiv bewertet. Wohl aufgrund dessen hat sich die angespannte Beziehung zwischen dem ghanaischem Staat und im Ausland lebenden GhanaerInnen mittlerweile erheblich verbessert. Der ghanaische Staat kommt im Ausland lebenden Bürgern durch die Gewährung einer doppelten Staatsbürgerschaft und Wahlrecht auch im Ausland entgegen und begrüßt die Organisation der ghanaischen Diaspora weltweit.[30]

Neue Diasporagruppen in Deutschland, das Beispiel syrischer EinwanderInnen



Inzwischen etablieren sich in Deutschland neue Gruppen als Diaspora, allen voran Menschen, die seit 2015 nach Deutschland geflüchtet sind und hier Asyl suchen. Die größte Gruppe bilden dabei SyrerInnen. Seit 2007 haben in Deutschland 488.685 Personen aus Syrien politisches Asyl in Deutschland beantragt, 86 Prozent davon alleine in den Jahren 2015 und 2016[31]. Damit wächst die Gruppe von Personen, die aus Syrien kommt, zu einer bedeutenden und sichtbaren Größe in Deutschland an. Neu ankommende SyrerInnen treffen dabei auf SyrerInnen, die z.T. schon vor vielen Jahrzehnten vor allem als BildungsmigrantInnen nach (Ost- und West-)Deutschland einwanderten. Vor Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs leben in Deutschland ca. 30.000 Menschen mit syrischer Staatsangehörigkeit.[32] Hinzu kommen eingebürgerte Personen und Nachfahren von eingewanderten SyrerInnen mit deutscher Staatsbürgerschaft. Die zum Teil schon seit den frühen 1990er Jahren existierenden Migrantenselbstorganisationen innerhalb dieser syrischen Diaspora erleben derzeit mit der verstärkten Einwanderung aus Syrien eine Vervielfältigung und Diversifizierung: Die bestehenden Vereine erhalten seit einigen Jahren enormen Zulauf und es entstehen dutzende neue Vereine, die sich um politische, humanitäre, kulturelle und entwicklungspolitische Belange kümmern. Dabei ist der Fokus der Arbeit der organisierten Diaspora in den meisten Fällen, wie die "klassische" Definition von Diaspora vorsieht, das Heimatland Syrien selbst: Es werden die politische Zukunft geplant, direkte humanitäre Hilfe organisiert oder entwicklungspolitische Wiederaufbauprojekte mit Mitteln aus Deutschland vorangetrieben.[33]

Wann gilt eine Gruppe als Diaspora?



Anhand der gewählten Beispiele wird deutlich, dass sich das Verständnis, welche Minderheitengruppen als Diaspora verstanden wird, seit den 1960er Jahren geweitet hat. Diasporagruppen werden demnach nicht mehr zwingendermaßen durch den leidvollen Verlust der Heimat beschrieben. Das wichtigste verbindende Element, das auf alle hier vorgestellten Gruppen zutrifft, ist hingegen der Bezug auf eine gemeinsame Nation. Durch den Bezug auf eine andere Heimat agieren Diasporagruppen im Spannungsfeld zwischen Aufnahme- und Herkunftsland bzw. -region.

Im Vergleich der kurdischen gegenüber der ghanaischen Diaspora wird deutlich, welche Rolle die außenpolitische Ausrichtung Deutschlands spielt. Im Falle der kurdischen Diaspora ist eine konkrete Entsprechung in einem Staat bislang nicht gegeben, obwohl im Irak wie auch in Syrien autonome kurdische Gebiete bestehen. Da die Türkei als Bündnispartner Deutschlands gilt, wird von Seiten des deutschen Staates die kurdische Bewegung nicht unterstützt. Dies zeigt sich etwa in zwei Kleinen Anfragen der linken Abgeordneten Ulla Jelpke, die eine stärkere Unterstützung von in Deutschland lebenden KurdInnen befürwortet. Aus der Antwort der Bundesregierung geht hervor, dass eine stärkere Förderung der kurdischen Community in Deutschland weder stattfindet, noch geplant ist.[34] Im Gegensatz dazu wird die ghanaische Diaspora in Deutschland aktiv gefördert, etwa durch das "Programm Migration für Entwicklung (PME)" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).[35] Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die ghanaische Diaspora weder von Seiten Deutschlands, noch von Seiten Ghanas infrage gestellt wird und deren Förderung von beiden Staaten als zuträglich eingeschätzt wird.

Diaspora wird damit im öffentlichen Diskurs als Begriff mit einer politischen Botschaft verwendet. Die Selbstbezeichnung einer Minderheitengruppe als Diaspora weist auf ein eigenes nationales Gruppenverständnis hin. Gleichzeitig werden Gruppen von außen als Diaspora bezeichnet, wenn der Gruppe diese politischen Ausrichtung auch zugestanden wird. Beide Aspekte wirken sich auf den politischen Handlungsspielraum der Diasporagruppe aus.

Zum Thema



Staatenlose Diaspora – Das Beispiel der Kurdinnen und Kurden in Deutschland
Die Heterogenität der vietnamesischen Diaspora in Deutschland und ihre transnationalen Bezüge
Exil

Literatur



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Autor: Marieke Volkert für bpb.de
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Fußnoten

1.
Cohen/van Hear (2008), S. 1.
2.
Der Begriff der imaginierten Gemeinschaft geht auf Anderson (2006) zurück. Demnach basiert das Konzept der Nation auf einem imaginierten Zugehörigkeitsgefühl, welches durch bestimmte geteilte Merkmale wie beispielsweise Werte, Kleidung, Religion etc. gepflegt und verstärkt wird. Anderson betont, dass es sich bei einer Nation immer um eine imaginierte Gemeinschaft handelt mit Bezug auf ein bestimmtes Territorium (Anderson 2006). Im Falle der jüdischen oder auch kurdischen Diaspora besteht ebenfalls ein starker Bezug zu einer Nation, die im Falle der jüdischen Diaspora faktisch erst in den 1950er Jahren ihre Entsprechung im Staat Israel findet oder im Falle der kurdischen Diaspora nicht besteht.
3.
Tölölyan (1996), S. 12ff.
4.
Tölölyan (1996), S. 10.
5.
Kenny (2013), S. 2f.
6.
Herzig (2010).
7.
1933 wird die Bevölkerung Deutschlands auf etwa 65.218 Mio. geschätzt (Sensch 2004).
8.
Pollack/Müller (2013), S. 32; Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V. (2017).
9.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2015).
10.
Das Kurdische wird der iranischen Sprachfamilie zugewiesen. Die beiden Hauptdialekte des Kurdischen sind Zaza und Kermanshi (Schweizer 2016, S. 125,129)
11.
Schweizer (2016), S. 126.
12.
Baser (2016), S. 145.
13.
Baser (2016), S. 146; Schweizer (2016), S. 512.
14.
Ammann (1999), S. 38.
15.
Deutscher Bundestag (2011), S. 2.
16.
Ammann (1999), S. 21, 30.
17.
Schweizer (2016), S. 128, 133f.
18.
Partiya Karkerên Kurdistanê (Arbeiterpartei Kurdistans)
19.
Baser (2016), S. 146; Schweizer (2016), S. 150-151.
20.
Baser (2016), S. 126.
21.
Siehe dazu Anderson (2006).
22.
Ammann (1999), S. 19). Durch den Sturz von Saddam Hussain entwickelte sich ab 2003 im Nordirak ein autonom geführtes kurdisches Gebiet, deren Akzeptanz aktuell durch die Autonomiebehörde weiter vorangetrieben wird, etwa durch ein Referendum der dort lebenden Bevölkerung, das die Unabhängigkeit und Autonomie des Gebietes besiegeln soll (Gehlen 2017). Inzwischen gibt es auch in Nordsyrien das autonome Gebiet Rojava, welches durch die kurdischen Parteien PKK und PYD etabliert wurde (Frohn 2017).
23.
Schweizer (2016), S. 142f.
24.
Mörath (2016), S. 119.
25.
Prothmann und Kreienbrink (i.E.), S. 4ff.
26.
Mörath (2016), S. 12.
27.
Nieswand (2009), S. 18f; Prothmann (i.E.), S.962.
28.
Mörath (2016), S. 38.
29.
Mörath (2016), S. 119.
30.
Nieswand (2009), S. 20f.
31.
Lederer (2017), S. 17.
32.
Statistisches Bundesamt (2017).
33.
vgl. z. B. Verband Deutsch-Syrischer Hilfsvereine e.V. (2017).
34.
Deutscher Bundestag (2011); Deutscher Bundestag (2000).
35.
Mörath (2016), S. 6.

Marieke Volkert

Marieke Volkert

ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungszentrum Migration, Integration und Asyl des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF-FZ). Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Integration verschiedener Migrantengruppen in Deutschland, aktuell mit Schwerpunkt von in Deutschland lebenden Muslimen, sowie die Relevanz räumlicher Strukturen für die Integration und Migration. Die Darstellung in diesem Beitrag gibt ausschließlich ihre persönliche Sichtweise wieder. marieke.volkert@bamf.bund.de


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