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19.4.2017

Migrationsprofil Frankreich

Die Einwanderungssituation in Frankreich ist bis heute stark geprägt von der Kolonialgeschichte früherer Jahrhunderte sowie einer langen Tradition der Anwerbung ausländischer Arbeitnehmer aus anderen europäischen Staaten. Insgesamt haben Einwanderungsprozesse und deren Folgen im letzten Jahrhundert kontinuierlich an Gewicht gewonnen und die französische Gesellschaft nachhaltig geprägt.

Frankreich Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de (bpb)

Galt die Einwanderung zumindest aus wirtschaftlicher Perspektive lange Zeit als Erfolgsgeschichte, so wird sie in den letzten drei Jahrzehnten zunehmend auch als Ursache sozialer Probleme und Auslöser von Konflikten wahrgenommen. Wahlerfolge rechtsextremer Parteien – insbesondere des Front National (FN) – machen dies ebenso deutlich wie immer wieder aufflammende Unruhen in den Vororten französischer Metropolen. Vor diesem Hintergrund hat die französische Einwanderungspolitik in den letzten Jahren und insbesondere unter der Präsidentschaft von Nicolas Sarkozy (2007-2012) einen zunehmend restriktiven Kurs angenommen. Der sozialistische Präsident François Hollande (2012-2017) war mit einem moderateren migrationspolitischen Programm angetreten. Dessen Umsetzung wurde jedoch von anhaltenden ökonomischen Problemen, der europäischen "Flüchtlingskrise" und mehreren schweren Terroranschlägen in Frankreich stark überlagert. Auch in den kommenden Jahren werden Fragen der Zuwanderungssteuerung, der Umgang mit dem Islam sowie die Integration der zweiten und dritten Generation die wichtigsten Herausforderungen der französischen Politik in diesem Themenfeld darstellen.

Das Migrationsprofil Frankreich geht zunächst auf die historische Entwicklung der Einwanderung und Einwanderungspolitik in Frankreich ein. Anschließend beleuchtet es das aktuelle Migrationsgeschehen und die Einwandererbevölkerung des Landes, um sich dann den Themen irreguläre Migration, Flucht und Asyl, Staatsangehörigkeit und Staatsangehörigkeitserwerb sowie Umgang mit dem Islam zu widmen. Schließlich werden die jüngeren migrationspolitischen Entwicklungen und die zukünftigen Herausforderungen auch im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2017 dargestellt.

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Info

Frankreich

Hauptstadt: Paris
Amtssprache: Französisch
Fläche: 551.500 km2; mit Überseegebieten 643.801 km2 (zum Vergleich Deutschland: 357.022 km2)
Bevölkerungszahl (1. Jan. 2017, geschätzt): 64,86 Millionen (mit Überseegebieten 66,99 Millionen)
Bevölkerungsdichte (2013): 117 Einwohner je km2
Bevölkerungswachstum (2015): 0,4%
Erwerbsquote (2015): 56,1%
Anteil ausländischer Bevölkerung (2013): 6,2%
Anteil Einwanderer (2013): 8,9%
Arbeitslosenquote: 10,0% (2015), 9,4% (2010), 8,9% (2005); 8,5% (2000)
Religionen (2015, geschätzt): Christen, v.a. Katholiken (63-64%), Muslime (7-9%), konfessionslos (23-28%)

Dieser Text ist Teil des Migrationsprofils Frankreich.
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Dr. Marcus Engler

Dr. Marcus Engler

Marcus Engler ist Sozialwissenschaftler und Migrationsforscher. Seit langem verfolgt er die Entwicklungen in der französischen Migrations- und Integrationspolitik. Er absolvierte einen Freiwilligendienst in einer Beratungsstelle für Migranten in Marseille. Anschließend studierte er Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und am Institut d’Etudes Politiques in Paris. Derzeit ist er als selbständiger Autor, Referent und Berater tätig und ist Mitglied im Netzwerk Flüchtlingsforschung und im Netzwerk Migration in Europa.
E-Mail: engler@migration-analysis.eu


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