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20.9.2017

Die Einwandererbevölkerung Deutschlands

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Wie sehr Zuwanderungen in Vergangenheit und Gegenwart die Bevölkerung des Landes geprägt haben, wird am Blick auf Einwanderer und ihre Nachkommen deutlich, die seit 2005 auch als "Bevölkerung mit Migrationshintergrund" statistisch erfasst werden.

Zwei Väter verbringen am Rheinufer in Köln mit ihren Kindern einen freien Tag am Wasser. (© picture-alliance/dpa)


Seit dem Mikrozensus 2005 ist es statistisch nicht nur möglich, zwischen in Deutschland lebenden deutschen und ausländischen Staatsangehörigen zu unterscheiden. Darüber hinaus werden nun auch Personen erfasst, die einen "Migrationshintergrund" haben. Der Definition des Statistischen Bundesamtes zufolge hat eine Person einen Migrationshintergrund, "wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt."[1] Die Einführung dieser Kategorie erlaubt es, gesellschaftliche Integrationsprozesse nicht nur von Ausländern, sondern auch von eingebürgerten Zugewanderten der ersten Generation und ihren Nachkommen zu beschreiben. Dadurch werden auch Benachteiligungen beobachtbar, die auf strukturelle Barrieren und gesellschaftliche Schließungsprozesse verweisen, die es Mitgliedern einer bestimmten sozialen Gruppe erschweren, Zugang zu zentralen gesellschaftlichen Bereichen zu erhalten (z.B. zu Bildung oder bestimmten beruflichen Positionen), wodurch Möglichkeiten eines sozialen Aufstiegs verhindert werden. Die Verwendung des Begriffs "mit Migrationshintergrund" außerhalb statistischer Betrachtungen ist allerdings umstritten, da er auch in Deutschland geborene und aufgewachsene Kinder von Zugewanderten als "anders" und damit "nicht richtig zugehörig" kategorisiert.

Nach Ergebnissen des Mikrozensus 2016 haben rund 18,6 Millionen in Deutschland lebende Menschen bzw. 22,5 Prozent der Bevölkerung Deutschlands einen Migrationshintergrund. Darunter fallen neun Millionen ausländische Staatsangehörige (10,9 Prozent der Bevölkerung) und 9,6 Millionen Deutsche (11,7 Prozent der Bevölkerung). Die meisten Menschen mit Migrationshintergrund haben Wurzeln in der Türkei (15,1 Prozent), Polen (10,1 Prozent) und der Russischen Föderation (6,6 Prozent). Wie sehr die Bevölkerung Deutschlands durch Migration geprägt wurde und wird zeigt sich besonders an der Gruppe der unter Fünfjährigen: 38,1 Prozent haben einen Migrationshintergrund.

Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund verteilt sich regional sehr unterschiedlich. In den alten Bundesländern weisen vor allem die Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin sowie die Flächenstaaten Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen einen hohen Anteil an Personen mit Migrationshintergrund auf: Mehr als 26 Prozent der Einwohner dieser Bundesländer sind Eingewanderte und deren Nachkommen. In allen neuen Bundesländern liegt der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund dagegen unter sieben Prozent (vgl. Abbildung).

Bevölkerung mit Migrationshintergrund in den Bundesländern (PDF-Icon Grafik zum Download) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



Dieser Text ist Teil des Migrationsprofils Deutschland.
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Fußnoten

1.
Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus 2016. Fachserie 1 Reihe 2.2. Wiesbaden. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/ (Zugriff: 24.8.2017).

Vera Hanewinkel, Jochen Oltmer

Vera Hanewinkel

Vera Hanewinkel ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück.
E-Mail: vera.hanewinkel@uni-osnabrueck.de


Jochen Oltmer

Dr. phil. habil., geb. 1965, ist Apl. Professor für Neueste Geschichte und Mitglied des Vorstands des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück.
E-Mail: joltmer@uni-osnabrueck.de


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