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1.9.2007

Hintergrundinformationen

Während der vergangenen einhundert Jahre war Rumänien vor allem Auswanderungsland, mit einer recht beeindruckenden Bilanz hinsichtlich der Zahl der betroffenen Personen, der Auswirkungen [1] sowie der unterschiedlichen Migrationspraktiken. Im 20. Jahrhundert gingen Migrationsbewegungen vor allem von ethnischen Minderheiten aus, was auch für andere mittel- und südeuropäische Staaten typisch war. [2]

Rumänien Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de (bpb)

Diese Minderheiten waren nicht einfach Flüchtlinge, sondern sie zogen in Staaten, mit denen sie geschichtlich verbunden waren (z. B. Deutschland, Ungarn) – als Reaktion auf generelle Diskriminierung in Rumänien aufgrund ihrer Herkunft, aber auch aus Hoffnung auf ein besseres Leben und mehr Sicherheit in diesen Ländern. Politische Gewalt und Benachteiligung durch ein ineffektives und autoritäres Regime waren während der kommunistischen Ära – und unmittelbar nach ihrem Untergang – ebenfalls Auslöser für Flucht und Auswanderung großer Teile der rumänischen Bevölkerung.

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Info

Rumänien

Hauptstadt: Bukarest Amtssprachen: Rumänisch
Fläche: 237.500 km2
Bevölkerung (2002): 21.612.897
Bevölkerungsdichte: 90,9 Einwohner/km2
Bevölkerungswachstum (natürliches Wachstum 2005):
-1,9 %
Anteil Ausländer an der Gesamtbevölkerung: 0,2 % (MIRA)
Erwerbsbevölkerung (2005): 62,4 % (INS)
Anteil Einwanderer an der Erwerbsbevölkerung (2001):
20 %
Arbeitslosenquote: 4,5 % (April 2007); 5,4 % (2006); 5,9 % (2005) (INS, MMSSF)
Religionen (Zensus 2002): 86,8 % Rumänisch-Orthodoxe; 4,7 % Römisch-Katholiken; 3,5 % Protestanten; 1,5 % Mitglieder der Pfingstgemeinde; 0.9 % Griechisch-Orthodoxe; 2,7 % Andere; 0,2 % keine Religionszugehörigkeit, Atheisten oder k. A.
Die langsame und für die Gesellschaft belastende Umwandlung der zentral gesteuerten Planwirtschaft in eine effektiv funktionierende Marktwirtschaft während der letzten eineinhalb Jahrzehnte gab zahlreichen Rumänen neuerlichen Anlass, Beschäftigung im Ausland zu suchen: Die wirtschaftliche Umstellung verursachte einen drastischen und anhaltenden Stellenabbau auf dem heimischen Arbeitsmarkt und mindestens zwei Millionen Rumänen wanderten daraufhin ins Ausland aus.

Der Bevölkerungsschwund, den diese Auswanderungsbewegungen verursacht haben, entwickelt sich mittlerweile zu einem Nachteil für die weitere Entwicklung der rumänischen Wirtschaft. Zusammen mit der Alterung der Gesellschaft wird die Auswanderung Rumänien möglicherweise dazu zwingen, Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwerben. In diesem Fall wird das Land erheblichen Herausforderungen gegenüberstehen, angefangen damit, dass der Abwanderungsprozess von Arbeitskräften gestoppt und umgekehrt werden muss, bis hin zur Entwicklung von Maßnahmen, um die Aufnahme und Integration einer großen Zahl von Zuwanderern bewältigen zu können – ein Gebiet, auf dem das Land bislang wenig Erfahrung hat.

Fußnoten

1.
Als wichtigste ist hier wohl die Deportation bzw. Auswanderung von zwei großen Minderheitengruppen (Juden und Deutsche) mit jeweils insgesamt 500.000 Menschen zu nennen.
2.
Für einen Überblick siehe Münz (2002).

István Horváth

Zur Person

István Horváth

Dr. István Horváth ist Juniorprofessor an der Fakultät Soziologie und Sozialarbeit der Babes-Bolyai-Universität, Cluj-Napoca, Rumänien.


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