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4.6.2015

Neukölln Unlimited: Arbeitsblatt und Unterrichtsvorschläge

Seit der Flucht vor dem Bürgerkrieg im Libanon lebt Familie Akkouch mit Duldungsstatus im Berliner Bezirk Neukölln. Obwohl drei der fünf Kinder in Deutschland geboren wurden und keinen Bezug zum Libanon haben, droht der Familie immer wieder die Abschiebung. Der 18-jährige Hassan und seine ältere Schwester Lial verfolgen neben ihren Ausbildungen unterdessen Karrieren als Tänzer und Musiker und tragen maßgeblich zum Lebensunterhalt der Familie bei. Nur ihr jüngerer Bruder Maradona fällt immer wieder durch sein Verhalten auf – wenngleich auch er bei einer Teilnahme in der Show "Das Supertalent" zeigt, was er als Breakdancer kann.

Dreieinhalb Jahre lang haben Agostino Imondi und Dietmar Ratsch für ihren Dokumentarfilm "Neukölln Unlimited" die Geschwister der Familie Akkouch begleitet. Dabei veranschaulichen sie anhand von deren Schicksal die schwierigen Lebensbedingungen einer Flüchtlingsfamilie und hebeln zugleich zahlreiche Vorurteile gegenüber Migranten/innen aus. Längst fühlen sich die Geschwister in Berlin zu Hause. Doch trotz einer mustergültigen Integration wird ihnen eine sichere Aufenthaltsgenehmigung verweigert.

Die folgenden Aufgaben und Unterrichtsvorschläge richten sich an Schüler/innen ab 14 Jahren. Sie eignen sich vor allem für den Einsatz in den Schulfächern Deutsch, Ethik/Religion, Sozialkunde, Musik und Kunst ab der 9. Jahrgangsstufe und laden zu einer Auseinandersetzung mit den Themenfeldern Familie, Flucht und Asyl, Migration, Integration sowie Jugendkultur ein.

Das Arbeitsblatt ist hier als PDF-Icon PDF-Dokument verfügbar.

Hier finden Sie das Arbeitsblatt als ODT-Datei zur weiteren Bearbeitung.



Aufgabe 1: Vorbereitung auf die Filmsichtung: Der Stadtbezirk Neukölln
Fächer: Deutsch

a) Neukölln: Ein Berliner Kiez in den Medien
Im Jahr 2006 sorgte der Skandal um die in Neukölln gelegene Rütli-Schule für Aufsehen. Dadurch wurde Neukölln in der Berichterstattung oft zum Sinnbild eines "Problemkiezes". b) Porträt eines Stadtteils
Aufgabe 2: Vorbereitung auf die Filmsichtung: Das Filmplakat
Fächer: Deutsch, Kunst

a) Das Filmplakat (GMfilms):

Filmplakat "Neukölln Unlimited" (© GMfilms)


Beantworten Sie in Kleingruppen oder im Plenum die folgenden Fragen: b) Diskussion im Plenum
Vergleichen Sie nach dem Film im Plenum, welche Ihrer Erwartungshaltungen erfüllt wurden. Diskutieren Sie auch, wie der Stadtteil und dessen Bewohner/innen in "Neukölln Unlimited" gezeigt werden.


Aufgabe 3: Identität und Integration
Fächer: Deutsch, Ethik/Religion, Sozialkunde

Die Wurzeln der Familie Akkouch liegen im Libanon. Drei der Kinder wurden jedoch schon in Deutschland geboren.

a) Was bedeutet Deutschland für Hassan, Lial oder Maradona – und was der Libanon? Suchen Sie im Film nach Zitaten, in denen dies besonders deutlich wird.

b) Wählen Sie ein Bild aus dem Film aus, in dem das Gefühl der Zugehörigkeit (oder der Fremdheit) besonders gut zum Ausdruck kommt. Halten Sie dieses mit einem Screenshot fest und stellen Sie es in der Klasse vor. Gehen Sie dabei vor allem auf die Bildgestaltung ein.

c) Hassan, Lial oder Maradona: Entscheiden Sie sich in Kleingruppen für einen der drei Protagonisten aus "Neukölln Unlimited" und verfassen sie über diesen ein Porträt. Schildern Sie, in welcher Situation sich der Protagonist befindet, wie er mit diesen Herausforderungen umgeht, was seine Stärken sind und was er sich wünscht.

d) Diskutieren Sie gemeinsam im Plenum, was eine "gelungene Integration" bedeutet. Beziehen Sie sich dabei vor allem auf die Biografien von Hassan, Lial und Maradona.


Aufgabe 4: Asyl und Angst vor Abschiebung
Fächer: Deutsch, Ethik/Religion, Sozialkunde, Musik, Kunst

Die Familie Akkouch lebt mit Duldungsstatus in Berlin. Seit Jahren schon ist ungewiss, ob sie dauerhaft in Deutschland bleiben darf.

a) Wählen Sie in Kleingruppen einen der folgenden Begriffe aus, die in "Neukölln Unlimited" zur Sprache kommen: Erläutern Sie in einem Referat, was der von Ihnen ausgewählte Begriff bedeutet. Stellen Sie im Anschluss im Plenum Querverbindungen zwischen den Begriffen her und veranschaulichen Sie diese in einem Tafelbild. Informationen finden Sie auch in den Artikeln "Zwischen Flucht und Einwanderung" sowie "Leben ohne sicheren Aufenthaltstitel" in diesem bpb-Dossier.

b) Verfassen Sie in Partnerarbeit einen wertenden Artikel über die Situation der Familie Akkouch zum Zeitpunkt der Dreharbeiten. Gehen Sie dabei auch darauf ein, wie es den Familienmitgliedern jetzt geht, was sich verändert hat und was gleich geblieben ist – zum Beispiel anhand des Videointerviews mit Hassan Akkouch.

c) In "Neukölln Unlimited" erzählt Hassan davon, wie seine Familie 2003 bereits einmal abgeschoben wurde. Der Film zeigt dies als animierte Sequenz, zu der Sie per Klick in das untenstehende Mediatheksfenster direkt gelangen.
(© 2014 Indi Film)


In dieser Bildfolge sehen Sie eine Auswahl von Einstellungen der animierten Abschiebe-Szene:

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Beantworten Sie die folgenden Fragen: Diskutieren Sie im Plenum, wie diese Szene auf Sie wirkt und welche anderen Möglichkeiten es gegeben hätte, in "Neukölln Unlimited" die Abschiebung darzustellen.


d) Immer wieder thematisiert der Film auch die Folgen der Abschiebung für einzelne Familienmitglieder. Benennen Sie Beispiele aus dem Film.


e) Verfassen Sie einen Essay zum Thema "Zwischen Duldung und Integration", in dem Sie sich auch mit dem Schicksal der Familie Akkouch beschäftigen.


FachThemenMethoden und Sozialformen
DeutschMigration und BildungGruppenarbeit (GA): Anhand von Maradonas Auftritt bei der RTL-Show "Das Supertalent" beschreiben, welche Träume und Hoffnungen der Junge damit verbindet – und kritisch hinterfragen, welche Rolle ähnliche Schicksale und Biografien in solchen Shows spielen und wie diese darin inszeniert und verwertet werden. Dabei auch auf Bildungschancen von Migranten/innen (siehe Hintergrundartikel "Zukunftsperspektive Supertalent?") eingehen.
DokumentarfilmPlenum (PL): Diskutieren, inwieweit „Neukölln Unlimited“ eine objektive Perspektive einnimmt.
Film und gesellschaftliche VeränderungEinzelarbeit (EA): In einem Aufsatz die Intention der Filmemacher erläutern (siehe auch das Interview in diesem Dossier) und recherchieren, ob „Neukölln Unlimited“ etwas an der Situation der Familie Akkouch sowie an den Problemen von Familien in ähnlichen Situationen verändert hat.
Ethik/ReligionFamilieGA: Die Rollenverteilung innerhalb der Familie Akkouch beschreiben. Dabei insbesondere auf die Aufgaben der Jugendlichen in der Familie eingehen.
SozialkundeFlüchtlingsschicksale (1)GA: Schicksale ähnlicher Flüchtlingsfamilien recherchieren und darüber in einem Artikel für die Schülerzeitung, in einem Video- oder Radiobeitrag berichten.
Flüchtlingsschicksale (2)GA: Experteninterviews mit Mitarbeitern/innen von Behörden oder Flüchtlingsorganisationen über die Situation von Flüchtlingen sowie Integrationsbemühungen führen.
Deutsch/MusikHip-Hop-KulturGA: In einer Präsentation Kernelemente des Hip-Hop sowie die Ursprünge dieser Jugendkultur – vor allem auch mit Bezug zum sozialen Hintergrund – vorstellen. Im Anschluss analysieren, welche Möglichkeiten sich durch die Hip-Hop-Kultur für Hassan, Lial und Maradona eröffnen (zum Beispiel anhand der Filmszene ab 41 Min. 21 Sek.).
Deutsch/KunstAnimadoksGA: Andere animierte Dokumentarfilme (so genannte Animadoks) oder Dokumentarfilme mit animierten Sequenzen in einem Kurzreferat vorstellen (z. B. „Waltz with Bashir“ oder „The Green Wave“). Dabei erarbeiten, welche erzählerischen Möglichkeiten die Animation bietet.


Weiterführende Links
"Neukölln Unlimited" als Film des Monats bei kinofenster.de
VISION KINO: Schule im Kino - Praxisleitfaden für Lehrkräfte
Begleitmaterial zu "Neukölln Unlimited" vom FILMERNST-Kinobüro im LISUM
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Autor: Stefan Stiletto für bpb.de
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Stefan Stiletto

Stefan Stiletto

Stefan Stiletto

Stefan Stiletto: Geboren 1976. Studierte Pädagogik (Diplom) mit Schwerpunkt Medienpädagogik in Trier und Bielefeld und beschäftigte sich insbesondere mit dem Thema Filmkompetenz. Volontariat bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Arbeitet seit 2002 frei als Autor filmpädagogischer Texte sowie als Referent.


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