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11.6.2012

Kurzmeldungen – Welt

Koreanischstämmige Chinesen müssen Südkorea nach fünf Jahren verlassen; Australien erhöhte seine Einwanderungsquote; in Israel kam es zu Ausschreitungen gegen Migranten; in Mexiko werden Migranten zunehmend Opfer von Entführungen durch Drogenkartelle.

Südkorea: Koreanischstämmige Chinesen müssen Land verlassen



70.000 Arbeitsmigranten koreanischer Herkunft aus dem nordöstlichen China (sogenannte Joseonjok) müssen Südkorea verlassen. Ihre auf fünf Jahre befristeten Visa laufen Ende des Jahres aus. Im Gegensatz zu eingewanderten Koreanern aus anderen Ländern wie Japan oder den USA erhalten sie keine jährlich verlängerbaren Aufenthaltsgenehmigungen. Nach koreanischem Recht hätten sie nach fünf Jahren einen Anspruch darauf, die koreanische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Die zeitliche Beschränkung ihrer Visa soll dies verhindern. In der Öffentlichkeit ist die Einwanderung der Joseonjok u. a. aus Angst vor Arbeitslosigkeit umstritten. Schätzungen zufolge leben 600.000 Chinesen koreanischer Herkunft in Südkorea. Insgesamt werden rund 1,4 Mio. Migranten gezählt. Bis 2030 wird ihre Zahl offiziellen Prognosen zufolge auf 3 Mio. ansteigen. Für ein besseres Miteinander von Koreanern und Zugewanderten plant die Regierung ein spezielles Gesetz, das ethnische Diskriminierung verbieten soll.

Australien: Erhöhung der Einwanderungsquote



Die australische Labor-Regierung hat Mitte Mai die Quoten für das Zuwanderungsprogramm 2012/13 veröffentlicht. Insgesamt werden im Zeitraum von einem Jahr 190.000 Plätze für Neuzuwanderer zur Verfügung gestellt (2011/12: 185.000, 2010/11: 168.700), davon 129.250 (68%) für qualifizierte Migranten und 60.185 (31,7%) für Familiennachzug. Weitere 565 Plätze werden über ein Sonderprogramm vergeben. Im humanitären Programm für Flüchtlinge sind zusätzlich 13.750 Plätze vorgesehen. Zudem kündigte die Regierung Ende Mai eine Öffnung der Bergbauindustrie für die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte an. Bis 2016 seien hier etwa 89.000 zusätzliche Arbeitskräfte notwendig. Die australische Bevölkerung steht einer zeitgleich veröffentlichten Umfrage zufolge weiterer Zuwanderung zunehmend skeptisch gegenüber. Demnach sind 51% der Befragten der Meinung, dass die ausländische Bevölkerung zu sehr anwachse und weitere Zuwanderung gestoppt werden müsse.
www.immi.gov.au

Israel: Ausschreitungen gegen Migranten



Mitte Mai ist es in Tel Aviv zu massiven Übergriffen gegen Migranten gekommen. Etwa 1.000 Menschen forderten bei Protesten die Ausweisung von Ausländern. Dabei griffen einige Demonstranten wahllos dunkelhäutige Menschen an und plünderten Geschäfte von Einwanderern. Israels konservativer Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) verurteilte zwar die Ausschreitungen, kündigte aber die Ausweisung irregulärer Einwanderer an. Der orthodoxe Innenminister Eli Jischai (Schas) will massiv Migranten abschieben. Er bezeichnete Einwanderer als "Kriminelle“. Seit 2006 sollen offiziellen Angaben zufolge insgesamt 62.000 Menschen irregulär nach Israel gelangt sein, hauptsächlich aus dem Sudan, Südsudan und Eritrea. Aktuell leben mehr als 150.000 Menschen ohne Aufenthaltspapiere in Israel. Im Kampf gegen die irreguläre Einwanderung setzt Israel auf harte Strafen für Einwanderer und deren Unterstützer sowie einen 250 km langen Grenzzaun an der Grenze zu Ägypten (vgl. MuB 1/12, vgl. MuB 3/11).

Mexiko: Entführung von Migranten durch Drogenkartelle



Die Entführung von überwiegend zentralamerikanischen Transitmigranten durch Drogenkartelle hat sich zu einer "systematischen und generalisierten“ Praxis entwickelt. Ein Mitte Mai veröffentlichter Bericht des Menschenrechtszentrums Prodh sowie einer mexikanischen Migranten- Herberge zeigt Hintergründe und Dimensionen dieses Problems und geht dabei ebenfalls auf Erfahrungen von Migranten ein. Die Zahl der jährlich entführten Migranten belaufe sich Schätzungen zufolge auf etwa 20.000. Die Kartelle würden Lösegelder in Höhe von 1.500 bis 5.000 Dollar von Familienangehörigen der Entführten verlangen. Gemäß der mexikanischen Menschenrechtskommission wurden dadurch innerhalb von nur sechs Monaten Gelder in Höhe von rund 25 Mio. Dollar erpresst. Dabei gehen die Kartelle mit äußerster Brutalität gegen die Migranten vor. Immer wieder kommt es zu Hinrichtungen (vgl. MuB 7/10).
http://centroprodh.org.mx
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