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11.8.2013

UNHCR: 45 Millionen Menschen auf der Flucht

2012 ist die Zahl der Flüchtlinge weltweit auf über 45 Mio. gestiegen. Das ist der höchste Wert seit 1994. Dies geht aus dem Mitte Juni in Genf veröffentlichten Jahresbericht des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) zur weltweiten Flüchtlingssituation hervor. Grund für die Entwicklung sind vornehmlich bewaffnete Konflikte wie der Bürgerkrieg in Syrien.

Bei den 45,2 Mio. Flüchtlingen handelt es sich sowohl um Binnenvertriebene (28,8 Mio.) als auch um Flüchtlinge, die sich in ein anderes Land retten mussten (15,4 Mio.). Hinzu kommen Personen, die in einem Aufnahmeland bereits einen Asylantrag gestellt haben (1 Mio.). Die Zahlen stützen sich auf Daten der Regierungen, NGOs und des UNHCR.

Allein 2012 seien 7,6 Mio. Menschen aus ihren Heimatorten geflohen, darunter 6,5 Mio. innerhalb und 1,1 Mio. außerhalb ihres Landes. Pro Tag verließen damit im Schnitt 23.000 Menschen ihr Zuhause. Im Jahr 2003 waren es täglich 11.000 Menschen gewesen.

Herkunftsländer



Die zehn Länder mit dem höchsten Flüchtlingsaufkommen waren Ende 2012: Afghanistan (2,6 Mio. Flüchtlinge), Somalia (1,1 Mio.), Irak (746.000), Syrien (728.000), Sudan (569.000), Demokratische Republik Kongo (509.000), Myanmar (415.00), Kolumbien (394.000), Vietnam (336.000) und Eritrea (285.000). Mit 81 % hält sich die Mehrheit der Flüchtlinge in Entwicklungsländern auf. 46 % der Flüchtlinge sind unter 18 Jahre alt. Die Hauptfluchtursache sind kriegerische Auseinandersetzungen. Das zeigt sich auch daran, dass über die Hälfte der Flüchtlinge aus den fünf von Konflikten geprägten Staaten Afghanistan, Somalia, dem Irak, Syrien und dem Sudan stammt.

Aufnahmeländer



Die zehn wichtigsten Aufnahmeländer sind: Pakistan (1,6 Mio. aufgenommene Flüchtlinge), Iran (868.000), Deutschland (590.000), Kenia (564.000), Syrien (476.000), Äthiopien (376.000), Tschad (373.000), Jordanien (302.000), China (301.000) und die Türkei (267.000). Die Zahlen beziehen sich auf die Gesamtzahl der im Land lebenden Flüchtlinge. Setzt man die Anzahl der Flüchtlinge in Bezug zur Einwohnerzahl eines Landes, ergibt sich ein anderes Bild. Dann steht Jordanien mit 49 Flüchtlingen pro 1000 Einwohnern an erster Stelle, gefolgt von Tschad (33), Libanon (32), Demokratische Republik Kongo (24), Syrien (23), Mauretanien (23), Dschibuti (22), Malta (20), dem Südsudan (20) und Montenegro (18).

Syrienkonflikt



Dem Konflikt in Syrien, der UN-Angaben zufolge bislang schon über 100.000 Todesopfer forderte, kommt hinsichtlich des weltweiten Flüchtlingsaufkommens derzeit eine Schlüsselrolle zu. Täglich verlassen rund 6.000 Menschen syrisches Territorium. Eine Flüchtlingsbewegung mit vergleichbarem Ausmaß gab es zuletzt beim Völkermord in Ruanda vor 20 Jahren. Die syrischen Binnenvertriebenen sind in dieser Zahl nicht inbegriffen, verlässliche Schätzungen für sie gibt es seitens der Vereinten Nationen nicht (vgl. Ausgaben 7/12, 3/12). Die Zahl der registrierten Flüchtlinge in den umliegenden Staaten nähert sich aktuell der Zwei- Millionen-Marke.

In der jordanischen Wüste, rund 50 km von der Hauptstadt Amman entfernt, wird derzeit mit finanzieller Unterstützung der internationalen Gemeinschaft ein neues Lager für 120.000 Flüchtlinge aus Syrien gebaut. Jordanien beherbergt Regierungsangaben zufolge aktuell schon weit mehr als eine halbe Mio. geflohener Syrer und ist damit das wichtigste Aufnahmeland für diese Flüchtlinge. Deutschland hat seine Unterstützung für syrische Flüchtlinge Anfang August um 20 Mio. Euro auf nun 190 Mio. Euro aufgestockt. Flüchtlingsorganisationen fordern indes, dass Deutschland ein großes Kontingent syrischer Flüchtlinge aufnehmen solle (vgl. Ausgabe 3/13). "Die geplante Aufnahme von 5.000 Flüchtlingen aus Syrien ist ein wichtiges Zeichen", sagte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP). Er mahnte jedoch mit Blick auf den UNHCR-Report: "Wenn aber 80 Prozent der Flüchtlinge von Entwicklungsländern aufgenommen werden, liegt ein Missverhältnis vor." Damit appellierte er an die Industrieländer, ihrer Verantwortung bei der Aufnahme von Flüchtlingen gerecht zu werden.

Weitere Informationen


http://unhcr.org
www.unhcr.org
www.bmz.de
www.proasyl.de
www.caritas-international.de
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Autor: Christoph Wöhrle für bpb.de
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Christoph Wöhrle

Christoph Wöhrle

Christoph Wöhrle ist freier Journalist und lebt in Hamburg. Er hat an der Berliner Journalisten Schule volontiert und schreibt regelmäßig Texte zum Thema Migration und Integration. 2007 wurde er für ein Stück über Migranten mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. E-Mail: christoph.woehrle@gmx.de


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