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15.11.2013

Kurzmeldung – Welt

Russland: Rassistische Mobs nach Mord in Moskau


Mitte Oktober wurde in Birjuljowo, einem Stadtteil im Süden Moskaus, ein 25-jähriger russischer Mann vor den Augen seiner Lebensgefährtin erstochen. Der Mörder wurde als "Nicht-Russe" und kaukasisch aussehend beschrieben. Medienberichten zufolge fanden sich daraufhin bis zu 2.000 Menschen bei einer "Trauer-Demonstration" ein, aus der sich ein rassistischer Mob löste. Dieser stürmte gewaltsam ein mehrheitlich von Migranten betriebenes Einkaufszentrum und verwüstete dieses. Seither ist es landesweit zu Dutzenden Aufmärschen rechter Gruppierungen gekommen. Laut der Moskauer Nichtregierungsorganisation SOVA wurden im Oktober 20 Menschen durch rassistische und neonazistische Angriffe verletzt. In diesem Jahr verzeichnete die Organisation bereits 18 Tote und 141 Verletzte. Moskau ist ein wichtiger Zielort für reguläre und irreguläre Arbeitsmigranten aus südlichen Kaukasusstaaten wie z. B. Georgien und Armenien. Die russische Regierung reagierte mit verschärften Kontrollen und Festnahmen undokumentierter Migranten. Ferner wurden zahlreiche Polizeiverantwortliche entlassen und die Schaffung eines eigenen Ministeriums für interethnische Angelegenheiten erwogen.
www.sova-center.ru

Katar: Ausbeutung von Arbeitsmigranten


Die Situation von Arbeitsmigranten in der Golfregion steht seit Längerem in der Kritik (vgl. Ausgabe 8/09). Nach Berichten über extrem ausbeuterische Arbeitsverhältnisse auf Baustellen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar, denen zufolge Arbeiter unter Zwangsbedingungen immer wieder zu Tode gekommen sein sollen, regt sich deutlicher Widerstand. Gewerkschaften und Fußballverbände in England, Schweden und Deutschland wollen gemeinsam gegen die Ausbeutung von Arbeitern im Vorfeld der WM in Katar vorgehen. So haben sich der Deutsche Fußball-Bund und der Deutsche Gewerkschaftsbund jeweils an ihre Kollegen in Ländern mit einem Sitz im FIFA-Exekutivkomitee gewandt, damit diese auf ihre jeweiligen Gremiumsmitglieder einwirken. Ziel ist es, Mindeststandards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) durchzusetzen. Dazu gehören die Beseitigung von Diskriminierung und Zwangsarbeit sowie die Zulassung von Gewerkschaften. Andernfalls solle Katar die WM-Austragung entzogen werden. Auch die internationale Spielergewerkschaft FIFPro kritisierte die Arbeitsbedingungen und forderte die FIFA auf, diese gemeinsam mit der ILO in Katar zu untersuchen.
www.dgb.de, www.dfb.de, www.fifpro.org, www.hrw.org


Syrien: Prognose zu Flüchtlingszahlen


6,5 Mio. Syrer befinden sich auf der Flucht, 2,2 Mio. von ihnen außerhalb der Landesgrenzen (vgl. Ausgaben 8/13, 7/13, 3/12). Das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) rechnet mit einem Anstieg auf 3,2 Mio. bis Jahresende und auf 5,2 Mio. bis Ende 2014. Die Zahl der zusätzlichen Binnenflüchtlinge könne zudem um weitere 2,25 Mio. Personen auf dann 6,5 Mio. ansteigen. Die meisten Flüchtlinge befinden sich laut Daten des UNHCR im Libanon (805.647), gefolgt von Jordanien (548.780) und der Türkei (513.090). Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) kritisierte, dass zahlreiche Flüchtlinge aus Syrien an den Grenzübergängen zu einigen Ländern der Region zurückgewiesen würden. Vor allem palästinensische Flüchtlinge aus Syrien, alleinstehende Männer sowie Personen ohne Aufenthaltspapiere seien betroffen. Das Vorgehen verstoße gegen internationales Recht. Zudem berichtet AI von zum Teil wochenlanger Inhaftierung syrischer Flüchtlinge in Ägypten.
http://data.unhcr.org,www.amnesty.de
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Stefan Alscher, Fatma Rebeggiani, Janne Grote

Stefan Alscher

Stefan Alscher ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Forschungsfeld "Weltweite und irreguläre Migration, Islam, Demographie, Forschungstransfer, wissenschaftliche Leitung des Doktorandenprogramms". Er ist Redakteur beim Newsletter "Migration und Bevölkerung". E-Mail: stalscher@migra.org


Fatma Rebeggiani

Fatma Rebeggiani ist Doktorandin an der Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS) und Redakteurin beim Newsletter "Migration und Bevölkerung". E-Mail: fatmarebeggiani@googlemail.com


Janne Grote

Janne Grote ist Doktorand an der Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS) und freiberuflicher Referent in der politischen Erwachsenenbildung. E-Mail: janne.grote@bigsss-bremen.de


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