zurück 
28.2.2014

Zahl der Asylanträge in Deutschland so hoch wie zuletzt 1999

Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Asylbewerber den höchsten Stand seit 1999 erreicht. Die Gesamtschutzquote lag bei 24,9 %. Gegenüber dem Vorjahr sind die Antragszahlen aus der Russischen Föderation, Bosnien-Herzegowina und Kosovo am stärksten gestiegen.

Asylanträge in Deutschland 1990-2013 (© Deniz Keskin, www.denizkeskin.nl)


Nachdem die Zahl der Asylantragsteller seit Mitte der 1990er Jahre fast kontinuierlich gesunken ist, stieg sie von 28.018 Erst- und Folgeanträgen im Jahr 2008 wieder an. 2013 sind beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 127.023 Asylanträge gestellt worden. Das bedeutet einen Anstieg um 63,6 % gegenüber 2012 (77.651 Anträge). Die Gesamtzahl der eingereichten Anträge setzt sich dabei aus 109.580 Erstanträgen (2012: 64.539, +69,8 %) und 17.443 Asylfolgeanträgen (2012: 13.112, +33 %) zusammen. Die Antragszahlen nahmen insgesamt zu, nicht nur aus den wichtigsten Hauptherkunftsländern. Über 40.000 Asylantragsteller kamen aus Regionen, die nicht zu den Hauptherkunftsgebieten zählen (2012: ca. 20.000). Hochrechnungen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) zufolge könnten 2013 weltweit über 45 Mio. Menschen auf der Flucht gewesen sein (vgl. Ausgaben 1/14, 6/13), darunter über 6 Mio. aus Syrien.

Hauptherkunftsländer



Die meisten Asylbewerber kamen 2013 aus Serbien, der Russischen Föderation, Syrien (jeweils mehr als 10.000 Asylanträge), Mazedonien, Afghanistan (jeweils mehr als 5.000 Anträge), Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Iran, Pakistan und Irak (jeweils weniger als 5.000 Anträge). Mit Ausnahme des Iraks wurde bei allen Hauptherkunftsländern ein Anstieg der Asylantragszahlen gegenüber 2012 verzeichnet (siehe Grafik).

Entscheidungen



Im Laufe des Jahres 2013 hat das BAMF über 80.978 Asylanträge entschieden. 10.915 Asylsuchende (13,5 %) wurden als Flüchtlinge gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt. In weiteren 9.213 Fällen (11,4 %) wurde ein "Abschiebungsschutz" nach § 60 Aufenthaltsgesetz gewährt (vgl. Ausgabe 1/13). Damit lag die Gesamtschutzquote bei 24,9 %. 31.145 Asylanträge (38,5 %) wurden hingegen abgelehnt. Die Anträge von 29.705 Asylsuchenden (36,7 %) haben sich anderweitig erledigt, weil z. B. ein Asylantrag zurückgezogen und das Asylverfahren eingestellt wurde. Die Zahl der noch nicht abgeschlossenen Verfahren belief sich Ende Dezember auf 86.694 Erstanträge und 9.049 Folgeverfahren.

Bei der Entscheidung über die Asylbegehren gab es eindeutige regionale Schwerpunkte. Während die Asylanträge von fast allen Antragstellern aus Syrien positiv beschieden wurden (31,5 % Flüchtlingsanerkennungen, 62,8 % Abschiebungsschutz), wurden Asylanträge aus Serbien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Kosovo "wegen regelmäßig nicht vorliegender Asylgründe" so gut wie nie anerkannt (Anerkennungsquoten unter 0,1 %). Bereits in den vergangenen Jahren war es angesichts der stark gestiegenen Asylsuchendenzahlen aus den Westbalkanstaaten mehrfach zu einer Debatte über den Umgang mit den Asylanträgen aus diesen Ländern gekommen (vgl. Ausgaben 10/12, 9/12). Der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD sieht vor, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien zu sicheren Herkunftsstaaten (gemäß §29a Asylverfahrensgesetz) zu erklären. Asylgesuche von Bürgern dieser Staaten könnten dann als offensichtlich unbegründet abgelehnt werden, es sei denn, die im Antrag hervorgebrachten Gründe weichen von der angenommenen "sicheren" Lage im Herkunftsland ab. Von der Bestimmung "sicherer" Herkunftsstaaten erwarten die Koalitionsparteien eine erhebliche Beschleunigung der Asylverfahren. Insgesamt strebt die Bundesregierung bei Asylverfahren eine durchschnittliche Bearbeitungsdauer von drei Monaten an. Aktuell dauert die Bearbeitung eines Asylantrags durchschnittlich neun Monate (vgl. Ausgabe 10/13).

i

Asylanträge im Januar 2014

Im Januar sind beim BAMF 14.463 Asylanträge (12.556 Erst- und 1.907 Folgeanträge) gestellt worden. Das bedeutet einen Anstieg um rund 77 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Hauptherkunftsländer von Asylsuchenden waren Serbien, Syrien, Mazedonien, Afghanistan, Bosnien-Herzegowina, die Russische Föderation, Somalia, Kosovo, Eritrea und Pakistan. Im selben Zeitraum entschied das BAMF über 10.655 Asylanträge. Insgesamt wurden 1.464 Personen (13,8 %) als asylberechtigt bzw. als Flüchtlinge anerkannt, 633 Asylsuchende (5,9 %) erhielten subsidiären Schutz. Bei weiteren 125 Personen (1,2 %) wurde ein Abschiebungsverbot erteilt. 33 % der Asylanträge wurden abgelehnt, weitere 46,2 % anderweitig erledigt. Die Schutzquote lag mit 20,8 % geringfügig unter dem Vorjahresdurchschnitt. Das BAMF rechnet damit, dass sich der Trend zunehmender Asylantragszahlen 2014 fortsetzen wird. Prognosen zufolge könnten in diesem Jahr etwa 140.000 Menschen einen Asylantrag in Deutschland stellen.

Reaktionen



Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte bei der Vorstellung der Asylstatistik, dass Deutschland trotz gestiegener Asylbewerberzahlen "seinen humanitären Pflichten auch zukünftig in vollem Maße nachkommen" werde. Er betonte, dass er sich auf europäischer Ebene für den Schutz syrischer Flüchtlinge einsetzen werde. Im Dezember 2013 wurde entschieden, dass Deutschland zusätzlich zum bereits beschlossenen Kontingent von 5.000 syrischen Flüchtlingen weitere 5.000 aufnehmen wolle. Allerdings wurde Kritik laut, dass bislang noch nicht einmal die ersten 5.000 Kontingentflüchtlinge aufgenommen seien (vgl. Ausgabe 10/13). Eine einheitliche europäische Kontingentlösung gibt es bislang nicht.

Flüchtlingsorganisationen kritisieren die Pläne der Bundesregierung, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien zu sicheren Herkunftsstaaten erklären zu wollen. Vor allem Roma, die 2013 allein 90 % der Asylsuchenden aus Serbien stellten, würden in diesen Staaten häufig Opfer rassistischer Diskriminierung. Eine pauschale Ablehnung der Asylanträge treffe damit auch potenziell Schutzbedürftige.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/ Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/
Autor: Vera Hanewinkel für bpb.de
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

Vera Hanewinkel

Vera Hanewinkel

Vera Hanewinkel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück und Redakteurin bei focus Migration. E-Mail: vera.hanewinkel@uni-osnabrueck.de


Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln