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Newsletter Migration (Archiv)



Migration und Bevölkerung Ausgabe 3/2015

Deutschland ist dringend auf Einwanderung angewiesen. Das hat die 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung gezeigt, die das Statistische Bundesamt am 28. April vorstellte. Der Grund: die Bevölkerung Deutschlands wird in den kommenden Jahrzehnten stark altern und selbst bei anhaltender Zuwanderung abnehmen. Diese Entwicklungen stellen Wirtschaft und Sozialstaat vor enorme Herausforderungen.

Einwanderung soll dabei entsprechend der Bedürfnisse des Arbeitsmarkts gesteuert werden. Das neue Jahresgutachten des Sachverständigenrats für Integration und Migration vergleicht Modelle der Migrationssteuerung und ihre jeweiligen gesetzlichen Instrumente in Kanada, Schweden, Österreich und Deutschland. Dabei wird deutlich, dass es keinen Königsweg gibt, sondern die "richtigen" Instrumente sinnvoll kombiniert werden müssen.

Dazu gehört auch, das unausgeschöpfte Arbeitskräftepotenzial zu aktivieren. Dazu zählen neben Frauen auch, Migranten und Asylsuchende. Dass es noch eine Menge zu tun gibt, um ihre Arbeitsmarktintegration zu verbessern, belegen der Ausbildungsbericht 2015 und die Arbeitsmarktprognose 2030. Allerdings erleben Asylsuchende zunehmend Anfeindungen. In Zeiten steigender Flüchtlingszahlen in ganz Europa steigt die Zahl der Demonstrationen gegen Not- und Aufnahmeunterkünfte. Zugleich solidarisieren sich aber auch viele Deutsche mit den Schutzsuchenden und machen sich für sie stark. Eine aktuelle Studie untersucht die Strukturen und Motive des ehrenamtlichen Engagements für Flüchtlinge.

Hilfe kann aber nur den Schutzsuchenden zuteil werden, die es sicher nach Europa schaffen. Die riskanten Versuche, über das Mittelmeer nach Europa zu kommen, nehmen aktuell aufgrund des milden Frühlingswetters wieder zu. Tausende in Seenot geratene Schutzsuchende wurden in den vergangenen Wochen auf hoher See aufgegriffen. Im April starben jedoch erneut hunderte Migranten, als ein Schiff vor der libyschen Küste kenterte. Die EU-Staatschefs beschlossen wieder zahlreiche politische Maßnahmen, die vom Europäischen Parlament, den Vereinten Nationen sowie von Flüchtlingsorganisationen als zu stark auf die Abwehr von Migranten fokussiert kritisiert werden. Die Abwehr von Migranten hält Australiens Premier Tony Abbott als das einzig sinnvolle Mittel, um weitere Flüchtlingskatastrophen zu verhindern. Nun hat er der EU seine Expertise angeboten. Was eine Übernahme der australischen Abschreckungspolitik an Europas Außengrenzen bedeuten würde, erklärt der australische Flüchtlingsexperte Dr. Graham Thom von Amnesty International .

Derweil erreichen immer mehr Flüchtlinge die griechische Küste. Regierungssprecher Gavriil Sakellaridis sorgte für Aufsehen, als er ankündigte, irreguläre Migranten würden mit den nötigen Papieren zur Weiterreise in andere EU-Staaten ausgestattet. Die griechische Migrationsforscherin Anna Triandafyllidou vom European University Institute in Florenz überrascht das nicht. Sie erklärt, warum Europa Griechenland dringend helfen muss.

Nicht mehr helfen will Kenia, nachdem bei einem islamistischen Anschlag auf das University College in Garissa Anfang April über einhundert Menschen getötet worden sind. Die Regierung vermutet, dass sich die Islamisten unter den 350.000 somalischen Flüchtlingen in Dadaab verstecken, und kündigte an, dieses größte Flüchtlingslager der Welt zu schließen. Die Vereinten Nationen kritisierten Kenias Vorhaben deutlich.

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