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24.11.2011

Weltbevölkerungsbericht: 7 Mrd. Menschen

Innerhalb von nur zwölf Jahren ist die Weltbevölkerung um eine weitere Milliarde Menschen gewachsen und beträgt nun rund 7 Mrd. Personen. Das schnelle Wachstum wird sich voraussichtlich bis Mitte des 21. Jahrhunderts fortsetzen. Einen besonders hohen Zuwachs wird die Bevölkerung Afrikas verzeichnen. In einigen Staaten Europas, darunter auch Deutschland, ist hingegen ein Bevölkerungsrückgang zu erwarten.

Am 26. Oktober stellte der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) den Weltbevölkerungsbericht 2011 vor. Der jährlich erscheinende Report beschreibt die Bevölkerungsentwicklung in den Weltregionen sowie die daraus resultierenden Herausforderungen und Chancen. Auf einer Pressekonferenz am 31. Oktober erklärten der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki Moon sowie UNFPA-Direktor Babatunde Osotimehin, dass auf der Welt mittlerweile 7 Mrd. Menschen lebten. Ban Ki Moon rief die Regierungen der Welt auf, sich den Herausforderungen des Bevölkerungswachstums zu stellen. Dabei unterstrich er, dass vor allem nachhaltige Entwicklung, Armutsbekämpfung, die Förderung von Frauen und Jugendlichen sowie der Zugang zu Gesundheitsversorgung notwendig seien.

Nach der aktuellen Bevölkerungsprognose der UN-Bevölkerungsabteilung wird die Weltbevölkerung bei leicht sinkender Geburtenrate (mittleres Szenario) bis Mitte des Jahrhunderts auf 9,3 Mrd. Menschen anwachsen (vgl. MuB 5/11). Falls jedoch die Geburtenrate unverändert bliebe oder wieder anstiege, könnte die Weltbevölkerung im Jahr 2050 auch 10 oder 11 Mrd. Personen betragen.

Während in den 1950er Jahren die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau bei 6,0 lag, liegt dieser Wert heute bei 2,5 Kinder pro Frau. Die Vereinten Nationen erwarten einen weiteren Rückgang auf 2,0 Kinder pro Frau bis zum Jahr 2100. Bei durchschnittlich 2,1 Kindern pro Frau bleibt eine Bevölkerung gleich groß, dies ist das so genannte Ersatzniveau.

Maßnahmen



Um die in einigen Weltregionen weiterhin hohe Kinderzahl pro Frau reduzieren zu können, sei v. a. eine gute Schul- und Berufsbildung für Mädchen und junge Frauen zu garantieren. Dann würde eine hohe Kinderzahl nicht mehr als einzige Möglichkeit der Altersabsicherung angesehen. Ferner sei ein möglichst einfacher Zugang zu bezahlbaren Verhütungsmitteln wichtig. Gerade in Städten sei dies eher möglich als in ländlichen Regionen, so dass der weltweite Trend zur Urbanisierung auch einen Beitrag zur Reduzierung des hohen Bevölkerungswachstums leiste.

Regionen



Asien wird die bevölkerungsreichste Region der Erde bleiben. Gemäß dem mittleren Szenario der UN-Bevölkerungsabteilung wird die Bevölkerung Asiens zunächst bis zum Jahr 2050 von derzeit 4,2 Mrd. auf über 5 Mrd. Menschen anwachsen und dann bis zum Ende des Jahrhunderts auf ca. 4,6 Mrd. zurückgehen (siehe Tabelle). Angesichts weiterhin hoher Geburtenraten und einer Verbesserung der Gesundheitsversorgung wird sich dem mittleren Szenario zufolge die Bevölkerung Afrikas von derzeit rund 1 Mrd. bis Ende des Jahrhunderts mehr als verdreifachen (knapp 3,6 Mrd.).

Bevölkerung nach Regionen

In den übrigen Weltregionen, also Europa, Nord- und Lateinamerika, der Karibik sowie Ozeanien, wird die Bevölkerung von derzeit 1,7 Mrd. bis zum Jahr 2060 auf knapp 2 Mrd. Menschen anwachsen und dann bis zum Ende des Jahrhunderts einen sehr langsamen Rückgang auf 1,95 Mrd. Menschen verzeichnen. Europa erreicht der Bevölkerungsprognose zufolge im Jahr 2025 den Scheitelpunkt mit 740 Mio. Menschen (2010: 738 Mio.), bis zum Ende des Jahrhunderts geht die Bevölkerung dann auf 675 Mio. zurück (mittleres Szenario).

Hunger



Obwohl der relative Anteil unterernährter Menschen zurückgegangen ist, stieg die absolute Zahl der Hungernden nach Angaben der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) zwischen 2008 und 2010 von 850 Mio. auf 925 Mio. Personen an. Dies sei u. a das Ergebnis des Klimawandels und der Erhöhung von Lebensmittelpreisen aufgrund von Spekulationen auf Agrarrohstoffe. Auch die massive Verdrängung von Anbauflächen für Nahrungsmittel durch die Ausweitung der Produktion von Bioethanol habe dazu beigetragen. Der diesjährige Bericht weist jedoch darauf hin, dass ausreichend Nahrungsmittel produziert werden können, um die Weltbevölkerung zu versorgen.

Migration



Die ungleiche Verteilung von Ressourcen, Vermögen und Einkommen ist schließlich auch ein bestimmender Faktor für die nationalen und internationalen Migrationsbewegungen. Laut UN-Bevölkerungsbericht leben derzeit etwa 214 Mio. Menschen außerhalb des Landes, in dem sie geboren wurden (2000: 150 Mio.). Die Zahl der Binnenmigranten ist nicht näher bestimmbar, dürfte aber weitaus höher liegen als die Zahl internationaler Migranten.

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Info-Box

Bevölkerungsentwicklung in Deutschland

Zeitgleich zum Weltbevölkerungsbericht 2011 wurde Ende Oktober auch der Demografiebericht der Bundesregierung veröffentlicht. Dem Bericht zufolge wird Deutschland bis zum Jahr 2060 bis zu 17 Mio. Einwohner, also etwa ein Fünftel der Bevölkerung, verlieren (2010: 81,7 Mio.). Vom Bevölkerungsrückgang sind v.a. die neuen Bundesländer (ohne Berlin) betroffen. Deren Einwohnerzahl werde in 50 Jahren um 4,7 Mio. Personen (- 36 %) zurückgehen. Dem Bericht zufolge kann ein Bevölkerungszuwachs auch auf regionaler Ebene nur durch Zuwanderung entstehen. Insbesondere in Ballungsräumen werde der Anteil von Personen mit Migrationshintergrund weiter zunehmen, so die Prognose (vgl. MuB 8/11). Bereits im Jahr 2020 werden in Deutschland laut Bericht 6,5 Mio. Arbeitskräfte fehlen. Die Bundesregierung kündigte an, im Frühjahr 2012 eine Strategie zum Umgang mit dem demografischen Wandel vorzulegen.
www.bmi.bund.de
Es ist davon auszugehen, dass die ungleiche Verteilung des Bevölkerungswachstums, also ein hohes Wachstum in weniger entwickelten Regionen und ein niedriges Wachstum oder gar teilweiser Rückgang in den stärker entwickelten Regionen, den Wanderungsdruck erhöhen wird. Der Weltbevölkerungsbericht weist daher auf die Bedeutung der internationalen Migration als Faktor der wirtschaftlichen Entwicklung in Ziel- und Herkunftsländern hin. Vor allem in den alternden Gesellschaften der Industrieländer solle die Zuwanderung als Entwicklungsinstrument und Kapitalquelle betrachtet werden. Für die Herkunftsländer seien die Rücküberweisungen von großer Bedeutung. Diese Gelder werden allerdings überwiegend privat genutzt, beispielsweise zur Unterstützung von Familienangehörigen. Einige Staaten, wie z. B. Indien, haben daher spezifische Instrumente wie "Diaspora-Bonds" für die Finanzierung von Entwicklungsprojekten eingerichtet, die durch Rücküberweisungen von Migranten gedeckt werden.

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