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1.12.2010

Welt: Wachsende Migration verlangt neue Strategien

Regional unterschiedliche demografische Entwicklungen, die zunehmende Mobilität der Arbeitskräfte und die Folgen des Klimawandels werden immer mehr Menschen veranlassen, ihr Herkunftsland zu verlassen. Die Internationale Organisation für Migration macht in ihrem Migrationsreport Vorschläge, wie sich Regierungen und Organisationen darauf vorbereiten können.

Immer mehr Menschen werden künftig zu Migranten. Dies geht aus dem "World Migration Report 2010" hervor, den die Internationale Organisation für Migration (IOM) Ende November in Genf vorstellte. Unter dem Titel "Die Zukunft der Migration – Kapazitäten für Veränderungen schaffen" beschäftigt sich die Organisation mit den zukünftigen Wanderungsbewegungen und den sich daraus ergebenden Herausforderungen für Staaten und Organisationen weltweit.

Auf etwa 1 Mrd. Menschen schätzte das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) im vergangenen Jahr die Zahl der Migranten weltweit (davon 740 Mio. Binnenmigranten). Die IOM geht davon aus, dass diese Zahlen weiter steigen werden. Allein die internationale Migration würde bei gleich bleibenden Wachstumsraten auf 405 Mio. Migranten bis 2050 steigen, schätzt die IOM auf der Basis der Zahlen der UN-Hauptabteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten UNDESA (2000: 150 Mio., 2010: 214 Mio.).

Unterschiedliche demografische und ökonomische Faktoren in den Herkunfts- und Zielländern, die steigende Mobilität von Arbeitskräften in den Entwicklungsländern sowie die umwelt- und klimabedingte Verschlechterung der Lebensbedingungen in einigen Regionen sind die wichtigsten Triebkräfte der zunehmenden Migration. Studien bestätigen dies, wie etwa die im Januar vorgestellte Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für Afrika.

Laut IOM wird die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte in den Entwicklungsländern in den kommenden Jahrzehnten um 50% von 2,4 Mrd. (2005) auf 3,6 Mrd. (2040) zunehmen, während die Nachfrage dort nicht in gleichem Maße steigen wird. Die globale Ungleichverteilung von Arbeitskräften und Arbeitskräftebedarf werde zwangsläufig zu erhöhten Wanderungsbewegungen führen, heißt es in dem Bericht.

Die Autoren gehen außerdem davon aus, dass besonders die irreguläre Migration zunimmt. Ihr Anteil wird steigen, weil das Arbeitskräfteangebot in den Herkunftsregionen den Arbeitskräftebedarf in den Zielregionen übersteigt und diese die legalen Einreisemöglichkeiten beschränken. Dies habe zur Folge, dass neben Wirtschaftsmigranten zunehmend unbegleitete Minderjährige, Asylsuchende sowie Opfer von Menschenhandel, Naturkatastrophen oder Klimawandel auf irregulärem Weg versuchen einzuwandern.

Parallel dazu würden sich die regionalen Migrationsrouten verändern, prognostiziert die IOM. Aufstrebende Wirtschafsregionen in Asien (China, Golfstaaten, Indien, Malaysia, Singapur), Afrika (Ghana, Liberia, Südafrika) und Lateinamerika (Brasilien, Argentinien, Bolivien, Mexiko) würden bereits jetzt immer stärker zu bevorzugten Zielregionen von Arbeitsmigranten. Der Anteil der Migrationsbewegungen zwischen Staaten der Südhalbkugel (so genannte Süd-Süd-Migration) an den weltweiten Wanderungsbewegungen wachse stetig. Dies geschieht auch aufgrund der zunehmenden Binnenwanderung vom ländlichen Raum in die entstehenden urbanen Regionen innerhalb der Entwicklungsländer, insbesondere in den Staaten des subsaharischen Afrika. Nichtsdestotrotz blieben die Industriestaaten weiterhin die wichtigsten Zielländer für Arbeitsmigranten.

In ihrer Analyse der bestehenden Migrationspolitiken kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass die aktuellen Strategien zur Kontrolle und Steuerung von Migration der zu erwartenden Zunahme an Migration nicht gewachsen sind. Daher schlägt die Organisation in ihrem Bericht zahlreiche Maßnahmen vor, mit denen sich Staaten und internationale Organisationen auf die künftigen Wanderungsbewegungen adäquat vorbereiten können. Sie reichen von Empfehlungen zu nationalen und internationalen legislativen Initiativen bis hin zu konkreten Handlungsaufforderungen, etwa die stärkere politische Auseinandersetzung mit dem Phänomen der irregulären Migration oder die Einbindung von Diasporagemeinschaften in die Steuerung der internationalen Migration. Die Wahrung der Rechte von Migranten und besonders schutzbedürftigen Personen müsse dringend verbindlich geregelt werden. Darüber hinaus sollten Staaten untereinander sowie mit den im Migrationsbereich tätigen Organisationen stärker zusammenarbeiten, um die vorhandenen Erfahrungen, Erkenntnisse und Ressourcen besser zu nutzen.
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