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1.3.2010

Weniger Rücküberweisungen durch Weltwirtschaftskrise

Wie zu Beginn der Weltwirtschaftskrise prognostiziert, sind die Rücküberweisungen von Migranten in ihre Heimatländer im Jahr 2009 stark zurückgegangen. Nach Schätzungen der Weltbank sanken die Rücküberweisungen in Entwicklungsländer insgesamt um 6%. Besonders stark betroffen waren Lateinamerika und Zentralasien.

Nach aktuellen Schätzungen sind die Rücküberweisungen von Migranten in Entwicklungsländer von 338 Mrd. US-Dollar im Jahr 2008 auf 317 Mrd. US-Dollar im Jahr 2009 gesunken. Mit wenigen Ausnahmen ist dieser Rückgang nicht auf gestiegene Rückkehrmigration zurückzuführen, sondern darauf, dass die Neumigration abgenommen hat und bereits ausgewanderte Migranten weniger Geld verdienen und nach Hause schicken können. Allerdings haben sich die Rücküberweisungen in verschiedenen Weltregionen unterschiedlich entwickelt.

Lateinamerika und die Karibik: Nach Berechnungen der Inter-Amerikanischen-Entwicklungsbank (IADB) sind hier die Rücküberweisungen insgesamt um 15% von 69,2 Mrd. im Jahr 2008 auf 58,8 Mrd. US-Dollar im Jahr 2009 gesunken. Dabei beeinflusste vor allem der Rückgang in Mexiko um 16% die Statistik. Da die Emigration aus Mexiko fast ausschließlich auf die USA gerichtet ist, waren die Rücküberweisungen dort stark von der gestiegenen Arbeitslosigkeit in den USA beeinflusst. Die Rücküberweisungen nach Brasilien nahmen sogar um über 20% ab. Dies liegt nach Einschätzung der IADB jedoch an einer gestiegenen Rückmigration. Viele Migranten kehren nach Hause zurück, da Brasilien von der Weltwirtschaftskrise weniger stark betroffen ist als beispielsweise Japan und die USA.

Asien: In einigen Staaten Asiens haben die Rücküberweisungen gegen den generellen Trend zugenommen. Nach Schätzungen der Weltbank stiegen die Rücküberweisungen in Pakistan um 24%, in Bangladesch um 16% und in Nepal um 13%. Zunahmen verzeichneten vor allem Länder, aus denen sich ein Teil der Auswanderung auf die Golfstaaten richtet. Wegen der weiterhin starken Finanzkraft und langfristiger Bauprojekte in einigen der Golfstaaten, vor allem in Saudi-Arabien, waren die Einwanderer dort weniger stark von der Krise betroffen. Insgesamt sanken die Rücküberweisungen nach Ostasien und in Pazifikstaaten leicht um 1,5%, von 86 auf 85 Mrd. US-Dollar und nach Südasien um 1,8%, von 73 auf 72 Mrd. US-Dollar.

Mittlerer Osten und Afrika: Insgesamt schätzt die Weltbank, dass die Rücküberweisungen in den Mittleren Osten und nach Nordafrika 2009 um fast 8%, von 35 auf 32 Mrd. US-Dollar zurückgegangen sind. Besonders betroffen war dabei Ägypten, wo die Rücküberweisungen in der ersten Hälfte des Jahres um 20% im Vergleich zum Vorjahr zurückgingen. Marokko verzeichnete in den ersten acht Monaten ebenfalls einen Rückgang von 20%. Im subsaharischen Afrika sanken die Rücküberweisungen weniger stark um durchschnittlich 2,9% auf 21 Mrd. US-Dollar.

Europa und Zentralasien: Die Rücküberweisungen nach Europa und Zentralasien haben laut der Schätzung um fast 15% abgenommen, von 58 auf 49 Mrd. US-Dollar. Der Rückgang in Armenien und Tadschikistan war mit 33% bzw. 34% besonders stark. Betrachtet man allerdings die Entwicklung der Summe der Rücküberweisungen in russischen Rubeln anstatt in US-Dollar, fällt der Rückgang durch die starke Abwertung des Rubels gegenüber dem US-Dollar wesentlich geringer aus. Für Armenien beträgt er dann 8% und für Tadschikistan 10%. Diese Verminderung ist dennoch dramatisch, wenn man bedenkt, dass Rücküberweisungen 50% des Bruttoinlandprodukts (BIP) von Tadschikistan und fast 9% des BIP von Armenien ausmachen. Die Rücküberweisungen nach Rumänien und Polen sind um 15% bzw. 21% gesunken.

Prognose: Für 2010 erwartet die Weltbank wegen des weiterhin schwachen Wachstums der Weltwirtschaft nur eine leichte Zunahme der Rücküberweisungen auf 322 Mrd. US-Dollar. Für 2011 wird ein Wachstum der Rücküberweisungen von ca. 4% auf 334 Mrd. US-Dollar erwartet. Allerdings gelten diese Zahlen unter der Annahme eines gemäßigten Wachstums in den wichtigsten Einwanderungsländern.

Einer der Autoren der Studie Dilip Ratha betonte, dass Rücküberweisungen trotz der zum Teil starken Rückgänge im Jahr 2009 wesentlich beständigere Geldflüsse sind als andere private Investitionen (vgl. MuB 2/07). Deshalb sind sie gerade in Krisenzeilen eine wichtige Finanzierungsquelle für Entwicklungsländer. Die Politik müsse deshalb dafür sorgen, dass Migration erleichtert und der Transfer von Rücküberweisungen billiger, sicherer und ihre Verwendung in den Entwicklungsländern produktiver werde.
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