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1.6.2009

Pakistan: 500.000 Menschen auf der Flucht

Die Militäroffensive gegen die Taliban im Nordwesten Pakistans hat Anfang Mai nach UN-Angaben binnen weniger Tage eine halbe Million Menschen in die Flucht getrieben. Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen warnte vor einer neuen Flüchtlingskatastrophe.

Die pakistanischen Streitkräfte setzten am 9. Mai ihre Angriffe im Swat-Tal nordwestlich von der Hauptstadt Islamabad fort. Nach Angaben der Truppen wurden binnen zweier Kampftage 140 Aufständische getötet. Augenzeugen berichteten außerdem von vielen zivilen Opfern, darunter auch Frauen, Kinder und Alte. Tausende Zivilpersonen waren während der Kämpfe in der Stadt Mingora eingeschlossen. Die Bewohner forderten eine Feuerpause, um sich in Sicherheit bringen zu können.

Es sei ein Militäreinsatz in großem Ausmaß im Gange, um die Region von den Taliban zu befreien, sagte Generalmajor Athar Abbas. Die Truppen stünden vor Problemen, weil ein Teil der Bevölkerung des Tals mit den Taliban sympathisiere und sich als menschliche Schutzschilde zur Verfügung stelle.

Die Flüchtlinge fliehen derzeit in Lager am Rand des Swat-Tals und in die Region der Hauptstadt Islamabad. Seit Ausbruch der Kämpfe sind rund 500.000 Menschen auf der Flucht.

Ministerpräsident Yousuf Raza Gilani (Pakistanische Volkspartei, PPP) warb bei der Bevölkerung um Unterstützung für die Großoffensive. Ziel sei es, diejenigen "auszulöschen, die den Frieden und die Ruhe im Land zerstört haben und Pakistan als Geisel nehmen wollen", sagte Gilani in einer Fernsehansprache. Pakistans Präsident Asif Ali Zardari (PPP) sagte während eines Besuchs in den USA, der Militäreinsatz werde so lange andauern, bis wieder "Normalität" herrsche. Die US-Regierung befürwortete die Offensive.

Pakistan war in der Vergangenheit wiederholt von der internationalen Staatengemeinschaft vorgeworfen worden, zu wenig gegen die Taliban zu unternehmen. Diese hatten in Pakistan wiederholt Nachschubkonvois zur Versorgung der Isaf-Truppen angegriffen. Die pakistanische Staatsspitze setzte damit ein im Februar mit den islamistischen Extremisten in der Region getroffenes Abkommen außer Kraft. Im Gegenzug zu einem Waffenstillstand war im Swat-Tal und sechs weiteren Bezirken die islamische Scharia als allgemeine Rechtsform eingeführt worden.

Ein Armeesprecher erklärte, die Aufständischen seien auf der Flucht. Gleichzeitig versuchten sie, Zivilisten am Verlassen der Region zu hindern. Die verhängte Ausgangssperre dürfte die Möglichkeiten für Zivilisten weiter einschränken, aus dem Kampfgebiet zu fliehen. Augenzeugen beschuldigten die Taliban und die Armee, bei ihren Angriffen auch wahllos Zivilisten zu töten.

Das UN-Flüchtlingshochkommissariat in Genf warnte, in Nordwestpakistan könne die Zahl der Flüchtlinge schnell auf 1 Mio. anwachsen und eine humanitäre Katastrophe auslösen. Die Flüchtlinge sollen nach dem Ende der Kämpfe rasch ins Swat-Tal zurückkehren können.
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