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22.6.2011

Chronologie des Frauenfußballs

Die Chronologie zeigt die Entwicklung des Frauenfußballs in Europa und speziell in Deutschland und der DDR auf. Der Zeitraum reicht von 1894 bis heute.

Die Anfänge des Frauenfußballs in Europa



1881
Erste Begegnung zweier Frauenfußball-Teams in Schottland

1894
Nettie Honeyball gründet mit den "British Ladies" Englands erstes Frauenfußballteam.

1895
10.000 Zuschauer sehen in London das erste Frauenfußballspiel nach Regeln des englischen Fußballverbandes zwischen Süd-England und Nord-England.

1912
Mit "Femina Paris" wird Frankreichs erster Damenfußballclub gegründet.

1917
Der Frauenfußball boomt in England. Munitionsarbeiterinnen gründen 1917 die legendären "Dick Kerr's Ladies". Frauenfußballspiele finden auf der Insel als Wohltätigkeitsspiele statt.

1918/1919
In Frankreich wird die erste Frauenfußball-Meisterschaft ausgetragen.

1919
Der Französische Fußballverband (FFF) wird gegründet. Er weigert sich, Fußballerinnen aufzunehmen.

1920
In Everton spielen Dick Kerr's Ladies gegen St. Helen vor 53.000 Zuschauern.

1921
Der englische Fußball-Dachverband, die "Football Association" (F.A.), verbietet seinen Vereinen, Plätze für Frauenfußball zur Verfügung zu stellen.

1922
Erste Gründung von Frauenfußball-Teams in Österreich.

1923
Das Team der Dick Kerr's Ladies hat die stolze Summe von 70.000 Pfund für wohltätige Zwecke eingespielt.

1935
Gründung der "Österreichischen Damenfußball Union".

1936
Erste österreichische Damenfußballmeisterschaft.

Frauenfußball in Deutschland



1925
Frauen spielen im Umfeld des "Arbeiter-Turn- und Sportbundes" (ATSB) Fußball. Aber auch unter Studentinnen wird gelegentlich gekickt.

1930
Lotte Specht gründet mit dem 1. DFC Frankfurt Deutschlands ersten Frauenfußballclub.

1931
Der 1.DFC Frankfurt wird aufgelöst.

1951
Beim FC Blau-Weiß Oberhausen spielen Frauen unter Anleitung von Rolf Warschun Fußball. Ein öffentliches Spiel wird ihnen jedoch verwehrt. Als die 22 Damen dennoch auflaufen, wird Rolf Warschun vom DFB lebenslang für alle Fußball-Ämter gesperrt.

1955
Im Ruhrgebiet gründen mit Fortuna Dortmund und Gruga Essen die ersten Damenfußballvereine. Die Bild-Zeitung spricht von einem "Fußball-Sturmlauf auf Stöckelschuhen". Die Spiele finden teilweise großes Zuschauerinteresse. Daraufhin beschließt der DFB auf seinem Bundestag in Berlin am 30.7.1955 "aus ästhetischen Gründen und grundsätzlichen Erwägungen" ein Damen-Spielverbot. Er verbietet d seinen Vereinen, Plätze für Damenfußballspiele zur Verfügung zu stellen und Damenfußballabteilungen zu gründen.

1956
Trotz DFB-Verbot folgen weitere Vereinsgründungen, u.a. von Rhenania Essen, DFC Bochum, Grün-Weiß Dortmund und DFV Nürnberg. Im September findet in Essen vor 18.000 Zuschauern das erste (inoffizielle) Damenfußball-Länderspiel zwischen Deutschland und Holland statt (2:1).

1965
Von 1956 bis 1965 werden mehr als 150 inoffizielle Damenfußball-Länderspiele ausgetragen, u.a. gegen England, Österreich und Holland.

1968
In Frankfurt gründet sich der hessische Frauenfußballverein "SG Oberst Schiel", der im hessischen Raum Frauen-Fußballpionierarbeit leistet. Weitere DFB-Vereine nehmen Frauen auf und gründen Damenfußball-Abteilungen. (SC Bad Neuenahr, TuS Wörrstadt). Überall in der Bundesrepublik entstehen Frauenfußball-Teams.

1970
Zwischen 40.000 und 60.000 Mädchen und Frauen kicken nach Schätzungen abseits vom DFB. Im Sommer findet in Italien die erste inoffizielle Damen-Fußballweltmeisterschaft statt. Als Vertreter Deutschlands wird das Frauenteam vom SC 07 Bad Neuenahr eingeladen. Am 31.10. hebt der DFB sein Damenfußball-Verbot auf.

1971
Am 21.3. findet in Hamburg mit 28 Teams die erste Stadtmeisterschaft statt. Der DFB zählt 112.000 weibliche Mitglieder.

1973
In Endspiel um den "Goldpokal" (inoffizieller Meisterpokal) schlägt TuS Wörrstadt den FC Bayern München mit 3:1.

1974
Erste offizielle Deutsche Frauenfußball-Meisterschaft: TuS Wörrstadt schlägt im Finale Eintracht Erle (Gelsenkirchen) in Mainz vor 4.000 Zuschauern mit 4:0.

1976
Mit Tina Theune-Meyer erwirbt erstmals eine Frau in Deutschland eine Trainer-Lizenz.

1981
Einführung der Pokalrunde. Erster Pokalsieger wird die SSG Bergisch-Gladbach.

1982
Erstes Spiel Frauenfußball-Nationalelf. Deutschland besiegt die Schweiz vor 5.500 Zuschauern in Koblenz mit 5:1. Nationaltrainer ist Gero Bisanz.

1989
Deutschland gewinnt im eigenen Land die Europameisterschaft. Als Prämie erhalten die Europameisterinnen ein Kaffee- und Tafelservice. Der DFB richtet einen eigenen Ausschuss für Mädchen- und Frauenfußball ein. Vorsitzende wir die Hamburgerin Hannelore Ratzeburg.

1990
Einführung der zweigleisigen Bundesliga.

1991
Deutschland wird bei der ersten Frauenfußball-WM in China Vierter. In Dänemark verteidigt das Nationalteam seinen Europameisterschafts-Titel.

1992
Der DFB zählt inzwischen rund 535.000 weibliche Mitglieder.

1995
Deutschland wird bei der WM in Schweden Vizeweltmeister und im eigenen Land erneut Europameister. Hannelore Ratzeburg wird als erste und einzige Frau in den DFB-Vorstand gewählt.

1996
Tina Theune-Meyer löst Gero Bisanz ab und wird Nationaltrainerin.

1997
Deutschland gewinnt in Oslo den vierten Europameister-Titel. Die eingleisige Bundesliga mit 12 Teams wird eingeführt.

1998
Heidi Mohr wird zu "Europas Fußballerin des Jahrhunderts" gewählt.

2000
Deutschland gewinnt bei den olympischen Spielen in Australien die Bronze-Medaille.

2001
Deutschland wird im eigenen Land erneut Europameister. In den USA startet mit der WUSA, der Women´s United Soccer Association, die erste Frauenfußball-Profiliga. Die Nationalspielerinnen Bettina Wiegmann, Maren Meinert und Doris Fitschen werden von amerikanischen Clubs unter Vertrag genommen. Später folgt ihnen u.a. Birgit Prinz in die USA.

2002
Der 1. FFC Frankfurt gewinnt den erstmals ausgespielten europäischen Meisterpokal der Frauen, den UEFA-Pokal.

2003
Deutschland wird in den USA Fußballweltmeister. Birgit Prinz wird erstmals zur Weltfußballerin des Jahres gekürt.

2004
Deutschland gewinnt bei den olympischen Spielen in Griechenland die Bronze-Medaille. Die 2. Bundesliga wird eingeführt.

2005
Turbine Potsdam gewinnt den UEFA-Pokal. "Die Zukunft des Fußballs ist weiblich": In Köln findet der erste Kongress für Mädchen- und Frauenfußball in Deutschland statt. Deutschland wird bei der EM in England zum sechsten Mal Europameister. Der DFB zählt bereits 870.000 weibliche Mitglieder. Silvia Neid löst Tina Theune-Meyer als Bundestrainerin ab.

2006
Am 28. April kommt es in Teheran zu einer bemerkenswerten Frauenfußball-Begegnung. Das multikulturelle Team von AL Dersimspor aus Berlin Kreuzberg spielt gegen die iranische Nationalelf.

2007
Die deutsche Frauennationalelf verteidigt ihren Titel und wird zum zweiten Mal Weltmeister. Hannelore Ratzeburg wird am 26. Oktober 2007 ins DFB Präsidium gewählt, wo sie für den Mädchen- und Frauenfußball zuständig ist. Der Weltfußballverband FIFA vergibt die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 nach Deutschland.

2008
Der Verein Eurient veranstaltet in Leipzig sein erstes internationales Frauenfußball-Camp "Kick it". 30 junge Fußballerinnen aus Algerien, Jordanien, der Türkei, Serbien, Norwegen und Deutschland nehmen daran teil.

2009
Deutschland wird in Finnland erneut (zum siebten Mal) Europameister. Rekordkulisse in Frankfurt: Zum Länderspiel Deutschland – Brasilien, die Neuauflage des WM-Finales 2007, kommen über 44.825 Zuschauer. Das ist europäischer Rekord.

2010
Turbine Potsdam gewinnt die erstmals ausgespielte Womens Champions League. Die U-20 Weltmeisterschaft findet in Deutschland statt und die DFB-Elf gewinnt den Titel. Das DFB-Pokalfinale findet erstmals als eigenständige Veranstaltung, losgelöst vom Berliner Männerfinale, in Köln statt. Über 26.000 Zuschauer sehen die Finalbegegnung, die der FCR Duisburg mit 1:0 gegen den USV Jena gewinnt.

Frauenfußball in der DDR



1960
In der DDR-Fußballzeitschrift Die neue Fußballwoche erscheint im Februar 1960 eine Reportage über ein Damenfußballspiel in Dresden.

1968
Der bulgarische Student Wladimir Zwetkow gründet in Dresden und Umgebung mehrere Frauenfußballteams. Als erster Club entsteht die BSG Empor Dresden-Mitte. Im gleichen Jahr gründet Waltraud Horn die BSG Chemie Leipzig.

1969
Zwischen Empor Mitte-Dresden und Empor Possendorf findet vor 1.600 Zuschauern eines der ersten Frauenfußballspiele in der DDR statt.

1970
In Dresden kicken acht Teams in einer Stadtliga um die Stadtmeisterschaft.

1971
Bereits 150 Frauenteams sind am Ball. Turbine Potsdam wird gegründet.

1979
Der Fußball-Verband der DDR, der DFV, beschließt die "Ermittlung der DDR-Besten-Frauenmannschaft". Erster DDR-Besten-Sieger wird die BSG Motor Karl-Marx Stadt.

1981
360 Frauenteams kicken in der DDR. DDR-Besten-Sieger wird Turbine Potsdam.

1990
Erstmals wird die DDR-Meisterschaft ausgespielt. Erster und einziger Meister wird die BSG Post Rostock. Am 9.5. findet in Potsdam das einzige Länderspiel einer DDR-Frauen-Nationelf statt. Gegner ist die Auswahl der CSFR, die die Partie mit 3:0 gewinnt.

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Eduard Hoffmann und Jürgen Nendza

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