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Landesflagge Brasilien

Bei den brasilianischen Fans ruft Deutschland schlimme Erinnerungen wach. Nach dem WM-Sieg von 1970 in Mexiko herrschte in Brasilien der Glaube, dass "futebol arte", die "Fußball-Kunst" Brasiliens dem europäischen Fußball nicht nur ebenbürtig, sondern überlegen sei. Doch bei der WM 1974 erlebte das brasilianische Nationalteam ein Rückschlag. Im Halbfinale verloren die "Künstler" sang und klanglos mit 0:2 gegen die Niederlande. Diese Niederlage war der Auftakt zu einer 24-jährigen Durststrecke ohne WM-Sieg.


Das Scheitern von 1982 und 1986 verstärkte den Eindruck, den europäischen Teams unterlegen zu sein. Der überwunden geglaubte "Straßenköter-Komplex" brach wieder auf. Geprägt wurde der Begriff vom brasilianischen Dramatiker Nelson Rodrigues (1912–1980). Dieser beschrieb den Fußball als Inszenierung mit tieferem Sinn und hob ab auf die Bedeutung des Fußballs in der Gesellschaft. Bei einer WM gehe es nicht nur um Sieg oder Niederlage. Es gehe um wesentlich mehr, nämlich um den Glauben an das Besondere brasilianischer Fähigkeiten und damit letztlich um das Selbstvertrauen der ganzen Nation. Das stetige Bewusstsein, in vielen Bereichen unterlegen zu sein, - münde so in der Empfindung eines Straßenköter-Daseins.

Zweifelsohne hat Brasilien allen Grund, auf seinen Fußball stolz zu sein. Es ist das einzige Land, dessen Auswahl bei allen Turnieren dabei gewesen ist. Von 17 Weltmeisterschaften gewann man fünf (1958, 1962, 1970, 1994, 2002). In diesem Jahr geht die Selecão zum wiederholten Mal als Favorit in ein WM-Turnier. Ob die Mannschaft mit dem Spitznamen "Os Canarinhos" ("Die Kanarienvögelchen") den sechsten Titel holt, liegt ganz allein bei ihr, denn schlagen können sie sich eigentlich nur selbst.

Novum: Titelverteidiger in der Qualifikation



Als erster Titelverteidiger musste Brasilien sich für die WM 2006 qualifizieren. Dabei ist der Modus in der Südamerikagruppe besonders hart, denn hier spielt innerhalb von zwei Jahren der ganze Fußballkontinent im Modus alle gegen alle, die WM-Qualifikanten aus. Brasilien schloss die Gruppe als Tabellenführer ab. Vor heimischem Publikum blieb man ungeschlagen, einzig Ecuador und Argentinien konnten die Seleção besiegen. Die 3:1-Abfuhr im "verhassten" Nachbarland Argentinien hat sicher heftiger geschmerzt als die Niederlage in Ecuador. Insgesamt spielten die Blaugelben jedoch souverän, gingen neun Mal als Sieger vom Platz und spielten sieben Mal unentschieden. In 18 Spielen traf man mit 35 Toren am häufigsten und wies gleichzeitig, gemeinsam mit Argentinien, die sicherste Abwehr auf (17 Gegentreffer).

Ronaldo, Spitzname "El Fenómeno", wurde mit zehn Treffern erfolgreichster Torjäger der Qualifikation. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass er zwischen Oktober 2004 und Oktober 2005 nicht einen Treffer für das Nationalteam erzielte.




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