zurück 
9.6.2006

Fußball als politisches Mittel zum guten Zweck

Hervé Tcheumeleu, Herausgeber Lo´Nam - Deutsch-afrikanisches Monatsmagazin

Kamerun, Nigeria oder Südafrika? Die großen Fußballnationen Afrikas fehlen diesmal bei der WM, so Hervé Tcheumeleu im Video-Interview. Für den kamerunischen Journalisten steht dennoch fest, dass sich etwas bewegt im afrikanischen Fußball mit der Teilnahme "kleinerer" Staaten wie Togo oder Angola.

Man weiß, dass etwa in der Elfenbeinküste Krieg herrscht. Aber nach der Qualifikation für die WM war das ganze Land geeint. ##popup_video:||options## Es gab keine Rebellen, keine Polizisten, usw. Es gab nur noch Ivoirer. Und das ist ganz, ganz wichtig. Afrika lebt vom Fußball. Fußball ist der größte Sport in Afrika. Wenn die Mannschaft der Elfenbeinküste spielt, sind die Straßen leer. Alle sind vor dem Fernseher. Und nach dem Sieg, da lebt das ganze Land auf.

Die afrikanischen Spieler, die in Europa spielen, gehören zu den Besten. Samuel Eto'o [aus Kamerun, Anm. d. Red.], der in Barcelona spielt, ist gegenwärtig der weltweit beste Torjäger. In der Weltrangliste gibt es einige afrikanische Mannschaften, die sogar vor Deutschland stehen. Vor sechs Monaten war Kamerun auf dem zwölften Platz in der Weltrangliste.


Man ist außerdem so überrascht, dass große Mannschaften nicht dabei sind: Kamerun, Nigeria, Südafrika, Ägypten – das sind die großen Namen in Afrika, aber die fehlen bei der WM. Da bewegt sich also etwas [im afrikanischen Fußball].

Es ist zwar sehr viel Geld vorhanden. Von der FIFA und von den Sponsoren kommt zum Beispiel sehr viel Geld. Das einzige, was schade dabei ist, dass diese Gelder nicht in die Infrastruktur investiert werden. Und die Landsleute fragen sich manchmal, wohin das ganze Geld aus dem Fußball geht. Das ist auch unsere einzige Sorge.

Redaktion: Marcus Pawelczyk
Kamera und Schnitt: Jovan Arsenic
Das Interview entstand auf dem Africafestival in Würzburg vom 25. bis 28. Mai 2006.

Hervé Tcheumeleu

Zur Person

Hervé Tcheumeleu

Hervé Tcheumeleu ist Herausgeber des deutsch-afrikanischen Monatsmagazins Lo´Nam. Die Zeitschrift fördert die Integration von Afrikanerinnen und Afrikanern in Deutschland.


Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln