zurück 
9.6.2006

Nationales Drama in Kamerun

Leopold Yemeli Tumene, Dolmetscher

Geht es um die Chancen der afrikanischen Fußball-Mannschaften während der WM, sieht Leopold Tumene die Elfenbeinküste als Favoriten. "Sie spielen auf hohem Niveau", und die meisten Spieler seien auch in ihren verschiedenen europäischen Klubs sehr erfolgreich.

Dass fünf Mannschaften bei der WM dabei sind, stärkt das Nationalbewusstsein von vielen Afrikanern in ihren Ländern. ##popup_video:||options## In den 53 Staaten Afrikas identifizieren sich alle mit jeder Mannschaft. Jeder Erfolg, jedes Tor, das geschossen wird, ist einfach eine Riesenfreude für den ganzen Kontinent. Wenn eine WM ausgestrahlt wird, ist die ganze Stadt, sind die ganzen Dörfer leer. Es gibt kein Taxi mehr, es ist niemand mehr auf der Straße. Alle sitzen vor dem Fernseher und erleben das einfach gemeinsam.

Der afrikanische Fußball hat sich in der letzten Zeit sehr verändert. Vor allem seit 1990, als Kamerun wirklich sehr erfolgreich bei der WM war. Seit diesem Zeitpunkt sind viele afrikanische Fußballer nach Europa gegangen und spielen – wie jeder weiß – in guten europäischen Klubs. Und wenn sie dann zurück kommen, in ihrer eigenen Mannschaft spielen, dann merkt man schon, dass das Niveau etwas höher ist.


Wenn es um die Chancen der afrikanischen Mannschaften bei der WM geht, kann ich zumindest eine Mannschaft nennen, die in Afrika der Favorit ist: Das ist die Mannschaft der Côte d'Ivoire, der Elfenbeinküste, die jetzt wieder Afrika-Meister waren. Sie spielen auf hohem Niveau, und die meisten Spieler sind auch in ihren verschiedenen europäischen Klubs sehr erfolgreich.

Sie kennen bestimmt den Didier Drogba von Chelsea, ein gefährlicher Torjäger. Dann gibt es in der Mannschaft der Elfenbeinküste noch den Touré, der bei Arsenal London spielt. Und in Togo haben wir den Adebayor, der auch sehr erfolgreich in seinem Klub spielt. Es gibt viele afrikanische Trainer, die mit ihrer Mannschaft sehr erfolgreich sind. Zum Beispiel war der gebürtige Südafrikaner Jomo Sono lange mit der südafrikanischen Mannschaft sehr erfolgreich. Kamerun wurde mit einem einheimischen Trainer Olympiasieger.

Die Tatsache, dass Kamerun nicht bei der WM dabei ist, stellt für uns ein nationales Drama dar – ich denke, auch für Afrika. Es gibt viele Afrikaner, die sich aufgrund der früheren Leistungen bei den vielen Weltmeisterschaften mit der Mannschaft aus Kamerun identifizieren. Man kann das nicht ersetzen. Auch für Samuel Eto, der jetzt beim FC Barcelona die Champions League gewonnen hat, war es immer nur eine halbe Freude, da er nicht bei der WM dabei ist. Und das ist auch das Gefühl, das viele Kameruner haben.

Redaktion: Marcus Pawelczyk
Kamera und Schnitt: Jovan Arsenic
Das Interview entstand auf dem Africafestival in Würzburg vom 25. bis 28. Mai 2006.

Leopold Yemeli Tumene

Zur Person

Leopold Yemeli Tumene

Leopold Yemeli Tumene war von 2002 bis 2004 erster Vereins-Vorsitzender der Kameruner im Saarland. Er studiert Übersetzen und Dolmetschen für Englisch, Deutsch und Französisch in Saarbrücken.


Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln