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27.4.2006

Presseschau vom 27.04.2006

Die Schwierigkeiten zwischen Fifa und Organisationskomitee und das angespannte Verhältnis von Joseph Blatter und Franz Beckenbauer beschäftigen die Sportpresse. Die Kommentatoren würdigen die Leistung Jens Lehmanns im Tor von Arsenal London, zweifeln aber echte Größe an. Frankreich ist geschockt, Zinedine Zidane will nach der WM mit dem Fußballspielen aufhören.

Die Schwierigkeiten zwischen Fifa und Organisationskomitee und das angespannte Verhältnis von Joseph Blatter und Franz Beckenbauer beschäftigen die Sportpresse. Die Kommentatoren würdigen die Leistung Jens Lehmanns im Tor von Arsenal London, zweifeln aber echte Größe an. Frankreich ist geschockt, Zinedine Zidane will nach der WM mit dem Fußballspielen aufhören.

Am Grünen Tisch



WM mit Fifa-Behinderung


Sehr lesenswert! Thomas Kistner (Süddeutsche Zeitung) leitet das belastete Verhältnis zwischen dem Fifa-Präsidenten Joseph Blatter und Fußball-Deutschland historisch her:

"Vorm WM-Anpfiff bahnt sich eine Zerreißprobe an. Beckenbauer und Blatter sind einander so zugetan wie Platzhirsche mit verkeilten Geweihen, es geht um alles: Wer kriegt ihn denn, den schönsten Platz an der Sonne? Der Sepp, der sogar die Allianz Arena umbauen ließ, damit sein Thron beim Eröffnungsspiel nach Cäsaren-Art auf Höhe der Mittellinie steht, oder Kaiser Franz, der zwar weniger bedeutende Ämter hat, aber deutlich höhere Sympathiewerte bei den Massen? Es dauerte Jahre, bis Beckenbauer Blatters Machtspiele durchschaute. Der hatte ihm einst sogar die Thronfolge in Aussicht gestellt; so sichert man sich Wohlverhalten. Nach seiner Wiederwahl 2002 ließ Blatter dann flott den Wahlmodus ändern: Anstatt wie bisher am Vorabend einer WM, wird nun im Jahr darauf gewählt. Das verhindert, dass im Juni in München ein neuer Fifa-Boss gekürt werden könnte – zum Beispiel ein Schwergewicht namens Beckenbauer, das sich in seiner Heimatstadt, aufgewertet durch die Rolle des WM-Gastgebers, zum Kandidaten aufschwingt. Dass Beckenbauer reges Interesse am Fifa-Hochamt hegte, sprach sich zum Europaverband Uefa herum, dessen Präsident, der Schwede Lennart Johansson, ihm 2005 ebenfalls die Nachfolge anbot. Beckenbauer flirtete auch mit diesem Amt, nun aber hat er offenbar genug von den Funktionären. Als Verbandschef müsste er ja auch seine einträglichen Werbegeschäfte aufgeben. Blatter aber witterte nicht nur in Beckenbauer einen gefährlichen Rivalen. An den Deutschen reibt sich der Schweizer besonders gern, die haben ihm schon viel Ärger beschert. Nicht nur wegen Leo Kirch, dem er einst die WM-Vemarktungsrechte für 2002/2006 zuschusterte und der dann mit seinem Bankrott 2002 auch die Fifa ins Trudeln brachte. Dazu kommt persönliches. Für die WM 1998, als Fifa-Pate Joao Havelange endlich abdankte und die Uefa dessen Adlatus verhindern wollte, war DFB-Chef Egidius Braun der starke Mann hinter Johansson, der gegen Blatter kandidierte. Nach der korruptionsumwitterten Wahl in Paris beklagte Braun offen 'Blatters schmutziges Spiel'. Der wiederum musste nun sein Wahlversprechen an Afrikas Delegierte einlösen: Er hatte ihnen die WM 2006 in Südafrika in Aussicht gestellt. So wurde das Votum zum Rückspiel für die Europäer um Braun und Johansson, die sich nicht noch einmal austricksen lassen und unbedingt die WM nach Deutschland holen wollten. Acht der zwölf Stimmen für die DFB-Bewerbung kamen aus Europa. Was nebenbei auch das blühende Medienmärchen widerlegt, dass Beckenbauer die WM geholt habe: Für die Voten aus Europa war er gar nicht zuständig.
Wieder hatten die Deutschen Blatter ins Handwerk gefunkt. Aber nun hatte er selbst den Hebel in der Hand: Der Fifa gehört die WM, im Marketing zog sie die Stellschrauben so stark an, dass das Land, die WM-Städte und das WM-OK selbst über den Regulierungswahn stöhnen. Doch das OK kuschte weiter, und die Fifa, die für sich und ihre Partner in Deutschland Befreiung von allen Steuern sowie von Visa-, Zoll- und Arbeitsbestimmungen herausschlug, wurde immer dreister. Der Verdacht, dass im WM-Land manches auch nur deshalb passiert, verdichtete sich, als die Fifa im Januar die Eröffnungsfeier in Berlin abblies, für die schon die Künstler präsentiert worden waren. (...) Das große deutsche Kuschen vorm Fußball-Sonnenkönig ist die Wurzel vielen Übels. Wohl nirgendwo auf der Welt werden die Fifa-Regeln in solch preußischem Gehorsam umgesetzt, Kritik schluckt man lieber herunter. Der Sepp braucht sich nicht zu sorgen, dass der Franz ausspricht, was im OK und anderswo längst feste Überzeugung ist: Dass in Deutschland eine WM mit Fifa-Behinderung stattfindet."
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Mit der Fifa legt sich niemand an


Peter Ehrlich (Financial Times Deutschland) beklagt die nicht-legitimierte Macht der Fifa in Deutschland im Jahr 2006:

"Die Politik kuscht auf allen Ebenen seit vielen Jahren vor der Fifa und macht sich angesichts der Macht des Verbands und der Popularität der WM nur wenig Gedanken, ob Grundprinzipien des Staates in Frage gestellt werden. Gegen die Fifa gibt es keine nennenswerte Opposition, keiner will Spielverderber sein. Auch Mitarbeiter der Regierung empfinden die Fifa als äußerst undurchsichtige Organisation, nicht einmal Vergleiche mit der Mafia werden gescheut. Die Fifa ist keine internationale Organisation mit demokratischer Legitimation, sie ist aber auch kein Unternehmen, das irgendeiner nationalen Aufsicht unterliegt. Eine kritische Überprüfung ihrer Bilanz ist kaum möglich. Sie verwaltet Milliardeneinnahmen, aber wenn sich Einzelne daran bereichern, dürfte das in vielen Fällen nicht einmal strafbar sein. Die Fifa gehört zu den Nichtregierungsorganisationen, aber ihre Macht ist ungleich größer als die von Greenpeace oder Oxfam. Mit der Fifa legt sich niemand an, schon gar nicht, wer eine WM ausrichten will. Vor allem die Städte, in denen die Spiele stattfinden, wurden unter Druck gesetzt. Sie sollten für ein Umfeld sorgen, in dem sich die Fifa und ihre Sponsoren wohl fühlen. Wer immer für werbe- und veranstaltungsfreie Zonen rund um die Stadien das Wort 'Bannmeile' in die Welt gesetzt hat – der Begriff zeigt sehr schön die Amtsanmaßung. Geschützt von staatlich bezahlter Polizei würde eine kaum legitimierte Organisation über Dinge bestimmen, für die sonst von Volksvertretern beaufsichtigte Ämter zuständig sind. (...) Trotzdem wird es die Fifa nicht schaffen, den Fußball im Kommerz untergehen zu lassen."

Portrait



Sind die Blauen erfolgreich, geht es Frankreich gut


Gerd Kröncke (Süddeutsche Zeitung) beschreibt die Beliebtheit Zinedine Zidanes in Frankreich, der seinen Rücktritt nach der WM angekündigt hat:
"Geld ist nie sein Antrieb gewesen, deshalb blieb er auch frei von der Vulgarität eines David Beckham. Selbst für die Armen in Castellane, einem Problemviertel am Rande von Marseille, wo er unter Menschen maghrebinischer Herkunft aufgewachsen ist, wo er das Kicken gelernt hat, ist er noch immer der Held. Und nachdem der Armenpriester Abbé Pierre sich verbeten hat, in die Liste der beliebtesten Franzosen aufgenommen zu werden, wählen sie regelmäßig Zidane an die Spitze. Oder auch mal den vormaligen Tennisspieler Yannick Noah. Dabei ist Zizou weniger flamboyant, nicht einmal witzig. Seine ungebrochene Popularität muss wohl damit zusammenhängen, dass der Fußball auch in Frankreich nationale Religion ist. Wenn die 'Blauen' erfolgreich sind, geht es der Nation gut. Nun, beim angekündigten Abschied, sind alle traurig. Nicht jede Generation hat einen Fußballer wie ihn spielen sehen. Dabei haben die Großen selten ihre Wurzeln in Frankreich. Michel Platini war Enkel italienischer Einwanderer, und in der Generation zuvor hatte Raymond Kopa neben dem französischen zunächst einen polnischen Pass. Keiner jedoch hat die Franzosen so verzaubert wie der Mann aus Marseille, der Sohn eines algerischen Vaters. (...) Nach dem Sieg im WM-Finale gegen Brasilien wäre Zidane von seinen Landsleuten, hätte er es nur gewollt, sofort in den Elysée gewählt worden. Sein Porträt wurde in jener Nacht des 12. Juli 1998 mit dem Slogan 'Zidane, Président' auf den Triumphbogen projiziert. Danach schien Frankreich für ein paar Jahre mit sich im Reinen zu sein. Die Mannschaft war Black-blanc-beur, schwarz, weiß und maghrebinisch wie die Gesellschaft. Nicht erst seit dem Aufstand der Vorstädte hat sich gezeigt, dass dieser Frieden trügerisch war."

Ein Nurejew auf Stollenschuhen


Christian Eichler (Frankfurter Allgemeine Zeitung) hofft auf einen letzten, kleinen Höhepunkt des Vergötterten:
"Bei der WM wird Zidane, der während des Turniers 34 Jahre alt wird, kaum noch an alte Frische und Klasse anknüpfen können. Aber vielleicht die WM-Blamage von 2002 ein wenig vergessen machen. Und vor allem mit einem großen Moment aufhören – und nicht mit dem kleinlichen Hickhack bei Real. Zidane war stets einer, der mit dem Ball am Fuß alles ändern konnte. Aber keiner, der mit Worten, Gesten oder autoritären Auftritten eine Elf oder gar einen Klub zu lenken verstand – er wollte es auch nie. Im französischen Team war der stille, höfliche Zidane die spielerische Leitfigur. Der innere Anführer war ein anderer, der ruppige Didier Deschamps. Auch die Aufgabe, Real Madrid wieder aus der Sackgasse des selbstgefälligen Starkultes zu führen, war nichts für ihn. Seit drei Jahren ist der berühmteste Klub der Welt ohne Titel, und Zidane mag nicht mehr. Geformt wurde er in einem jener Fußballinternate, die halb Europa nach dem französischen WM-Erfolg zu kopieren versuchte. Einen zweiten Zidane fand keiner. Einen, der in seinen großen Momenten die Anmutung der Schwerelosigkeit erreichte. Seine Übersicht, seine Pässe, seine Pirouetten. Zidane auf dem Gipfel, das war Ballett am Ball, ein Nurejew auf Stollenschuhen." Jan Christian Müller (Frankfurter Rundschau) ergänzt: "Dass er die große Bühne bald verlassen wird, stimmt wehmütig. Zidane hat Fußball zur Kunst erhoben wie vor ihm zuletzt Diego Armando Maradona. Kein Mensch wusste je, was Zidane im nächsten Moment mit dem Ball am Fuß anstellen würde. Er hat Räume geöffnet, die der moderne Fußball mit seinen ausgeklügelten Defensivkonzepten für immer geschlossen zu haben glaubte."
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Champions League



Kein Torwart dirigiert eine Abwehr


Nach dem 0:0 Arsenals in Villareal und dem parierten Elfmeter – Ronald Reng (Frankfurter Rundschau) hält Jens Lehmann, Deutschlands ehemalige Nummer 2, für überbewertet: "Wer Lehmann die acht Jahre lang zugesehen hat, wie er im Glauben, allein gegen die ganze Welt kämpfen zu müssen, gegen einige reale, aber gegen noch viel mehr eingebildete Widerstände anrannte, der bekam in Villarreal den Eindruck: Don Quijote kann die Windmühlen doch besiegen. Lehmann ist ein guter Torwart, gemessen an Erfahrung, Können und Form derzeit Deutschlands bester. Aber er wird nie ein Sepp Maier sein, ein Toni Schumacher; ein Oliver Kahn in der Form von 1999 bis 2002: Ein Torwart, der wie selbstverständlich Schüsse hält, die unhaltbar scheinen. Elfmeter zu halten, ist für Torhüter, Heldentum auf die schnelle Art zu erlangen. Der Unterschied ist der zwischen einem Sprinter, der die 100 Meter in 9,8 Sekunden läuft und einem, der sie in 10,0 bewältigt; der Unterschied zwischen absoluter Spitze und mit dabei in der Spitze. Lehmann hat weder die Sprungkraft noch die Reflexe für die Einmaligkeit. Vieles hat sich in der emotional diskutierten Torwartfrage der Nation verselbständigt, etwa die Ansicht, Lehmann sei ein so genannter moderner Torwart, der die Abwehr dirigiere. Kein Torwart dirigiert eine Abwehr – auch wenn es viele Torhüter selbst gerne glauben. Ein Torwart, der sich bei Fragen, wo sich die Verteidigung positionieren soll, zu sehr einmischt, nervt nur, wie Arsenals großartiger Abwehrorganisator Kolo Touré im Hinspiel gegen Villarreal zum Ausdruck brachte: Er schrie Lehmann an, endlich den Mund zu halten. Und was Lehmanns Drang angeht, den gesamten Strafraum zu seinem Revier zu machen: Er ist tatsächlich einer der besten bei Flanken, aber zu welchem Preis? Die besten Torhüter riskieren so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Lehmann verzockte sich zweimal, als er aus dem Tor stürmte, wo er niemals an den Ball kommen konnte. Es war vergessen, als er den Elfmeter hielt."
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Christian Eichler (Frankfurter Allgemeine Zeitung) hat Lehmann vor fünf Wochen, also vor Klinsmanns Torwartentscheidung, wegen seiner Strafraumspiels als fünfte Verteidiger seiner Mannschaft gepriesen:
"Riskant an Lehmanns Stil ist vor allem die Gefahr, als Torwart schlecht auszusehen. Wer auf der Linie klebt, macht optisch den besseren Eindruck, weil Paraden dort meist spektakulär aussehen und Gegentore unhaltbar. Wertvoller fürs Team ist oft der Torwart, der riskiert, auch mal schlecht auszusehen. In England schwimmt Lehmann auf der Welle der Anerkennung. Er hat die Ruhe und das Timing für das hohe englische Tempo gefunden."
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Zum selben Thema mehr in der nzz.ch:
Villarreal FC im Madrigal gegen Arsenal vom Glück verlassen

Sportliche Soirée


Felix Reidhaar (Neue Zürcher Zeitung) genießt das 0:0 zwischen Barcelona und dem AC Mailand:
"Die derzeit bestimmt besten, attraktivsten und beständigsten Vereinsmannschaften innert Wochenfrist im zweimaligen Vergleich, zuerst in der 'Scala des Fussballs', gestern im monumentalen Camp Nou: Was begehrt das Herz des Fussballenthusiasten noch mehr? Die klare 'Nacht' in der grössten Arena Europas reihte sich würdig in die paar hochstehenden Ausscheidungsspiele im Endstadium dieses Wettbewerbs – und dies trotz einem erneut torlos ausgegangenen Match. Es war ein aufwühlendes, spannendes, zuletzt dramatisches und ungemein schnelles, wechselvolles Spiel zwischen zwei Parteien mit zwar unterschiedlichen, aber beidseits in üppigem Mass vorhandenen Stärken, zwei vollkommen gleichwertigen Mannschaften. Eine sportliche Soirée, die gut zum Sommerbeginn passte, der Barceloner erstmals massenweise aus dem schweisstreibenden Strassen-Carré an die Strände in Hafennähe trieb. Milan war im Vergleich mit dem im Durchschnitt bedeutend jüngeren Barça-Team der Vorsprung an Erfahrung anzumerken, das Team schien ausgeglichener besetzt als der Widersacher und blieb bis zum Schlusspfiff gefährlich – den besseren Torchancen der Spanier zum Trotz. Jedenfalls hat der letztjährige Finalist dem Heimteam und seinem Publikum einigen Respekt abgerungen."
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Diese Elf hat einen Trainer


Ronald Reng (Financial Times Deutschland) macht die zurücknehmende Menschenführung Frank Rijkaards für den Erfolg und die Schönheit Barcelonas mitverantwortlich:
"Ein Trainer dürfe nur ihr Wegweiser, nie der Protagonist sein. Das ist für einen Trainer eine überraschende Aussage; vor allem in Zeiten, in denen Kollegen wie José Mourinho vom FC Chelsea den Ruf festigten, Trainer seien die neuen Superstars und ihre Spieler Schachfiguren. Doch Rijkaard macht es auf seine Art und er, nicht Mourinho oder sonst ein großer Schachspieler, hat die komplette Elf geschaffen: Barça, das aus Schönheit Erfolg macht, geht mit der Gewissheit ins Rückspiel des Halbfinales, auch taktisch jeden Gegner ausmanövrieren zu können. Eine Elf, die auf die Magie von Ronaldinho, Deco und Samuel Eto'o zurückgreifen kann, brauchte nicht mehr viel, aber doch diesen einen Impuls: Barcelonas neue Qualität, die Taktik variieren zu können, machte aus einer außergewöhnlich schönen eine unglaublich gute Elf. Die Freiheit der Spieler bleibt dabei Rijkaards Manifest. Sie dürfen und sollen ihrer Eingebung folgen. Aber in seinem dritten Jahr in Barcelona hat es Rijkaard geschafft, ihren Zauber in einen taktischen Rahmen zu stecken, ohne ihn zu zerquetschen. (...) Wenige Spitzentrainer trauen sich so menschlich mit ihren Spielern umzugehen wie Rijkaard. Die meisten glauben, es würde als Schwäche verstanden. Rijkaard stand bei der Meisterfeier 2005 vor 100.000 Fans, er sollte etwas sagen. Er sagte: 'Diese Feier gehört den Spielern' und verbeugte sich vor ihnen, tief wie ein Japaner. Dann ging er und setzte sich abseits in die Dunkelheit, um seiner Elf das Scheinwerferlicht zu überlassen. Wer schlüssig und menschlich handelt, braucht keine Machtgesten. Er hat natürliche Autorität. Er weiht aufnahmewillige Spieler wie Deco einzeln in die Taktik ein; absichtlich vor den Augen theoriefauler Kollegen wie Ronaldinho und Eto'o, die dann aus Eifersucht taktisch besonders bemüht spielen. Niemand kann mehr übersehen: Diese Elf hat einen Trainer."

Projekt



"Mein Gott, schon wieder ein Holländer!" Walter Haubrich (Frankfurter Allgemeine Zeitung) schildert, wie Rijkaard die anfänglichen Bedenken der Fans gegen ihn, den Nachfolger seines unbeliebten Landsmanns Louis van Gaal, entkräftet hat:
"Rijkaard hatte sich gleich zu Beginn seiner Trainerzeit durch ein konsequentes Offensivspiel bei den 110.000 Mitgliedern des FC Barcelona beliebt gemacht. Er sorgte sofort dafür, daß die Spiele wieder zu einem unterhaltsamen Spektakel wurden – doch nach der seit Jahrzehnten ersten Heimniederlage gegen Real Madrid mußte er kurz vor Weihnachten 2003 trotzdem um seinen Posten fürchten. Doch Vereinspräsident Laporta sah im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht mehr in Siegen gegen Real Madrid das höchste Ziel des katalanischen Fußballs. Er vertraute weiterhin in das Projekt Rijkaards, nach dem ein fürs Auge schöner Offensivfußball nach einiger Zeit auch Erfolge bringen kann. Und Rijkaard behielt recht. Derzeit gilt der FC Barcelona als das Team, das weltweit den schönsten Fußball spielt. Rijkaard nervt mit seiner langsamen Sprechweise viele spanische Fernsehzuschauer, hat allerdings mit seiner bedächtigen und ausgeglichenen Art Ruhe unter die Spieler des FC Barcelona gebracht. Selbst die Rotation in den Aufstellungen während der langen Spielzeit mit drei Wettbewerben wird akzeptiert. (...) Auf längere Frist schließt Rijkaard dagegen nicht aus, noch einmal die holländische Nationalmannschaft zu trainieren, die er von 1998 bis zur EM 2000 schon einmal betreut hatte. Auf den Ramblas werden sie dann einem vielleicht hinterhertrauern, den sie erst gar nicht haben wollten."

Berliner Zeitung: Interview mit Alexandre Guimarães, dem Nationaltrainer Costa Ricas

freistoss des tages



Heute von taz.de Christoph Biermann über die - retrospektiv gesehen - schier unglaubliche Ahnungslosigkeit eines Fußballfans anno 1981.

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