zurück 
30.3.2009

Seen und Feuchtgebiete

Seen und Feuchtgebiete übernehmen wichtige Grundfunktionen für unsere Ökosysteme, dabei reagieren sie selbst empfindlich auf Veränderungen. Wodurch sind sie charakterisiert und was gefährdet sie?

Wasserfrösche paaren sich in einem Teich mit Seerosenblättern. (© AP)


Seen und Feuchtgebiete sind vom Wasser geprägte Lebensräume, die weltweit in einer großen Vielfalt verbreitet sind und besondere Bedeutung für den Naturhaushalt besitzen.

Die weitaus meisten Seen in Deutschland entstanden während und durch die Eiszeit, als zum Beispiel Gletscherzungen das Gelände ausschürften, oder durch den Schmelzwasserabfluss Senken in der Landschaft entstanden. Von den 10.000 Jahre alten Glazialseen sind heute nur noch etwa 50 Prozent erhalten. Die übrigen sind meist natürlich verlandet oder bei Entwässerungsmaßnahmen der Landwirtschaft ausgetrocknet worden. Eine andere Entstehungsgeschichte haben tektonische Seen wie der Baikalsee, vulkanische Seen wie die Maare der Eifel oder Einbruchseen über Salzstöcken wie der Arendsee in der Altmark. Eine Vielzahl von Seen sind darüber hinaus künstlichen Ursprungs, wie Talsperren, Seen in Tagebaulöchern oder Mühlstaue und Fischteiche, die oft schon seit dem Mittelalter existieren.


Die Ökologie von Seen



Für die ökologische Charakteristik eines Sees sind in erster Linie eine Reihe von abiotischen Faktoren ausschlaggebend. Dazu gehört neben den regionalen Klimabedingungen zunächst die Form des Sees, insbesondere seine Tiefe. Von ihr ist das Schichtungsverhalten des Sees abhängig. Während in flachen Seen der gesamte Wasserkörper durch den Wind ganzjährig durchmischt wird und relativ gleichmäßige Temperaturen herrschen, stellt sich in tieferen Seen im Sommer eine stabile Schichtung des Wassers ein: Vier Grad Celsius kaltes Wasser stellt die Tiefenschicht dar, oberhalb der, nach einer sogenannten Sprungschicht, eine bis zur Seeoberfläche reichende warme Schicht lagert.

Eine wichtige Unterscheidung von Seetypen wird nach der Menge des Nährstoffangebots, der Trophie, vorgenommen. Man unterscheidet oligotroph (nährstoffarm), mesotroph (mittleres Nährstoffangebot), eutroph (nährstoffreich), polytroph (sehr nährstoffreich) und hypertroph (extrem nährstoffreich).

Für die pflanzliche Produktion ist neben dem Nährstoffangebot das Lichtklima ausschlaggebend, wie tief das Licht also ins Wasser vordringen kann. Um einen See zu charakterisieren sind weiterhin die Verweilzeit, also die Wasseraustauschzeit, und die Größe des Einzugsgebiets von Bedeutung. Auch die Art des Zu- und Abstroms, ob der See zum Beispiel grundwassergespeist ist oder über einen oberirdischen Abfluss verfügt, spielt eine Rolle.


Lebenszyklus und Entwicklung



Seen sind einem natürlichen Alterungsprozess unterworfen, der in Richtung auf ihre Verlandung verläuft. Dies geschieht, in Abhängigkeit vor allem vom Nährstoffangebot, in sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit. Seen sind Stoffsenken, das heißt, sie sammeln mehr Einträge an, als Stoffe das System verlassen. Damit sind Seen – wie auch Moore – gewissermaßen das Gedächtnis der Landschaft: In ihren Sedimenten lagern sich die Einträge aus dem Einzugsgebiet und organische Reste aus dem See in Schichten ab.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel hierfür ist der Laacher Seetuff: Nach dem Ausbruch eines Vulkans in der Eifel vor 13.000 Jahren breitete sich eine Staubwolke weit nach Nordosten aus und legte sich über die Landschaft. Heute kann daher in ganz Nordostdeutschland bis ins südöstliche Schweden in jedem See eine ein bis mehrere Zentimeter dicke Staubschicht in den Sedimenten erbohrt werden. Diese bietet auch einen Anhaltspunkt für die Datierung der Sedimente.

Vielfalt der Lebensgemeinschaften



Am Anfang des Nahrungsnetzes in einem See steht das im Freiwasser schwebende oder als Aufwuchs auf größeren Pflanzen und Steinen haftende Phytoplankton (Algen). Demgegenüber bilden die planktischen Tiere das Zooplankton, das wiederum die Nahrungsgrundlage für planktonfressende Fische darstellt. Weitere wichtige Organismengruppen sind die am Seegrund lebende sogenannte benthische Wirbellosenfauna sowie die Makrophyten, die größeren Pflanzen, zu denen höhere Pflanzen und Armleuchteralgen gehören. In den Uferbereichen der Seen reicht die Röhrichtzone bis ans Land, anschließend folgen die Schwimmblattzone und die Laichkrautzone. Diese drei bilden zusammen das "Gelege", das insbesondere als Laich- und Aufwuchsbereich für Fische und Amphibien sowie für Wasservögel von großer Bedeutung ist.

Gefährdung der Seeökologie



Eine der wichtigsten Gefährdungsursachen von Seen ist der durch menschliche Aktivitäten verstärkte Nährstoffeintrag, die Eutrophierung, die einen See quasi im Zeitraffertempo altern lässt. Hauptursachen sind unzureichend gereinigte kommunale Abwässer und überschüssige Nährstoffe (Düngemittel) aus der intensiven Landwirtschaft. Das erhöhte Nährstoffangebot führt zu einer gesteigerten pflanzlichen Produktion, die im Falle sogenannter Algenblüten zum "Umkippen" eines Sees führen kann: Bei der Massenvermehrung von Algen in der obersten Wasserschicht werden die übrigen Pflanzen beschattet und wachsen nur noch vermindert, somit wird die Sauerstoffabgabe in tiefere Wasserschichten unterbunden.

Die abgestorbenen Algen sinken zum Gewässergrund, die Abbauprozesse zehren den Sauerstoff auf und es kommt zur Bildung von Faulschlamm. Besonders problematisch ist, dass einmal zugeführte Nährstoffe (vor allem Phosphor) aus dem Seesediment erneut gelöst werden und der Nahrungskette im See erneut zur Verfügung stehen. Daneben gefährdet auch der Verbau der Ufer die Seenökosysteme.

Grenzübergreifende Schutzmaßnahmen



Zu den wichtigsten Ansätzen, Seen effizient zu schützen, gehört die Verhinderung eines zu hohen Nährstoffeintrags. Dabei spielt die Behandlung kommunaler Abwässer, die zum Teil über Ringkanalisationen von mehreren See-Anrainern gesammelt werden, eine zentrale Rolle. Darüber hinaus sind viele Seen bereits Teil des europäischen Schutzgebietssystems Natura 2000. Die Wasserrahmenrichtlinie formuliert die ambitionierte Zielstellung, dass die Seen in der EU bis zum Jahr 2015 einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreichen sollen, der nur geringfügig von einem natürlichen Referenzzustand abweicht.

Die Vielfalt an Feuchtgebieten



Unter Feuchtgebieten versteht man eine große Bandbreite unterschiedlicher, maßgeblich vom Wasser geprägter Lebensräume. Sie reicht vom nährstoffreichen, hochproduktiven Marschland an den Küsten bis hin zu sehr nährstoffarmen, nur vom Regenwasser gespeisten Hochmooren in den Gebirgen. Eine sehr weitgehende Definition des Begriffs Feuchtgebiete liefert die Ramsar-Konvention, ein wichtiges internationales Abkommen über Feuchtgebiete: "Feuchtwiesen, Moor- und Sumpfgebiete oder Gewässer, die natürlich oder künstlich, dauernd oder zeitweilig, stehend oder fließend, Süß-, Brack- oder Salzwasser sind, einschließlich solcher Meeresgebiete, die eine Tiefe von sechs Metern bei Niedrigwasser nicht übersteigen."

Wichtige Funktionen


(© AP)


Ihre ökologische Bedeutung erlangen die Feuchtgebiete durch ihre hohe Produktivität bei der Erzeugung pflanzlicher Biomasse (die nährstoffarmen Hochmoore ausgenommen) und ihre große Artenvielfalt. Derartige Regionen machen etwa sechs Prozent der Landoberfläche der Erde aus. Feuchtgebiete sind wichtige Rast- und Überwinterungsplätze vieler Zugvogelarten, vor allem von Wat- und Wasservögeln. Zu den Funktionen von Feuchtgebieten im Naturhaushalt gehören Wasserspeicherung und Grundwasseranreicherung, Wasserreinigung und die Nähr- Schad- und Sinkstoffrückhaltung. Die Gebiete schützen Flussufer, verhindern Bodenerosion und tragen auch zur Stabilisierung der örtlichen Klimabedingungen bei.

Eine besondere ökologische Bedeutung kommt den Bach- und Flussauen zu. Auen sind die Überschwemmungsbereiche der Fließgewässer, die in unterschiedlicher Häufigkeit und Dauer von Wasser überflutet sind. Sie umfassen ein buntes Mosaik an verschiedenen feuchten, zum Teil aber auch sehr trockenen Lebensräumen. Da sie die Landschaft wie ein Adernsystem durchziehen, sind die Auen wichtige Ausbreitungskorridore und Rückzugsareale für eine immense Anzahl von Tier- und Pflanzenarten. Ihre größten Teile sind jedoch heute durch Deiche vom Überflutungsregime der Flüsse abgeschnitten. Die Quervernetzung zwischen dem Fluss und den unterschiedlichen Auenlebensräumen, die vor allem für viele Fischarten von entscheidender Bedeutung ist, ist dadurch dauerhaft unterbunden. An der Elbe etwa werden heute nur noch 20 Prozent der ursprünglich vorhandenen Auen überflutet.

Spezieller Fall: Moore



Einen eigenen Typus von Feuchtgebieten stellen die Moore dar. Moore sind nasse terrestrische Lebensräume, in denen eine nur unvollständige Zersetzung des abgestorbenen Pflanzenmaterials stattfindet. Unter Wassersättigung kommt es zu einer ständigen Akkumulation von Torf, die das Moor allmählich wachsen lässt. Eine hauptsächliche Unterscheidung wird zwischen grundwassergespeisten, mehr oder weniger nährstoffreichen Niedermooren und regengespeisten, nährstoffarmen Hochmooren getroffen. Hochmoore, deren Vegetation in erster Linie aus Torfmoosen besteht, haben keinen Kontakt zum Grundwasser und wachsen mit ihrem Wasserkörper pfannkuchenartig in die Höhe.

Besonders gefährdet und schützenswert



Feuchtgebiete gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen der Erde. Zu großen Anteilen sind sie bereits durch Entwässerung zerstört worden, insbesondere in Westeuropa und den USA. Dort wird der Anteil der seit dem Ende des 18. Jahrhunderts verloren gegangenen Gebiete auf 53 Prozent geschätzt (Alaska ausgenommen), im besonders betroffenen Kalifornien sogar auf über 91 Prozent.

Aufgrund ihrer Bedeutung und Gefährdung stehen Feuchtgebiete unter besonderem Schutz. In Deutschland gehören sie zu den gesetzlich geschützten Biotopen und spielen auf europäischer Ebene eine wichtige Rolle im Schutzgebietssystem Natura 2000. Auch in der Wasserrahmenrichtlinie der EU zählt der Erhalt beziehungsweise die Verbesserung des Zustands der Feuchtgebiete zu den Zielen. Unter der Ramsar-Konvention sind Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung unter Schutz gestellt.


Literatur und Links



Schwoerbel, Jürgen und Brendelberger, Heinz: Einführung in die Limnologie. 9. Auflage, Heidelberg 2005.

Frimmel, Fritz H. (Hrsg.): Wasser und Gewässer. Ein Handbuch. Stuttgart, 1999.

www.wikipedia.de, Stichworte See, Feuchtgebiet, Moor
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

Michael Bender, Tobias Schäfer

Zur Person

Michael Bender

Michael Bender, leitet seit 1998 die Bundeskontaktstelle Wasser des Umweltverbands GRÜNE LIGA e.V. und ist seit 2001 Koordinator des AK Wasser im Forum Umwelt und Entwicklung. Seine Arbeitsschwerpunkte sind u.a. europäische Gewässerschutzpolitik, Wasserstraßenausbau sowie internationale Wasserthemen.


Zur Person

Tobias Schäfer

Tobias Schäfer, Mitarbeiter in der GRÜNE LIGA Bundeskontaktstelle Wasser und Koordinator der AG Wasserrahmenrichtlinie der Brandenburger Umweltverbände. Seine Arbeitsschwerpunkte sind u.a. europäische Gewässerschutzpolitik, Gewässerschutz im Land Brandenburg sowie Grundwasserschutz.


Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln