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30.3.2009

Altlasten

Böden unter stillgelegten Industrieanlagen und wilden Müllkippen können mit Schadstoffen belastet sein. Um diese Böden und das Grundwasser wieder nutzbar zu machen, sind im Einzelfall umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich.

Mülldeponie (© AP)


In den 1980er-Jahren wurde ein Umweltproblem von großer Tragweite erkannt: Belastungen und Veränderungen des Bodens und des Grundwassers, die in der Vergangenheit durch Schadstoffeinträge aus Betriebsstätten und Ablagerungen hervorgerufen wurden. Daraus wurde von der Umweltpolitik insbesondere die Forderung abgeleitet, Schäden zu begegnen, die durch Bodenbelastungen früherer Zeit entstanden sind. Entsprechende gesetzliche Regelungen zum Umgang mit Altlasten sind Bestandteil der heutigen Umweltgesetzgebung. Im Gegensatz zur vorbeugenden Umweltgesetzgebung ist der Altlastenbereich darauf gerichtet, "Umweltsünden" aus der Vergangenheit aufzuarbeiten.

Was sind Altlasten?



Bei Altlasten handelt es sich um so genannte Altablagerungen und Altstandorte, durch die schädliche Bodenveränderungen oder sonstige Gefahren für den Einzelnen oder die Allgemeinheit hervorgerufen werden.


Altablagerungen sind stillgelegte Abfallbeseitigungsanlagen sowie sonstige Grundstücke, auf denen Abfälle behandelt, gelagert oder abgelagert worden sind. Bevor das Abfallrecht in Kraft trat, entstanden viele "wilde Müllkippen", und die Deponien aus dieser Zeit waren in der Regel nicht abgedichtet. So konnten sich Schadstoffe unkontrolliert verlagern. Dagegen werden nach den heutigen Regelungen Deponien so errichtet und betrieben, dass keine Gefahren von ihnen ausgehen.

Abb. 1: Beispiel für einen Altstandort 1990. Foto: LANUV

Altstandorte wiederum sind Grundstücke stillgelegter Anlagen und sonstige Grundstücke, auf denen mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen worden ist (Abb. 1), zum Beispiel Zechen- und Kokereigelände.

Aufgrund der Vornutzung eines Altstandortes oder einer Altablagerung kann ein Verdacht aufkommen, dass der Boden durch Schadstoffe belastet wurde und Gefahren für den einzelnen oder die Allgemeinheit ausgehen können. Solche Flächen gelten als altlastverdächtige Flächen. Durch weitergehende Untersuchungen im Rahmen einer Gefährdungsabschätzung kann dieser Verdacht ausgeräumt werden oder sich so weit verdichten, dass die betreffende Fläche als Altlast einzustufen ist.

Welche Gefahren können von Altlasten ausgehen?



Menschen, Tiere und Pflanzen können Schadstoffe aus Altlasten über den Boden, das Wasser, Nutzpflanzen, Nahrung oder aus der Luft aufnehmen und dadurch geschädigt werden. In der Altlastenbearbeitung hat die Abwehr von Gefahren für Menschen Vorrang. Die Gesundheit des Menschen kann von Altlasten unmittelbar (etwa durch Direktkontakt mit kontaminiertem Erdreich) oder mittelbar über belastetes Grundwasser oder belastete Produkte aus Garten und Landwirtschaft bedroht werden. Deponiegase oder kontaminierte Bodenluft können Mauerwerke durchdringen, sich in Räumen ansammeln und dort explosive Konzentrationen erreichen.

Allerdings stellt das bloße Vorhandensein von Schadstoffen im Boden noch kein Risiko dar. Um zu beurteilen, ob ein Risiko gegeben ist, sind vor allem folgende Fragen zu klären: Überlegungen und Untersuchungen zur Frage, welche Gefahren von einer konkreten Altlast ausgehen, sind einzelfallabhängig im Rahmen einer Gefährdungsabschätzung durchzuführen. Die Anhänge 1 und 2 der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) enthalten Vorgaben zur Untersuchung sowie Bewertungsmaßstäbe für die unterschiedlichen Wirkungspfade und Nutzungen.

Umgang mit der Altlastenproblematik



Erste landesrechtliche Regelungen zu Altlasten wurden beispielsweise in Nordrhein-Westfalen bereits 1988 erlassen. Dagegen sind die bundesrechtlichen Grundlagen für die Bereiche Bodenschutz und Altlasten mit bundeseinheitlichen Beurteilungsmaßstäben vergleichsweise jung und erst mit dem Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) 1998 in Kraft getreten.

Abb. 3: Sanierung einer Schadstoffquelle durch Bodenaushub

In der überwiegenden Zahl der Altlasten ist der Wirkungspfad Boden-Grundwasser betroffen. In vielen Fällen besteht daher Sanierungsbedarf für die gesättigte Bodenzone und das Grundwasser. Meist wird das Grundwasser gehoben und anschließend behandelt ("pump-and-treat", hydraulische Maßnahmen). Dabei ist zwischen hydraulischer Sicherung und Dekontamination der gesättigten Bodenzone zu unterscheiden. Bei hydraulischer Sicherung wird verhindert, dass sich belastetes Grundwassers mit der Schadstofffahne ausbreitet. Dazu wird belastetes Grundwasser aus der Spitze der Schadstofffahne gefördert, um es anschließend zu behandeln, während die Schadstoffquelle unbehandelt bleibt. So ergeben sich mitunter lange Sanierungszeiträume mit entsprechend hohen Betriebskosten. Wird eine Schadstoffquelle saniert (Abb. 3), kann dagegen der Aufwand einer Grundwassersanierung erheblich reduziert werden.

Zurzeit werden verstärkt so genannte "In-situ-Verfahren" in der gesättigten Zone auch zur Sanierung der Schadstoffquelle diskutiert und in ersten Fällen bereits eingesetzt. Dabei handelt es sich um Verfahren, mit deren Hilfe Verunreinigungen direkt im Untergrund biologisch, chemisch oder physikalisch behandelt werden, um sie aus dem Boden oder Grundwasser zu entfernen, in unschädliche Stoffe umzuwandeln oder zu verhindern, dass sie sich ausbreiten. Unter bestimmten Randbedingungen können Schadstoffe im Grundwasser ohne menschliches Eingreifen durch natürliche Prozesse wie biologischen Abbau, chemische Transformation oder Verflüchtigung vermindert werden. Im Einzelfall kann dies eine Sanierung verzichtbar machen. In diesem Fall muss nachgewiesen sein, dass die Prozesse unumkehrbar sind, keine akuten Gefahren bestehen und eine Sanierung unverhältnismäßig ist. Außerdem müssen die Schadstoffminderungsprozesse kontinuierlich überwacht werden.

Viele Altlasten, insbesondere Altablagerungen, lassen sich aus technischen Gründen und aus Gründen der Verhältnismäßigkeit nicht dekontaminieren und werden durch eine Sicherungsmaßnahme saniert. Das BBodSchG betrachtet Dekontaminationsverfahren und Sicherungsverfahren als gleichwertig.
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Stefan Schroers

Zur Person

Stefan Schroers

Geb. 1967, ist als Dipl.-Ingenieur und Dipl.-Umweltwissenschaftler in den Bereichen Bodenschutz und Altlasten im Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen tätig. Arbeitsschwerpunkt ist der Bereich Altlastensanierung.


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