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18.1.2017

Emmanuel Macron

En marche

Emmanuel Macron hat sich vorgenommen, die politische Landschaft in Frankreich umzukrempeln und festgefahrene Strukturen zu überwinden. Der ehemalige Wirtschaftsminister gilt überdies als überzeugter Europäer. Doch kann er ohne ausgereiftes Programm im Präsidentschaftswahlkampf bestehen?

Emmanuel Macron hält im Rahmen des Präsidentschaftswahlkampfs eine Rede in Paris. Mit seiner Bewegung "En Marche" möchte der ehemalige Wirtschaftsminister die französische Politik neu beleben. (© picture alliance/ AA)


Der "Enarch", der nicht zur politischen Elite gehören will



Von "Wunderkind der Politik" bis "Mozart im Elysée" – die Bezeichnungen für Emmanuel Macron, ehemaliger Wirtschaftsminister unter der Regierung Hollande, sind so kreativ wie zahlreich. Nach der Gründung der politischen Bewegung "En Marche" im April 2016, kündigte er im November 2016 seine Präsidentschaftskandidatur an.

Sein Werdegang



Nach dem Studium der Philosophie absolvierte er die Kaderschmiede ENA. Danach arbeitete er für vier Jahre in der Generalinspektion für Finanzen. 2008 folgte eine Karriere als Investmentbanker bei der Rothschild-Bank. Unter Hollande trat er 2012 die Position als stellvertretender Generalsekretär des Präsidentenamtes im Elysée-Palast an. 2014 folgte die Ernennung zum Minister für Industrie, Wirtschaft und Digitales. Im August 2016 trat er vom Amt des Wirtschaftsministers zurück.

Die Bewegung



Macron beendete seine Mitgliedschaft in der Parti Socialiste im Jahr 2009. Er hält das Lagerdenken in rechts und links für überholt. Mit seiner Bewegung "En Marche" will er diese Spaltung überwinden. Er möchte die verkrusteten politischen Strukturen, die seiner Meinung nach Entwicklungen und Fortschritt blockieren, mit seiner Bewegung aufbrechen. "Faire de la politique" (dt. Politik machen) soll nicht ein Beruf sein, sondern ein zeitlich begrenztes Engagement. So will er mit allen, die seine Ansicht teilen, eine Erneuerung der politischen Landschaft anstoßen.

Sein Programm



Ein Programm hat die Bewegung "En Marche" (noch) nicht. Mit seinem liberalen Wirtschaftskurs machte Macron sich als Wirtschaftsminister im linken Lager der Sozialisten keine Freunde. Auch dass er die 35-Stunden-Woche in Frage stellte, rief Kritik hervor. Er sieht die Arbeit als Wert an sich an. Als eine Möglichkeit, um sich zu emanzipieren und das zu werden, was man sein möchte.

Macron spricht sich gegen jede Art von Diskriminierung aus, ob aufgrund von Herkunft oder Religion. Frankreich vergeude seine Potenziale, wenn junge, vermeintlich muslimische Menschen mit arabisch klingenden Nachnamen nicht zu Bewerbungsgesprächen eingeladen würden. Alle Menschen sollen die gleichen Chancen haben im Zugang zu Bildung, Ausbildung und Arbeit.

Außerdem ist Emmanuel Macron ein bekennender Pro-Europäer. Mit einem wiederbelebten europäischen Projekt könne Frankreich die Globalisierung für sich nutzen und davon profitieren. Er fordert eine stärkere europäische Integration in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung, Energiewende und Digitales. Allen voran soll "le couple franco-allemand" diese Integration mit anderen bereitwilligen Staaten vorantreiben. Vor der Idee einer EU der zwei Geschwindigkeiten schreckt er nicht zurück.

Stephanie Reuter

Zur Person

Stephanie Reuter

Stephanie Reuter ist Projektassistentin im Programm Frankreich/deutsch-französische Beziehungen der DGAP und zuständig für den Deutsch-französischen Zukunftsdialog.


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