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2.7.2013

Von Sammlern und Suchern: Wie Edutags das Organisieren von Lehr-Lern-Materialien erleichtern will

Es gibt so viele Lehrmaterialen im Netz - nur finden muss man sie: Edutags wollen Abhilfe schaffen. Im Gespräch erklären die Macher des Social-Bookmarking-Dienstes Edutags, Richard Heinen und Ingo Blees, wie sie versteckte Schätze heben und die Suche verfeinern.

(flickr/opensourceway) Lizenz: cc by-sa/2.0/de


Dieser Artikel wurde erstmals am 02.07.2013 auf pb21.de veröffentlicht. Der Autor des ursprünglichen Artikels ist Matthias Andrasch.

Im Internet findet sich eine Vielzahl an Bildungsmaterialien, die eigentlich nur darauf warten, von Lehrkräften benutzt zu werden. Sie sind jedoch meist auf mehreren Portalen oder privaten Webseiten verstreut. Wie findet und organisiert man diese Inhalte also komfortabel? Das Projekt edutags gibt darauf eine einfache Antwort: "Am besten gemeinsam!"

Das Grundprinzip hinter edutags nennt sich "Social Bookmarking". "Social Bookmarking"-Dienste erlauben es Benutzern, Lesezeichen von Webseiten anzulegen und diese Lesezeichen für andere Personen verfügbar zu machen. Lesezeichen, die vorher nur lokal im Browser gespeichert wurden, werden nun mit sozialen Funktionen versehen: Die Benutzer können öffentliche Lesezeichen mit Tags verknüpfen, Kommentare hinzufügen oder Gruppen gründen. Doch wieso ist ein weiterer Dienst notwendig, wenn populäre und z.T. kostenfreie Dienste wie delicious, Mister Wong oder diigo existieren?

Projektleiter Richard Heinen beantwortet dies wie folgt: "Wir haben 2010 eine kleine Untersuchung durchgeführt, um zu schauen, wie gut unterrichtsspezifisches Material in den etablierten Bookmarking-Diensten auffindbar ist. Dabei haben wir schnell festgestellt, dass die Ausbeute bei deutschsprachigen Suchanfragen eher gering ist im Vergleich zu englischsprachigen Inhalten. Des Weiteren ist ein steigender Bedarf an Lehr-Lern-Materialien im Internet zu verzeichnen. Allerdings ist die Bereitschaft von Lehrkräften ihre eigenen Inhalte zu veröffentlichen vergleichsweise gering, was verschiedene Ursachen hat. Portale wie ZUM, 4Teachers oder Lehrer-Online zeigen ja, dass es durchaus Lehrkräfte gibt, die ihre eigenen Materialien zur Verfügung stellen. Derzeit handelt es sich hier aber noch um einen kleinen Teil der Lehrkräfte in Deutschland. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, dass edutags stattdessen die Inhalte teilbar machen, die Lehrkräfte gefunden und für die eigene Vorbereitung genutzt haben." Projektmitarbeiter Ingo Blees ergänzt einen weiteren Vorteil gegenüber etablierten Diensten: "Als nichtkommerzielles Kooperationsprojekt des Deutschen Bildungsservers und des Learning Labs der Universität Duisburg-Essenmüssen Lehrkräfte keine Befürchtungen haben, dass ihre Nutzerdaten kommerziell weiterverwertet beziehungsweise missbraucht werden."

Edutags wurden zur Bildungsmesse 2011 offiziell vorgestellt. Besucht man die Startseite, so fällt sofort die große "Tag-Wolke" ins Auge. Je häufiger ein Schlüsselwort benutzt wird, desto größer ist es dargestellt. Und auf der Startseite ist nur ein Bruchteil aller Tags zu sehen. Ein Klick auf "weitere Tags" offenbart den riesigen Umfang an Tags, den die Benutzer in den vergangenen Jahren Projektlaufzeit kollaborativ erschaffen haben. An dieser Stelle wird das große Potential deutlich, über das Social Boomarking verfügt. Anstatt von Anfang an starre Kategorien vorzugeben, entscheidet die Lehrkraft selbst, welche Tags von Relevanz sind. Existiert ein Schlüsselwort noch nicht im System, kann es unkompliziert durch die Lehrkraft ergänzt werden.

Mit der "Suche verfeinern"-Funktion von edutags kann die Suche flexibel spezifiziert werden. Zu jedem Schlüsselwort werden kontextbezogene Schlüsselwörter angezeigt. Dies erleichtert die Suche nach Ressourcen.

Inzwischen bewegt sich der Dienst auf 4.000 registrierte Benutzer zu: "Aktuell sind circa 18.000 Lesezeichen eingetragen und wir verzeichnen eine kontinuierlich steigende Nutzungsfrequenz", so Heinen. "Bei der Art der Nutzung gibt es diese berühmten 2 bis 5 Prozent der Nutzer, die aktiv Inhalte eintragen. Der Großteil verwendet edutags hauptsächlich für das Suchen von Inhalten", stellt Ingo Blees fest. Diese Verteilung von "produzierenden" und eher "konsumierenden" Nutzer ist in Zeiten von Web 2.0 nicht ungewöhnlich. So finden sich ähnliche Verteilungen bei Wikipedia, YouTube oder dem Kurznachrichten-Dienst Twitter. Nichtdestotrotz ist es für edutags wichtig, dass viele Lehrkräfte auch Lesezeichen anlegen, um so das Gesamtangebot an qualitativen Inhalten zu erhöhen.

Ingo Blees sieht die größte Hürde in einer Habitusänderung: "Es ist einfach eine Umstellung der eigenen Arbeitsweise. Bevor es Social Bookmarking gab, hat man seine Lesezeichen nur lokal im Browser oder eben in Text-Dokumenten verwaltet. Wir haben schon früh in der Gründungsphase des Projekts begonnen, in Workshops Feedback zur Bedienbarkeit einzuholen, um das Eintragen so intuitiv und unkompliziert wie möglich zu gestalten. Mit unserem Bookmarklet kann man Seiten mit nur einem Klick direkt im Browser eintragen und auch bei der Vergabe der Tags greifen wir dem Benutzer mit einer Auto-Vervollständigung unter die Arme."

Bookmarklet

Ein Bookmarklet ist ein Lesezeichen, welches im Browser gespeichert werden kann und mit Hilfe von Javascript Funktionen auf der derzeit besuchten Webseite ausführt. Mit dem Bookmarklet von edutags ist es beispielsweise möglich Webseiten in edutags abzuspeichern ohne die Seite von edutags direkt zu besuchen. Wie das genau funktioniert können Sie im edutags-Screencast Was ist ein Bookmarklet? erfahren.


Dieser Artikel wurde erstmals am 02.07.2013 auf pb21.de veröffentlicht. Textliche Anpassungen für die Bundeszentrale für politische Bildung: Jaana Müller.
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by/3.0Autor: Matthias Andrasch für pb21. Bearbeitet: Janaa Müller (Formatierung, Kürzung)
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